Hallo miteinander,
da meldet sich doch mal einer aus der Reisebranche um vielleicht ein paar Verwirrungen um die Libyschen Visa aufzuklaeren.
Libyenreisen veranstalten wir seit sechs Jahren fuer den englischprachigen Markt mit Gaesten aus UK, USA, OZ und ZA (ja es gibt Visa fuer Amerikaner, aber nicht fuer alle).
Ein Visum ist nach wie vor fuer Libyen erforderlich, es handelt sich bei dem Grenzstempel keineswegs nur um einen Sichtvermerk sondern um ein sog. "Visa upon arrival" (das ist die offizielle Libysche Bezeichnung). Hierzu wird das Einladungsschreiben der Libyschen Agentur und ein Reiseprogramm sowie die persoenlichen Daten der Reisenden benoetigt. Damit marschiert die Libysche Agentur zur zustaendigen Abteilung im Innenminsterium in Tripoli und bekommt je nach seinen Beziehungen dort nach 1-7 Tagen schriftlich einen positiven oder negativen Bescheid ueber die Visa.
Eine Kopie dieses Bescheides wird benoetigt um am Abflughafen den Flieger besteigen zu koennen. Es kann durchaus mit einer Verzoegerung eingereist werden, allerdings haben die Visa nur eine Gueltigkeit von 30 Tagen ab urspruenglich geplantem Einreisedatum.
Fuer die Anreise Ueberland ist es ratsam sich eine Kopie dieses Visabescheides mailen/faxen zu lassen, sollte an der Grenze der Abholer nicht bereit stehen, kuemmern sich die Beamten dort um eine Ersatzloesung. Das der Abholer bei positiven Visabescheid nicht an der Grenze erscheint ist ueberaus unwahrscheinlich da der Verantwortliche der einladenden Agentur in diesem Falle in Libyen mit einer Gefaengnisstrafe belegt werden kann.
An der Grenze gibt es dann das Visum in den Pass gestempelt und binnen sieben Tagen ist eine Registrierung bei der Polizei vorgeschrieben (gruener Dreieckstempel).
Konventionelle Visa (bei der Botschaft als Aufkleber im Pass) gibt es immer noch, die dazu notwendingen Unterlagen werden aber in der Regel von den Libyschen Agenturen fuer Touristen nicht zur Verfuegung gestellt.
Ausserdem gibt es sog. Transitvisa mit einer Gueltigkeit von max 7 Tagen fuer eine Weiterreise nach z.B. Aegypten. Diese Transitvisa sind nur bei den Botschaften erhaeltlich (aber nicht bei allen) und erfordern weder ein Einladungsschreiben noch einen Libyschen Begleiter. Man darf sich mit einem Transitvisa allerdings nur entlang der direkten Route zur naechsten Grenze bewegen.
Visa gibts trotz gegenteiligen Aussagen auch bei Botschaften ausserhalb des Heimatlandes (z.B. in Tunesien) wo man allerdings eine z.T. erhebliche Geduld aufbringen muss und es unerlaesslich ist Arabisch zu sprechen.
Trotz dem relativ einfachen Verfahren um Libysche Touristenvisa (visa upon arrival) ist man vor Ueberraschungen dort nicht sicher wie die unvermittelte Wiedereinfuehrung der Uebersetzungspflicht zeigt.
Demgegenueber habe ich aber auch grosse Flexibilitaet in Ras Ajdir erlebt wo falsche Passnummern, ein Pass mit weniger als 6 Monaten Gueltigkeit oder gar ein ganz anderer Pass als urspruenglich angegeben nach einigem hin und her akzeptiert wurden. Es scheint allerdings recht grosse Unterschiede zwischen den Libyschen Agenturen zu geben was die Abwicklung solcher Spezialfaelle anbelangt.
Noch eine Anmerkung zu der Fahrzeugeinfuhr: wenn der Libyschen Agentur alle Fahrzeugdaten und eine Kopie des Fahrzeugscheines vorliegen, kann die gesamte Buerokratie im Voraus erledigt werden und man muss dann nicht an der Grenze warten bis sich die Beamten bemuehen die Papiere auszustellen und die Kennzeichen zuzuteilen. Der Abwickler muss das Ganze aber auch sofort bezahlen, d.h. der Reisende wird diese Kosten im Voraus ueberweisen muessen es sei denn er hat bereits gute Kontakte mit der Agentur und diese kann sicher sein dass sie ihre Auslagen erstattet bekommt.
Zum sog. TPA (tourist police agent). Der wird erforderlich ab einer Gruppengroesse von 3 Fahrzeugen oder 5 Reisenden und muss natuerlich auch bezahlt und verpflegt und untergebracht werden (war frueher kostenlos). Hat man eine Gruppe von 3 oder 4 Fahrzeugen, koennte man diese in zwei Gruppen aufteilen, vorausgesetzt die Libysche Agentur ist damit einverstanden. Der TPA kann nach meiner Erfahrung allerdings durchaus von Nutzen sein waehrend der Reise, z.B. um die Treibstoffversorgung zu beschleunigen sollte es einmal irgendwo keinen Sprit geben oder um Unstimmigkeiten mit der Offizialgewalt etwa bei Verkehrsverstoessen (das gibts durchaus) zu bereinigen. Selbst TPA's die beim kochen oder Geschirrspuelen helfen habe ich schon erlebt. Die TPA's sind in der Regel recht liberal und bedeuten keine Einschraenkung der persoenlichen Freiheiten. Von Fall zu Fall sollte aber diesbezueglich immer mit dem Begleiter (guide) Ruecksporache gehalten werden.
Hoffe die Info's helfen ein wenig zur Aufklaerung.
Viel Spass in Libyen
frank@saharatravel.com