Trophäenjagd

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Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

Hallo,

wenn sich Lokals zu ihrer Versorgung Bushmeat beschaffen, finde ich das durchaus ok.
Ziel muss es doch sein, den Lokals das Recht einzuräumen, sich in ihrem Lande, ihrer Region in begrenztem Umfang und situationsbedingt von Wildtieren ernähren zu können, ohne dabei gleich zu "Wilderern" abgestempelt zu werden. Die Bezeichnung "Wilderer" wird gerne von den weissen Jägern benutzt, um ihre Vorherrschaft und Anspruch gegen diese Art von Jagdkonkurrenten zu sichern.

Die Lokals für den Gedanken des Natur- und Artenschutzes zu gewinnen, fällt schwer, wenn sie mit "Hunger im Bauch" zusehen, wie weisse Trophäenjäger in ihrer Heimat tun und lassen können, was sie wollen.

In Zimbabwe z.B. haben sich die NP-Ranger ab - und zu auch einen Elefanten geholt und aufgefuttert - na und ? - sie hatten Hunger, waren sie deshalb Wilderer ?
Ich habe skelettierte Elefanten gesehen, die hatten noch ihre Stosszähne, da war Hunger im Spiel.

Nun könnte man gleich wieder sagen "Geldverschwendung !, lass das Abschiessen von Trophäenjägern erledigen und kassiere ordentlich Geld, je mehr, desto besser" ...... und genau darin sehe ich das Problem - sobald die Trophy-Hunters mit ihren Dollarbündeln wedeln, gerät alles ausser Kontrolle.

Fürs Culling und für echte Problemtiere sind m.M. nach staatlich beauftragte Professionals zuständig, der Zugriff der Lokals auf Bushmeat muss ebenfalls staatlich (District-Ranger oder was auch immer) geregelt werden.
(--> Wildlifemanagemant)

Mal ein paar Gedanken .....


Gruss

Lothar
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Lothar hat geschrieben:Nun könnte man gleich wieder sagen "Geldverschwendung !, lass das Abschiessen von Trophäenjägern erledigen und kassiere ordentlich Geld, je mehr, desto besser" ...... und genau darin sehe ich das Problem - sobald die Trophy-Hunters mit ihren Dollarbündeln wedeln, gerät alles ausser Kontrolle.
Inwiefern geraet es ausser Kontrolle?

[Ich frag ja nur.]
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

:.. eine Antwort gibt es erst nach deiner Stellungnahme zum Gesamtgedanken.
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Mit dem Antwort geben oder mit dem eingehen auf die Argumente anderer hast du's irgendwie nicht so, oder?
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

Erwartest du wirklich eine Antwort auf deinen Vorschlag, den Buschmann, den Jäger aller Jäger, in die Hütte zu schicken und seine Jagd von "Trophäenjägern-Spezies" erledigen zu lassen ?

welche Beziehung hast du eigentlich zu Afrika bzw. zu den Buschmännern, wenn du so einen Vorschlag machst ?
Kannst du dir vorstellen, dass für sie die Jagd DER Lebensinhalt war/ist und wie unwürdig sie sich jetzt als
Almosenempfängern fühlen ? Nein danke .....

Deine letzte Frage zeigt die gleiche Ferne von der afrikanischen Realität ...
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Lieber Lothar; ich habe den Eindruck, dass wir den Begriff "Realtiaet" auf leicht unterschiedliche Art erklaeren wuerden. Und waehrenddem ich nicht darauf beharre, dass meine Deutung die richtige ist, bin ich mir sehr sicher, dass es deine auch nicht sein kann.

Selbst die Buschleute (oder heisst es wirklich Buschmaenner?) werden sich wohl oder uebel in ihrem Lebensstil der Realitaet anpassen muessen, wenn sie auf die eine oder andere Art ueberleben wollen. Ich befuerchte, dass es das Afrika, von dem du traeumst nicht mehr gibt... und vielleicht auch nie gegeben hat.

Wenn wir schon bei den Buschleuten angekommen sind. Vielleicht wirst du mir widersprechen - aber ich bin der Meinung, dass der Grund, dass es den San (so heissen sie doch richtig) heute schlecht geht nur wenig mit der Trophaeenjagd zu tun hat sondern damit, dass sie von den heutigen Regierungen dieser Laender ganz einfach nur als minderwertiger Stoerfaktor angesehen werden - aus ihren Gebieten in der Kalahari hat man sie wegen dem ganz normalen Tourismus vertrieben. Nachlesen kann man das unter anderem hier: viewtopic.php?p=5797#p5797
landcruiser.
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von landcruiser. »

So ganz kann ich die Diskussion nicht nachvollziehen.

Tophäenjagd (gegen Geld) ist keine Jagd im eigentlichen Sinn sondern lediglich ein Geschäft (was ja nicht grundsätzlich negativ ist).

Das ganze Brimborium mit der Rettung der Einheimischen vor der Hungersnot mithilfe der Trophäenjagd kann man jemand erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange zumacht. :shake:

Solange es ein Angebot und eine Nachfrage gibt, wird es auch Trophäenjagd geben.

Den Rest regelt der Markt.

Wenn ein Land das verbieten will, ist das deren Sache und geht sonst niemand was an.

Wollte mal sehen was passiert, wenn ein "Afrikaner" Ambitionen hätte in D die Drückjagd oder Doppelkopf verbieten zu wollen. :lach:

Und wer Fleisch aus der Ladentheke verzehrt sollte sich erst eine Schweinemast und einen Schlachthof live anschauen, bevor er seine hehren Argumente gegen die Jagd äußert.

Habe fertig! :lol:

(PS: Nichtjagend)
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

@Kuno:
Wenn wir schon bei den Buschleuten angekommen sind. Vielleicht wirst du mir widersprechen - aber ich bin der Meinung, dass der Grund, dass es den San (so heissen sie doch richtig) heute schlecht geht nur wenig mit der Trophaeenjagd zu tun hat sondern damit, dass sie von den heutigen Regierungen dieser Laender ganz einfach nur als minderwertiger Stoerfaktor angesehen werden
Das Beispiel „Buschmann-Jagd“ kam von dir !

Ja, die Buschmänner - ich bleibe bei „Buschmann“, weil es nicht nur San sind - werden von der eigenen Bevölkerung als „zweitklassig“ angesehen und geraten auch deshalb ins Abseits, aber ich habe auch nicht behauptet, dass die Situation der Buschmänner durch die Trophäenjagd entstanden ist, sondern :

Wenn Buschmänner (wieder) jagen (könnten) sollte man sie lassen, und ihnen keine Trophäenjäger vor die Nase setzen. Wer das befürwortet, sollte wissen, was er damit anrichtet.

Im Übrigen gibt es Initiativen und Erfolge, den Buschmännern wieder mehr Raum zu Leben und Jagen zu geben, da sollte sich die Trophäenjagd doch besser raushalten.

Das ist meine Meinung, ich beharre nicht auf deren Richtigkeit, bin mir in dem Punkt aber ziemlich sicher.

Und zur Realität Afrikas - die ist zu vielschichtig und komplex, um die Zusammenhänge zu verstehen - richtig -
aber wenn es ums Geld (Dollarbündel) geht, werden die Zusammenhänge relativ einfach und länderübergreifend, insofern wundert es mich, weshalb du bei meinem Vorschlag ausgerechnet DEN Punkt aufgreifst, der mir am ehesten vorhersehbar erscheint.
Ich befuerchte, dass es das Afrika, von dem du traeumst nicht mehr gibt... und vielleicht auch nie gegeben hat.
Weise Worte, ich weiss bloss nicht, worauf du sie beziehst. Nach gut 2000 Übernachtungen seit 1998 im Busch, auf Community-Camps, bei Einheimischen und auf private-camps träume ich nicht mehr, sondern habe schon etwas von der Realität mitbekommen und sehe auch, wohin die Reise geht.

So Kuno – ich denke wir lassen mal unsere Privatkonversation, es sei denn du hast noch etwas konkret zu meinem Vorschlag anzumerken.

Gruss
Lothar
Guido3

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Guido3 »

Hallo,
Lothar hat geschrieben:Wenn Buschmänner (wieder) jagen (könnten) sollte man sie lassen, und ihnen keine Trophäenjäger vor die Nase setzen. Wer das befürwortet, sollte wissen, was er damit anrichtet.
Mal als Beispiel die wohl bekanntesten San in Namibia, nämlich die Ju/hoansi primär in den Conservancies Nyae Nyae und N#a-Jaqna in der Tsumkwe-Gegend. Für N#a-Jaqna liegt kein detaillierter Report vor. Für die San in der Nyae Nyae Conservancy ist die Trophäenjagd die mit großem Abstand wichtigste Einnahmequelle. Wenn Du denen morgen die Trophäenjagd verbietest, bricht da alles zusammen. Für den Eigenbedarf dürfen die natürlich auch selbst jagen.
diagramm.gif
Stand 2010.

Beste Grüße

Guido
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Lothar hat geschrieben:So Kuno – ich denke wir lassen mal unsere Privatkonversation, es sei denn du hast noch etwas konkret zu meinem Vorschlag anzumerken.
Lothar;Ich war der Meinung dass diese Diskussion hier oeffentlich ist, nicht privat.
Du hast Schwierigkeiten, die Meinungen anderer zu reflektieren und mit mit deienr eigenen zu vergleichen und beharrst auf deinen vorgefassten Gedanken. Das hilft nicht der Diskussion und am Ende auch nicht der Sache an und fuer sich sondern du verrenst dich in eine Sackgasse. Ich will noch nicht sagen, dass du mich irgendwie an einen religioesen Eiferer erinnerst, glaube aber doch langsam Anzeichen dafuer zu erkennen.
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

@ Kuno:
auf dem Wege eines religiösen Ereiferers ? - ein Witz ! Nein, ich bin einfach der Meinung, die Trophäenjagd gehört abgeschafft und "Sackgasse" ? - ich bin davon überzeugt, dass dieses früher oder später passieren wird. Ein Bewusstseinswandel braucht nun mal seine Zeit. Du scheinst vehement daran festhalten zu wollen, das finde ich eher bedenklich.
Botswana setzt ein Zeichen und ich hoffe, dass andere folgen werden.


@Guido:

Das ist ein Fortschritt, dass sie dort wieder jagen dürfen, das war wie gesagt nicht immer so.
Das Camp „Grashoek“ und das „Omatako-Camp“ (weiter östlich) sind leider in einem Zustand, der von die meisten Campern nicht akzeptiert wird (sauber, schön, aber das war es). Wen wundert es, dass dort kein Umsatz gemacht wird. Eigentlich hat die Gegend dort viel Tourismus-Potential.

Der Kaudom NP ist in der Nähe, das Buschland mit den riesigen Baobabs und die schnelle Verbindung nach Botswana und nicht zuletzt ein Besuch der San selbst sprechen für die Gegend als touristische Attraktion, aber es scheint sich dort ja etwas zu entwickeln. Ein Besuch lohnt sich jedenfalls.

In absoluten Zahlen betragen die Einnahmen aus der Trophäenjagd ca.100.000 EUR.
Tourismuseinnahmen von 275. EUR/Tag ergäben den Betrag ebenso, und wenn ich an das Entwcklungshilfe-Budget von irgendwo um die 15.000.000 EUR denke ...

Wo bleiben eigentlich die Einnahmen vom Kaudom NP, gehen die an den San vorbei ?

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Aber du verbindest deine Statistik mit meiner Antwort auf Kunos Vorschlag und der war sinngemäß:
Die Jagd der Bushmänner von Trophäenjägern mit einem sauberen Blattschuss erledigen zu lassen, in Prinzip die Beutetiere den San mit Dollars abzukaufen.

und das gerade jetzt, wo sie wieder jagen können, das wäre nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders. Das war meine Aussage.

Gruss

Lothar
Kuno
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Kuno »

Es geht also doch, dass man auch in einem anstaendigen Ton schreibt :) Das freut mich.

Ich bin selber kein Trophaenjaeger und habe auch nicht die Ambition einer zu werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, warum man sich in Siegerpose mit einem Stiefel auf dem Kopf des erlegten Tieres posierend fotografieren laesst, wenn man weiss, dass einem das Tier direkt vor den Lauf getrieben wurde und nicht den Hauch einer Chance auf entkommen oder gar auf einen Sieg hatte. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass die Jagd an und fuer sich ein sehr spannedes Unternehmen sein kann - ob man dabei das gestellte Tier wirklich erschiessen muss oder ob man sich mit einem Foto als Trophae zufrieden geben kann ueberlasse ich den Jaegern. Unter Jagd verstehe ich aber etwas anderes, als einfach nur vor dem Opfer abgesetzt zu werden und es dann ohne eigenes Risiko zu toeten. Aus diesem Blick kann ich der Bogenjagd, wie sie weiter oben erwaehnt wurde schon einiges mehr abgewinnen.

So. Auch wenn ich nun absolut kein Befuerworter der Trophaenjagd bin, versteige ich mich nicht dahin, gleich alle "Weissen Jaeger" pauschal zu verurteilen - dafuer ist das Thema viel zu vielseitig. Man muss versuchen, alle moeglichen Facetten des Themas zu beleuchten und es hilft nicht unbedingt weiter, wenn man nicht nur ausschliesslich auf dem der eigenen Meinung beharrt sondern auch alle anderen Ansaetze gleich als falsch und verwerflich abtut.

Und grundsaetzlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass die groesste Bedrohung fuer die noch (halbwegs) freilebenden Tiere in den Afrikanischen Savannen heute nicht die (legale) Trophaenjag ist sondern das unkontrollierte Wildern, vor allem bei bedrohten Arten, und der unersaettliche Landhunger der explodierenden einheimischen Bevoelkerungszahl. Je mehr Menschen - desto weniger freilebende Tiere; ich glaube, dass diese Gleichung zutrifft. Ich waere sehr froh, wenn mir jemand im letzten Punkt mit guten Argumenten widersprechen koennte.
PeterC
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von PeterC »

Kuno hat geschrieben:die groesste Bedrohung fuer die noch (halbwegs) freilebenden Tiere in den Afrikanischen Savannen heute nicht die (legale) Trophaenjag ist sondern das unkontrollierte Wildern, vor allem bei bedrohten Arten, und der unersaettliche Landhunger der explodierenden einheimischen Bevoelkerungszahl. Je mehr Menschen - desto weniger freilebende Tiere; ich glaube, dass diese Gleichung zutrifft. Ich waere sehr froh, wenn mir jemand im letzten Punkt mit guten Argumenten widersprechen koennte.
Leider: nein.

Wenn die Tiere keinen Wert mehr haben, weil sie das eigene Überleben bedrohen durch Anwesenheit, Konkurrenz um knappe Ressourcen wie Wasser oder nutzbares Land dann werden sie umgebracht. Siehe Bruno der Bär in Bayern.
Wenn sie einen Wert für Trophy Jäger haben, dann werden die zahlen. Und wenn Wilderer besser zahlen, bekommen die den Zuschlag. Da stimme ich dir zu, die Dollars machen das Rennen.
Die paar Ranger (wahrscheinlich schlecht bezahlt im Vergleich zur Wilderer Unterstützung, also wenige Idealisten) können nur wenig machen und wenn ein Tier tot ist, dann spielt es leider keine Rolle mehr ob man noch den Wilderer vertreibt.

Peter
Die schnellste Verbindung zwischen 2 Punkten ist nicht zwingend eine Gerade
Guido3

Re: Trophäenjagd

Beitrag von Guido3 »

Hallo Lothar,
Lothar hat geschrieben:In absoluten Zahlen betragen die Einnahmen aus der Trophäenjagd ca.100.000 EUR.
Tourismuseinnahmen von 275. EUR/Tag ergäben den Betrag ebenso, und wenn ich an das Entwcklungshilfe-Budget von irgendwo um die 15.000.000 EUR denke ...
Es sind schon damals eher 150.000 EUR und heute wahrscheinlich eher 200.000 EUR. Dann gibt es rund 100 Conservancies und Concessions allein in Namibia. Dazu unzählige private Game Farmen mit Trophäenjagd. Und das multipliziert sich dann noch mal auf ca. 15-30 Länder in Afrika mit Trophäenjagd.

Die westlichen Staaten setzen mit ihrer Entwicklungshilfe völlig zurecht andere Schwerpunkte, weil Ernährung, Infrastruktur und Bildung viel mehr zur Entwicklung eines Landes beitragen als eine Abschaffung der Trophäenjagd. Die Naturschützer, die die Trophäenjagd kategorisch ablehnen, müssten also ein paar hundert Millionen EUR selbst aufbringen, um die Trophäenjagd zu ersetzen. Nicht einmalig sondern jedes Jahr. Wie ich schon mal geschrieben habe, hört das Engagement vieler "Naturschützer" schlagartig auf, wenn es ans eigene Geld geht. Völlig illusorisch so was zu stemmen. Deswegen ist ein kurzfristiges Verbot der Trophäenjagd aus ideologischen Gründen realitätsfern und kontraproduktiv. Das Ziel der Abschaffung der Trophäenjagd halte ich für richtig, aber man muss erst vor Ort die Alternativen entwickeln und da sprechen wir über Zeiträume von 20 Jahren.
Lothar hat geschrieben:Wo bleiben eigentlich die Einnahmen vom Kaudom NP, gehen die an den San vorbei ?
Welche Einnahmen? Da gibt es nur eine homöopathische Anzahl an Touris. Es gibt keine offiziellen, kostenpflichtigen Camps im Park. Die da generierten Einnahmen dürften nicht mal die Kosten für die paar Ranger im Park decken. Und der Nationalpark gehört nicht zu den angrenzenden Conservancies der San.

Richtig ist, dass die Gegend touristisches Potenzial hat. Aber sie liegt etwas abseits und der Staat entwickelt den staatlichen Nationalpark eben bislang nicht. Der Staat hat auch vor einigen Jahren in der Nähe den Mangetti Nationalpark deklariert, wo es auch Nashörner etc. gibt. Aus unbekannten Gründen wird der seit Jahren auch nicht für Touristen eröffnet. Die Gegend und die San würden sicher mehr Touristen (und deren Geld) abbekommen, wenn beide Parks vernünftig betrieben würden. Werden sie aber nicht und Du kannst Namibia auch nicht zwingen, es ab morgen zu tun. Und nun? Trophäenjagd trotzdem verbieten und die San in existenzielle Nöte bringen?

Beste Grüße

Guido
Lothar
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Re: Trophäenjagd

Beitrag von Lothar »

@ Guido:

Ich stelle mal die Frage (keine Fangfrage), ob du gelegentlich dort vor Ort bist und dir die Situation der San anschaust ?

Ich war diverse Male dort, habe dort auf den Camps übernachtet, Dorfrundgänge und Bushwalks gemacht, die Schule dort besucht (10 Minuten Spassunterricht gegeben :wink: ) , habe dort die Wasserversorgung reaktiviert etc. und Zeit für Gespräche mit den Leuten gehabt ....

Und nun? Trophäenjagd trotzdem verbieten und die San in existenzielle Nöte bringen?
Die San waren dort ins existentieller Not, trotz/wegen Trophäenjagd

Schade, ich habe gerade mein Fotoarchiv durchsucht, aber das gesuchte Bild leider irgendwann aussortiert .....

Es wurde 2009 aufgenommen und hätte ein kleines Äckerchen gezeigt, auf dem ein paar vertrocknete, verkümmerte Mais und Gemüsepflanzen zu sehen gewesen wären.
---------------------

Nun zu der Situation der San und eine kurze Zusammenfassung der Gespräche:

Es hing eine tiefe Depression über dem Dorf. Die jungen Männer sassen völlig demotiviert, um nicht zu sagen apathisch herum. Man hatte ihnen eine aufwendige automatische Wasserpumpstation gebaut, die nicht mehr funktionierte, die aber niemand reparieren konnte.
Sie mussten daher mit Kanistern ins 5km entfernte Dorf trampen, um Wasser zu holen.
Allerdings nehmen die Fahrzeugbesitzer Geld dafür, das die San wiederum nicht haben.
Entsprechend war die körperliche Verfassung.

Wir dürfen nicht mehr jagen und das in frage kommende Jagdgebiet ist zu klein und wir haben dort so wie so gar keine Tiere mehr. Stattdessen sollen wir uns durch Ackerbau selbst versorgen.

Er zeigte mir das „Anbaugebiet“, ein paar 10mx10m-Felder, total vertrocknet, dort war das Foto entstanden.

Wovon lebt ihr dann ?

Wir bekommen Mais zugeteilt.


Es liegt auf der Hand, was dort passiert ist: Dort, wo früher die San gejagt haben, jagen jetzt gut zahlende Trophäenjäger und bringen Geld für Veranstalter und sonst wen, und den San hat man gesagt - werdet sesshaft und betreibt Subsistenzwirtschaft. Soviel zum Segen der Trophäenjagd.
Auch diese Seite muss mal gezeigt werden.

Es ist ja, wie gesagt, schon ein Fortschritt, dass sie wieder jagen dürfen und man erkannt hat, dass es so nicht geht. Aber ich befürchte, die Tiere in der Region sind durch die Trophäenjagd so scheu geworden, dass die San damit nur schwer klarkommen.

2010, also aus dem Jahr deiner Statistik waren wir zufällig :wink: auch wieder dort. Mit uns eine Gruppe von ca. 10 Touristen, die allerdings nicht übernachtet haben, nicht jedermanns Sache ....


http://naturetrail.privat.t-online.de/TemPic/Camp.jpg


Wir haben zu zweit ca. 60 EUR dort gelassen, hochgerechnet also ca. 360 EUR Einnahmen.
Die Jagdgebiete dort lassen sich wohl leider nicht so schnell auf Fototourismus umstellen, da ich „paranoides Verhalten“ der Tiere vermute, gesehen haben wir jedenfalls dort nichts, auch nicht, als wir „abseits“ unterwegs waren. Die Elefanten in der Region haben den Ruf, ziemlich unberechenbar zu sein - warum wohl ?

Soviel soweit ein anderer Aspekt der T-Jagd und um einmal aufzuzeigen, WARUM mir Gedanken, den San ihre Jagdbeute abzukaufen, so gegen den Strich geht .....

Gruss

Lothar

PS: Kaudom bringt (noch) nichts ein - stimmt ! war ein Schnellschuss
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