Nach einem Motorradunfall war er querschnittgelähmt - und wurde ein bekannter Fotoreporter, bereiste viele Länder der Erde, bis er eines Tages seinen Traum von Indien wahr machte. Mit seinem roten Rollstuhl brach Andreas Pröve zu seiner größten Abenteuerreise auf und folgte dem Ganges über 2700 Kilometer von Kalkutta bis zur Quelle im Himalaja.
Andreas Pröve, geboren 1957, bekannter Fotoreporter, verunglückte als 23jähriger mit seiner Yamaha und ist seitdem querschnittsgelähmt. Schon drei Jahre nach dem Unfall brach er zu seiner ersten Indienreise auf und tourte später monatelang durch Asien, wo er unter anderem für »terre des hommes« über Kinderarbeit berichtete.
Ob im Hamam von Palmyra oder im Baghdad Café mitten in der syrischen Wüste, durch die spektakulären Schluchten von Petra und Wadi Rum, im Großstadtverkehr von Damaskus oder beim persischen Aschura-Fest: Wie Andreas Pröve mit seinem Rollstuhl den Orient bereist, ist Anlaß für tausendundeine außergewöhnlich intensive Begegnung, die uns arabische Gastfreundschaft hautnah miterleben läßt. »Ein großartiges Unternehmen, an dem sich alle, die ähnliche physische Belastungen zu ertragen haben, aufrichten können und durch das deutlich wird, was trotz einer rücksichtslosen und oft sogar feindlichen Umwelt durch Lebensmut und Abenteuerlust möglich ist.
Auszug aus dem Buch:
[...] Mit jedem Meter, den ich mich dem Schalter nähere, wird das mulmige Gefühl in der Magengegend stärker. Wenn ich jetzt etwas Falsches sage, ist die Reise für mich hier schon zu Ende. Die Frage kommt wie das Amen in der Kirche. Sie wird jedem Rollstuhlfahrer gestellt, der allein fliegt. Jetzt bin ich dran.
»Guten Tag, Ihr Ticket bitte. Sie fliegen nach Damaskus?«
»Ja.«
Die Hostess blickt auf die beiden Fahrradpacktaschen und fragt weiter: »Ist das Ihr Gepäck?«
»Ja«, antworte ich knapp, um meine Aufregung zu überspielen. Locker bleiben, sage ich zu mir selbst.
»Haben Sie eine Begleitung?«
»Nein.«
»Können Sie laufen?«
»Ja, kein Problem, zwar nur ein paar Schritte, aber zur Toilette reicht es, ich brauche nur jemanden, der mir ins Flugzeug hilft.«
Mist, denke ich, das kam viel zu schwallartig. Ich kann nicht lügen, sie hat es bestimmt gemerkt. Dabei habe ich auf der ganzen Hinfahrt geübt.
Die Hostess schaut mich an, als hätte sie die fehlende Logik meiner Erklärung durchschaut, denn warum benötige ich beim Einsteigen Hilfe, wenn ich angeblich allein zur Toilette gehen kann? Dann greift sie zu ihrem Walkie-Talkie und ich sehe schon alle meine Felle davonschwimmen. Wie damals auf meinem Weg nach Indien, als ich so dumm gewesen war, auf die Frage, ob ich laufen kann, die Wahrheit zu sagen. Man hatte mir daraufhin den Transport verweigert, da ich nicht allein zur Toilette könnte. [...]