Iran | Transit geführt

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alex_k
Beiträge: 39
Registriert: Mi 23. Feb 2022, 09:28

Iran | Transit geführt

Beitrag von alex_k »

Hallo zusammen,

im Zuge der Vorbereitung für unsere Reise auf die Arabische Halbinsel ab Herbst 2023 überlegen wir aktuell ob die Route über den Iran vertretbar ist und wie man das Risiko reduzieren kann.

Wir waren bereits 2017/18 für vier Wochen selbst organisiert mit eigenem Fahrzeug im Iran - sind also nicht ganz unerfahren. Einen längeren Aufenthalt wollen wir in der derzeitigen Lage ausschließen jedoch wäre evtl. vertretbar Transit von der Türkei in den Irak durchzuführen (sollte in unter einer Woche machbar sein).

Zur weiteren Risikoreduktion überlegen wir einen Guide zu engagieren, der uns bei der Routenwahl und den Übernachtungsorten helfen könnte und natürlich auch ggf. die Kommunikation vereinfacht.

Evtl. wär es auch sinnvoll mit einem oder zwei weiteren Fahrzeugen zu reisen. Falls jemand hier Interesse hat bitte melden (geplanter Zeitraum November 2023).

Für Tipps zu empfehlenswerten Guides oder Organisationen wären wir sehr dankbar! Auch ist natürlich jegliches Feedback zum Plan willkommen.

Vielen Dank & Grüße

Alex
sysiphus
Beiträge: 393
Registriert: Mi 28. Dez 2022, 16:18

Re: Iran | Transit geführt

Beitrag von sysiphus »

alex_k hat geschrieben:
Sa 11. Feb 2023, 16:37
Hallo zusammen,

im Zuge der Vorbereitung für unsere Reise auf die Arabische Halbinsel ab Herbst 2023 überlegen wir aktuell ob die Route über den Iran vertretbar ist und wie man das Risiko reduzieren kann.

Wir waren bereits 2017/18 für vier Wochen selbst organisiert mit eigenem Fahrzeug im Iran - sind also nicht ganz unerfahren.
Vielen Dank & Grüße

Alex

Hallo,

da Du nach Meinungen fragst: Die aktuelle Lage ist absolut unkalkulierbar, denn hier geht es nicht um irgendeine Vermeidung (möglicherweise) schwieriger Umstände (an die man als Reisender gewöhnt ist), sondern um die Politik eines Regimes in globaler Spannungssituation, die den Iran ganz besonders betrifft. Da helfen auch keine Erfahrungen, man kann kein Risiko reduzieren, wenn dessen Kriterien nicht kalkulierbar sind. Die Iraner sind bekanntlich selbst der Willkür ausgesetzt; mit dramatischen Folgen!

So gibt es z.B. auch etliche französische Reisende, die unter konstruierten Vorwänden in Haft sind (ein Foto in der "falschen" Richtung genügt). Dabei ist es gleichgültig, wie diese Anschuldigungen lauten, denn sie sind in diesen Fällen klar widerlegt. Das Regime nimmt die Reisenden in Haft, weil sie - wie sich in vergangenen Fällen gezeigt hat - als politische Geiseln einen gewissen Stellenwert haben.
Ich würde deshalb diese Route zur Zeit nicht erwägen. Das ist aber nur eine sehr persönliche Meinung neben möglicherweise konträrer Sicht!

Gruss
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Achim Vogt
Moderator
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Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
Wohnort: Kampala / Uganda

Re: Iran | Transit geführt

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Alex,

willkommen. Sysiphus hat insofern recht, als es in den letzten Jahren immer wieder Festnahmen im Iran gegeben hat. Zuletzt wurde erst am 17. Januar dieses Jahres ein Deutscher verhaftet. Vorgeworfen wird den Festgenommenen fast immer, militärische oder zum Beispiel für die strategisch wichtige Ölförderung bedeutende Anlagen fotografiert zu haben. Teilweise mag das sogar stimmen, denn es ist als Ausländer fast unmöglich immer zu erkennen, was sensibel ist und was nicht (mir wurde in Ägypten mal das Fotografieren des Nils verboten, der eine strategische Wasserstraße sei!!! :lach: ).

Die Proteste seit Ende September 2022 haben ebenfalls zu einem erhöhten Risiko beigetragen. Nach Angaben der iranischen Behörden wurden im Zusammenhang mit den Demonstrationen neun Ausländer, darunter auch Deutsche festgenommen.

Bisher sind allerdings die überwiegende Mehrheit der Verhafteten entweder Doppelstaatler (also mit einem iranischen und einem westlichen Pass) oder im Iran forschende / arbeitende Menschen gewesen. Reisende waren nur sehr, sehr selten betroffen - aber es passiert eben auch. Deshalb habe ich immer wieder davor gewarnt, Drohnen in den Iran mitzunehmen. Mehrere Fälle sind auf illegales Fliegen von Drohnen zurückzuführen, wie es dieser Artikel des Guardian über den prominenten Fall zweier neuseeländischer Blogger beschreibt (unten im Bericht), die Ende Oktober 2022 freikamen:

New Zealand couple detained in Iran for months leave the country
(The Guardian, 25. Oktober 2022)

Andererseits sind aber auch zahlreiche Reisende in den vergangenen Monaten ohne Probleme durch den Iran gereist, darunter auch Deutsche und Wüstenschiffer*innen. Es ist also möglich, aber wie Sysiphus richtig schreibt, unkalkulierbar.

Ein Argument, was Du nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest: während es unsicher ist, ob Du Dein eigenes Risiko mit einem Guide wirklich reduzieren kannst, setzt Du Deine iranische Begleitung in jedem Fall einem erhöhten Risiko aus!

Das Risiko musst Du also selbst abwägen. Wenn es Dir zu hoch erscheint, könntest Du immer noch die Variante über den Irak versuchen, obwohl es darum in den letzten Monaten still geworden ist (umgekehrt ist es einfach, aber in Nord-Süd-Richtung musst du von Erbil nach Bagdad fliegen und dort ein Visa on Arrival am Flughafen holen - zuletzt wurden aber Reisende am Flughafen in Erbil daran gehindert, ein Flugzeug nach Bagdad zu besteigen).

Viele Grüße
Achim
michaelahummer
Beiträge: 10
Registriert: Sa 2. Okt 2021, 16:32

Re: Iran | Transit geführt

Beitrag von michaelahummer »

Hallo Alex,

so wie Achim schreibt, musst du das Risiko mit Sicherheit selbst abwägen, es wird immer in gewisser Weise unkalkulierbar sein. Noch dazu kannst du heute keine Risiko für eine Reise im Herbst richtig abwägen.

Wir haben Mitte bis Ende November 2022 den Iran in 10 Tagen von Bazargan nach Banda-e Lengeh durchquert. Wir sind eine Familie mit einem dreijährigen Sohn. Davor waren wir im Mai und Juni zwei Monate im Land. Uns wurde im November von zwei Tourguides und unserer Visaagentur im Land gesagt, dass wir keinen Guide für einen reinen Transit benötigen. Hätten wir trotzdem einen buchen wollen, hätte uns die Visaagentur TapPersia einen Guide mit eigenem Auto, inkl. seiner Verpflegung für eine Woche um ca. 850 Euro vermittelt. Wir haben uns dagegen entschieden, da wir uns gut dabei fühlten, alleine durchzufahren.

Dieses Mal haben wir uns aber in offiziellen Guesthouses einquartiert. Nicht nur wegen der Sicherheit, auch weil wir so zumindest ein bisschen was an die Bevölkerung zurückgeben konnten, die von dieser Situation wieder einmal am meisten getroffen wird. Wir fühlten uns unterwegs nie unsicherer als im Frühjahr. Die Menschen waren unverändert gastfreundlich, genauso wie beim ersten Besuch.

Bei Kontrollen wurden wir immer durchgewunken. Wir wissen von zwei Familien (Schweiz) aus erster Hand, dass sie zur gleichen Zeit ohne Probleme ihre 45 Tage Visa ausnutzen konnten. Einige andere, die wir kennen sind im Transit durch. Ein befreundetes Paar war von Ende September bis Mitte November ohne Vorfälle selbstständig quer durchs Land unterwegs.

Wahrscheinlich müsst ihr alle möglichen Wege in Betracht ziehen, es kann sich so rasch etwas ändern. Ein Guide wäre zu unserem Transitzeitpunkt auf jeden Fall auch sehr kurzfristig zur Verfügung gestanden, ich war vier Tage vor der geplanten Einreise mit der Agentur in Kontakt.

Liebe Grüße, Michi
alex_k
Beiträge: 39
Registriert: Mi 23. Feb 2022, 09:28

Re: Iran | Transit geführt

Beitrag von alex_k »

Jetzt bin ich aber wirklich überwältigt von den vielen, ausführlichen Antworten - ganz herzlichen Dank!

Die Antworten zeigen die sehr schwierige Bewertung der Lage und es natürlich nicht abzusehen wie es in 9 Monaten aussieht. Wir haben auch zunächst Variante Iran verworfen (ursprünglicher Plan). Aktuell sehen wir ein sehr geteiltes Bild. Viele Reisende sind ohne Probleme im Iran unterwegs gewesen in den letzten Monaten und es werden nach wie vor organisierte Reisen in den Iran angeboten (auch von Deutschen Anbietern). Auch Tap Persia sieht touristische Reisen nach wie vor als unkritisch an. Die politische Dimension und die Relevanz für Touristen bleibt das was nicht einschätzbar ist.

Was wir als Strategie zur Risikominimierung unternehmen können ist zunächst einmal sich an die Vorschriften des Landes zu halten. Also z.B. natürlich keine Drohne mitführen und evtl. einfach gar keine Fotos im Iran machen. Da kommt dann auch der Reiseführer ins Spiel der einem helfen könnte aus Unwissenheit Fehler zu machen. Die Dimension den Reiseführer in Gefahr zu bringen hatte ich bisher nicht auf dem Schirm - danke dafür Achim. Wir wollten eigentlich im Gegenteil dafür sorgen das der Reiseführer noch etwas verdienen kann. Die schwierige wirtschaftliche Situation der Reiseführer könnte dazu führen das er ein zu hohes Risiko eingeht und das eher herunterspielt.

Grundsätzlich werden wir flexibel bleiben und den für uns akzeptabelsten Weg wählen - auch wenn die Kosten höher sind. Die Variante mit Schiff Mersin - Haifa bleibt im Fokus und ist hoffentlich auch nach dem Erdbeben noch möglich. Die Irak (Türkei - Kurdistan) Variante sehen wir eher für die Rückreise es sei denn die Visathematik ändert sich (Visa doch im Vorfeld erhältlich). Parallel dazu prüfen wir noch Verschiffungsoptionen, die aber den Reiseverlauf erheblich stören würden, da wir zuvor in Georgien sein werden.

Viele Grüße

Alex
alex_k
Beiträge: 39
Registriert: Mi 23. Feb 2022, 09:28

Re: Iran | Transit geführt

Beitrag von alex_k »

Wir haben die Idee weiterverfolgt und Angebote von Reiseführern/Agenturen eingeholt. Es gibt die Möglichkeit als geführte Reisegruppe, die beim Tourisministerium gemeldet ist, zu fahren - inkl. der passenden Visa (Reiseplan). Eine Agentur hat bereits letztes Jahr eine Reisemobilgruppe geführt und entsprechende Erfahrung mit dieser Reiseform.

Falls jemand hier einen Iran Transit im November plant und sich ggf. anschliessen möchte gerne via PM melden.

Viele Grüße

Alex
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