FILM | Schwarz auf Weiß

Länder- und Wüstenbezogene Filme

Moderator: Moderatoren

Antworten
Birgitt
Moderator
Beiträge: 35344
Registriert: Di 2. Aug 2005, 22:52
Wohnort: NRW / Südl. Rheinland
Kontaktdaten:

FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von Birgitt »

Dokumentarfilm

Regie: Susanne Jäger und Pagonis Pagonakis
Deutschland 2009 - 118 min.
Kinostart: 22.10.2009

Deutschlands berühmtester Undercover-Journalist reist als schwarzer Migrant durch die Republik und macht nicht die besten Erfahrungen.

Günter Wallraffs Recherche-Methoden sind berüchtigt, unter dem Pseudonym Hans Esser arbeitete er 1977 in der Lokalredaktion von BILD in Hannover und veröffentlichte seine Erfahrungen in dem Buch "Der Aufmacher" und in der Doku "Der Mann, der Heinz Esser war", als türkischer Gastarbeiter war er in Buch und Film "Ganz unten", seine Ermittlungen im Milieu von Call-Centern, Großbäckereien, der Deutschen Bahn und unter Obdachlosen wurden in der ZEIT veröffentlicht.

Diesmal zieht er als Schwarzer Kwami Ogonno los, mit versteckten Kameras im Hemdknopf, in der Sonnenbrille, im Tragebeutel (was im wahrsten Sinne des Wortes zu Schwindel erregenden Bildern führt). Mit Perücke und entsprechendem Make-Up lernt er schnell, was es heißt, die falsche Hautfarbe zu haben. Der sah aus wie "der Heidi Klum ihrer" erzählt die Vermieterin erschrocken, als er sich die Wohnung angeguckt hat. Der schwarze Mann im auffallend gemusterten Hemd trifft zumeist auf "bildungsferne Schichten", muss sich mit den Vorurteilen von national gesinnten Fußballfans, spießigen Kleingärtnern, wandernden Rentnern oder Dauercampern auseinandersetzen. Manchmal wird ihm direkt bedeutet, er sei unerwünscht, manchmal durch die Blume. "Jede Gesellschaft lässt sich daran messen, wie sie auf Fremde reagiert" sagt Wallraff vor der Begegnung mit dem alltäglichen Rassismus und endet nach einem Jahr mit der Feststellung "Man wird fast ausschließlich über seine Hautfarbe definiert". Resultat seiner Reise: Das Fremde verstört, macht Angst, weckt Aggression. Mit dem Argument, "die Mentalität" sei eben eine andere, wird munter ausgegrenzt und sei es durch horrende Summen für Aufnahme- und Jahresbeitrag bei einem Schäferhundeverein. Ganz rigoros verhält sich ein Beamter in Bayern. "Kwami" erkundigt sich mit einem Schwarzen deutscher Staatsbürgerschaft nach der Ausstellung eines Jagdscheins. Die beiden stehen sofort unter Generalverdacht, der Staatsdiener will gar die Polizei holen. "Afrika den Affen, Europa für Weiße!", der Türsteher einer Rosenheimer Disco spricht aus, was viele denken. Unter "Zu Gast bei Freunden" stellt man sich etwas anderes vor.

"Schwarz auf Weiß" ist eine entlarvende Realsatire, die Aneinanderreihung von ähnlichen Szenen und die Ausweitung auf Kinolänge machen aber auch die Redundanzen deutlich.

Quelle: Kino.de


www.guenter-wallraff.com

Bild

Dazu eine :arrow: Filmkritik aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 16.10.2009

Gruß
Birgitt
Zuletzt geändert von Birgitt am Sa 24. Okt 2009, 23:09, insgesamt 1-mal geändert.
Birgitt
Moderator
Beiträge: 35344
Registriert: Di 2. Aug 2005, 22:52
Wohnort: NRW / Südl. Rheinland
Kontaktdaten:

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von Birgitt »

Interview zum Film "Schwarz auf Weiß"
"Ein angemalter Weißer ist kein Schwarzer"

20.10.2009 - tagesschau

Der Wallraff-Film "Schwarz auf Weiß" wird heute uraufgeführt und sorgt bereits bundesweit für Aufsehen - aber auch Kritik. Die schwarze Autorin Noah Sow wirft Wallraff vor, er äffe Minderheiten nach. Im Interview mit tagesschau.de betont sie, das Wissen über Alltagsrassismus sei längst präsent, die Weißen müssten nur aufhören, dieses zu ignorieren ... mehr

Gruß
Birgitt
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von Kuno »

Ob die Deutschen nun in der Mehrheit boese Rassisten sind oder ob der Film einfach nur eine Selektion von Szenen zeigt, die eben genau das beweisen soll, weiss ich nicht.

Aber bitteschoen, wenn G. Wallraff in dieser lachhaften Maskerade aufgetreten ist und man ihm abgenommen hat, dass er ein Somali ist, dann duerfta man schon sagen, dass die Leute etwas sehr doof waren :?

Bild

(Ich gehe davon aus, dass Wallraff der mit dem Friseurkittelchen ist :wink: )
schu achbar ?

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von schu achbar ? »

Wallraff ist eine Person mit Licht und Schatten.
Einerseits macht er so Dinge, die sich kein Salonlinker jemals trauen würde, zB. Salman Rushdie in seine Wohnung zu holen, oder sein Kommentar, er habe den Koran gelesen und da könne einem wirklich
Angst und Bange werden.
Andererseits ist er halt ein geprägter 68er mit mangelnder DDR Distanz u. sein Stasi Name IM Wagner klebt halt an ihm wie Klopapier am Schuh.
Natürlich relativiert er das Ganze. Die Stasi habe nur gedacht, daß er für die Stasi arbeitete. In Wahrheit habe die Stasi für ihn gearbeitet und ihn mit tollen Infos über Nazitäter gespickt. :mrgreen:

Die Problematik seiner Werke besteht imho darin, dass er selbst seine eigene Quelle ist. Wie soll dann kritische Distanz aufkommen ?

War es bei "Ganz unten" oder seinem Pseudonym "Hans Esser" als Mitarbeiter der Bild noch sinnvoll diese Art von Täuschung u. Undercover -Journalismus anzuwenden, dann frage ich mich, warum er in diesem Fall nicht einfach mit Menschen spricht die wirklich schwarz sind und ihre Erfahrungen zu einer Sammlung von Erlebnissen macht, aber
stattdessen in einer lächerlichen Aufmachung irgendwelchen wandernden Rentnern penetrant an den Hacken klebt, oder sich dicht zu zwei Frauen an einen Kneipentisch setzt.
Die Antwort ist einfach: Es ist dieser Schlüsselloch Voyeurismus, der das
Werk eben gut verkauft. Aber im Auftrag des "Guten", also was soll daran schon falsch sein ?!?

Natürlich gibt es diese Art von Rassismus, aber bei Günther W. hab ich immer den Eindruck für ihn steht schon vorher fest was ist gefälligst zu sein hat u. das Erlebte wird dementsprechend angepasst.
Ich kenne etwa ein Dutzend Schwarze persönlich so gut, dass ich von deren realen Erfahrungen weiß. Bis auf zwiespältige Blicke einiger Rentner an der Bushaltestelle und als Krönung ein Opa im Rollstuhl:
" Du bist aber pechschwarz, wo kommst Du denn genau her von Afrika ?"
haben die seit Jahren nichts Schlimmes zu berichten.
Was natürlich nicht heisst, dass es sowas nicht gäbe.
Wallraffs Schilderungen scheinen mir aber in Teilen ziemlich zusammenfantasiert. Zb. die Vermieterin , die den angeblichen
nachfolgenden Wohnungssuchenden ( auch W´s Team) erkläert:
"Der war sowas von schwarz, ganz schlimm, ganz schlimm !"

Wenn er schon seine "Opfer" betrügt und mit falscher Identität täuscht, warum sollte nicht auch das inszeniert sein ?
Ich traue ihm schon zu, dass für ihn der Zweck die Mittel heiligt.

Schon bei "Ganz unten" gab es zwei Türken, die ihn Ende der 80er öffentlich schwer unter Beschuß nahmen u. ihm seine Glaubwürdigkeit zerstörten.

Ich halte Wallraff prinzipiell für eine wichtige Figur des Investigativen
und seinemanchmal unangepassten eskapaden gefallen mir sehr.
Man sollte ihm aber nicht an den Lippen hängen, wie die Jünger dem Nazarener. Bei solchen "selbstlosen Überbringern der schlimmen Botschaft" ist auch immer ein waches Auge angesagt.
Götz Krieger
Beiträge: 569
Registriert: Do 10. Jan 2008, 22:16
Wohnort: Hillesheim/Eifel
Kontaktdaten:

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von Götz Krieger »

Kritik an neuem Wallraff-Film
"Einfach nur der Fremde"
Von Hannah Pilarczyk


Starjournalist Günter Wallraff will in seinem neuen Film "Schwarz auf Weiß" Rassismus in Deutschland aufdecken: Als Schwarzer mischt er sich unters Volk und bekommt Ausgrenzung zu spüren. Doch die Doku ist unter Afrodeutschen höchst umstritten - sie lehnen die Undercover-Methode ab.

Die Verdienste von Günter Wallraff sind groß. Er hat der deutschen Öffentlichkeit vorgeführt, wie Gastarbeiter hierzulande diskriminiert wurden, mit welchen Methoden die "Bild"-Zeitung arbeitete und wie Mitarbeiter in Callcentern ausgenutzt werden. Deshalb erscheint auch sein jüngstes Vorhaben als verdienstvolle Mission: "Ich will herausfinden, wie es sich als Schwarzer in Deutschland lebt." ....

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,655929,00.html

Gruß Götz
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von Kuno »

Irgendwie erinnert mich das Foto an 'Horst Schlaemmer' 8)
schu achbar ?

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von schu achbar ? »

Günter Wallraff – als Baum in Deutschland unterwegs

http://www.titanic-magazin.de/fischer_z ... lraff.html




.
mikepiller
Beiträge: 952
Registriert: Sa 13. Mai 2006, 20:59
Wohnort: Berlin

Re: FILM | Schwarz auf Weiß

Beitrag von mikepiller »

Schu,

herrlicher Satire- Lacher!

Danke!

Gruß
Micha
Antworten