Vor rund 50.000 Jahren, im Morgengrauen der Menschheitsgeschichte, kamen an
der Nordwestküste Australiens die ersten Menschen an und besiedelten den
südlichen Kontinent. Sie kamen auf Bambusflößen und begründeten die erste
menschliche Zivilisation in Australien.
Die Bibel in Stein
Einige Ihrer Nachkommen siedelten sich auf der Burrup-Halbinsel an. In einem
Tal, das man das Neandertal der südlichen Hemisphäre nennen könnte, begannen
sie, Bilder von Land- und Meerestieren in Felsen zu ritzen. Schätzungsweise
eine Million Felsen mit den sogenannten Petroglyphen liegen dort herum,
verstreut über eine Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern - ein heiliger
Ort für die Ureinwohner Australiens. "Es ist die Bibel dieses Landes, die
auf diesen Felsen geschrieben steht", sagt Wilfried Hicks, Stammesältester
der Aborigines. "Die weißen Menschen haben ihre Kirche, in die sie gehen,
und ein Buch, in dem alles geschrieben steht. Wir Aborigines nicht. Wenn wir
unsere Kinder in unsere Riten einführen, dann bringen wir sie hierher,
singen von den Tieren und allem, was in diesem Land ist. Unsere Vorfahren
haben das alles auf die Felsen geschrieben, damit unsere Kinder das
verstehen."
Nicht nur für die Aborigines wertvoll
In Melbourne am südlichen Ende des Kontinents lebt Robert Bednarik, ein
österreichischer Einwanderer, der einer der weltweit führenden Experten für
Felszeichnungen ist. Er hat eine Methode entwickelt, das Alter von
Felszeichnungen anhand mikroskopischer Kristallpartikel auf der Oberfläche
zu bestimmen. Wie schätzt er die Felszeichnungen von Dampier ein? "In einem
globalen Kontext ist das nicht nur die größte Ansammlung von Felszeichnungen
in Australien, sondern in der ganzen Welt. Es ist auch die größte
Kunstgalerie der Welt. Es ist die größte und wichtigste Kulturerbestätte in
Australien", sagt er. In den Felszeichnungen von Dampier bildeten die ersten
Menschen Australiens ihre Wirklichkeit ab. Sie erzählen einen
Schöpfungsmythos, der dem der christlichen Bibel sehr ähnlich ist - tausende
Jahre bevor diese geschrieben wurde. Sie erzählen, wie zuerst die Tiere und
dann der Mensch auf die Erde kamen. Die Künstler, die dort am Werk waren,
hatten in ihrer Gesellschaft einen hohen Rang. Sie waren die Hohepriester
ihrer Kultur und Religion.
Ihre Bilder haben eine tiefe Symbolik, die nur von Eingeweihten verstanden
wird. Viele Interpretationen sind möglich, die Erforschung der Felskunst von
Dampier steht erst am Anfang.
Bedrohung der Kunstschätze
Um nachzuweisen, von wo und wie die ersten Australier hierher kamen,
unternahm Robert Bednarik mehrere Experimentalreisen auf einfachen
Bambus-Flößen. Von der indonesischen Insel Timor segelte er in 13 Tagen etwa
1.000 Kilometer zu Australiens Nordküste. Und er ist auch ein Aktivist, der
seit Jahrzehnten für den Schutz der Aboriginal Bibel vor industrieller
Erschließung kämpft. Denn die Felszeichnungen sind im gleichen Gebiet wie
ein riesiger petrochemischer Komplex. Die Gas-Raffinerien,
Düngemittelfabriken und Eisenerz-Bergwerke dieser Region sind der Motor der
australischen Wirtschaft und Schauplatz eines beispiellosen Exportbooms.
Tausende wertvoller Kunststücke wurden bereits entfernt oder zerstört.
Wilfried Hicks ist empört: "Wenn du einen Felsen entfernt hast, dann hast du
sein Erbe zerstört. Du hast den Geist zerstört, der in diesen Felsen lebt.
Und deshalb trauern wir Tag und Nacht um unsere Kultur. Wir sehen, was die
europäischen Einwanderer hier machen, die Bergwerkskonzerne und so weiter.
Da waren so viele Dinge, die sie nicht hätten wegschaffen sollen - und sie
haben es trotzdem getan."
Noch größer ist die Bedrohung durch den sauren Regen, der durch das
Abfackeln des Gases entsteht. Die hier gemessenen CO2-Emissionen entsprechen
dem Abgas von einer Million Autos. Der saure Regen greift die Oberfläche der
Felsen an. Wenn der CO2-Ausstoß im augenblicklichen Umfang anhält, ist die
Bibel der Aborigines bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschwunden. Robert
Bednarik gibt zu bedenken: "Die Frage ist doch: Würden es die Engländer
erlauben, eine petrochemische Fabrik neben Stonehenge zu bauen. Oder die
Ägypter bei den Pyramiden? Oder die Franzosen bei den Felszeichnungen von
Lascaux? Und die stehen alle auf der Liste der Welt-Kulturerbe-Stätten.
Warum verhindert es unsere Regierung, dass sie auf diese Liste kommen?
Auch wenn die australische Regierung es nicht wahrhaben will: Die
Felszeichnungen der Burrup-Halbinsel sind ein Weltkulturerbe, sie gehören zu
den ältesten Gesamtkunstwerken der Menschheit. Wenn nicht bald etwas zu
ihrem Schutz geschieht, sind sie verloren - unwiederbringlich!
Autor: Ulli Weißbach (BR)
http://www.woodside.com.au/Our+Business/Projects/Pluto/
geplante Inbetriebnahme des Pluto Projekts ist Ende 2010
was hindert dich daran, diese Petition zu unterschreiben?

Ursula
http://www.petitiononline.com/dampier/petition.html 