Verschiffung nach Dar es Salaam - aktuelle Infos

Schiffs- und Fährverbindungen mit Fahrzeugbeförderung zu den jeweiligen Regionen.

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Achim Vogt
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Verschiffung nach Dar es Salaam - aktuelle Infos

Beitrag von Achim Vogt »

Über 90 Prozent aller Verschiffungen nach Ostafrika gehen nach Mombasa. Den kleinen Rest teilen sich Djibouti und Dar es Salaam.

Caro und Michael sind mit einem Ford Ranger mit Aufsetzkabine unterwegs und haben - herzlichen Dank für die viele Arbeit - sehr ausführlich ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Der erste Teil ist allgemein, aber ebenfalls von Interesse, der zweite dann Tansania-spezifisch.
Erfahrungen mit dem temporären Import unseres Ford Ranger mit Overland Ausstattung per Container nach Tansania über Dar Es Salam Port

Vorbereitungen in Deutschland

1) Ihr braucht einen Container, in den euer Auto passt. Da wir unseren Ranger recht umfangreich ausgebaut haben, blieb nur ein 40‘‘ HC (High Cube). Die Türöffnung ist das Wichtigste bzgl. Höhe! In den Container passen eigentlich 2 Autos rein; wenn ihr also einen Container Buddy findet, um so besser. Achtet darauf, dass die Beschreibung lautet „Ford Ranger with Camping Cabin“ oder wie auch immer (beim Röntgen im Hafen in Dar fiel auf, dass im X Ray vom Container etwas auf der Ladefläche war … hat dann 100 USD zusätzlich gekostet wegen der Kontrolle – war zwar kein Stress, aber unnötig).

2) Überlegt euch, wie ihr den Import machen wollt. Ob mit Carnet (geht über den ADAC in DE) oder als TIP (temporary import permit) - siehe auch weiter unten. Achtung: egal, was ihr macht, ihr braucht die Motor-Nummer von eurem Auto und die steht bei Ford leider nirgendwo in den Papieren. Bei Toyota im Serviceheft ... Ohne die geht aber nix in Afrika!! Also unbedingt besorgen. In unserem Fall war auch ein Foto ganz hilfreich, wo die an dem Auto zu finden ist.

3) Wenn ihr einen Shipper (Versender) habt, müsst ihr das Auto nach den lokalen Vorschriften (Zoll) und den Vorgaben des Transportunternehmens vorbereiten. Bei uns war das: keine Lebensmittel im Auto, nur wenig Kraftstoff, kein Gas.

4) Ca. 5 Tage, bevor das Schiff ablegt, müsst ihr euer Auto zu einer Spedition in der Nähe des Verladehafens bringen, wo das Auto in den Container gefahren wird oder ihr das selbst macht (am besten vorher noch etwas abnehmen – ihr müsst auch wieder aus dem Auto rauskommen). Vorher solltet ihr ein Inventar-Protokoll erstellen, welches Bestandteil für die Transportversicherung ist. Im Zweifel helfen immer aktuelle Fotos vom Inventar. Der KM-Stand und einige weitere Daten werden in einem Protokoll festgehalten. Dann noch ggf. Batterien abklemmen. Unser Tip: Luftentfeuchterbeutel sollten unbedingt ins Fahrzeug und in die Camping Cabin und dann wird der Container verschlossen. Ihr solltet Euch Fotos von der Nummer der Plombe am Container und von der Containernummer machen. Das hilft später beim Tracking eures Containers.

5) Jetzt heißt es warten und schauen, ob euer Container alle „Anschlüsse“ schafft.

6) Auch wenn Marine Traffic z.B. anzeigt, wann das Schiff da ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch einen Platz in Dar Es Salam im Hafen gibt. Der Hafen ist zu klein, wird umgebaut und unser Schiff lag allein erst mal 8 Tage vor Anker. Wenn dann der Container an Land ist, beginnt das Abenteuer.

In Tansania

7) Wir waren also rechtzeitig vor Ort, um einen Handling Agent zu finden, den ihr zwingend braucht. Was wird da benötigt:

a) Kopie Reisepass und Visum-Eintrag als Nachweis, dass ihr im Land seid.
b) Carnet OPTIONAL
c) KFZ-Schein = Zulassungsbescheinigung Teil 1
d) Wir hatten auch einen Internationalen KFZ-Schein – der hat deutlich weniger Angaben und den gibt es bei der KFZ-Zulassungsstelle in DE für ca. 10 Euro = heißt hier Car Card.
e) Eine Telefonnummer in Tansania, wenn möglich, und eine E-Mail-Adresse sowie eine WhatsApp-Nummer für den Kontakt mit dem Handling.
f) Kopie Führerschein
g) Eine Info über den Zustand (Verkehrssicherheit) des Fahrzeuges – Wir haben hier das Datum der nächsten Hauptuntersuchung angegeben und das dann auf einem Beleg gezeigt mit TÜV Logo. Das hat geholfen
e) Den Wert des Fahrzeuges (steht im Carnet), sonst wissen wir nicht, wie der nachzuweisen ist.
f) Eure voraussichtliche Aufenthaltsdauer in Tansania und den Grenzübergang, wo ihr wieder ausreisen wollt.
g) Eine lokale Autoversicherung und - wenn ihr weiter in andere Länder reisen wollt - ggf. eine Yellow Card = COMESA Insurance (siehe unten, geht erst nach TIP-Nachweis)
h) BL als Kopie = Bill of Lading
i) Später dann das Original bzw. die unterschriebene Version der BL, wenn es ein Seaway Bill ohne Papierdokumente ist

8) Alle oben genannten Unterlagen wurden bei uns innerhalb von 8 Arbeitstagen abgefragt … jeden Tag ein Dokument. Ob ihr es schafft, das zu beschleunigen, weil ihr an Tag 1 alle bereit habt … Wir wünschen viel Glück.

9) Wie geht es weiter? Also das Problem ist – Es gibt einen Standard-Prozess für rollende Ware und einen für Container. Und es gibt einen Prozess für den Import von Autos. Unser Problem: Wir haben rollende Ware in einem Container und wir wollen auch nur einen temporären Import. Folgende Dokumente braucht ihr bzw. brauchten wir und anbei die ca. Kosten zur Orientierung:

10)

a) Temporary Import Permit, Kosten ca. 10 USD wird von der TRA = Tansania Revenue Administration ausgegeben. Das braucht ihr als Dokument, um eine Versicherung lokal zu bekommen. Parallel haben sie unser Carnet gestempelt, nachdem wir das erklärt hatten und mit Post-It markiert hatten, wo die Stempel hin müssen. Weder Handling noch das lokale Büro von Maersk kannten das Verfahren hier vor Ort. Laut unserem Handling kannte der Zoll es erst mal auch nicht …

b) Ihr braucht eine Rechnung von der Reederei über die lokalen Hafengebühren – die müsst ihr dann vor Ort bezahlen. Kreditkarte geht nicht, man erwartet eine Banküberweisung. Wenn das nicht geht, dann vor Ort im Büro der Reederei bar einzahlen, dies waren bei uns ca. 800 USD.

c) Ihr braucht die lokale Versicherung fürs Auto; reine Third Party Versicherung kostet pro Jahr 114.000 TZS - für einen Monat wollte man mit einer Art Kaskoversicherung mehr als 300 USD haben. Yellow Card COMESA on Top kostet für 2 Monate nochmal 67.000 TZS. Somit habt ihr 3 Monate Versicherung z.B. für Tansania und die meisten Nachbarländer für ca. 70 USD. Das ging mit den Unterlagen problemlos in DAR bei Yubilee Allianz in der Hauptverwaltung. Die Adresse findet ihr bei Google.

d) Zudem müsst ihr natürlich irgendwie das Auto auch aus dem Container bekommen. Dies war unser größtes Problem denn der Prozess hätte so ähnlich wie in Hamburg laufen müssen. Also erst alles mit TRA und Zoll klären, Spedition zahlen und dann den Container aus dem Hafen holen, um ihn dann außerhalb bei einer Spedition zu entladen. Leider gibt Maersk aber Ihre Container nicht mehr ohne eine Kaution raus, weil die damit wohl schlechte Erfahrung gemacht haben - in unserem Fall (geht nach Container-Typ) für 40‘‘ HC Dry = 1.000 USD.

Der Handling-Agent will die von uns haben und wir sollen einen Vertrag unterschreiben, dass wir für den Transport aus dem Zoll-Lager und den Rücktransport in den Hafen haften und den Transport zahlen … Die Kaution können wir dann zurückerhalten, wenn der Handling-Agent diese selbst auch zurück hat. Wir haben das alles recherchiert und das ist alles wirklich so und wird uns auch von Maersk bestätigt. Aber es gibt ein paar Hinweise. Einige wenige große Handling-Firmen haben ein Dauer-Deposit … und bei den kleineren besteht das Problem, dass gezahlte Deposits auch mit offenen Rechnungen bei Maersk ggf. verrechnet werden. Also ist klar: das Verfahren scheidet für uns aus. Nach zwei Tagen Diskussion ergibt sich nur folgende Lösung: Wir müssen die Zustellung des Containers praktisch bei Maersk selbst beauftragen, um die Kaution zu vermeiden.

Und nun geht das nächste Verfahren los.

Wir müssen den Code, was Maersk tun soll, ändern von CY/CY auf CY/CFS, was bedeutet, dass nun Maersk für die Ausladung verantwortlich ist (und auch Geld bekommt natürlich).

Wir brauchen eine Erklärung des Shippers, dass die BL = Bill of Lading, also das wichtige Zolldokument, geändert werden soll.
Wir brauchen den Auftrag des lokalen Handling-Agenten, dass er das beauftragt (er muss da als Handling-Agent gelistet sein und eine Kundennummer haben). Zum Glück hatte unser Agent eine Kundennummer.
Wir brauchen die Zustimmung der TRA und müssen dort auch eine Strafe zahlen von ca. 10 USD für die Änderung nach Verzollung.
Wir müssen an Maersk eine Gebühr zahlen für die nachträgliche Änderung der BL, also des Frachtauftrags. Ca. 80 USD.
Wir müssen eine Rechnung zahlen für den neuen Service CFS = 100 USD

• Wenn euer Container kurz nach der Ankunft in DAR als „Gate out“ gescannt wird, dann liegt das vermutlich daran, dass er in ein Außenlager (sogenanntes ICD) gebracht wurde. Davon gibt es 7 verschiedene in DAR. Dort wird dann die weitere Abfertigung durchgeführt und ggf. auch die Zollkontrolle.

• Unser Container war im Außenlager der Firma ASAM, das ca. 7 km vom Hafen entfernt in einem Industriegebiet liegt.

• Da nur 7 Tage kostenlos sind, werden dann Gebühren fällig für das Außenlager. Wenn ihr direkt Maersk mit dem Code CFS beauftragt habt, sollte sich das vermeiden lassen.

Generell läuft es so, dass der Handling-Agent nichts falsch machen will und deshalb immer erst die richtige Rechnung abholt, dann zu euch ins Hotel kommt oder wo immer ihr gerade seid und dann das Geld holt und mit der Quittung wiederkommt. Bis auf die wirklich hohe Rechnung der Hafengebühren würde ich denen beim nächsten Mal 100 USD geben und mir quittieren lassen. Unser Eindruck war, dass das absolut funktionieren würde bei dem Handling-Agent. Dem Agenten selbst haben wir mit unserem Hin und Her am Ende ca. 150 USD gezahlt. Bei dem Aufwand aus unserer Sicht absolut okay.

Kurze Summary: bucht aus DE über einen Agenten (IVS, Caravan Shippers etc.) bei einer großen Reederei mit eigener Infrastruktur (Maersk z.B. ist 24/7 besetzt vor Ort in DAR und achtet unbedingt auf CFS). Dann sollte das gehen.

Handling vor Ort: Sie wissen jetzt, wie es geht ... Die E-Mail wird montags bis Samstagmittag von Max recht zügig beantwortet – rechnet so mit 2 - 3 Stunden. Wir haben auch noch von Fred und Marietha WhatsApp-Nummern, aber die reagieren nicht immer so schnell. Wenn ihr aber konkrete Anfragen habt, geben wir diese auch gerne weiter.

Hier unsere Handling-Agentur (ist kleines Family Business - wir haben 4 Leute gesehen da) und unsere eigene WhatsApp-Nummer: Caro und Michael mit Ford Ranger Wolfy …

+49 173 723 94 83 (aktuell aber unterwegs in Afrika also verzögerte Antwort)

Kosten über alles ca. 5.500 Eur. inkl. hoher Transportversicherung
Dar es Salaam 1.jpg
Dar es Salaam 2.jpg
(Kommunikationsdaten von Maersk)


Viele Grüße
Achim
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