Sinkender Wasserspiegel, fremde Arten, Klimawandel - kaum irgendwo in Afrika zeigen sich die Wechselwirkungen unterschiedlichster ökologischer Probleme so deutlich wie am Viktoriasee ...
Geoffrey Obure verdient seinen Lebensunterhalt schon seit 15 Jahren als Fischer auf dem Victoriasee, doch so schlimm wie jetzt war die Lage an Afrikas größtem Binnensee noch nie. «Vor zehn Jahren konnten wir auf den See fahren und kamen mit der vierfachen Menge Fisch von dem zurück, was wir heute fangen», sagt der 34-Jährige Kenianer aus Kisumu. Die umstehenden Fischer der Fischereigenossenschaft von Dunga Beach nicken. Sie alle kennen die Probleme, klagen über schlechten Fang und Einkommensrückgänge ...
Der riesige Victoriasee erstickt unter einem Teppich von Wasserhyazinthen. Schiffsverkehr mit Uganda ist kaum noch möglich. Nun sorgen die Unruhen im Land dafür, dass auch aus Nairobi kaum noch Nachschub kommt ...
Der Viktoriasee im Großen Afrikanischen Grabenbruch ist der größte See auf dem afrikanischen Kontinent. In dem riesigen Gewässer spielt sich seit 40 Jahren ein biologisches Drama ab ...
Der Viktoriasee ist Symbol für unüberlegtes Eingreifen in die Natur: In den sechziger Jahren siedelte man hier gezielt den Nilbarsch an, die Fischereiwirtschaft rieb sich schon die Hände angesichts der zu erwartenden Gewinne aus dem Geschäft mit dem begehrten Speisefisch. Und tatsächlich - der Nilbarsch, nun Viktoriabarsch genannt, vermehrte sich rasend schnell in seiner neuen Umgebung. Doch den Preis für den Erfolg musste mal wieder die Natur zahlen: Der Raubfisch rottete innerhalb von 40 Jahren die ehemals 400 Fischarten im Viktoriasee fast vollständig aus, die ganze Region ist mittlerweile abhängig von der Fischindustrie, die sich nur noch um den Viktoriabarsch dreht.
Von sinkendem Wasserspiegel ist zurzeit am Lake Victoria keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil! Die Regenzeit fällt in diesem Jahr besonders heftig aus. Mehr als eine halbe Million Menschen musste bereits ihre Häuser an Ugandas Ufern des Lake Victoria aufgeben. Dazu kommt, dass sich eine schwimmende Insel im Victoriasee gelöst und zwei Dämme, die der Stromgewinnung dienen, verstopft hat. Das führt zu massivem Stromausfall. Auch der Westen Kenias ist betroffen ...
Eine neun Fußballfelder große, schwimmende Insel war vom Festland abgebrochen und war auf dem Victoriasee herum getrieben. Letztlich wurde sie durch die Strömung in den Abfluss des Nils geschwemmt und verstopfte dort zwei Dämme, die zur Stromgewinnung dienen. Die Turbinen des Nalubaale-Damms direkt am Nilabfluss, des daneben liegenden Kiira-Damns sowie des acht Kilometer flussabwärts gelegenen Bujagali-Damms stehen bis heute aufgrund von Überhitzung teilweise still [...] Seitdem bemüht sich ein ganzes Bataillon von Soldaten und Ingenieuren mit Baggern, Baukränen und Hebeanlagen den schwimmenden Morast aus den Dammmauern zu säubern. Dabei handelt es sich zum Großteil um schwimmende Wasserhyazinthen, die den See und dessen Ufer seit Jahrzehnten wie eine Plage besiedeln.
Lake Victoria | Wasserhyazinthe als neue Energiequelle?
Verfasst: So 8. Aug 2021, 09:24
von Birgitt
Wasserhyazinthen sind ein großes Problem am Victoria-See. Afrikas größter Süßwassersee wird von den Pflanzen regelrecht überwuchert. Könnte die Gewinnung von Biogas eine Lösung sein?
Erfinder Dominic Kahumbu hat eine Idee [...] Dafür müssen die Wasserhyazinthen geschreddert und anschließend gemahlen werden. Die pürierte Masse wird dann in eine Maschine gefüllt [...] und darin in Biogas umgewandelt [...] So könnten viele Probleme auf einen Schlag gelöst werden: Der See würde endlich entschlackt und gesäubert. Die Tierwelt könnte sich regnerieren, Mensch und Natur könnten sich erholen. Ärmere Haushalte hätten die Chance, neue Energiequellen zu bekommen. Die meisten ländlichen Haushalte hier sind noch immer auf Kerosin, Holzkohle oder Feuerholz angewiesen. Mit nur zwei bis drei Kilogramm Wasserhyazinthen-Rohstoff lässt sich ein Herd für eine warme Mahlzeit betreiben