Tja, da stehe ich wohl tatsächlich weitgehend alleine da. Unsere Gesellschaft wird wohl noch ein paar Jährchen benötigen, um die Auswirkungen von Lärm zu begreifen. Aber ich habe ja auch nicht vermutet, dass man in einer Gruppe Hundehalter begeisterte Hundehaufensammler findet.
HJ61 hat geschrieben:… Erzähl doch bitte mal, wie bist Du in den Oman gekommen, und wie in die Wüste? …
Gerne, Gerhard: Meine Frau und ich sind mit einem "Standard"-Wohnmobil für ein knappes halbes Jahr unterwegs gewesen. In flachen Wüstengebieten sind wir gerne vorsichtig und möglichst ohne Belästigung anderer Menschen ein Stück abseits der Strassen in die Landschaft gefahren. Das war nicht mehr Belastung als das ganz normale An- und Abfahren der Einheimischen.
In der Wahiba haben uns Einheimische mit in die Sandwüste genommen. Wir haben bei denen übernachtet und versucht, so weit wie möglich deren Leben zu teilen — und das waren relativ "normale" Leute. Den Lärm veranstalteten meiner Wahrnehmung nach die Menschen aus den Städten und die Ausländer.
Zu den hier weitgehend gleichen "Argumenten": Das sind aus meiner Sicht weitgehend wenig hinterfragte Allgemeinplätze. Es geht nicht um "das allein Seeligmachende", sondern um Vernunft, Respekt und Verständnis. Meinetwegen auch um das Vormachen einer Lebensart, die sich
nicht im Wegwerfen von Plastikmüll in der Landschaft,
nicht in sinnfreien Kreisfahren, nicht in der hemmungslosen Zurschaustellung seiner teuren Industrieprodukte oder ähnlichem manifestiert.
Vor einigen Jahren verfolgte ich eine Diskussion im Internet, geführt von Menschen, die über Aktiengewinne ein gewisses Vermögen ihr eigen nennen konnten. Es gab dabei viel Begeisterung für einen Protagonisten, der mit seinem Speedboat morgens um sechs zum Sonnenaufgang mit Vollgas über "seinen" See bretterte. Verständnis für andere Menschen, die vielleicht am Ufer wohnten/campierten und schlafen oder einen stillen Sonnenaufgang geniessen wollten — Fehlanzeige. Das allheilbringende Schlagwort "Toleranz" fiel bestimmt auch …
Ich akzeptiere Reisen als eine wichtige Form der persönlichen Entwicklung (und wünsche mir, dass mehr Menschen — abseits der Hotelburgen — etwas von der "Welt" mitbekämen). Dass die "Krone der Schöpfung" allerdings dazu neigt, Probleme des Reisens zu verdrängen, nehme ich ebenfalls wahr.
Wenig spricht aus meiner Sicht in der heutigen Zeit gegen eine Flugzeugreise, wenn man
grundsätzlich ein Befürworter des Reisens ist (auch wenn ich mir wünsche, dass es in unserer Gesellschaft möglich wäre, langsamer zu reisen). Dass wir (sprich: viele Politiker und Menschen, die nicht davon betroffen sind) Probleme der Lärmbelästigung an Flughäfen weitgehend ignorieren, ist nichts Neues. Das ändert aber nichts an der von mir hier ursprünglich angesprochenen Problematik — und
die ist hier das Thema.
Aussagen wie "des einen freud des anderen leid" sind Verharmlosungen von Problemen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Umweltproblemen wird auf diese Weise ausgeblendet — zum eigenen Vorteil und zum Nachteil anderer. Doch ich bin nicht blauäugig: Nach diesem Prinzip funktioniert unsere Welt weitgehend. Produktion für unseren Bedarf in Billiglohnländern unter miesesten Umständen, Aktienhandel und andere Finanzgeschäfte, Lobbyismus und vieles mehr sind Zeichen der gerade in letzter Zeit ab und zu schamhaft hervorgeholten Erkenntnis, dass der Mensch gierig ist.
Der Ruf nach Toleranz ist auch hier keine Lösung: Das ist Augenwischerei, denn mit Toleranz lassen sich solche Problem nur
duldend lösen. Gefragt sind aber — Verstand und Gewissen. Wären diese beiden Eigenschaften in unserer Gesellschaft ausgeprägter, dann müssten wir nicht an jeder sinnlosen Stelle das Toleranzfähnchen hissen, das meist nicht auf das eigene Verhalten ausgrichtet ist, sondern auf das der anderen.
Verstand und Gewissen — mit beidem tun sich Menschen schwer.
-Frank