



Ab-"G"-fahren
Entlang der afrikanischen Westküste
Nachdem wir auf gut ausgebauten Asphaltstraßen von Windhoek in zwei Tagen die Grenze erreichten, erwarteten uns in Angola die wohl mit Abstand schlechtesten Straßen und Pisten Afrikas. Im ersten und zweiten Gang arbeiteten wir uns in zwei Wochen mit einem Schnitt von 15-20 km/Stunde über vom mehr als 30 Jahre dauernden Bürgerkrieg völlig zerstörte Asphalt-Reste und hatten dadurch am Fahrzeug den ein oder anderen Reifen zu flicken.

"Straßen" in Angola

Minen – auch heute noch eine Gefahr

Die Reste des Bürgerkriegs – überall noch sichtbar
Entgegen unseren Befürchtungen ist die Einreise in die Demokratische Republik Kongo völlig problemlos und die Formalitäten sind schnell und korrekt erledigt. Nach wenigen Kilometern fahren wir auf einem dunklen, frischen Asphaltband mit gleißend weißen Streifen in der Mitte Richtung Kinshasa und sind überrascht von der Freundlichkeit der Menschen.

Grenzübergang Luvo, aus dem Autofenster fotografiert ...
Abgesehen von der ein oder anderen Straßenkontrolle werden wir mit Glück, Instinkt oder Geduld auch an der Fähre über den Kongo-Fluss ohne zusätzliche "Schmiermittel" abgefertigt. Im Hafen erfahren wir, dass wegen der Vereidigung des neuen Präsidenten dies die letzte Fähre für die nächsten Tage nach Brazzaville ist.

Kongo-Fähre - Heimliches Foto durch die Windschutzscheibe
Auch Brazzaville ist eine relativ saubere Hauptstadt mit dichtem, aber für afrikanische Verhältnisse sehr diszipliniertem und geordnetem Straßenverkehr. Von hier führt sogar eine neue Asphaltstraße weiter ca. 400 km nach Norden bis Oyo, dem Heimatort des Präsidenten der Republik Kongo.
Ab hier geht es allerdings nur noch auf teilweise verschlammten Erdstraßen durch Urwald und über abenteuerliche Brückenkonstruktionen weiter.

Immer wieder spannend – Brücken im Kongo

Ebola - jetzt wird es ernst ...
Wir sollten aber feststellen, dass es weiter nach Norden, direkt zur Grenze nach Kamerum, kein Durchkommen gab und die Piste irgendwo nördlich von Makoua im dichtesten Dickicht und undurchdringlichem Urwald endet.

Pisten durch den Urwald
Also wieder zurück und durch den weitgehend unbekannten und unerschlossenen Odzala-Nationalpark auf anspruchsvollen und derart engen Pisten, dass wir wie in einem Tunnel fahren.

Odzala-Nationalpark
Mit dem betagten aber unverwüstlichen Mercedes G, Baujahr 1982, ging es mit nicht geringem Risiko durch endlos dichten Regenwald und tiefsten Schlamm, immer nach dem Motto: Geht nicht, gibt’s nicht!
Nach 7 Tagen kräftezehrender Fahrt sollte uns dann noch ein Urwaldriese den Weg versperren, der nur mit Hilfe von Einheimischen und einer Kettensäge zu entfernen war.

Es dauerte mehr als einen Tag, jemanden mit einer Kettensäge aufzutreiben ....

Grenze Kongo – Gabun

Überall unterwegs zu kaufen - Bushmeat
Mit Erreichen der ersten Dörfer in Gabun öffnete sich die Piste und wir können es kaum erwarten, endlich nach Kamerun zu kommen. An den Strand. Einfach nur ein paar Tage Urlaub vom Urlaub.

Traumstrände südlich von Kribi
Mit abgebrochenem Stoßdämpfer, völlig abgefahrenen Reifen ("Drahtrollen") und ausgeschlagener Kardanwelle rollen wir langsam auf leeren Straßen in die Stadt Douala. Es ist Sonntag, der 24. Dezember.

Auch BF Goodrich ist irgendwann am Ende
Wir wollen ins deutsche Seemannsheim, in dem gerade "extra zu unserer Begrüßung" eine festliche Christmette mit echtem Weihnachtsbaum - importiert im Kühlraum eines Frachters - und anschließendem kostenlosen Buffet stattfindet .... wir sind eingeladen

Weihnachten in der Seemannsmission
Nur 70 km entfernt am heute noch aktiven Vulkan Mount Cameroon verbringen wir die Feiertage und Silvester an den schwarzen Stränden um Limbe und mit Wanderungen im kühlen Buea.

Mount Cameroon kann seine Tätigkeit nicht verleugnen ...

Hängebrücke in den Wäldern Kameruns

Irgendwo in Kamerun
Zurück in Douala erleben wir die Stadt erst jetzt in ihrem geschäftigen Leben und mit dem dazu gehörigen chaotischen Verkehr. Unser betagter G wird erst mal geschweißt und bekommt zwei neue (gebrauchte) Reifen und Stoßdämpfer spendiert. Auch die Kardanwelle wird repariert, was aber nicht sehr lange halten sollte.
Schon eine Woche später in der Hauptstadt Yaoundé, wo wir die weiteren Visa für Gabun, Kongo Brazzaville und Kongo Kinshasa erhalten, sind die neuen Lager der reparierten Kardanwelle bereits wieder ausgeschlagen. Diesmal wird ein komplett intaktes Kardangelenk einer anderen Welle auf unsere aufgeschweißt. Da man damit natürlich wieder nur bis max. 60 km/h "unterhalb der Resonanzkatastrophe" fahren kann, geht die Reise zunächst über gute Straßen mit ausgebauter Welle als "2x4" weiter.

Der G beim Doktor
Wir sind inzwischen in Begleitung von 2 Engländern in einem Toyota BJ 60 sowie einem Südafrikaner in seinem Landrover, beide unterwegs auf Trans-Afrika-Tour, die wir vor der kongolesischen Botschaft kennengelernt hatten. Ab jetzt geht es gemeinsam weiter.
Gabun überrascht mit einer guten Infrastruktur durch Öl- und Holzindustrie und ist das Traumland eines jeden G-Fahrers. Im ganzen Land sieht man die neuesten und ausgefallensten G-Modelle für Polizei und Militär und in Libreville ist die Zentralwerkstatt von Puch, Österreich. Der fällige Besuch mit kleiner Führung durch den österreichischen Werkstattleiter war überaus freundlich und interessant. Alles wird direkt aus Graz importiert und Geld spielt anscheinend keine Rolle. Auch unser 25 Jahre alter G wird mit einer Mischung aus Mitleid und Bewunderung gemustert. Hier würde sich wahrscheinlich niemand damit aus Libreville heraus trauen.
Obwohl normalerweise nicht die kleinste Schraube das Lager verlassen darf, bekamen wir mit Erlaubnis des Generals zum Abschied noch eine Antriebswelle vom Schrott geschenkt, die in Kombination mit unserer alten hervorragend funktionierte.

Gabun fährt G
Mit 4x4 ging es nun im Konvoi durch Lambarene, auf den Spuren von Albert Schweitzer, in den Mayumba-Nationalpark und weiter über abenteuerliche Brücken, Fähren und Wasserdurchfahrten in die Republik Kongo.

Das Grab Albert Schweitzers in Lambarene

Auf dem Weg nach Mayumba

Mayumba Nationalpark
Nachts war der Horizont von den vielen Ölbohrinseln vor der Küste hell erleuchtet und am Strand konnten wir Wasserschildkröten bei der Eiablage beobachten.

Vermessung der Schildkröten
Der Kongo empfing uns erst mal mit Regen und die Fahrt wurde zu einer einzigen Schlammschlacht. Nur durch gegenseitige Hilfe und mit der Ausrüstung aller 3 Fahrzeuge (Seile, Spaten, "Schlammbleche", u.ä.) kamen wir weiter. Es war eine Kombination aus Camel-Trophy und Toyo-Landy-G-Competition.

Schlammschlacht Richtung Point Noire

Piste präparieren

Holzfällerarbeiten unterwegs

Ab und zu hebt immer mal jemand sein Bein

Und immer wieder müssen wir mal abtauchen - entweder mit dem Fahrzeug ...

.... oder wir nach all der Anstrengung
Es war die anstrengendste und abenteuerlichste aber auch interessanteste und schönste Teilstrecke unserer Reise, bis wir erst kurz vor Pointe-Noire wieder "festen Boden" (Asphaltstraße) unter den Rädern hatten. Die über den Landweg völlig isolierte moderne Hafenstadt Pointe-Noire ist eine der größten Umschlagplätze der Öl- und Holzindustrie. Es gibt wieder alle Annehmlichkeiten der Zivilisation, wenn auch nicht zu afrikanischen Preisen. Nur Benzin ist wie in allen Ölländern billiger als Wasser.
Wir durften kostenlos am Strand vom Yacht-Club campen und bringen uns und die Fahrzeuge erst mal wieder auf Vordermann. Außerdem ist hier die letzte Möglichkeit, ein Angola-Visum zu bekommen, zumindest um erst mal durch die Enklave Cabinda zu kommen. Am Ende verbringen wir drei Wochen in Pointe-Noire und bekommen mit unserem Einladungsschreiben, mit Hilfe eines Kontaktmanns, Schmiergeldzahlungen und viel Glück ein 15-Tage-Visum (single entry).
15 Tage für dieses riesige Land mit zerstörter Infrastruktur einschließlich Fähre von Cabinda nach Soyo oder Luanda ..... unmöglich!
Aber wir sind erst mal froh, dass es endlich wieder weitergeht.
Die beiden nur 120 km voneinander entfernten Hafenstädte sind über Asphaltstraßen miteinander verbunden und die Grenzabfertigung ist freundlich und schnell .... Boa vinda a Angola!
Sehr früh aufgebrochen, um den lästigen Straßenkontrollen in Pointe-Noire zu entgehen und wegen der nur 15 Tage erreichen wir den Hafen von Cabinda schon am frühen Nachmittag. Schnell ist klar, wie sollte es anders sein, die Fähre nach Soyo ist gerade weg und fährt erst wieder in einer Woche bzw. nach Luanda in 10 Tagen .... "aber unser Visum läuft in 14 Tagen aus". "Na dann fliegt doch einfach" schlägt uns der Hafenmeister spontan vor "mit der täglichen Militärtransportmaschine aus Luanda", als wäre es das normalste der Welt.
Wir hatten zwar schon von anderen Trans-Afrika-Fahrern davon gehört, denen dies für 800 US-$ samt Auto gelungen sein soll, aber nicht ernsthaft daran geglaubt.
Da wir schon im Hafen Verständigungsprobleme (... Eu não falo o português ...) haben, sind wir in Begleitung eines englischsprachigen Einheimischen auf dem Weg quer durch die Stadt zum Militärflughafen. Vor der Zufahrt zum streng abgesperrten militärischen Bereich warten tatsächlich noch andere Zivilpersonen mit Gepäck. Auch wir sollen zunächst in gebührendem Abstand in unserem Fahrzeug warten. Unser Führer besorgt uns noch etwas zu essen und verabschiedet sich am späten nachmittag ..... wir warten.

Militärflughafen Cabinda
Da niemand englisch spricht, ist uns auch nicht klar, wer hier eigentlich was zu sagen hat, und worauf wir eigentlich warten. Wie wir später erfahren, ist die Nachmittagsmaschine aus Luanda nicht eingetroffen.
Als es langsam dunkel wird, machen wir allen mit Händen und Füßen deutlich, dass wir langsam einen sicheren Platz zum schlafen (campen) brauchen, und nicht länger hier warten können. Plötzlich kommt ein roter Toyota Corolla am Tor vorgefahren und man winkt uns, ihnen auf das Flughafengelände zu folgen. Man führt uns direkt neben die Landebahn und einen Militärposten unter einen Baum. Es ist wohl der ungewöhnlichste und gleichzeitig sicherste Campingplatz Afrikas ... und wir sind gespannt, wie es morgen weitergeht.
Am frühen Morgen, wir liegen noch im Dachzelt, fängt alles an zu vibrieren und mit ohrenbetäubendem Lärm landet eine schwere vierstrahlige russische Iljuschin II-76 auf der Landebahn, direkt neben uns. Wir bekommen noch die Info, dass das Flugzeug erst nach Saurimo fliegt .... wo auch immer das sein mag.
Jetzt geht plötzlich alles ganz schnell, wir sollen uns bereit halten. Ein Soldat setzt sich zu uns ins Auto und wir fahren zu der Transportmaschine auf das Rollfeld, während im Auto 800 US-$ den Besitzer wechseln .... wenn das mal kein Fehler war, denn wir sind noch nicht an Bord.
Die Maschine steht mit offener Heckklappe zum Beladen bereit, während ca. 200 Soldaten mit Gepäck und Waffen daneben aufmarschieren. Der Soldat mit unserem Geld ist inzwischen ausgestiegen und wir haben ihn zwischen den vielen Uniformierten aus den Augen verloren .... das Geld ist weg.
Wir beobachten wie die Rampen hydraulisch und mit Hand korrigiert werden. Dann hektische Zeichen von verschiedenen Personen, die uns heranwinken, einweisen und wieder stoppen wollen. Ich habe die Untersetzung schon eingelegt, und bevor noch jemand reagieren kann fahre ich zügig die steile Rampe hoch ... wir sind drin. Jetzt gibt's kein zurück.
Der Laderaum ist leer, wir sind das einzige Fahrzeug und fahren bis vorne durch. Der vollgetankt G wird vorne und hinten jeweils mit einer Kette - wie auf einem Schiff - am Boden gesichert. Hinter uns füllt sich die noch verbleibende ca. 25 m lange Ladefläche mit Soldaten, Rucksäcken und Waffen. Hinter dem Auto stapelt sich Gepäck und Ausrüstung bis zum Dach. Und auch seitlich lassen sich die Türen nicht mehr öffnen. Die Luft ist zum schneiden, bei Temperaturen wie in der Sauna. Aber wir sind froh um unsere komfortablen Plätze im Auto.

"Unsere" Iljuschin

Geschafft! Wir sind drin!
Jetzt haben wir endlich Zeit, mal auf die Michelin-Karte zu schauen, wo wir eigentlich hinfliegen. Saurimo liegt im Osten Angolas, Nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, über 1,5 Flugstunden entfernt Richtung Süd-Osten. Nicht ganz unsere Richtung nach Namibia, aber auch nur ca. 400 Fahrkilometer bis zur Grenze Sambias. Spätestens dort haben wir wieder gute Infrastruktur mit einer guten Straßenanbindung nach Süden über Lusaka ... und für den Notfall haben wir ja auch noch unser Kongo-Visum.
Die Entscheidung ist gefallen, wir steigen in Saurimo aus!
Die Maschine hat keine Fenster, aber ich habe das Gefühl, die Maschine braucht eine Ewigkeit bis sie in einem sehr flachen Winkel abhebt bzw. bei hoher Landegeschwindigkeit zum Stillstand kommt. Trotzdem dürfte der alte G wohl noch nie so eine Beschleunigung bzw. Verzögerung erfahren haben.
Langsam wird das Auto von den Menschen und Gepäckmassen wieder frei gegeben, und die ukrainische Besatzung erkundigt sich nochmals, ob wir wirklich hier aussteigen, und nicht weiter mit nach Luanda fliegen wollen.
Wir fahren rückwärts bis zur Rampe und steigen aus, um die Rampe zu kontrollieren. Jetzt kommt sie uns noch steiler vor und wir bleiben in Untersetzung, da unsere Bremsen das Fahrzeug auf der ca. 30°-Schräge sicher nicht halten. Bevor irgend jemand dumme Fragen stellen kann, fahren wir ohne Orientierung erst mal weg von der Maschine und raus aus dem Militärgelände.
Tausend Kilometer in 1,5 Stunden ... was für ein Trip.
Ab-G-fahren ....
Wir sind überrascht über die saubere aufgeräumte Provinzhauptstadt Saurimo mit guter Infrastrukur und sogar Internet-Café und genießen das viel angenehmere trockenere Kontinentalklima. In einem Restaurant bekommen wir von den freundlichen Angolanern nicht nur gutes Essen, sondern als erste Touristen in Saurimo auch viele Informationen der möglichen Straßenverbindungen über gerade erst fertig gestellte einspurige Behelfsbrücken nach Südosten - in das Dreiländereck Angola, Kongo, Sambia.
Mit teilweise 80 km/h "schweben" wir über ein altes aber tadelloses Asphaltband innerhalb eines Tages die ersten 200 km, ohne dass wir einem anderen Fahrzeug begegnen, bis Luau. Nur ca. 500 m vor und hinter jeder Behelfsbrücke ist die Asphaltdecke unterbrochen und Fahrzeugwracks liegen noch am Straßenrand.

Straße nach Luau
Das im portugiesischen Stil mit breiten Prachtstraßen erbaute Grenzstädtchen Luau ist völlig zerfallen und es gibt nur wenig Grundnahrungsmittel für unsere letzten Kwanzas auf dem kleinen Schwarzmarkt zu kaufen. Hier sind die Menschen schon viel distanzierter und misstrauischer; auch die Verständigung kaum möglich. Wir wollen weiter "Richtung Sambia", wie man uns auch dirigiert, aber wir verlieren immer wieder die Spur und sind erst sicher, dass die abenteuerliche Piste richtig ist, als uns an einem Grenzstein zum Kongo ein defekter LKW aus Sambia den Weg versperrt.

Auf dem Weg nach Sambia
Endlich: Man spricht englisch. Die Piste entlang der Grenze existiert, ist fahrbar und führt uns in 2 Tagen direkt nach Sambia.
Siggi

