Hi Surfy,
na, hier hast Du Dir aber richtig Mühe gegeben. So einen Aufwand wollte ich dann doch nicht provozieren

OK, dann muss ich das jetzt ausbaden und darauf auch noch angemessen umfangreich antworten...
Deinen Blog-Eintrag habe ich gelesen. Habe ihn auch gerne nochmal aufgemacht und Dir ein kleines Easter-egg ins Logfile gelegt.
Woran ich mich schon zu Beginn gestört habe, ist das Fehlen der
passenden Zielgruppe und der Grenzen des Vorschlags. Auch fehlt mir der Blick auf nicht Betrachtetes und Weiterführendes. Der Beitrag schwebt quasi im luftleeren Raum, ohne Bezug zur Umwelt, die er doch eigentlich beeinflussen will.
Um mal konkreter zu werden:
- Ja, am Ende nennst Du zwei Zielgruppen, für die die Anleitung nicht geeignet ist. Gilt es dann für alle anderen?
- Du bennenst augenscheinlich eine Zielgruppe: „This is for People who did care about this Datacrawlers and the Data they may collect about you.“ — Aber meiner Ansicht nach ist das nicht die Zielgruppe, auf die Dein Lösungsansatz passt. Daher ist das irreführend und es irritiert mich jedesmal, wenn ich das lese. Dazu kommt, dass Teile der Punkte andere Zielgruppen anspricht als der Rest. — Was sich hier beißt?
- „DataCrawler“ anscheinend falsch verstanden: Das sind (Ro)Bots, die Informationen aus dem Internet sammeln und in einer Datenbank beim Herrchen zur weiteren Verarbeitung ablegen. Davon haben wir quasi kontinuierlich welche hier. Schau mal ganz unten in „Wer ist online?“
Das ist also nichts, was das Surfen betrifft, nur das, was Du als Ergebnis auf Webseiten hinterlässt.
Dafür brauche ich kein eigenes Gerät. Dafür reicht
- Die Trennung meiner Aktionen, also „Wem erzähle ich was unter welcher User-ID“.
- Die strikte Verwendung des Browser-Privacy Mode, besser noch die zur ID konsistente Verwendung eines eigenen Browser-Profils / anderen Browsers. Ergänzen kann man das durch geeignete Browser-Plugins.
- Mit dem Wechsel der ID auch eine kurze Trennung des Routers vom Internet, um eine neue IP-Adresse zugeteilt zu bekommen. (Erfolg prüfen!)
Für die ersten beiden Punkte ist ein anderes physisches Gerät natürlich auch denkbar. Aber Dein Tipp „use wifi - with that tablet and just wifi using vpn“ macht den Nutzen hinfällig: Durch das VPN kannst Du Dir den IP-Wechsel sparen, aber die Verwendung eines Tablets in Standard-Installation (ohne zum Zweck passendes „Custom ROM“) ermöglicht es dennoch Deinen Standort recht genau zu ermitteln und vor allem festzustellen:
„Trotz Standort-Unschärfe: (1) Der Standort dieses Gerätes ist identisch mit dem Standort jenes Gerätes. (2) Zudem sind die Geräte im selben WLAN eingeloggt und (3) auch die verwendete IP gehört zum selben VPN-Anbieter => (!) Also ist es der selbe Haushalt."
— FB & Co. lassen sich da nicht reinlegen, aber sie würden die Zusammenführung der Daten sicherlich nicht an die große Glocke hängen, wenn sie es machen würden. (... rechtlicher Konjunktiv, da dies rein spekulativ ist
)
- Für DataCrawler ist die SIM-Karte uninteressant. Aber nützlich, wenn Du tatsächlich ausschließlich via Telefon-ID den gewünschten Account eröffnen kannst. Diese Info hat dann aber nur der Dienstanbieter, nicht jedoch der DataCrawler, außer es ist das selbe Unternehmen (z.B. FB, die Du meines Erachtens korrekt als Privacy-Problem benennst.)
- Tracker: „Google-Analytics“ gehört nicht zu den „DatenCrawlern“ sondern zu den „Trackern“. Tracker und ihre Eigenschaften werden von Deinem Blog-Beitrag gar nicht thematisert, geschweige denn Lösungen dazu erwähnt. Wenigstens ein „hier nicht betrachtet, aber wichtig“ muss rein.
Mehr zu Trackern habe ich zur Übersicht unten in den Anhang gepackt.
Gut, durch die Geräte-Trennung erreichst Du im Overkill, dass die Tracker keine Kreuzbezüge zu den Datenspuren Deiner anderen Identität auf dem anderen Rechner mitbekommen. — Nur z.B. die Tracks des Handies haben immer den gleichen Netzwerk-Bezug wie das Top-Secret-Tablet.
Wichtig wäre vielleicht zu schreiben, dass der von Dir angeführte Tor-Browser * sich jegliche erdenkliche Mühe gibt Tracking und Fingerprinting zu verhindern (wobei „Browsing with Tor“ auch ein Merkmal ist).
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*) Na, auf den Tor -Link geklickt? – Alleine schon das ansurfen des Torprojekts sorgt dafür, durch die NSA registriert und als potentieller Gefährder eingestuft zu werden. Aber je mehr Gefährder es gibt, um so unwichtiger wird dieses Attribut.
- Du bringst Punkte, die durchaus an Szenarien wie Snowden & Co. erinnern: „throw the simcard away, discable simcardslot and [...]“ Das sind Diege die nicht die Zielgruppe betreffen, die Du benennst, denn die müssen nicht davon ausgehen, dass jemand eine Rückverfolgung des Gerätes anhand seiner Telefon-Eigenschaften anstößt.
Das blöde aber ist das technische Missverständnis: Nicht die SIM-Karte identifiziert Dich, sondern die IMEI-Nummer der Telefoneinheit. Die SIM-Karte ist nur das Token zur Realisierung Deines Mobilfunk-Vertrags. Da man mit dem Telefon auch ohne SIM-Karte Notrufe absetzen kann ist schnell klar, dass die IMEI auch ohne SIM-Karte und ohne SIM-Slot-Mechanik („discable simcardslot“) jederzeit mit Sendemast-Zuordnung verfügbar ist.
... spielst Du mit der Desinformation nicht den Datenschnüfflern in die Hände?
So hier höre ich mal auf, ich muss ja nicht jedes Wort zerreden.
Zu
„VPN ist sicher“
Ein Vertrag ist ein Vertrag. Wie vertrauenswürdig der Vertragspartner z.B. auf den Seychellen ist, steht auf einem anderen Blatt. Wenn Geheimdienste schon Tor-Endpoints betreiben, dann betreiben die auch VPN-Server. Dann sind das Honeypots. Man kann seine Klientel quasi wie im Terrarium beobachten. Als zahlender Kunde ist man dann auch noch persönlich identifizierbar.
Aber auch wenn der Betreiber guten Willens ist, so muss man sich auf dessen Kompetenzen und Standhaftigkeit verlassen können.
Jeder VPN-Anbieter, der Logdaten erzeugt, hat ein Problem, insbesondere wenn er keine Möglichkeit bietet, Geld anonym (nicht Bitcoin & Co) zu zahlen:
NordVPN räumt Strafverfolgungsbehörden Datenweitergabe ein
... ist nicht gerade Nord-VPN bei Dir benannt?
Zu
„freie Meinungsäußerung“
Ja, mit Trump's Rede-Beschneidung bei Twitter & Co. hast Du durchaus recht, es ist eine schwierige Sache. Denn auch er macht „Meinungsäußerungen“ — Das ist quasi wie mit der amerikanischen Freiheit, eine Waffe tragen zu dürfen. — Ist jeder von seiner Persönlichkeit her auch geeignet, eine Waffe zu führen? — Wie stehen die Mitschüler und Eltern der
Schüler von Columbine dazu?
Aus meiner Sicht findet die eigene Freiheit ihre Grenzen an der Beschränkung des anderen.
Das heißt auch: Je dichter die Population, um so schneller trifft man auf eine Grenze. Und von den Lemmingen weiß man, dass zu viel Dichte Stress erzeugt. Da genügt es, wenn ein "Rädelsführer"-Lemming das Fass zum überlaufen bringt, um den Massenselbstmord zu bewirken.
Also stellt sich die Frage: Wie weit darf man als geistiger Brandstifter gehen, ohne die Freiheiten des andere zu gefährden?
Und ja, da weiche auch ich ab vom Thema.
Also zu Deinem
Resumée
Angesichts des dargelegten schwachen Kontexts ist Deine Aussage
„Following this steps these Datacrawlers arent able to catch you directly.“ im wörtlichen Sinne vielleicht korrekt, entspricht aber nicht den geweckten Erwartungen. — In Sachen Sicherheit ist es aber gefährlicher, sich aufgrund dessen geschützt zu glauben, als keine technischen Vorkehrungen, denn mit der gefühlten Sicherheit verhält man sich anders, unvorsichtiger.
Mit Sicherheit ist es lohnenswert, Deinen Ansatz zu verfolgen; es ist ein Aspekt in dem Themenfeld.
Aber ich fände es hilfreich
vor der Anleitung die Zielgruppe klar zu definieren und die Grenzen aufzuzeigen. Unten zählt das zum Kleingedruckten, das eh kaum einer liest. Außerdem sollte der Ansatz in einen Gesamt-Kontext gesetzt werden, dass die interessieren Leser die Möglichkeit haben, die Grenzen und Aspekte zu sehen (und anderweitig zu ergänzen), die hier nicht betrachtet werden.
Und wieder mein Kernproblem: Das Thema selbst fordert hier die Gewissenhaftigkeit ein. — Also auch in der Ausarbeitung.
Ich hoffe, Du überarbeitest die Seite, von mir aus auch gerne mit den hier gemachten Anregungen.
Sicherheit ist Vertrauenssache.
Gruß,
°Daniel
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Anhang:
Tracker
An Trackern gibt es viel mehr als Google Analytics. — Der Blick hierein lohnt sich aktuell:
Heise.de. — Eine „Cookie-Erklärung“ mit ihrem eigenen Privacy-Manager! > Diesen öffnen und mal in den schön strukturierten, aufklappbaren Bereichen umsehen. Nicht vergessen jeweils ganz unten auf „alle anzeigen“ klicken. — Wer glaubte Paranoia zu haben wird blass vor seiner Einfalt!
Diese Tracking-Unternehmen arbeiten WebSite-übergreifend. Dadurch können sie Dich durchs Internet verfolgen und profilieren. Mit den genaueren Informationen haben sie die Möglichkeit, ihre Kunden mit besseren Ergebnissen zu beliefern. Durch die Kombination all dieser Tracking-Quellen wird das Bild noch exakter gezeichnet, als es einer alleine könnte.
Also frage ich Dich: Du bist mit einer ID zu einem bestimmten Zweck (also Profil) unterwegs? Diese Typen tracken Dich und in der Konsequenz werden sie Dir Zielgruppen-gerechte Informationen liefern zu einem Zeitpunkt, wo Du als diese Zielgruppe aktiv bist. Der perfekte Zeitpunkt, Dir dafür passende Werbung einzublenden. Wozu also wissen, wer Du bist? FB & Co. sagen sich damit auch: Wenn der in diese Echo-Kammer möchte — bitte, warum nicht? — Weiterer Reisestempel auf's versteckte Gesamtprofil und „Welcome at our Domain“.
In den USA kann ein Akteur, der mehr über Personen wissen will, diese Infos kaufen. An US-Staatsorgane ist die Datenabgabe gesetzlich vorgeschrieben, selbst wenn diese Daten gerade auf EU-Servern liegen. U.a. deshalb gibt es das Privacy-Shield nicht mehr.
(
verständlicher Text,
EuGH-Urteil zu C-311/18)