Tunesien gilt als demokratisches Musterland der arabischen Welt. Doch das Bild bekommt Risse: Sechs Männer müssen dort nun wegen ihrer sexuellen Orientierung für drei Jahre ins Gefängnis.
Doch nun zeigt ein Urteil aus der Stadt Kairouan, dass Toleranz und Recht in Tunesien enge Grenzen haben
.
Kairouan ist eine der heiligen Städte des Islam, denke die Richter dort sind eher konservativ.
Bei uns ist es ja ähnlich, in konservativen Gegenden, in der 1. Instanz werden oft Urteile gefällt, die nicht im Sinne des Erfinders sind
Geht man in den Rekurs, wird oft anders entschieden.
Die Frage ist, ob dies in Tunesien auch möglich ist?
Das Recht in Tunesien ist vielleicht nicht konform mit dem Recht in Kairouan.
Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
Albatross hat geschrieben:§175 wurde in DE im Jahr 1994 gestrichen....
Allerdings. Nur hatte der ab den späten 1960er Jahren nicht mehr die "Qualität" der früheren Zeiten (Kaiserreich, 1000 Jähriges, Adenauer). Eine rückwärts gewandte Entwicklung können wir uns hier nicht vorstellen. Tunesien geht allerdinge gerade diesen Weg :-(
die Doppelmoral in diesen Ländern ist schon haarsträubend.Hier noch ein weiters Bespiel: http://www.spiegel.de/kultur/kino/wegen ... 62480.html
Eine Schauspielerin musste Marokko verlassen,weil sie die Rolle einer Prostituierten gespielt hat.Die echten Freier hingegen,die meist aus den Golfstaaten kommen,bleiben unangetastet.Aber wir müssen uns natürlich auch an die eigene Nase fassen.Da wir mit den Golfstaaten Geschäfte machen und auch kein Problem haben Produkte zu kaufen,deren Rohstoffe von Kindersklaven produziert wurden,mangelt es uns auch nicht an Doppelmoral.
Mit dem "Zeigen" oder ausleben meiner Neigung, halte ich mich an die Gepflogenheiten des jeweiligen Landes.
In Tunesien würde ich mich zurück halten, das gebietet schon der gesunde Menschenverstand. Ich laufe mit meinem Partner auch nicht händchenhaltend und knutschend durch Marrakesch.
Wir waren schon in vielen Ländern unterwegs, in welche Homosexualität strafbar ist. Das ist in dem Land nun mal so und dann verhalten wir uns dementsprechend. Das kann sogar soweit gehen, dass wir zwei Einzelzimmer buchen.
Lebensformen, Ansichten und Rechte, welche wir in Europa als normal ansehen, darf man nicht 1zu1 auf andere Länder übertragen.
Jsem hat geschrieben:Mit dem "Zeigen" oder ausleben meiner Neigung, halte ich mich an die Gepflogenheiten des jeweiligen Landes.
In Tunesien würde ich mich zurück halten, das gebietet schon der gesunde Menschenverstand. Ich laufe mit meinem Partner auch nicht händchenhaltend und knutschend durch Marrakesch.
Bei den Heteros machen Letzteres auch nur völlig ignorante Touristen.
In dem Bericht aus Tunesien geht's um die Einheimischen. Da gilt übrigens nicht automatisch, daß der Schwulenhaß eine Angelegenheit des Islam sein. Ein Blick nach Uganda zeigt noch viel erschreckendere Zustände, und dort sind Moslems und Christen gleichermaßen beteiligt.
Jsem hat geschrieben:
Lebensformen, Ansichten und Rechte, welche wir in Europa als normal ansehen, darf man nicht 1zu1 auf andere Länder übertragen.
Das ist natürlich so, daß es die globalisierten Werte (noch) nicht gibt. Nur fiel mir in Tunesien der Rückschritt als neue Tendenz auf.
Ralf Kiefer hat geschrieben:
Das ist natürlich so, daß es die globalisierten Werte (noch) nicht gibt. Nur fiel mir in Tunesien der Rückschritt als neue Tendenz auf.
Gruß, Ralf
Man sollte vielleicht die gewohnten gedanklichen Kurzschlüsse bei SPON nicht übernehmen. Zitat: "Tunesien gilt als demokratisches Musterland der arabischen Welt."
Tunesien bemüht sich verzweifelt, demokratische Strukturen zu etablieren; unter akuter, andauernder Bedrohung der staatlichen Existenz! Ein "demokratisches Musterland" ist es damit noch längst nicht. Wenn Dir in dieser dramatischen Realität "Rückschritt als neue Tendenz auffällt", dann solltest Du Dir doch mal die Brille putzen.
Tom Horn hat geschrieben: [Tunesien] Ein "demokratisches Musterland" ist es damit noch längst nicht.
Diesen Gedanke übernehme ich sicher nicht, genausowenig übrigens wie für die selbsternannten Demokratievorbilder USA oder gar Deutschland.
Tom Horn hat geschrieben:
Wenn Dir in dieser dramatischen Realität "Rückschritt als neue Tendenz auffällt", dann solltest Du Dir doch mal die Brille putzen.
Das meinte ich ausschließlich auf den Kontext der Akzeptanz von Homosexualität bezogen.
Akzeptanz von Homosexualität ist ja ein separates Thema.
Selbst in den so genannten aufgeklärten Länder in Europa, USA, etc., wird diese Neigung von vielen Personen nicht akzeptiert.
In den sog. aufgeklärten Ländern werde ich allerdings nicht strafrechtlich verfolgt, auf Grund meiner Neigung.
Mich als Gast in einem Land, wo gleichgeschlechtliche Beziehung / Verkehr strafbar ist, ist es relativ einfach, sich der Gefahr einer Verfolgung zu entziehen. Für dort einheimische Personen ist dies natürlich sehr schwierig, vor allem, wenn man mit einem Denunzianten in der Nachbarschaft, Arbeit, etc. rechnen muss.
Selbst in Europa gab es Zeiten, zu denen man sich auf Grund seiner Neigung verstecken musste. Zum Glück habe ich solche Zeiten nie erlebt. Allerdings erlebe ich hin und wieder Ablehnung und Anfeindung.
Man sollte aber bedenken, dass z. B. Deutschland über 1000 Jahre "Aufklärung" benötigt hat um da zu sein, wo es heute ist. Es ist einfach nicht möglich ein Land wie Tunesien von heute auf morgen in einen vergleichbaren "Aufklärungsstand" zu bringen wie Deutschland. Es gibt kein Paket namens Demokratie / Aufklärung, welches mach versendet und nach dem Auspacken mittels Plug and Pray zu Laufen bringt.
So, ich habe als potenziell "Betroffener" mit dem Thema fertig.
Jsem hat geschrieben:... Man sollte aber bedenken, dass z. B. Deutschland über 1000 Jahre "Aufklärung" benötigt hat um da zu sein, wo es heute ist. ...
Jsem hat geschrieben:... Man sollte aber bedenken, dass z. B. Deutschland über 1000 Jahre "Aufklärung" benötigt hat um da zu sein, wo es heute ist. ...
öööhm - sagen wir mal 250 Jahre! Oder 65.
Ich glaube nicht, daß wir diese Phase bereits hinter uns haben. Immerhin beginnen hierzulande sogar Parteitage (politische Partei!) mit einem christlichen Gottesdienst. Die pflegen die mittelalterliche Verbindung von Kirche und Staat immer noch. D.h. die holen sich erst ihren Ablaß, um direkt danach in ihren Lobbyismus und ihre alltägliche Korruption zu verfallen.
Ralf Kiefer hat geschrieben:Immerhin beginnen hierzulande sogar Parteitage (politische Partei!) mit einem christlichen Gottesdienst. Die pflegen die mittelalterliche Verbindung von Kirche und Staat immer noch. D.h. die holen sich erst ihren Ablaß, um direkt danach in ihren Lobbyismus und ihre alltägliche Korruption zu verfallen.
Gruß, Ralf
Vorweg: meine Entfernung zu den Parteien mit "C" ist sicherlich sehr gross. Trotzdem spricht der Gottesdienst nicht automatisch so gegen sie, wie Du es hier kritisierst. Ob sie Kirche und Staat "mittelalterlich verbinden", ist uninteressant, so lange der Bürger selbst wählen kann. Sie nennen sich offen christlich und - werden als solche ja auch gewählt! Hat irgend etwas mit demokratischen Regeln zu tun. An die Wahrhaftigkeit des Bekenntnisses auch zu glauben, ist zuerst mal Sache ihrer Wähler. Der Rest betrifft das Gewissen der führenden Figuren dieser Parteien.
Wer gegen sie ist, kann sie ja engagiert bekämpfen; z.B. als Mitglied einer anderen Partei!