In Ubar (auch als das Atlantis der Wüste bekannt) wird mitten in der Wüste Landwirtschaft im ganz grossen Stil gemacht. Die Felder hier sind nicht rechteckig angelegt, sondern in riesigen Kreisen. Hier treffe ich mich mit Bachir, einem alten Wüstenfuchs, den ich vom letzten Jahr kenne. Er liebt die Wüste über alles und fährt auch öfters, meist mit seiner ganzen Familie und Verwandten, für ein paar Tage in die Rub Al Khali.
Hier wurde vor längerer Zeit an zwei Orten nach Öl gebohrt und sie fanden Thermalquellen. Ich darf den Thermalpool, Dusche und Toilette vom Desertcamp benützen. Es kommen erst nach Weihnachten wieder Gäste und erlauben mir ausnahmsweise das Campen. Somit habe ich die ganze Oase mit zwei bengalischen Angestellten für mich alleine. Auch ein Satellitentelefon für den Notfall gibt es hier.
Am 26. Dezember verabschiede ich mich und melde mich nach 165 km Fahrt retour durch die Wüste per WhatsApp in Salalah, dass ich wohlbehalten in der Zivilisation angekommen bin.
Die Wüste ist hier nicht nur leer und still, sie ist im letzten Jahr auch immer mehr eine Baustelle geworden. Ein paar Kilometer weiter wurde ein Militärstützpunkt stark vergrössert und ev. suchen sie ja auch wieder nach Öl.
Ich kreuze auf meiner Fahrt durch die Wüste eine geführte Reisegruppe mit grossen ausgebauten Lastwagen. Ein Truck hat es mir besonders angetan. Da diese Riesenlaster manchmal fast etwas bedrohlich auf die Einheimischen (und auch auf mich) wirken, finde ich die Aufschrift "Tourist" einfach genial
Die Piste wurde gegenüber dem letzten Jahr zwar stark ausgebaut, da jedoch täglich ein paar richtig schwere Trucks verkehren, ist die Strasse sehr ausgefahren und es gibt einige anspruchsvolle Stellen.
Immer wieder kommen kürzere und längere Etappen die mit unglaublich viel weissem und sehr feinem Sand gefüllt sind. Durch die schweren Lastwagen sind diese Stellen sehr tief und es braucht die richtige Fahrspur, den richtigen Gang, das richtige Tempo und auch etwas die Hilfe von Allah, um nicht stecken zu bleiben.
Dreissig Kilometer vor meinem Ziel, kommt die erste Oase (Empty Quarter 1) mit Thermalwasser. Hier hat es Kamele, Kamelbauern und ab und zu auch mal Reisende. Bei meiner Ankunft ist jedoch niemand anzutreffen. Ich bin ganz froh, dass ich in das Desertcamp weiter fahren kann, die Wasserstelle ist ziemlich verschmutzt und um sich in den Schatten zu stellen müsste man in den Schlamm aus Sand und Wasser fahren.
Begibt man sich jedoch bereits ein paar Meter abseits der Piste, empfängt und umarmt einem die ursprüngliche Wüste.
Wüste und Meer, ich liebe beide leidenschaftlich. Die Dualität ist so sonnenklar und vielleicht gerade deshalb hebt sie sich auf.
Der Wind streichelt sanft die Dünen und zaubert Wellen in den Sand. Der Sand, der weich über die Dünen weht, ist wie die Gischt auf See. Die mächtigen Dünen erstrecken sich, endlos wie der Ozean am Horizont.
Auf einer vor dem Sonnenaufgang erklommenen Düne sitzend, fühle ich mich gross und klein, ehrfürchtig und glücklich. Ich ruhe in mir und fühle mich ganz.
Und einmal mehr erkenne ich: Unsere Erde muss und will nicht gerettet werden, aber unsere Erde muss und will geliebt sein. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich einmal mehr, die Rub Al Khali erleben darf.




