Alexander hat geschrieben:Früher gab es eine Eisenbahnlinie, die von Tripoli in die Türkei, Syrien und Kairo führte. Die meisten Lokomotiven stammen aus Deutschland und wurden 1911 in Betrieb genommen. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Bahnlinie nach Palästina ausgeweitet und ausschließlich für militärische Zwecke verwendet. Im Bürgerkrieg wurde die Bahnlinie zerstört und seitdem nie mehr in Betrieb genommen.
AFAIR hatte der Abzweig nach Kairo nie maßgebliche Bedeutung.
Vom geschichtlichen Ablauf her waren zuerst die Pläne der Bagdadbahn, also von Istanbul (Bahnhof Haydarpaşa) zum Persischen Golf. Da diese Strecke zu Zeiten des Großosmanischen Reichs Ende des 19. Jahrhunderts geplant und der Bau begonnen wurde, war die Streckenführung über Aleppo vorgesehen. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Ende des Osmanischen Reichs lag Aleppo in Syrien, und die Bagdadbahn wurde auf eine neue Trasse innerhalb der "neuen" Türkei gelegt. So bekam Gaziantep einen Bahnanschluß.
Der Südabzweig, d.h. die Hedjazbahn nach Medina und Mekka, wurde ab Aleppo gebaut. Daß die nie fertig wurde, ist die Geschichte von Lawrence von Arabien. Das ist eine andere Geschichte. An diese beiden Hauptlinien wurden an etlichen Stellen Stichstrecken zu bedeutenden Städten wie z.B. Urfa in der Türkei gebaut. So auch diverse Strecken an die Mittelmeerküste. Diese Strecken dienten u.a. dem Transport von rollendem und Baumaterial, das zu großen Teilen aus dem Deutschen Reich dorthin transportiert wurde.
Das ist übrigens ein sehr interessantes Kapitel deutscher Industriegeschichte

Viele Eisenbahnbauer kamen damals aus dem Badischen und besonders von den Hochschulen in Karlsruhe, d.h. der Großherzoglichen Badischen Baugewerkeschule, später Ingenieurschule, dann Fachhochschule, heute "Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft" sowie der Technischen Hochschule. Die Eisenbahnbauer hatten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Südwesten Deutschlands mit Schienen versehen, so z.B. den Kraichgau und Schwarzwald. Danach heuerten viele im Osmanischen Reich an. Somit ist auch geklärt, weswegen viele Betriebsgebäude identisch zu selbigen hier im Südwesten sind. Da wurde teilweise sogar das Baumaterial von hier aus dort angeliefert, wozu die Stichstrecken zu den Häfen notwendig waren. Die Technik kam sowieso von hier, d.h. Weichen, Stellwerke, Signalanlagen, u.ä. Diese tragen häufig eingegossen die Herkunftsbezeichnung Bruchsal. Dieses Werk war bis vor ein paar Jahren das Betriebsgelände von Siemens-Nokia. Soviel für die, die da mal vorbeikommen
Ein interessantes Buch zum Thema hat die ISBN-Nummer 3-921590-05-1, "Bagdad- und Hedjazbahn". Ich hatte es mir aus dem Antiquariat besorgt. Anläßlich meiner Syrienreise im Jahr 2010 hatte ich neben den Gleisen in Nusaybin beim Grenzübergang nach Syrien u.a. den Bahnhof in Aleppo angeschaut. Der hatte interessanterweise gar nicht so viele Anklänge an die Bahnhöfe des Kraichgau, war trotzdem deutlich anders als die typischen Gebäude in Syrien. Wenn ich dem Datum der Google-Earth-Fotos glauben darf, dann sah der am 15.12.2014 noch ziemlich intakt aus. Hoffentlich bleibt das so.
Alexander hat geschrieben:
Neben dieser "Normalbahn" gab es noch eine Schmalspurbahn, die u.a. nach Damaskus führte. Von der Strecke existiert in Beirut allerdings nur noch eine alte Brücke.
Im Fernsehprogramm vom Spätzlefunk gibt's seit Jahrzehnten die Sendereihe "Eisenbahnromantik". Vermutlich alle paar Jahre wird ein Bericht von genau dieser
Libanonbahn gesendet, der in den 1980er Jahren gedreht wurde. Die Bahn fuhr damals von Damaskus aus hoch in die Berge. Innerhalb von Damaskus und anderen Orten nutzte die Bahn dasselbe Gelände wie der Straßenverkehr, was interessante Filmszenen bot. Das Streckenende war seinerzeit in Serghaya, d.h. kurz vor der Grenze.
Gruß, Ralf
P.S.: Warum mich das Thema interessierte? Überraschende Zusammenhänge

Kurz nach meiner Geburt (die ist in diesem Zusammenhang unwichtig

) war mein Vater bei der Beerdigung eines Gründungsburschen einer Karlsruher Landsmannschaft und Maschinenbauer aus der Anfangszeit der Baugewerkeschule. Die Inschrift auf dem Grabstein lautete u.a. "Direktor der Anatolischen Eisenbahngesellschaft". Das Grab war auf dem Heidelberger Bergfriedhof, existiert heute allerdings nicht mehr. Ich fand leider nur sehr wenige und nur sehr vage Hinweise auf ihn und seine Funktion als einer der vielen Direktoren dort. Ziemlich sicher ist, daß er an einer dieser Stichstrecken zwischen der Hedjazbahn und einem Mittelmeerhafen aktiv war.