ich habe auf meinen brief eine antwort erhalten: :o
Sehr geehrter Herr Schmitz,
Das Auswärtige Amt in Berlin hat am 10. Januar 2003 folgenden Sicherheitshinweis für Sahara-Touristen veröffentlicht:
Reisen in und durch die Sahara sollten
nur mit Hilfe eines erfahrenen Reiseunternehmens bzw. nach
gründlicher Vorbereitung unternommen werden. Die Grenzen
Algeriens zu Niger und Mali sind offen, die Grenzräume in der
Sahara für Sicherheitsorgane jedoch schwer kontrollierbar. Hier
bilden Banden-, Schleuser- und Schmuggelkriminalität für
Reisende ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.
Mit freundlichen Grüßen
Hilmar Klute
darauf musste ich nun unbedingt nochmal antworten:
hallo herr klute,
ich bedanke mich, dass sie sich die mühe gemacht haben mir zu antworten, das habe ich bisher bei der presse nicht so erfahren.
ich möchte ihnen zu diesen hinweis des AA etwas aufzeigen:
es stand dort geschrieben: " Die Grenzen Algeriens zu Niger und Mali sind offen, die Grenzräume in der Sahara für Sicherheitsorgane jedoch schwer kontrollierbar. Hier bilden Banden-, Schleuser- und Schmuggelkriminalität für Reisende ein erhöhtes Sicherheitsrisiko."
ich habe eine karte südalgeriens angehängt, damit sie eimal die exakte lage der haupt-entführungsorte sehen können (Ain Hadjadj: die ersten drei touristengruppen, Oued Tahaft: zwei der vier folgenden Reisegruppen). die entfernung dieser punkte zur nicht relevanten libyschen grenze beträgt mind. 250 km, wie auch am grünen 100-km-gitter zu erkennen ist, die grenze zu niger dagegen ist mind. 600 und zu mali sogar fast 800 km entfernt. kann man diese orte noch zu den "grenzräumen" ( welche als einzige als sicherheitsriskant bezeichnet wurden) zählen, zumal in der sahara abseits der strassen von tagesetappen zwischen 150 und 200 km ausgegangen werden darf?
als in sahara-erfahrenen kreisen längst klar war, dass es sich nicht um technisches oder menschliches versagen der ersten reisegruppen handeln konnte, sondern um eine politisch oder terroristisch orientierte entführung, wurde in der öffentlichkeit noch über GPS-ausfall, unwetter oder fehlverhalten der touristen spekuliert. das AA wurde immer wieder aus unseren kreisen(u.a. von bekannten reisebuchautoren und saharareise-veranstaltern) aufgefordert, endlich eine reisewarnung für ganz algerien auszusprechen, damit nicht weitere reisende entführt würden, doch es geschah nichts dergleichen. etwa 4 wochen nach den ersten entführungen wurden jedoch drei weitere reisegruppen entführt, was bei schnellem reagieren des AA vielleicht hätte vermieden werden können.
(alles nachzulesen unter
www.sahara-info.ch im archiv unter februar und märz 2003)
dass die reisenden leichtsinnig oder schlecht ausgerüstet oder unerfahren waren, ist erst im nachhinein nicht mehr gesagt worden, in allen gruppen waren mind. ein oder zwei langjährig saharaerfahrene reisende dabei.
bis zu diesem zeitpunkt hatte es in zentralalgerien noch nie eine entführung von touristen gegeben, es waren hier also, wie herr chrobok nach seiner freilassung letzte woche so schön sagte, alle sicherheitsrisiken minimiert und alle hinweise beachtet worden, dass trotzdem etwas passieren könne, das war unkalkulierbar. das galt für die saharageiseln in algerien sicher in höherem masse als für ein land wie jemen mit jährlich 200 entführungen von europäern !
als letztes möchte ich noch einige sätze aus den hinweisen des AA zitieren.
auszug aus den sicherheitshinweisen zu frankreich:
Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge besteht fort. ... Darüber hinaus besteht sie insbesondere in Regionen, in denen bereits in der Vergangenheit Terroranschläge verübt oder Terrororganisationen aufgedeckt wurden, in denen Terroristen über Rückhalt in der lokalen Bevölkerung verfügen oder in denen Attentate mangels effektiver Sicherheitsvorkehrungen vergleichsweise leicht verübt werden können. Eine Gefährdung ist jedoch auch anderswo nicht auszuschließen, etwa in den USA, oder den Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
Als vorrangige Ziele müssen weiterhin Orte mit Symbolcharakter gelten. Dazu zählen religiöse Versammlungsstätten, Regierungs- und Verwaltungsgebäude, Verkehrsinfrastrukturen (einschließlich Luft- , Bahn- und Seeverkehr), Wirtschafts- und Tourismuszentren sowie Orte mit großen Menschenansammlungen.
Seit den Attentaten in Madrid und London und aufgrund weiterer Anschlagsdrohungen gilt landesweit die Alarmstufe "orange" , was auf Bahnhöfen und Flughäfen verstärkte Gepäck- und Personenkontrollen zur Folge hat. Bahnreisende sollten darauf achten, dass ihr Reisegepäck mit Namen und Anschrift gezeichnet ist.
Der französische Innenminister hat seine Landsleute erst kürzlich auf die nach wie vor bestehende hohe terroristische Gefährdung Frankreichs hingewiesen.
würden sie zur zeit eine geplante städtetour in eine der europäischen hauptstädte oder ihren urlaub an die cote azur oder nach korsika aufgeben ?
das wäre heute durchaus sinnvoller als 2003 eine reise durch die algerische sahara aufzugeben...
es grüsst sie freundlich
uwe schmitz
