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The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen...

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The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Beitragvon Alexander » 23.11.2014 14:50

Vor einigen Monaten ereignete sich ein Zwischenfall, der es mir nicht mehr erlaubte in meine Traumdestination Ägypten zu reisen. Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in den verschiedenen Ländern gab es kaum noch Alternativen, die eine Reise in die Wüste ermöglichten. Ich fand mich schon damit ab, einen Urlaub im Grünen zu verbringen. Indien oder Nepal standen schon immer auf meiner Agenda. Früher oder später würde ich diese Länder besuchen. Von verschiedenen Seiten wurde ich gefragt: Warum fährst du nicht in den Oman? Es gibt dort Dünen ohne Ende und die Menschen sind so freundlich wie kaum in einem anderen Land. Also warum nicht in den Oman?

Hier im Forum hatte ich schon viel über die Rub al Khali, dem "Leeren Viertel" gelesen. Die Wüstenbilder überzeugten mich dann vollkommen. Ich buchte einen Flug in den Oman. Und das ist die Geschichte dieser Reise...


The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub al Khali

Die Rub al Khali, das leere Viertel. Schon der Name könnte am Anfang eines Gedichts stehen. Er verspricht Ruhe, Stille und Einsamkeit. Genau das, was ich suche. Eine kurze Zeit mit mir allein sein. Natürlich begleitet mich wieder meine Wüstenkarre, die mir in Ägypten schon hervorragende Dienste geleistet hatte. Kein Handy und kein MP3 Player werden mich stören. Ich werde mich 16 Tage nur mit der Wüste und mit mir beschäftigen, den Weg zum Ziel machen und die Eindrücke aufnehmen und genießen, welche die Stille in der Wüste ausmachen. Zumindest war das der Plan. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es dieses Mal Probleme geben würde die mich veranlassen würden, die Reißleine zu ziehen. Aber alles der Reihenfolge nach…


Am Samstag, um 2:30 Uhr stand ich immer noch an der Gepäckausgabe in der Arrival Hall am Muscat Airport. Irgendwann stand ich dort alleine, bis das Karussell aufhörte sich zu drehen. Mein Rucksack und meine Wüstenkarre waren nicht angekommen. Sie standen wohl noch irgendwo in Istanbul und hatten, im Gegensatz zu mir, den Anschluss verpasst.

Ich gebe kurz per Mobiltelefon Jochen bescheid, bevor ich mich frustriert ins Büro der Luggage Investigation begebe, um mich nach meinem Gepäck zu erkundigen. Jochen, der u.a. einige Wasserdepots für mich in der Rub angelegt hatte, stand wohl schon vor der Halle und wartete auf mich.

Wie schon vermutet stand mein Gepäck noch in Istanbul. In 24 Stunden sollte mein Equipment ankommen und ich würde eine SMS erhalten. Jochen und ich nutzen den Tag, um uns kennenzulernen. Jochen arbeitet im Oman als Tour Guide und ist bei uns im Wüstenschiff unter Sindbad bekannt. Er macht mich schon mal mit Muscat und den lokalen Gepflogenheiten vertraut und wir kaufen Verpflegung für Jochens nächste Tour ein. Dann heißt es abwarten.
Um 01:41 Uhr trifft von Worldtracker die ersehnte SMS ein: Please be advised that your luggage is ready for collection.

Am Morgen fährt mich Jochen zum Flughafen. Das Gepäck ist komplett und er übergibt mich seinem Fahrer Issam, der mich ins 1080 Kilometer entfernte Al Hashman fährt. Es geht endlich los. :)
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 25.11.2014 20:20

Der lange Weg in die Wüste

Schon am Vortag hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Omanis es mit der Einhaltung der Verkehrsvorschriften nicht so genau nehmen ;) Da die Verkehrsteilnehmer die Verkehrsvorschrift und Verkehrszeichen mehr als Empfehlung betrachten und nicht als ultimative Anweisung des Verkehrsministeriums, hat dieses wohl das dichteste Radaranlagennetz, dass ich kenne installiert. In Bereichen mit großer Verkehrsdichte findet man im Umkreis von 100 Metern gut und gerne 10 dieser Fotosäulen. Selbst auf dem einsamen Weg in den Westen stehen alle paar Kilometer Radarsäulen, die sich irgendwann mit den guten alten Starenkästen abwechseln. Damit versuchen die Verkehrsbehörden ihrer Gesetzgebung etwas Nachdruck zu verleihen. :)

Trotz der eigenwilligen Auslegung der Verkehrsregeln gibt es auf den Strassen Muscats kein Gedränge oder Gehupe, wie man es z.B. aus den Ländern Nordafrikas kennt. Die Omanis nehmen ihre Freiheit, sie übertreiben es aber nicht.

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Aber die Verkehrsbehörden sind fair und kündigen Radarkontrollen an.

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Anfänglich zeigt die Landschaft ihre abwechslungsreiche Seite. Scharf geschnittene Gebirgsketten werden durch die Strasse in Richtung Salalah geteilt.

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Nachdem wir den gebirgigen Teil unserer Strecke passiert haben, erhält man immer mehr den Eindruck, als wäre die Erde doch eine Scheibe. Wir erkennen am Montag schon, wer uns am Mittwoch entgegen kommt. ;)

Im Oman scheint nicht nur die Sonne zu scheinen. Hier wird eine klare Warnung ausgesprochen die Strasse nicht zu passieren, wenn das Wasser die rote Marke erreicht.

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Abwechslung bietet das Fussballstadion, dass mehr oder weniger mitten in die karge Landschaft gebaut wurde…

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…und eine der Sultansresidenzen bei Husn al Shumukh.

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Man sollte nicht vergessen, gelegentlich vollzutanken. Es gibt Gegenden mit geringerer Tankstellendichte. Die Benzinpreise liegen aber in einem durchaus akzeptablen Rahmen. Im Oman gibt es kaum Steuern :)

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Und es gibt klare Anweisungen. Selbst getankt wird nicht. :)

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Auch Issam und ich fühlen, dass die Mittagszeit gekommen ist und wir starten eine Nachforschung in der Küche des kleinen Restaurants. Wir bestellen Reis und Hühnchen, dass auf einer Platte serviert wird. Zuerst werden aber die Hände gewaschen. Denn gegessen wird mit den Fingern. ;)

Mit der rechten Hand zupft man sich etwas Fleisch aus dem Huhn. Zusammen mit einer handvoll Reis, dass man mit den Fingern zu einer Wurst oder Kugel presst schiebt man sich den Ballen in den Mund. Nach dem Essen das Händewaschen nicht vergessen!

Danach geht es weiter auf der Straße. In welche Richtung wollten wir gleich wieder?

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Irgendwann biegen wir in nördliche Richtung ab und die Straßen nehmen immer mehr einen pistenähnlichen Zustand an.

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Kamele wechseln gerne, ohne es vorher anzukündigen die Straßenseite. Hier hilft es nicht zu Hupen und auf sein Recht zu pochen. Kamele haben Vorfahrt…

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Irgendwann taucht die erste Düne auf. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

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Die Dunkelheit ist schon hereingebrochen und ich merke, wie Issam langsam die Augen zufallen. Er meint auch, dass es in der Dunkelheit gefährlicher wäre. Ich biete Issam an, das Steuer zu übernehmen. Nach etwas Zögern nimmt er an, verzieht sich auf die Beifahrerseite und betreibt etwas Augenpflege. Und mir macht es Spaß mit 120 Sachen in der Dunkelheit über die Piste zu brettern. :)

Die Nacht ist schon ein Stück vorgerückt, als wir an dem Punkt ankommen, an dem Issam und ich uns trennen werden. Issam hilft mir noch beim Zusammenbau der Karre und meint zum Abschied noch: Alex, pass auf dich auf! Kurze Zeit später waren die Lichter des Toyotas in der Dunkelheit verschwunden.

Ich steuere auf die erstbeste Düne zu, um abseits der Piste mein erstes Nachtlager aufzuschlagen. Es liegt verstreut etwas Holz herum, das ich zu einem kleinen Lagerfeuer entfache. Die Ruhe ist ungewohnt. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen…
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Sauer » 26.11.2014 14:09

Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Regula St. » 26.11.2014 16:47

Sauer hat geschrieben:Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?

Jetzt lass ihn doch erst mal heimkommen :shock:

Die Bilder finde ich auch ganz fantastisch, aber ebenso freue ich mich über und auf den Bericht. Danke Alexander!

Übrigens bin ich der Ansicht, dass unser Kapitän erst dann wieder von Bord gehen darf, wenn er seinen Bericht beendet hat. Wir möchten uns schliesslich doch alle in seine Wüstenbilder hineinträumen können, odrrr? 8)

LG Regula
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 26.11.2014 19:03

Sauer hat geschrieben:Super Bilder Alexander! Wohin geht es denn als nächstes?


Danke Sauer! Als nächstes wird es vermutlich wieder in die Rub al Khali gehen. Ich habe dort noch "unfinished business" wie aus dem Bericht später noch hervorgehen wird ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 26.11.2014 19:50

Erste Orientierungsversuche

Der Morgen dämmert und ich versuche erst einmal festzustellen, in welche Richtung ich gestern noch gelaufen bin. So wie für unsere Bundeskanzlerin das Internet noch Neuland ist ;) stellt sich für mich der Oman mit seinen Wüsten als neues Terrain dar, in dem ich mich erst einmal neu orientieren muss.

Mit dem GPS im Anschlag peile ich erst einmal die Richtung, aber der Weg ist noch der falsche. Ich gehe also zum Ausgangspunkt zurück und versuche einen Neuanfang.

Nein, hier waren keine drei Wüstenkarren unterwegs. Das war nur eine mit Orientierungsproblemen :oops:

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Verdammt, wo war sie denn gleich wieder...

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Hmmmmmm....

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Ahhhhhh! Da ist sie ja die gute Piste :) Jetzt kann es endlich losgehen.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 29.11.2014 18:45

Die Rub al Khali wird durch zwei geologische Formationen dominiert: Sterndünen und die Sebkhas, die sich zwischen den Dünen ausbreiten. Als Wüstenwanderer besteht die Kunst der Routenplanung darin, möglichst lange und zusammenhängende Sebkhagebiete zu finden. In diesen Ebenen läuft es sich sehr gut, da der Boden relativ hart ist und anstrengende Dünenüberquerungen vermieden werden können.

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Eine große Hilfe für die Routenplanung ist Google Earth. Tief reingezoomt findet man auch kleine Dünenbarrieren, die sich später als zu überquerendes Hindernis herausstellen könnten. Nicht immer kann man sie umgehen und häufig findet man erst vor Ort den richtigen Übergang.

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In den Sebkhas findet man gelegentlich diese blumenkohlähnlichen Steine. Sie sind leicht und …

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… innen hohl. Am Innenrand haben sich Kristalle abgelagert. Mir fällt verdammt noch mal nicht ein, wie diese Dinger heißen :)

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 29.11.2014 19:24

Hitze und Probleme

Während nachts und am Morgen die Temperaturen mit 17 – 20 Grad noch angenehm waren, steigen die Temperaturen am Vormittag bereits spürbar an. Ich bekomme Schluckbeschwerden und Fieberschübe. Eine Angina kündigt sich an, etwas, was ich hier draußen absolut nicht gebrauchen kann. Gegen 10:30 Uhr lege ich die erste Pause ein, die gewöhnlich 30 Minuten dauert.

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Ich drehe die Karre so in die Sonne, dass sie maximalen Schatten wirft in den ich mich mehr oder weniger bequem legen kann. Mit Wasser und Nahrungsextrakt fülle ich meinen Energiehaushalt wieder auf. Ich versuche aufzustehen, aber das Fieber ist weiter angestiegen und das Schwindelgefühl läßt mich gleich wieder in den Schatten fallen.

Der Wind weht aus dem Norden von Saudi Arabien kommend. Der Nordwind ist heiß, aber trocken. Der Südwind wäre wesentlich kühler, aber da der Oman am Meer liegt, wäre die Luft dann auch wesentlich feuchter und schwühler.

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Die Hitze wird immer stärker. Zunächst schiebe ich die Hitzeentwicklung alleine auf das Fieber. Halb im Liegen suche ich das Termometer aus dem Rucksack und lege es zunächst in die Sonne. Nach 10 Minuten werfe ich einen Blick auf die Skala und mir fallen fast die Augen aus dem Kopf: Das Temperatur zeigt 60 Grad an. Im späteren Verlauf zeigt das Termometer noch etwas mehr an. Aber die Skala hört bei 60 auf. Im Schatten meiner Karre klettert das Termometer auf knapp 45 Grad.

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Es macht keinen Sinn jetzt weiterzulaufen. Ich bleibe noch im Schatten liegen. Der Wasserbedarf steigt und das nächste Wasserdepot ist weit...

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Gegen 16:00 Uhr wache ich wieder auf. Ich kann aber nicht sagen, ob ich geschlafen oder nur vor mich hingedöst habe. Ich hatte an diesem Tag noch nicht viel Strecke zurückgelegt und muß also weiter. Sollte sich mein Zustand nicht bessern und die Temperaturen nicht deutlich zurückgehen, müsste ich die Tour abbrechen.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Regula St. » 29.11.2014 19:26

Alexander hat geschrieben:… innen hohl. Am Innenrand haben sich Kristalle abgelagert. Mir fällt verdammt noch mal nicht ein, wie diese Dinger heißen :)

Versuch's mal mit Druse :wink:

Habe ich auch noch nie gesehen, dass die einfach so auf dem Boden herumliegen...

LG Regula
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 08:42

Danke Regula! Genau danach hatte ich gesucht. :)

Ich hatte noch den Begriff "Geode" im Ohr, was ja anscheinend mehr oder weniger das Gleiche ist.

Viele Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 08:42

Hindernisse und wie man sie bewältigt

Nach dem ausgiebigen Mittagsschlaf fühlte ich mich nicht unbedingt besser, aber der Kreislauf hatte sich wieder etwas beruhigt und die Temperaturen sich von 60 auf knapp unter 50 Grad abgekühlt. Ich versuche einfach noch ein paar Kilometer zurückzulegen.

Auch bei noch so sorgfältiger Tourenplanung lässt es sich nicht vermeiden, dass man plötzlich vor einer Barriere in Form einer Düne steht. Auch wenn sie nur zwei oder drei Meter hoch ist, kann sie zu einem mit der Wüstenkarre nur schwer zu überwindende Hindernis werden.

In der Richtung, in der ich lief, waren die Dünen weich und daher steil. Die Karre einfach über die Düne zu ziehen war unmöglich. Wer zieht schon einfach mal 80 Kilo auf eine Düne.

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Zunächst brauche ich einen Punkt, von dem ich mir einen guten Überblick über das Gelände verschaffen kann. Also rauf auf die nächste Düne. Zumindest so weit, bis ich das Gelände überblicken kann.

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Verdammt! Diese kleine Düne versperrt mir den kompletten Weg. Es gibt keine Möglichkeit das Hindernis einfach zu umlaufen.

Es gibt nur eine Möglichkeit: die Karre abladen und Rucksack und Wasserkanister einzeln über die Düne tragen. Eigentlich wollte ich diese Extraanstrengung in meinem fiebrigen Zustand vermeiden. Es gibt aber keine andere Möglichkeit. Also löse ich den Spanngurt, greife mir den Rucksack und werfe ihn in hohem Bogen auf die Düne. Mit den Wasserkanistern gehe ich etwas vorsichtiger um. Danach die Karre. Oben auf der Düne wieder alles sauber auf die Karre verladen. Ich muss darauf achten, dass das Gewicht richtig auf der Achse verteilt ist. Liegt zu viel Gewicht hinter der Achse, muss ich die Führungsdeichseln mit viel Kraftaufwand permanent nach unten drücken. Liegt zu viel Gewicht vor der Achse, muss ich das Gewicht tragen. Mit den Deichseln sollte ich aber nur die Karre führen ohne mit dem Gewicht belastet zu werden. Bei richtiger Beladung lässt sich die Karre so leicht durch den festen Sand ziehen und man merkt das Gewicht kaum.

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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon fordfahrer » 30.11.2014 19:14

ach Alexander,
Du bist verrückt, hätte's die Wahiba nicht erst mal getan?
Wo wolltest Du eigentlich hin? Burkanah?
Schreib doch mal für den zufälligen Leser, dass man das nur tun sollte, wenn man genau weiss, was man tut und, wie Du, viel Erfahrungen hat. Und schreib, dass Du einen Backup Plan hattest, wenn was schief geht, Sat Phone oder was auch immer.

Wir hatten das Thema schon mal früher, aber wenn da im Oman mal jemand einfach drauf los läuft und was passiert, dann macht der Sultan die Rub auch ganz schnell für alle zu, der hat da die Sache besser in der Hand, als die Jungs in Nordafrika und wenn das Militär dann auf Tourisuche geht, und im Oman würden die das machen, dann ist das alles ganz schnell vorbei und das wäre soooo was von Schade.

Du warst Dir aber schon über die Temperaturen im Klaren oder? Die Jungs mit den Karawanen sind früher nie am Tage unterwegs gewesen. Für den interessierten Leser kann ich empfehlen Wilfried Thesiger - Arabian Sands mal zu lesen, das Standardwerk für die Rub.

Nun wieder zurück, schöne Bilder, vielen Dank für's Mitnehmen und, natürlich, Hochachtung für den Mut, wie immer.

Gruss
Christian
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Guido3 » 30.11.2014 20:42

Mit den Temperaturen hast Du wohl Pech gehabt und Tage erwischt, die deutlich wärmer als der Klimadurchschnitt zu der Jahreszeit ausfielen. Aber wo kommen wir denn da auch hin, wenn die Leute einfach mit einer Jeans durch die Wüste laufen - so ohne Funktionskleidung mit weltraumerprobten Hightech-Fasern und Schutzfunktion gegen Regen, Moskitos und Bärenangriffe.
:mrgreen:

Für den kühle Rübe natürlich auch unverzichtbar (und ökologisch voll korrekt):
ventilator.jpg
:lol:

Ich nehme sonst gern auch noch den einen oder anderen Kartenausschnitt zum Reisebericht. Am Anfang warst Du auf der Nebenpiste Richtung Burkanah unterwegs. Auf der sind wir 2012 von Burkanah zurück gefahren. Aber dann bist Du ja offensichtlich davon abgebogen?

Für die Planung jeglicher Touren in der Ecke (zu Fuss oder per Auto) kann ich allgemein nur noch mal empfehlen, auch einen Blick auf Bing oder Here.com (Nokia) zu werfen. Der hochaufgelöste Bereich endet bei Google ungefähr am Ende der einzeichneten Straße 43 - da wo in Deinem Kartenausschnitt die Kante zu sehen ist. Nördlich davon bietet Bing eine sehr deutlich bessere Auflösung, was eventuell die Findung einer gehbaren/fahrbaren Route erleichtert. Wenn man ein Benutzerkonto bei Microsoft anlegt, kann man da auch im KML-Format im- und exportieren. Mal zum Vergleich ein Detailausschnitt. Das ist am obersten Ende Deines Kartenausschnittes die Spur ein paar Meter westlich der blauen Linie.
google.jpg

bing.jpg


Beste Grüße

Guido
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Guido3
 

Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Alexander » 30.11.2014 20:57

Hallo Christian,

fordfahrer hat geschrieben:Schreib doch mal für den zufälligen Leser, dass man das nur tun sollte, wenn man genau weiss, was man tut und, wie Du, viel Erfahrungen hat. Und schreib, dass Du einen Backup Plan hattest, wenn was schief geht, Sat Phone oder was auch immer.


Immer schön der Reihenfolge nach ;-) Die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende.

Worüber ich mir aber wirklich Gedanken machen würde ist das Umweltbewustsein manch eines Wüstenreisenden.

Von dem Ort, auf den man diesen wunderschönen Ausblick genießen kann...

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...findet man auch dieses Häufchen Elend.

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Unter diesem Haufen ruht der Müll eines Wüstenschiffers. Nicht dass er seinen Müll schön mit Sand bedeckt hätte. Das hat ein anderer Wüstenschiffer erledigt. Der Müll lag auf einem Haufen und der Versuch, den Abfall zu verbrennen scheiterte. Es gibt einfach Materialien, die brennen nicht.

Vor nicht allzulanger Zeit war die Rub al Khali für die meisten Reisenden noch ein unbekanntes Land. Es hat nicht lange gedauert, bis der erste Müll abgeladen wurde.

Nehmt euren Müll wieder mit. Er hat in der Wüste nichts verloren.

Grüsse
Alexander
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Re: The Sound of Silence: Wüstenwandern in der Rub el Khali

Beitragvon Chrigu » 01.12.2014 19:10

Hochinteressant! Ich bin dabei!
>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
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