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Achtung: Zur Zeit nicht möglich! Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Di 2. Jul 2024, 15:15
von LarryFisherman
Hallo liebes Wüstenschiff,

da nun auch die Permit für das Gorilla-Trekking in Uganda von 700 auf 800 $ und Ruanda mit 1500 $ jenseits von Gut und Böse liegt haben wir nach einer anderen bzw. günstigeren Möglichkeit gesucht diese einmalige Erfahrung uns leisten zu können. In diesem Theard möchten wir zunächst unsere Erfahrungen mit euch teilen und auf die günstigere Möglichkeit aufmerksam machen. Zusätzlich ist es aktuell eine ziemlich leichte und verhältnismäßige sichere Option den Kongo zu bereisen, auch wenn ein paar Kilometer weiter nördlich die Rebellengruppe M-23 Gebeitsgewinne rund um die Stadt Goma verzeichnen, so scheint die Region am südlichen Teil des Lake Kivu erstmal stabil zu sein. Natürlich ist ein genaueres informieren der Lage vor Einreise ratsam!

Die Erfahrung des Gorilla-Trekkings gehört bei uns und wahrscheinlich bei den meisten Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben, zu den beeindruckendsten Erlebnissen, die man auf einer Reise durch (Ost-)Afrika wahrscheinlich machen kann. Zeitgleich fördern die hohe Gebühren die Erhaltung der Lebensräume, sichert das Bestehen der Art und hilft im besten Fall der Community um die Nationalparks auch noch, auf der anderen Seite passiert auch viel negatives rund um die Parks. Besonders in Ruanda und Kongo sollte man es wohl etwas kritischer beurteilen. Wenn da jemand eine Meinung oder Erfahrungen zu hat, dann schreibt diese gerne mal. Die negativen nachrichten aus "Kahuzi-Biege-Nationalpark" waren für uns auch fast ein Grund dort nicht hin zu reisen. Der Wille diese Erfahrung aber zu machen hat am Ende gesiegt, woanders hätten wir uns die einfach nicht leisten können...

Erfahrung in Uganda

Erster Versuch war am nördlichen Zugang des Bwindi Nationalparks in Uganda, hier soll es laut Overlander ein Camp geben, bei dem man mit Glück die Gorillas beobachten kann wie sie die benachbarte Bananenplantage plündern. Das soll wohl auch zwei Tage vor unserer Ankunft der Fall gewesen sein, bei unseren drei Tagen vor Ort hatten wir leider kein Glück... auch die Möglichkeit in der Nebensaison vor Ort die restlichen Permits zu einem vergünstigten Preis zu bekommen ist seit der zentralen Buchung über das neue System wohl nicht mehr möglich. Auf ein eher unseriöses Angebot von unserem Gastgeber sind wir nicht näher eingegangen.

Erfahrung in Ruanda

Auch wenn uns von Anfang an klar war, dass wir diese Erfahrung nicht in Ruanda machen werden, so wollten wir es uns zumindest vor Ort einmal ansehen. Besonders das neue "Dian Fossey Gorilla Fund Center" und der Platz an der "Baby Gorilla Gaming Ceremony" waren äußerst sehenswert, beide Attraktionen sind sogar auch kostenlos und runden das Erlebnis um das Trekking ab. Gerade die VR-Experience im "Dian Fossey Center" war der Erfahrung im Wald sehr sehr nah, für Kinder und Jugendliche, die am Trekking nicht teilnehmen dürfen, ist dieser Ort ein gutes Trostpflaster!

Gorilla-Trekking im Kongo:

Nun gab es nur noch die Möglichkeit das Gorilla-Trekking in der Demokratischen Republik Kongo zu absolvieren. Nach kurzer Recherche war uns klar, dass der "Virunga Nationalpark" in der Nähe der Stadt Goma am Lake Kivu keine Alternative ist. Seit 2021/22 kommt es in der Gegend wieder vermehrt zu Kämpfen zwischen der "Bewegung des 23. März" und den kongolesischen Truppen. Kongo selber beschuldigt Ruanda für das erneute Aufflammen des Konfliktes, die durchaus ein Interesse an einer weiteren instabilen Situation im Kongo hätten. Selber wird das natürlich geleugnet... So oder so ist Goma und der Nationalpark eine No-Go Area für Touristen und zudem ist der Park auch geschlossen. Als "Albert-Nationalpark" im Jahre 1925 durch die belgische Kolonialmacht gegründet und später geteilt, gilt der "Virunga Nationalpark" als der älteste Nationalpark Afrikas.

Jetzt blieb als letzte Option nur noch der "Kahuzi-Biega-Nationalpark", nach einer kurzen Suche im Netz scheint der Park geöffnet zu sein und die Preise sind mit 400 $ für Erwachsene und 200 $ für Studierende auch recht erschwinglich. Was ein Glück noch immatrikuliert zu sein ;) Auf der Website des Nationalparks gibt es alle nötigen Informationen und Dokumente um das benötigte Einladungsschreiben per Mail an den NP zu beantragen. Bei uns hat es leider nicht 5-7 Tage gedauert, sondern etwas über 14 Tage, bis wir nun das Einladungsschreiben hatten. Mit dem Einladungsschreiben bekommt man an der Grenze relativ einfach und mit der Hilfe von 100 $ pro Person ein siebentägiges Visum für die DR Kongo. Die Fahrt von Bukavo (Grenzübergang ist Rusizi I) dauert etwa 1,5 - 2 h. Die Strecke ist zu etwa einem Drittel asphaltiert und dann gefolgt von einer wirklichen schlechten Straße, soweit aber alles machbar. Die vielen Checkpoints der Polizei und des Militärs zeugen von der Bedrohung geben aber auch ein Gefühl der Sicherheit. Manchmal wird man sehr böse angeguckt, bekommt einen "Fuck-Finger" oder mehrere gezeigt sonst hält es sich in Grenzen.

Im Park selber angekommen gibt es verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten, mit der Hilfe von u.a. deutscher Entwicklungshilfe wurde dort vor einigen Jahren alles hübsch gemacht und kann sich im Vergleich zu Rest des Landes wirklich sehen lassen. Wir haben für 25 $ pro Nacht pro Fahrzeug in unserem RTT auf dem Dach des Autos geschlafen. Es wurde uns für die Toilette und Dusche ein Raum aufgeschlossen. Es scheinen laut Gästebuch in Abständen von einer Woche doch regelmäßig Touristen dort zu nächtigen, die meisten kommen aber nur mit einer Tagestour aus Ruanda und übernachten nicht im Kongo. Während unserer zwei Nächte vor Ort konnten wir aber keine anderen Touristen antreffen. Insgesamt haben wir uns sehr wohl gefühlt und fast alle Ranger sprachen gutes englisch. Das Trekking selber war relativ fix, da unsere Gorillagruppe es sich am Anfang des Parks gemütlich gemacht hat. Wie auch in Uganda und Ruanda üblich durften wir eine Stunde bei der Gruppe bleiben und konnte sogar beobachten wie sie auf einem Baum nach Früchten gesucht haben. Angeblich nur für diese Unterart üblich, das kann ich aber nicht bestätigen... Zusätzlich ist der Unterschied zu den Berggorillas nach Uganda und Ruanda, das es sich hier um die östlichen Flachlandgorilla handelt, welche wohl die größte (körperlich gesehen) aller Unterarten bildet. Aber auch hier bin ich kein Experte.

Ausreise nach Burundi:

Unser Plan war es Kongo in Richtung Burundi zu verlassen um uns die erneuten Visagebühren für Ruanda und den Umweg über Tansania zu sparen. Da die Grenze zwischen Ruanda und Burundi ja nun schon wieder seit einiger Zeit geschlossen ist, geht dieser Weg sowieso nicht mehr. Bei einem kurzen Blick auf die Karte sieht man, dass es theorietisch aus Bukavu eine direkte Verbindung nach Uvira gibt. Die Stadt am nördlichen Ende des Lake Tanganjika hat einen Grenzposten zum benachbarten Bujumbura (Burundi), hier liegt aber leider auch schon das Problem...

Die Straße von Bukavu nach Uvira war mit Abstand die schlimmste, die wir auf unserer ganzen Reise gefahren sind. Deutlich deutlich schlimmer als alles andere und diese Straße ist als RN (road nationale) eingetragen, hier erlebt man Kongo pur! Knapp 120 km "Off-Road" durch die Berge mit tiefen Furchen und Matschlöchern aus der Regenzeit und mehr LKWs auf der Seite liegend als fahrend. Mit sehr viel Geduld und Zeit innerhalb von 8-9 h aber machbar.

ABER: da hatten wir die Rechnung noch nicht mit dem hohen Wasserstand des Lake Tanganijka gemacht, es war nämlich die Straße zur Grenze auf knapp 5 km überflutet, teilweise nur bis zum Knöchel aber teilweise auch bis zum Bauchnabel. Zusätzlich schliesst die Grenze noch um 18 Uhr, also alles in allem eine nicht wirklich einfache Erfahrung und die Route über Tansania ist vielleicht doch die bessere Variante. Aber überzeugt euch gerne selbst in den Bildern.

Hier noch ein paar Impressionen von dem Gorilla-Trekking selbst und der furchtbaren Straße von Bukavu nach Uvira um nach Burundi zu gelangen:

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Re: Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Mo 15. Jul 2024, 14:43
von Achim Vogt
Lieber Larry,

ganz herzlichen Dank für Euren tollen Bericht und die vielen präzisen Infos - von den Fotos ganz zu schweigen!

Nun kommt mir wieder die undankbare Aufgabe zu, etwas Wasser in den Wein zu mischen :roll: Der Ostkongo ist und bleibt ein unsicheres Reisegebiet. Bukavu ist aktuell vermutlich die sicherste Stadt in der Region. Goma ist derzeit eingekreist vor allem von der durch Rwanda unterstützten Rebellenbewegung M23. Von dort aus ist überland kein Weiterkommen! Schon die Stadt Sake, nur rund 25 Kilometer westlich, wird von Rebellen kontrolliert, in Minova, ein paar Kilometer südlich und ebenfalls am See, wurden sogar Boote angegriffen. Goma selbst ist von Binnenvertriebenen überfüllt, aufgrund der prekären Versorgungssituation herrscht Nahrungsmittelknappheit. Übergriffe können deshalb nie ausgeschlossen werden.

Von Bukavu aus ist die Strecke zum Nationalpark Kahuzi-Biega noch frei. Allerdings gibt es ganz aktuell Befürchtungen, die M23 könnte womöglich weiter nach Süden vordringen. Dann sähe die Situation wieder völlig anders aus. In jedem Fall ist es ratsam, sich quasi täglich über die aktuelle Sicherheitslage zu erkundigen. Bei insgesamt 133 militärischen Gruppen fällt dabei der Überblick selbst für erfahrene Kongoles*innen schwer.

Die beschriebene Strecke von Bukavu nach Uvira ist noch relativ sicher. Von Uvira nach Kalemie wäre dringend die Autofähre zu empfehlen, da es auf der Überlandstraße Überfälle, z.B. von lokalen Pygmäen-Gruppen gegeben hat.

Noch ein kurzer Satz zu den internationalen Friedenstruppen: die UNO-Truppe MONUSCO ist inzwischen weitgehend abgezogen. 2023 gab es eine Friedenstruppe der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), die aber von Kongos Präsident Tschisekedi aus dem Land geworfen wurde. Stattdessen gibt es nun - auf Bitten Kongos - eine Friedenstruppe der südafrikanischen Staatengemeinschaft SADC (SAMIDRC). Sie ist aber faktisch zu klein, um es ernsthaft mit M23 oder anderen Gruppen aufzunehmen. Schutz konnten alle drei Truppenkontingente nicht bieten.

Das sollte jede/r Reisende im Hinterkopf haben, der oder die ernsthaft über einen Abstecher in den Kongo nachdenkt.

Viele Grüße
Achim

Re: Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Di 16. Jul 2024, 07:45
von picco
Hoi zämä

Wir waren 2016 in der DRC, damals war die kurze ruhige Phase, in der man wieder rüber konnte...
Wir haben erst das Berggorilla-Tracking gemacht und sind danach auf den Nyragongo rauf.
Den Reisebericht findest Du hier (klick mich)
Wir hatten das Glück in Ruanda beim Besuch von Dian Fossey's Forschungsstation zweimal auf eine Berggorillagruppe zu stossen, darum hab ich schon in allen drei möglichen Ländern Berggorillas in der freien Natur sehen dürfen.

Wie ists denn in Burundi weitergegangen, hast Du da irgendwo was geschrieben oder schreibst Du da noch was?
Bin zwar schon mal am Flughafen Bujumbura gelandet und gestartet, aber noch nie ausgestiegen. Dabei wäre er perfekt um eine Tour am Lake Tanganjika zu starten...

Re: Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Do 18. Jul 2024, 20:05
von LarryFisherman
@Achim: vielen Dank für deine aktuelle Einschätzung, auch wir haben leider in den Nachrichten die extreme Verschlechterung der Situation rund um Goma und den Kivu See vernehmen müssen. Wir hatten sogar Teile der UN Mission bei deren Abzug beobachten können, einige Schützenpanzer? im Konvoi auf Tiefladern haben unseren Weg gekreuzt.

Ein weiteres Bedenken unserer Seite ist das teilweise sehr harsche Vorgehen der Ranger vom Kahuzi-Biega Nationalpark gegen die lokale Bevölkerung und der tatkräftigen Unterstützung durch die BRD. Das ist wohl auch ein ziemlich trauriges Kapitel, eine kurze Online-Recherche reicht und man stößt auf viele negative Meldungen. Birgitt hat letztens die Publikation der BPB "Der grüne Krieg" vorgestellt, wo der Kahuzi-Biega wohl auch thematisiert wird. Sofern es da neue Erkenntnisse meinerseits gibt, werde ich das hier nochmal posten.


@picco: Interessanter Bericht, wird sich später im Dachzelt genauer angeguckt. Burundi war im Gegensatz zu Kongo wieder etwas "normaler". In Bujumbura hatten wir zwei volle Tage damit verbracht unser 5 Tage Visum bei der Behörde zu verlängern, dann sind wir noch zum Nationalmuseum in der neuen Hauptstadt Gitega gefahren. Ein paar Tage später an die südlichste Nilquelle und dann noch im Bururi Forest das Schimpansen Trekking gemacht bevor unser Visum erneut fast ausgelaufen ist sind wir rüber zur Grenze nach Tansania. Alles in allem ziemlich entspanntes Land, ziemlich ähnlich zu Ruanda nur deutlich zurück. Relativ wenige Highlights, da der Tanganjika noch überflutet war und unsere Zeit durch das Visum begrenzt, haben wir uns entschlossen den See erst wieder in Kigoma zu besuchen. Dort war es erstaunlich schön und viel zu sehen! Natürlich immer in Relation ;)

Wenn du konkrete Fragen hast, dann sag gerne Bescheid. Unsere Erfahrungen aus Burundi sind sehr positiv geprägt, liegt vielleicht auch den einigen negativen Erfahrungen aus dem Kongo.

Lieben Gruss,
Larry

Re: Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Do 18. Jul 2024, 20:44
von Rebhuhn
Danke Euch Allen für die tollen Bilder und interessanten Infos !!!!!

Gerhard

Re: Gorilla Trekking in DR Kongo als preiswerte Alternative?

Verfasst: Fr 19. Jul 2024, 11:08
von Cheldon
Tolle Bilder und mal ein aktueller Reisebericht. Danke
Bessere Zeiten gab es in der Region nur wenige. Die Gorillas haben wir auf unserer Reise noch für 350$ in Ruanda besucht.

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Ein Abstecher mit einem lokalen Taxi nach Goma hat uns damals gezeigt, mit dem eigenen Fahrzeug tun wir uns den Kongo nicht an…

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Gorilla Trekking in DR Kongo aktuell unmöglich!!

Verfasst: Do 30. Jan 2025, 08:25
von Achim Vogt
Nach Angaben aus dem Osten des Kongo selbst dringen die Rebellen inzwischen schnell von Goma aus Richtung Süden vor. Die Einnahme der Stadt Bukavu wird für das Wochenende erwartet. Damit ist eine Fahrt zu den Gorillas im Kahuzi-Biega Park derzeit lebensgefährlich und unmöglich!! Das ist traurig, noch vor zwei Tagen war eine kleine Gruppe dort, heute morgen wurden noch Einladungsschreiben verschickt. Aber die Ereignisse überschlagen sich.

Bereits vor zwei Tagen beschrieb ein Freund aus Bukavu Vorfälle in Orten entlang des Sees, so in Nyabibwe, Numbi und Lumbishi. Offenbar wollen die Rebellen die Provinz Süd-Kivu komplett übernehmen, nachdem sie nun bereits weite Teile der Provinz Nord-Kivu kontrollieren. Es gibt Berichte über Rebellen in Zivilkleidung, die bereits nach Bukavu eingesickert sein sollen.

Gute und sichere Reise!
Achim