Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

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Aparillo
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Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von Aparillo »

Die strengen Einreisebestimmungen für Autofahrer wurden mittlerweile geändert.
Man muß keine Dokumente und auch keine Kaution mehr an der Grenze zurücklassen.
Die Prozedur ist etwas kompliziert, da nicht ganz klar ist, wer wofür zuständig ist und kaum jemand Englisch spricht.
Man muß das Auto deklarieren und eine Versicherung abschließen. Das ganze kostete 41$. Man bekommt eine Quittung über die Einfuhr und eine Versicherungspolice. Die Fahrzeugkontrolle erfolgte nur zur Aufnahme technischer Daten, durchsucht wurde nichts.
Benötigt werden: Reisepaß, nationale Fahrzeugpapiere, Grüne Versicherungskarte (obwohl sie im Irak nicht gilt).
Die vom ADAC beglaubigte Vollmacht des Fahrzeughalters wurde anerkannt.

Der Einreisestempel gilt für 15 Tage Aufenthalt.

Der Übergang Habur(TR) war für die Ausreise gut organisiert.

Bin mal gespannt auf die Rückfahrt.
pegatu
Beiträge: 21
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Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von pegatu »

hallo aparillo: braucht man für Irak kein Visum? Bist Du direkt von der Türkei (E90) nach Irak eingereist? welchen Reiseführer habt Ihr benutzt, wo übernachtet? würde mich über Antworten freuen (das wäre die Verwirklichung eines Traums), Gruss Pegatu
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Achim Vogt
Moderator
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Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Aparillo,

das sind ja gute Neuigkeiten! Vielen Dank für die Info!

Interessant ist, dass Du schreibst, dass der Einreisestempel für 15 Tage gilt. Bisher war die Regel so - und das wäre dann auch die Antwort auf Pegatus Frage -, dass ein kurdisches Visum für zehn Tage galt. Allerdings kenne ich das nur von den Flughäfen in Erbil und Suleimaniyah.

@Pegatu: Mit einem kurdischen Einreisevisum lässt sich ausschließlich die kurdische Autonomieregion bereisen! Das Visum gilt nicht für die Weiterfahrt in andere Landesteile, die aufgrund der Sicherheitslage ohnehin faktisch unmöglich ist.

Es gibt in Kurdistan zahllose Hotels in allen Preislagen, am besten ist die Situation in Erbil.

Viele Grüße
Achim
Aparillo
Beiträge: 36
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 22:52

Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von Aparillo »

Soweit ich weiß gibt es aus der Türkei kommend nur den Grenzübergang Habur/Ibrahim Khalil (Straße von Silopi nach Dohuk). Die Übergänge zum Iran sind allerdings auch offen.
Für die Einreise in das kurdische Autonomiegebiet benötigt man kein vorab beantragtes Visum. Wer sich sorgt, ohne Visum loszureisen - z.B. von der Airline nicht mitgenommen zu werden, kann bei der kurdischen Vertretung in Berlin ein Begleitschreiben bekommen. Dort bekommt man auch sehr unkompliziert sonstige Auskünfte.
Ohne vorab eingeholtes irakisches Visum darf man das kurdische Gebiet keinesfalls verlassen. Selbst die Einheimischen, mit denen ich Kontakt habe, tun dies aus Sicherheitsgründen nicht, obwohl sie es dürften.

Auf dem Stempel steht, daß man fünfzehn Tage bleiben darf. Das muß brandneu sein, hatte vorher auch immer von zehn Tagen gelesen.

Wir haben in Dohuk privat, in Erbil in einer Pension übernachtet. Es gibt in den Städten zahlreiche Hotels.
Auf dem Weg habe ich viele schöne wilde Stellplätze für Wohnwagen gesehen. Bei der Hitze macht das allerdings keinen Spaß. Deshalb hatte unser Wohnwagen hier im Irak auch Pause, wir sind nur mit dem Auto herumgefahren.

Einen Reiseführer haben wir nicht. Es gibt soweit ich weiß einen Lonely Planet, der das Gebiet in einem Kapitel behandelt. Ordentliches Kartenmaterial ließ sich auch nicht auftreiben. Selbst die OSM Karte ist teilweise fehlerhaft. Das GPS war jedoch wegen der lückenhaften Beschilderung eine große Hilfe.
Wer sich verfährt, kommt bis zum nächsten der vielen Polizeiposten. Dort wird man meist nach dem Ziel gefragt und bekommt die Richtung gezeigt.
Den Paß und die an der Grenze erstellten Fahrzeugpapiere muß man an diesen Posten öfter mal vorzeigen.

Ein unkompliziertes Ziel - außer im Hochsommer...
Aparillo
Beiträge: 36
Registriert: Mi 10. Feb 2010, 22:52

Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von Aparillo »

Wir sind nun wieder in der Türkei.

Der Grenzübertritt war eher unangenehm.

Auf irakischer Seite wusste wieder niemand über die Bestimmungen und Zuständigkeiten Bescheid. Im Endeffekt mussten wir eine Passagierliste für das Auto ausfüllen und durch die Passkontrolle. Dann wurde das Auto noch sehr oberflächlich durchsucht und der Paß gestempelt. Für Iraker, auch mit deutschem Paß, gelten strengere Bestimmungen als für Normaltouristen.

Auf türkischer Seite wurde ich von einem Mechaniker mit Ölhänden abgetastet, dann wurde ohne Rücksicht auf Schäden das Auto durchsucht. Zum Glück durfte ich nach Protest vieles selbst ausräumen. Die Zöllner gingen sehr unprofessionell vor. Sie scheiterten bereits am Öffnen der Heckklappe, fanden die VIN nicht und grapschten sonst nur wahllos in unseren Sachen herum.
Man kann das Fahrzeug auch röntgen lassen, das ist allerdings mit zusätzlicher Wartezeit verbunden.

Die Formalitäten zur Fahrzeugeinfuhr waren ein einziges Chaos. Ich wurde 2x zum ersten Schalter zurückgeschickt, weil dort Fehler gemacht wurden.

Auf beiden Seiten sprach niemand Englisch und es gab sich auch niemand Mühe zu kommunizieren. Dafür waren zahlreiche Deutsch-Kurden ausgesprochen hilfsbereit.
Diese meinten, wir hätten riesiges Glück, da aufgrund des Ramadans nichts los ist und die Grenzer immerhin gearbeitet haben. Sonst steht man wohl oft bereits 5 Stunden auf der Grenzbrücke oder die Grenzer machen einfach Pause und lassen die Reisenden warten.

Ein wahnsinniger Kontrast zu dem schönen Land mit überaus freundlichen Menschen jenseits der Grenze!
Johnson
Beiträge: 5
Registriert: Mi 28. Sep 2011, 22:25

Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von Johnson »

Hallo zusammen,

vielen Dank für diese aktuellen Informationen, sie haben uns im Vorfeld sehr geholfen. Ich kann das so bestätigen. Wir sind von Marivan (Iran) aus eingereist. Es stand nie zur Debatte, dass der Pass einbehalten wird und man hat uns auf kurdischer Seite sofort nach der Fahrzeugdesinfektion durch einen Beamten in Empfang genommen, der uns durch das Einreiseprocedere begleitet hat. Nach einer Prüfung der Pässe und Fahrzeugpapiere (man sprach hier teilweise auch grundlegend Englisch) wurden wir zum Grenzkommandanten gebracht, der uns erst einmal mit Wasser versorgt, die Papiere erneut geprüft und eine Art "Einreisefreigabe" erstellt hat. Dann wurden die Pässe gestempelt und wir mussten zur Fahrzeugeinreise in ein Häuschen, das nicht gleich so leicht zu finden war. Dort gab es erst einmal zwei kalte Sprite für uns und nach kurzer Wartezeit wurde das Fahrzeug überprüft, im Pass eingetragen und wir konnten weiterfahren. Kurdische Nummernschilder haben wir keine anbringen müssen, der Versuch, eine KFZ-Versicherung abzuschließen blieb leider auch erfolglos. Die maximale Aufenthaltsdauer ohne Verlängerung beträgt wie geschrieben 15 Tage.

Wir hatten nur knapp 3 Tage im Nordirak eingeplant weil wir nach knapp 9000 gefahrenen Kilometern auf dem Heimweg waren und so wollten wir für zwei Nächte nach Erbil. Die fehlende Ausschilderung hat sich hier als klares Hindernis erwiesen. Wenn man Zeit hat, ist das kein Problem, da die Einheimischen gerne weiterhelfen. So haben wir über zwei Stunden bis Sulaymaniyah gebraucht. Nicht zuletzt auch wegen der zahlreichen Polizei- und Militärposten, hier wurden wir an jedem herausgwunken und mussten zum Chef. Ich hatte den Eindruck, das war eher wegen reiner Neugierde und aus Interesse bei der Kombination deutsch-luxemburgisches Touristenpaar mit einem 26 Jahre alten deutschen Auto. Das lief alles sehr nett ab, hat aber irgendwann genervt. Ich habe dann irgendwann begonnen, die Situation zu meinem Vorteil zu nutzen. Ich musste auf Toilette, also habe ich das dem Kommandanten gesagt. Kein Problem. Nächster Posten: ich musste Geld tauschen, also habe ich das dem Kommandanten gesagt. Hat er gemacht, kein Problem ;-).
In Sulaymaniyah war dann klar, dass wir die 250 Kilometer bis Erbil an diesem Tag alleine nicht mehr schaffen würden. Wir haben dann einen Taxifahrer engagiert, der uns dorthin gelotst hat. War preislich ok und die Kontrollen waren dann auch erledigt.
Von Erbil an die türkische Grenze (Ibrahim Kalili) war die Ausschilderung etwas besser. Die Ausreise aus dem Irak war etwas schwierig weil man uns bei der Einreise ein Dokument für das Auto hätte ausstellen müssen, was man aber nicht getan hat. Ohne dieses ist eine Ausreise aber nicht möglich. Man hat uns wiederum von kurdischer Seite aus "an die Hand" genommen und ist mit uns von Posten zu Posten bis hin zum Kommandanten, der das genehmigen musste. Das war langwierig aber ist absolut korrekt gelaufen. Sehr hilfreich waren hier auch die zahlreichen Deutschkurden und Gastarbeiter, die zum einen meine Frau unterhalten und zum anderen die Grenzer angehalten haben, uns möglichst schnell abzufertigen. Ohne wäre es auch gegangen aber es war beruhigend zu wissen, wo man gerade beim Ausreisevorgang steht. Nach zweimaliger (recht genauer) Zollkontrolle an zwei Posten direkt hintereinander ging es dann auf die Grenzbrücke. Und hier beginnt der unschöne Teil. Wir sind schon oft in die Türkei ein- und auch wieder ausgereist aber das war ein Verhalten wie wir es schon seit 10 Jahren nicht mehr erlebt haben. Zunächst standen wir über eine Stunde bei 45 Grad auf der Grenzbrücke und zwar nur weil die Türken keine Lust hatten uns abzufertigen. Als es endlich weiterging, empfing uns ein unfreundlicher, überheblicher Soldat. Alles musste schnell gehen, alles war eine furchtbare Hektik und es wurde permanent das Gefühl vermittelt, das wir diejenigen sind, die hier den ganzen Verkehr aufhalten. Ich hatte das Gefühl, dass die pro Stunde 5 Fahrzeuge abfertigen und das war es dann wieder. Auto abstellen, alle Türen und Klappen auf. Alles ausräumen und durch das Röngtengerät, meine Frau musste das alles schleppen weil ich musste ja beim Auto bleiben. Schnell wieder einräumen. Das Auto wurde durchsucht und zwar ebenfalls recht grob wie beschrieben. Dann schnell wieder einräumen. Jetzt konnte erst die Einreise beginnen. Natürlich fehlte auch hier ein Stempel, wenn das gehäuft vorkommt, dann erscheint das schon etwas wie Schikane.
Mag sein, dass es ein Schmuggelproblem gibt. Mag auch sein, dass die beiden Länder kein gutes Verhältnis haben. Mag auch sein, dass es in der Region wegen anhaltender Konflikte angespannt ist. Das rechtfertigt aber meiner Meinung nach nicht das Verhalten der Türken. Ich hätte das an jeder anderen der zahlreichen Grenzen, die wir passiert haben erwartet aber nicht dort.
Fazit: Ich kann es absolut empfehlen, die autonome Region Irak-Kurdistan zu bereisen. Sehr nette Menschen und atemberaubende Landschaften. Die Aus- und Einreise muss man in Kauf nehmen und dementsprechend Zeit einplanen, dann ist das auch kein Problem.

Grüße,

Johannes
schnorr
Beiträge: 2207
Registriert: Mi 15. Feb 2006, 21:42
Wohnort: Kölner Umland
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Re: Kurdistan-Irak: Neue Bestimmungen

Beitrag von schnorr »

Johnson hat geschrieben: Fazit: Ich kann es absolut empfehlen, die autonome Region Irak-Kurdistan zu bereisen. Sehr nette Menschen und atemberaubende Landschaften.
danke für die infos.

gibt es von euch bilder hier im wüschi von den atemberaubenden landschaften? :roll: :roll:
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://jschnorr.com/
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