Unser letztes Land vor dem europäischen Festland
Israel der Süden
Wir haben wieder mal die Gastfreundschaft unserer Freunde für ein Wochenende genossen, nun wird es aber Zeit Richtung Süden zu ziehen,
sonst wir’s am Ende noch knapp bis zum Hafen in Ashdod.
Über Afula nach Beit She’an und dann wieder in die Westbank, an Jericho vorbei und, es wird immer wärmer, wir kommen dem Toten Meer wieder näher.
Vor Ein Gedi verlassen wir die Westbank, vorbei an einem freundlichen Kontrollposten, ohne Kontrolle.
Eigentlich wollten wir in Ein Gedi am Toten Meer übernachten, die ganze Strandeinrichtung wird im Moment komplett abgebrochen, einzig eine Baustelle und ein paar Berggazellen waren vor Ort.
Im oberen Teil, auf dem Parkplatz der Quelle hatte uns zu viele Leute, viele Busse, so fuhren wir weiter nach Ein Bokek, hier viele grosse Hotels, noch mehr Badegäste und Abfall, keine Gegend die zum Verweilen einlädt.
Auf das obligate Schwimmfoto haben wir verzichtet, lichteten den Strand mit ein paar „Obenaufschwimmern“ ab und verzogen uns in die Berge, hier gibt es 4x4 Pisten ohne Ende und traumhafte Plätze zum übernachten, ganz allein unter einigen Kamelen.
Die Piste weiter nach Arad und dann die Teerstrasse in den Masada NP, NP ein wenig übertrieben, obwohl, wir waren auf der Seite am Toten Meer, von dort aus kann man auch zu den Ruinen mit einer Drahtseilbahn fahren, auf dem Parkplatz grasten friedlich zwei alte Steinböcke.
Wir fuhren von Westen her auf den Parkplatz, mussten dann einen anstrengenden Fussmarsch zum Berg auf uns nehmen.
Hier oben kann man aus der Zeit der Hasmonäer um 103 vor Christi zur herodianischen Epoche um das Jahr 0, zur römischen Zeit 70 nach Christi, die Stadt belagerten und eingenommen haben, in Folge haben sich ca 970 Juden zu Tode gestürzt, um nicht bei den Römern versklavt zu werden.
Dort oben blieben die römischen Truppen bis in 2. Jahrhundert nCh. stationiert.
Masada war der letzte Streich der Römer in der Eroberung des ganzen Landes Judäa.
Die Römer zogen ab und die Festung viel in einen Dornröschenschlaf bis zum 5. Jahrhundert als christliche Mönche die Festung als Eremitenkloster benutzten.
Nach Einzug des Islam 7. Jahrhundert wurde das Kloster aufgegeben und erst um 1838 von 2 Amerikanern wiederentdeckt.
Nun, genug der Geschichte und der alten Steine.
Zurück über Arad und die 258 wunderschöne Berglandschaft bzw. Wüstenlandschaft, wir befinden uns in Zwischenzeit in der Negev Wüste, hier oben gibt es nur noch ein paar Beduinen mit Schafen, Ziegen und Kamelen und…. Das Militär, ab hier sind wir die überwiegende Zeit im militärischen Bereich.
Weiter über die 25, 206, 227 und dann eine himmeltraurige Steinpiste auf den Kraterrand des Ha-Makhtech Ha-Katan.
Durch den geringen Umfang des Kraters hat man den vollen Überblick, wir übernachten hier oben, eine stürmischen Nacht, über uns ein Zeppelin zur Luftüberwachung.
Am nächsten Morgen die Piste wieder runter und in ein kleines Wadi und zur Quelle Ein Yorke‘am, hier ist immer noch Wasser vorhanden, die Felsformationen sind überwältigend.
Wir müssen zurück auf der 227 und werden von einem Militär angehalten, was wir hier machen, er hat uns schon das 3. Mal durchfahren gesehen, wir sagten ihm, wir hätten am Kraterrand übernachtet, Ein Yorke’am angeschaut und fahren nun zurück um in den Süden zu kommen.
Er meinte, am Kraterrand ist nicht, wir müssten auf die ausgewiesenen Camps in den militärischen Gebieten.
OK, wir fahren weiter und suchen für die Nacht einen ausgewiesenen Campground auf.
Am Morgen 5.30 Uhr ein Heli landet neben uns, sie holen uns aus dem Bett und meinten, wir sollten in 5 Minuten hier weg sein, ab dann wird scharf geschossen in der Gegend.
Wir waren gerade raus am Strassenrand um noch einen Kaffee zu trinken, sahen wir auch schon die erste Rakete fliegen und mit einem dumpfen Knall in „unseren“ Bergen zu verschwinden.
Glaube wir fahren doch besser wieder nach Norden.
Über die 90, links von uns Jordanien, im Tal alles grün Dattelpalmen ohne Ende, dann die 13 und auf die 40, hier wieder mal links mal rechts, mal rechts und links „ Achtung hier wird scharf geschossen“
Den ganzen Tag begleiten uns die F16 und Helis am Himmel.
Der Krater Makhtesh Ramon ist so gross, da führt die Strasse mittendurch, auch hier eine wunderschöne Wüstenlandschaft, allerdings ohne Sand.
In Mitspe Ramon einem Ferienort der Israeliam oberen Rand des Kraters, machen wir Halt, die Aussicht geniessen und einkaufen.
Weiter Richtung Norden nach Avdat , auch hier wieder eine alte Festung, bzw. die 62. Station der „Arabian Peninsula to Port of Gaza“, der Gewürzstrasse.
Hier könnte man wieder unendlich viel schreiben über die Geschichte, Nabatäer, Römer, Byzantiner, alle waren hier und haben ihre Handschrift hinterlassen.
Bei der Information, wie an fast allen Kulturhistorischen Orten in Israel ist man mit Prospektmaterial und gut aufbereiteten Filmen zum jeweiligen Ort bestens ausgerüstet.
Daneben ist noch ein MC Donald mit Wifi und eine Tankstelle, da ist man gut aufgehoben.
Um zu übernachten suchten wir uns in des ein ruhigeres Plätzchen an einem kleinen See, dem Jernham Lake N 30° 59. 398 E 034° 53. 822 auf.
Die anderen Koordinaten werde ich nicht aufführen, waren zwar wunderschöne Plätze, trotzdem ist es nicht immer ratsam da zu übernachten, hinterher ist man immer schlauer.
Aber da die Israelis ja sehr wachsam sind, haben sie uns auf die Gefahren aufmerksam gemacht, war doch lieb von ihnen, obwohl, wenn ein Heli am frühen Morgen neben unserem Chischtli landet, da kommt Freude auf.
Über Be’er Sheva, Sderot geht’s zum Mittelmeer bei Ashkelon.
Die offenen Strände sind total vermüllt, weiter zum komunalen Strand in Ashdod.
Hier werden wir, überaus freundlich, von der Security angesprochen und erhalten den Schlüssel für die Dusche, da am Abend die Toiletten geschlossen sind und nur die Aussenduschen in Betrieb.
Am Parkplatz auf der Anhöhe schlagen wir unser Lager auf, wäre ein schöner Platz.
Da aber auch hier die Jugend ihre nächtlichen Meetings abhält und an Schlaf erst ab fünf Uhr morgens zu denken ist, brechen wir wieder ab und fahren auf den schönsten Standplatz, den wir in Israel gefunden haben.
In den Bergen Jerusalems auf 750 MüM, am Sataf, hier findet man erst einen Parkplatz mit Imbisstand vor, guten Kaffee und Glace, ausserdem diverse Snacks sind erhältlich, vier Toi Tois stehen zur Entsorgung von Verdautem bereit.
Weiter in Richtung Gipfel findet man eine Wasserstelle mit gutem Trinkwasser, an der man die Tanks füllen kann, auch ein Container für den Abfall ist aufgestellt.
Von da an sind überall Stellplätze im lichten Wald vorhanden.
Ein idealer Ausgangspunkt für Jerusalem, aber auch um relaxen zu können und vor allen Dingen dem Trubel und Lärm der Strände und Städte zu entgehen.
Durch die Höhe ist das Klima angenehm und die Nächte mit einer Temperatur von um die 20 ° sehr gut um zu schlafen.
Der letzte Morgen dort oben bescherte uns noch ein wenig Aktion.
Wir sahen Rauch, und packten unsere sieben Sachen zusammen um talwärts zu fahren.
Unterhalb Jerusalems stand der Wald in Flammen, dazwischen die Häuser, man hörte die Gasflaschen, die hier zum kochen gebaucht werden, explodieren.
Kurze Zeit später kamen 2 Löschflugzeuge , dann noch mal Zwei und in relativ kurzer Zeit war das Feuer professionell bekämpft, die Piloten verstehen ihre Arbeit.
In der Nähe des Mittelmeers schläft man in den Sommermonaten im eigenen Saft, sofern man überhaupt zum schlafen kommt, die Luftfeuchtigkeit und der ständige Lärm sind ätzend.
Wir konnten absolut keinen ruhigen Platz in der Nähe des Meers ausmachen.
Nach ein paar Tagen am Sataf mussten wir wohl oder übel wieder in die Nähe des Meeres.
Am Hafen in Ashdod schliefen wir die letzte Nacht in unsererm „Chischtli“, aber auch hier war an viel Schlaf nicht zu denken, die Hitze und Feuchtigkeit war unerträglich.
Die Buchung unseres Frachtschiffes bei Neptunia in München hat hervorragend geklappt, wir wurden fortlaufend informiert über den jeweiligen Stand der Termine.
Die Frachtschiffe verkehren zwar regelmässig, nicht aber mit der Pünktlickeit einer Fähre.
Im Hafen wurden wir von Interdel hervorragend betreut, alle Anlaufstellen wurden mit Mrs. Shosh besucht und die diversen Ausreiseangelegenheiten erledigt.
Was nervig war, die Sicherheitsbeamtin die angeblich für den Hafen zuständig ist, hat uns einem längeren „Verhör“ unterzogen.
Wieso reist man nach Israel? Ich fragte sie wieso nicht!
Dann all unsere Stempel von den afrikanischen Ländern im Pass, sehr verdächtig.
Unser Gepäck wurde wieder mal durch den Scanner gejagt, wieso auch immer, wir wollten ja ausreisen und nicht einreisen.
Die Gebühren von Interdel beliefen sich auf 250 US$, die Shippinggebühren beliefen sich auf 100 $ und die Zollgebüren für’s Fahrzeug beliefen sich auf 53 NIS umgerechnet etwa 12US$.
Wir wurden von Mrs. Shosh an der Grande Elade von Grimaldi abgeliefert und konnten unsere Kabine beziehen und sogleich das Mittagsmenüe in den klimatisierten Räumen geniessen.
Am Abend durfte auch unser „Chischtli“ in den Bauch des Schiffes gefahren werden, zuerst jedoch wurden noch 1600 PKW, diverse Lkw und Container abgeladen.
Die Abfahrt sollte am Sonntag um 2.30 Uhr sein, am Morgen waren wir jedoch immer noch im Hafen usw. endlich am Mittwoch um 5.50 Uhr war es dann so weit, wir konnten auslaufen
Es war nur ein Fahrer der Containerfahrzeuge über Nacht verfügbar und so verzögerte sich unsere Abfahrt immer wieder.
Da wir aber die Annehmlichkeiten einer klimatisierten Kabine und gutes Essen hatten, war die Warterei nicht tragisch.
Wir haben den, neben der Grande Elade gelegenen Duty Free Shop besucht, leider waren die Preise, ausser bei Zigaretten, gleich hoch, steuerfrei, wie bei uns inkl. Steuer.
Ich habe immer gedacht, die Schweiz ist ein Hochpreisland, das war vor Israel.
Wir wurden vom Sicherheitsoffizier in die Sekurityfeinheiten des Schiffes eingeweiht und auf dem Schiff herumgeführt.
Die Crew war überaus freundlich und das Essen italienisch gut, der Kaffee haute einem allerdings aus den Socken, der war so stark, da blieb der Löffel auch ohne Zucker stecken.
Mein Fazit zu Israel;
Israel ist ein wunderschönes Land mit sehr vielen Kulturgütern.
Die Bevölkerung war zwar sehr interessiert an unserer Reise, der Tenor allerdings war, dass sie uns, je nach dem, für verrückt oder mutig hielten.
Allgemein haben die Israelis eine nicht all zu gute Meinung von Afrika und nicht nur von diesem Kontinent.
Eigentlich Angst vor allem, nur im Autoverkehr da ist man mutig, gefahren wird sehr aggressiv.
Durch die kurzen Distanzen wäre das Land problemlos in 3 Wochen zu bereisen.
Es gibt viele schöne Stellplätze, praktisch im ganzen Land, einschliesslich der Westbank,
Den Gazastreifen haben wir ausgelassen, heute finde ich, es war falsch, die Westbank war trotz einschlägigen Warnungen von Israelis alles andere als unsicher, die Bevölkerung freundlich.
Auch hier, wie im Rest von Israel haben wir mit Bushcamps unsere Freiheit, wild zu campen, genossen und hatten nie Probleme.
Der Süden, die Negev Wüste ist mit Vorsicht zu geniessen.
Am Wochenende ist es kein Problem irgendwo zu stehen.
Unter der Woche sind auch die ausgewiesenen Stellplätze besser nicht anzufahren, das Militär ist praktisch überall am üben, und das nicht mit Platzpatronen.
Wir unterhielten uns mit sehr vielen Personen in jedem Alter.
Deren einhellige Meinung war, Israel ist bedroht, von mehr oder weniger dem Rest der Welt ausser den Amerikanern.
Das Vertrauen in andere Völker ist sehr geschwächt um nicht zu sagen nicht vorhanden.
Diese Paranoia ist allgegenwärtig.
Die Jugend ist allerdings vielfach der Meinung, Israel müsste seine Politik ändern, ansonsten wird es dieses in 50 Jahren nicht mehr geben.
Andererseits wird ihnen in den 3 Jahren Militärdienst ein Misstrauen eingetrichtert, das sehr schwer wieder zu entfernen sein wird, so zumindest mein Eindruck.
Wo ich ein grosses Problem sehe, Israel lässt alle, aus allen Ländern dieser Welt einreisen und dort leben, sofern sie den jüdischen Glauben haben.
Die Politik ist vom Glauben bestimmt, was in nicht all zu ferner Zukunft immer mehr Probleme mit sich bringen wird.
Zu viele Ethnien bzw. Kulturen werden hier unter dem Mantel des Glaubens zusammengeführt, dass kann mittelfristig nicht gut gehen.
Nicht versäumen möchte ich hier denen zu danken, die uns freundlich und ohne Vorbehalt aufgenommen haben.
Mit denen offene Gespräche möglich waren.
Speziell Marie und Yair mit ihren drei Söhnen, in denen ich ein klein wenig Hoffnung sehe für das Land Israel.
Ihre Weltoffenheit, Gastfreundlichkeit und ihr Vertrauen sollte dem Israelischen Volk ein Vorbild sein.
Gruss vom europäischen Festland, dem Süden Italiens
Die Fotos werden nachgereicht sobald sie bearbeitet sind
Turi und Stina
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!