Die Wüstennächte werden immer kälter. 8 Grad zeigt das Termometer in der Nacht. Um 4:15 überwinde ich mich und verlasse den warmen Schlafsack. Der Winter, den es natürlich auch in der Wüste gibt, kommt immer näher.
Das dritte Wasserversteck liegt in 25 Kilometer Entfernung. Ich möchte es heute Abend noch erreichen. Damit spare ich mir etwas Zeit, da ich am Abend sowieso nichts Anderes zu tun habe.
Nicht immer gibt es Schatten in der Wüste und schon gar nicht, wenn es Mittags am heissesten wird. In diesen Fällen muss man selbst für Sonnenschutz sorgen. Ich stelle meinen Rucksack aufrecht gegen die Sonne. Das bischen Schatten, den der Rucksack wirft ist aber ausreichend für eine kurze Pause.
Die Dünenketten werden durch Luftspiegelungen unterbrochen. Es entsteht der Eindruck, dass einzelne Dünen am Horizont stehen.
Eigenartige Spuren, die weder Mensch noch Tier hinterlassen haben können. Sie ziehen sich kilometerweit durch die Wüste. Sie scheinen keinen Anfang und kein Ende zu haben.
Gelegentlich stosse ich auf wirkliche Spuren, die nur einer hinterlassen haben kann: ein Wüstenfuchs. Leider suchte auf dieser Reise keiner dieser Wüstenbewohner meine Bekanntschaft.
Das dritte Wasserdepot liegt dieses Mal im Sand vergraben. Ich frage mich, wie es Mohammed geschafft hat, den Kanister im lockeren, immer wieder nachgebenden Sand zu vergraben. Mohammed hat ihn mit einem Steinkreis und einem Holzstock markiert.
Erst jetzt fällt mir auf, dass ich während diesem Tag kaum Fotos geschossen habe. Zu sehr war ich mit mir beschäftigt. Die entzündeten Blasen an meinen Füssen hatten sich verschlechtert. Am Morgen und nach jeder Pause hatten sich die Waden verhärtet und schmerzten. Allerdings immer nur für kurze Zeit, bis ich wieder in Bewegung gekommen war. Nach einer Pause lief ich in den ersten Minuten immer wie auf rohen Eiern. Ausserdem entdecke ich, dass sich eine wichtige Naht an meinem Rucksack auflöst. Die Naht, die quer über den Rucksack verläuft und die mit den oberen Trageriemengurten vernäht ist. Ich habe kein Nähzeug dabei, um den Auflösungserscheinungen Einhalt zu gebieten. Sollte sich die Naht weiter auflösen, habe ich ein Problem.
Direkt an der Wasserstelle errichte ich mein Nachtlager. Da ich ab morgen früh meinem Weg ohne die Unterstützung des Mondlichtes finden muss, lege ich am Abend noch meine Marschrichtung fest. Auch kontrolliere ich das vor mir liegende Gelände, um eventuellen Stolperstellen aus dem Weg gehen zu können. Aber es gibt hier nur Sand, nichts als endlose Sandebenen, sodass ich keine Probleme für morgen erwarte. Heute bewege ich mich keinen Meter mehr und habe nur noch Augen für die Schönheit der Natur.
Fortsetzung folgt