Nach Lektüre von Gerhard Göttlers Erfahrungsbericht über den Grenzübergang Rosso (Sahara DuMont Richtig Reisen) und allem was wir über Rosso gehört hatten, war ich auf das schlimmste gefaßt. Mit der Hölle haben wir gerechnet, letztlich war's dann nur halb so schlimm, aber immer noch beschissener als jede Grenze, die ich je in Afrika überquert habe.
Weil wegen der Horrormeldungen die meisten Reisenden über Djama fahren, was ich auch jedem nur raten kann, hier ein kleiner Erfahrungsbericht von einem der's trotzdem probiert hat. Nicht ganz freiwillig, denn wir hatten uns einen Stoßdämpfer ausgerissen und wollten statt Piste lieber Asphalt fahren, daher Rosso - "so schlimm wird's ja schon nicht sein". (Hätte ich gewußt wie es weitergeht, wäre ich wohl auch ohne einen einzigen Stoßdämpfer bis Djama gehoppelt).
Rosso also, das letzte Dreckskaff in Mauretanien, eine grindige afrikanische Grenzstadt mit Menschen, die sich bereits ab Schrittgeschwindigkeit des Autos auf Dich stürzen wie Geier. In dem allgemeinen Gewirr (in dem ich an sich immer recht ruhig bleibe, alles Andere macht ja auch keinen Sinn), diskutiere ich mit einem Polizisten die Vorteile von Djama gegenüber Rosso. Finanziell wäre da nicht viel Unterschied, wie er etwas umwunden zugibt, ohne Geld ginge es da wie dort nicht. Von der Zeit her wäre Rosso kein Problem, alles ginge sehr schnell (was letztlich stimmte, in kaum 30 Minuten waren drüben).
Rosso also, wir fahren auf das Eisentor zur eigentlichen Grenze, das Gewirr um unser Auto wird unbeschreiblich, nicht nur die Schlepper keilen um uns, sondern sogar die Polizisten kriegen sich in die Haare, wer uns "betreuen" darf. Ein verschlagen dreinschauender Maure setzt sich gegen den gutmütigen schwarzen Barry durch, das Tor geht auf, wir sind drinnen. Hier quatschen nur noch die autorisierten Schlepper auf dich ein, jeder versucht dir Pässe, Papiere, Geld zu entreissen. Weil du beim ersten Mal Rosso (ein 2.Mal macht das niemand!) keine Ahnung hast wo du hin mußt, und ohne Schlepper vermutlich auch nicht zu deinen Stempeln kommst, da die Grenzer ja mit den Schleppern zusammenarbeiten, gebe ich irgendwann meine Papier aus der Hand. Das Spiel muß ja irgendwie weitergehen, wenigstens versuche ich den Lauf meiner Papier zu verfolgen. Geld fließt vorerst nicht, vom unsympathischen hektischen und arroganten Schlepper wird vorerst alles ausgelegt.
Wer wieviel Geld bekommt läuft skurrilierweise immer sehr transparent ab: Schlepper zeigt mir die Scheine und macht mich darauf aufmerksam, daß er diesen Betrag jetzt vor meinen Augen diesem Polizisten/Zöllner gibt. Der geht dann mit meinem Geld und meinen Papieren in sein Kammerl (Büro) um zu stempeln, was zu stempeln ist. Als ich beide Stempel, also von Douane und Police habe, schaffe ich es meine Papiere irgendwie an mich zu bringen, was den Schlepper sehr nervös und in der Folge auch agressiv macht: Klar, er hat alles bezahlt, ich habe alles erledigt.
Hier eine Zwischenrechnung meiner bisherigen Ausgaben:
4000 UM Polizist bestochen
2500 UM Douane bestochen (wenn auch gegen Rechnung)
4000 UM Bac (Fähre)
2000 UM Debarquement (Abfahrtsbegühr Fähre)
12500 UM Gesamtausgaben (39 Euro)
Nun gilt es noch eine Versicherung für den Senegal abzuschließen, vorher lassen sie dich gar nicht auf die Fähre (sagt der Schlepper, stimmt also ziemlich sicher nicht). Preisliste gibt es natürlich keine, nach viel hin und her bezahlen wir schließlich 40 Euro, später erfahre ich von anderen, daß man auch 25 oder 90 bezahlen kann.
Nachdem wir nun wirklich alle Formalitäten erledigt haben geht es an die Abrechnung. Der Schlepper bekommt seine 39 Euro "Barauslagen" retour, der Mittelsmann der Versicherung ebenfalls, der Schlepper dann noch ein paar Euro für seine Arbeiten, was er zu meinem Erstaunen ruhig aufnimmt, obwohl es sogar mir wenig vorkommt.
Tschüss Mauretanien, ab auf die Fähre. Im Senegal fallen dann, bei etwas weniger Hektik und Gezerre, nochmals an
5000 CFA Polizei (auf meine Frage nach Berechtigung dieser Kosten legt er seelenruhig meinen Paß zu Seite, also bezahle ich, man läßt ja mit sich reden!)
5000 CFA Douane für Stempel Carnet de passage beim Hintereingang ohne Warten)
5000 CFA gebe ich dem "Vermittler", man ist ja Ehrenmann
15000 CFA Gesamtausgaben (knapp 23 Euro)
Wieder wird das vorgestreckte Geld (ich hatte noch keine CFA) von mir in Euro ausbezahlt, was recht ruhig abgeht. Erst nach der Grenze gibt es großes Theater seitens eines Schleppers, der sich an unser Auto krallt und mitfährt: Angeblich hätte ich ihm sein Geld nicht gegeben, sondern nur dem anderen, der aber gar nicht sein "Ami" sei. Nur durch seine kurze Unachtsamkeit und weils mir echt reicht schaffe ich es diesen Typen durch Kavalierstart loszuwerden.
Die skurrilste Abgabe muß aber noch erwähnt werden:
1000 CFA werden kassiert bei Verlassen des Grenzareales für das Parken auf ebendiesem! Man bekommt sogar eine Rechnung der Gemeinde Richard Toll dafür!
Rechnet man alles zusammen hat mich dieser Grenzübertritt etwas über 100 Euro gekostet (Versicherung allerdings inklusive) und eine sicher bleibende Erinnerung. Irgendwie schade, daß ich nicht mehr nach Rosso kommen werde, das zweite Mal wäre das alles sicher viel einfacher und billiger, weil man dann weiß, wo man hinmuß. Aber um ehrlich zu sein: Nie wieder würde ich hier drüberfahren, wenn auch Djama offensteht, wo man zudem am schönen Djudj-Park vorbeikommt. Nach Erzählungen anderer Reisender dürfte Djama zwar nicht gratis, aber doch deutlich (!) billiger und vor allen sehr viel entspannter zu überqueren sein.
Zur Verteidigung Maurataniens möchte ich freilich noch anmerken, daß Rosso die letzte Enklave der einst überall wuchernden Korruption ist. Als Tourist wurden wir während 4 Wochen im ganzen Land sehr korrekt, höflich und freundlich von den Beamten der Polizei und Gendarmerie behandelt.
Grüsse aus Wien
Martin Friedl
Grenze Mauretanien-Senegal: Rosso - I did it !
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martin friedl
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Grenze Mauretanien-Senegal: Rosso - I did it !
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Manfred Franz
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Re: Grenze Mauretanien-Senegal: Rosso - I did it !
Hallo Martin,
Diama ist nicht billiger, aber wesentlich einfacher und nervenschonender!
Ich fahre grundsätzlich nur über Diama und tanke auch nicht mehr in
Rosso, denn an der 1. Tankstelle fängt das Palaver schon an.
Diama ist nicht billiger, aber wesentlich einfacher und nervenschonender!
Ich fahre grundsätzlich nur über Diama und tanke auch nicht mehr in
Rosso, denn an der 1. Tankstelle fängt das Palaver schon an.
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Gerhard Göttler
- Beiträge: 1148
- Registriert: Mi 14. Sep 2005, 12:36
Re: Grenze Mauretanien-Senegal: Rosso - I did it !
Hallo Harald Friedl!
Für mich und aus der Distanz: Einfach köstlich, dieser Bericht! Und dann noch die Nerven behalten, und alles im Detail gelistet! Toll, muss ich sagen. Vermutlich war es nicht richtig heiß dort ... ;-))
Was mir gefehlt hat: Gabs denn keine Anzeige durch einen Polizisten, weil man den Zöllner bestochen hat? Oder durch den Zöllner, weil man den Polizisten ... Und dann nimmt man das gegen einen Freundschaftspreis wieder zurück ... Einfach köstlich. Es gibt der Möglichkeiten gar viele, sein Geld unter die Leute zu bringen.
Ernsthaft: Es ist schon eigenartig, wie sich dies in Rosso gehalten hat, wo es doch sonst im Land so "normal" geworden ist.
Einen schönen Abend wünscht
Gerhard Göttler
Für mich und aus der Distanz: Einfach köstlich, dieser Bericht! Und dann noch die Nerven behalten, und alles im Detail gelistet! Toll, muss ich sagen. Vermutlich war es nicht richtig heiß dort ... ;-))
Was mir gefehlt hat: Gabs denn keine Anzeige durch einen Polizisten, weil man den Zöllner bestochen hat? Oder durch den Zöllner, weil man den Polizisten ... Und dann nimmt man das gegen einen Freundschaftspreis wieder zurück ... Einfach köstlich. Es gibt der Möglichkeiten gar viele, sein Geld unter die Leute zu bringen.
Ernsthaft: Es ist schon eigenartig, wie sich dies in Rosso gehalten hat, wo es doch sonst im Land so "normal" geworden ist.
Einen schönen Abend wünscht
Gerhard Göttler
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martin friedl
- Beiträge: 68
- Registriert: Mo 13. Mär 2006, 17:34
Re: Grenze Mauretanien-Senegal: Rosso - I did it !
Ja mich wundert es auch, dass dieses letzte Nest nicht ausgeräuchert werden konnte, der Unterschied zu allen anderen Behördenkontakten im Land ist inzwischen ja ganz gewaltig. Besser dürfte es gegenüber "Deinen alten" Zeiten aber schon geworden sein.
Im übrigen bin ich der Martin Friedl, nicht der Harald. Ein Harald Friedl (auch Österreicher, nicht mit mir verwandt) war mal im Niger recht aktiv und hat eine recht interessante Arbeit geschrieben über die Hintergründe des Tourismus in Agadez...
Grüsse aus Wien
Martin Friedl
Im übrigen bin ich der Martin Friedl, nicht der Harald. Ein Harald Friedl (auch Österreicher, nicht mit mir verwandt) war mal im Niger recht aktiv und hat eine recht interessante Arbeit geschrieben über die Hintergründe des Tourismus in Agadez...
Grüsse aus Wien
Martin Friedl
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barbara-syncro
- Beiträge: 82
- Registriert: Fr 17. Feb 2006, 17:53
- Wohnort: Allgäu
Genau!
:( Kann Deine Beschreibung in vollem Umfang aus eigener Erfahrung im März 07 bestätigen. Die Einreise über Diama ist allerdings, wie Franz schreibt, nur möglich wenn man schon ein Mauret.-Visum im Pass hat. dann sind es über den Deich 100 km Piste. Ausserdem stellen die in Rosso d. Visum nur als Transit für 3 Tage aus. Wegen Problemen mit d. Auto, konnte ich nur durch Vermittlung d. Botschft (übrigens sehr, sehr nett u. hilfsbereit) u. eines deutsch sprechenden einflussreichen Mauretaniers, in Nouakschott ein normales Visum bekommen. Grüsse barbara-syncro
Netter Erlebnisbericht
von Dir Martin. Also ich fahre gewöhnlich auch über Diama, wenn ich in den Senegal will, schon weil ich immer mit alten Autos fahre und kein Carnet besitze. Wenn ich aber mal ohne Auto bzw. als Mitfahrer bei Touristen bin, kann es schon passieren, dass ich gelegentlich in Rosso rüberfahre. Da habe ich mittlerweile eine der dort arbeitenden Schlepper zum "Freund" befördert. Den rufe ich dann vorher an, er macht mir alles und ist mit 1000 - 2000 UM zufrieden.
Und mehr musste ich dort auch nicht bezahlen, kein Bakschisch für Zoll oder Polizei, ausser wenn ich ausserhalb der Dienstzeiten ankomme, dann aber auch nie mehr als 1000 UM pro Nase bzw Uniform.
Für die die gerne mal Rosso live erleben möchten oder müssen: Mein Spezi dort heisst Abdelmin und hat die Tel.Nr. 6606811.
Aber wie gesagt, Diama ist schöner.
Wolfi
Und mehr musste ich dort auch nicht bezahlen, kein Bakschisch für Zoll oder Polizei, ausser wenn ich ausserhalb der Dienstzeiten ankomme, dann aber auch nie mehr als 1000 UM pro Nase bzw Uniform.
Für die die gerne mal Rosso live erleben möchten oder müssen: Mein Spezi dort heisst Abdelmin und hat die Tel.Nr. 6606811.
Aber wie gesagt, Diama ist schöner.
Wolfi




