Dia-Vortrag - Verdrängte Rebellion der Wüstenritter

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Angelika Baumann
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Dia-Vortrag - Verdrängte Rebellion der Wüstenritter

Beitrag von Angelika Baumann »

Die verdrängte Rebellion der „Wüstenritter“
Tragen Wüsten-Fans und Reiseveranstalter Verantwortung gegenüber bedrohten Tuareg-Nomaden?

Dia-Vortrag und Buchpräsentation von Dr. Harald A. Friedl

Am Montag, den 30. Juni, 2008, um 19.30 Uhr
Im Afro-Asiatischen Institut, Leechgasse 22, 8010 Graz. Telefon 0316.32 44 34, Mail: office@aai-graz.at


Eine Kooperation zwischen des AAI mit der FH JOANNEUM,
dem Netzwerk Wirtschaftsethik und
dem Sahara-Reiseveranstalter „Desert Team“.

Nach sieben Jahren der Bemühungen um eine nachhaltige Tourismusentwicklung griffen im westafrikanischen Sahel-Staat Niger junge Tuareg wieder zu den Waffen. Auf ihre Allrad-Toyotas, mit denen sie zuvor Touristen über Dünen chauffierten, pflanzten sie nun Maschinengewehre. Sie behaupten, gegen die wirtschaftliche Benachteiligung der Bevölkerung, gegen deren Vergiftung durch die Uranminen und für mehr Geld aus dem Uran-Verkauf zu kämpfen… wie schon 13 Jahre zuvor. Doch schon damals hatte die „Rebellion der Ischomars“, jener entwurzelten, unter Gaddafi zu Söldnern ausgebildeten Nomaden, der Bevölkerung am Ende nur Elend, Verwüstung, Tod und Leid gebracht, während die Rebellen selbst zumindest Toyotas erbeutet hatten - als Kapital für ihre zu gründenden Reiseagenturen….

In den 90er-Jahren genossen die „Wüstenkämpfer“ noch die mediale, politische und finanzielle Unterstützung durch eine begeisterte europäische Tuareg-Fangemeinde – Menschen, die dem Mythos von „edlen Wüstenritter“ mit seinem „genetischen Hang zur Freiheit“ auf den Leim gingen. Am Ende des damaligen Krieges mussten die großen Fürsprecher der Tuareg einsehen, dass ihr Enthusiasmus für persönliche Ziele einzelner Rebellengruppen instrumentalisiert worden war.

Angesichts dieser schmerzhaften Erfahrung üben sich heute viele der einstigen „Tuareg-Freunde“, ob Medienmacher, Politiker oder Forscher in Distanz gegenüber den kriegerischen Geschehnissen im Niger: Unter den Kampfhandlungen zwischen Tuareg-Rebellen und nigrischem Militär leiden vor allem Zivilisten. Wo noch vor kurzen europäische Trekking-Touristen mit ihren Kamelen durch eine beeindruckende Landschaft wanderten und abends vor dem Lagerfeuer unter den Sternen mit ihren Tuareg-Führern über Gott und die Welt philosophierten, werden heute unschuldige Tuareg-Nomaden vom Militär massakriert; über dem größten Teil des Landes herrscht der Ausnahmezustand und strenge Medienzensur, die Lebensmittelpreise explodieren, das Leben in der Wüste wird zur Hölle…

- Wer sind nun die Tuareg, jene „Menschen mit dem Schleier“, die seit Jahrhunderten die Zentralsahara besiedeln und die der Französischen Kolonisation der Sahara bis ins 20. Jahrhundert Widerstand geleistet hatten?

- Wie ist ein Leben unter derart schwierigen Bedingungen am Rande der Wüste möglich?

- Wer sind die Ischomars, jene ewigen Rebellen, die im Griff zur Kalaschnikow das Heil aller Dinge sehen?

- Wo liegt die Zukunft für eine Kultur, die scheinbar mittelalterliche Züge trägt, außer als exotischer Aufputz in Sahara-Filmen?

- Welche Rolle spielt der Tourismus für die Bevölkerung?

- Und welche Verantwortung tragen jene Reiseveranstalter und Touristen, die noch vor kurzem in der Sahara lustwandelten, gegenüber den von Rebellion und staatlicher Unterdrückung Betroffenen?
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