Hallo Gerhardd
Es ist absolut richtig, was Micha schreibt: Schlangenbisswunden auszusaugen oder gar aufzuschneiden ist absolut nicht angesagt. Das Gliedmaß ruhig stellen und großflächig, d. h. über mehrere Zentimeter „abbinden“ oder noch besser das gesamte Gliedmaß fest einwickeln, so dass sich das Gift nicht – oder besser: nur langsam - ausbreiten kann. Allerdings nicht so fest binden, dass der Blutfluss unterbunden ist! Auch wichtig: Ringe, Ketten, Armbänder etc. entfernen. Es kommt nach Schlangenbissen zu gewaltigen Schwellungen.
Übrigens: Nur bei giftigen Schlangen zeichnen sich die klassische Bissmarke (zwei kleine Löcher) ab. Wenn es dann eine Giftschlange war, kommt es darauf an, wie viel Gift sie in die Bisswunde befördert hat. Hat sie zuvor schon einmal gebissen, hat sie bereits einiges „verschossen“. Aber das kann man natürlich nicht wissen. Deshalb im worst case immer von der „vollen Ladung“ ausgehen. Dann s. o. und so schnell es geht professionelle medizinische Hilfe einholen. Ideal ist es natürlich, wenn man die Schlangenart angeben kann. Denn gegen das Gift hilft nur das spezielle Antiserum.
Skorpionstiche sind sehr schmerzhaft aber meist nicht lebensgefährlich (Ausnahme: Kinder!).
Zu den Medikamenten: Man sollte das, was man dabei hat, auch anwenden können! Deshalb nutzt es gar nichts, wenn einem ein Fachmann/frau lediglich etwas zusammenstellt. Das Schwierigste ist oft, zu erkennen, was man denn wann geben/ neben soll. Die Dosierung kann man ja im Waschzettel nachlesen. Auf Anfrage sende ich gerne per PN eine Checklister für die Reiseapotheke zu, die für Laien überschaubar und zu beherrschen ist (Medikamente und Verbandmaterial). Man braucht weniger als viele denken.
Sicher ist es auch sinnvoll Einmalspritzen und Kanülen dabei zu haben. Nicht überall auf der Welt ist das vorhanden, wie bei uns...
Da das Risiko beim Motorradfahren, sich einen Knochenbruch zuzuziehen, relativ hoch ist, macht es sinn, sich vor der Reise schlau zu machen, mit welchen Mitteln man Knochenbrüche ruhig stellen kann. In der Regel hat man auf’m Moped ja keinen großen Verbandkasten dabei.
Das Wichtigste ist, im Notfall die Ruhe zu bewahren und so auch beruhigend auf den Verletzten einzuwirken. Aber wie schon bei der Frage zu den „gefährlichen Situationen“: Der richtige lebensbedrohliche Notfall ist eher die Ausnahme – glücklicherweise.
Zu dem Thema gibt es sicher noch sehr viel mehr zu sagen, und wahrscheinlich gibt’s hier im Forum auch irgendwo schon Beiträge dazu (mochte jetzt aber nicht rumsuchen).
Zum Schluss noch ein
Literaturtipp: "Where there ist no doctor" von David Werner. Ursprünglich für Entwicklungshelfer gerschrieben, ist es aber auch für den Laien äußerst hilfreich.
Viele Grüße
Angelika