soeben sind wir nach zwei Wochen Tunesien-Rundreise mit Schwerpunkt Sand zurückgekehrt. Wir waren mit drei Geländewagen unterwegs. Die Einreise am 23.10.2011, am Tag der Wahlen, war von uns gespannt erwartet worden. Beim Verlassen der Fähre im Hafen fiel auf, dass vermehrt Militär patroullierte. Ein Schützenpanzer sowie ein sandfarbener Ländy erregten die Aufmerksamkeit. Was würde uns erwarten? In der ersten Halle bei der Polizei nur ein flüchtiger Blick in den Pass, Formular richtig ausgefüllt? - Weiter zum Zoll: der Beamte wollte nicht mal ins Auto kucken, kritzelte nur etwas auf die weiße Karte und schickte uns zum Tor - nach sage und schreibe 10 Minuten waren wir draussen aus dem Hafen - REKORD !!!
Die erste Nacht verbrachten wir in Tunis in einem Hotel direkt an der Habib Bourgiba, gegenüber das Innenministerium, welches hoch mit Stacheldraht umzäunt war, davor Panzer, Hummer, Soldaten etc. Wir parkten hinter dem Hotel Afrika auf dem Hotelparkplatz, wegen der gesperrten Habib Bourgiba war es abenteuerlich, den Parkplatz zu finden. Beim abendlichen Spaziergang entlang der Prachtstraße fiel auf, dass wir oft von Einheimischen angesprochen wurden, die den Kontakt zu uns suchten - alle extrem freundlich!
Am nächsten Tag Einkauf im CarreFour, auch da Panzer, Stacheldraht und Soldaten, aber alles friedlich. Nach der ShoppingTour gings über Beja nach Dougha, dort Übernachtung im Hotel und am nächsten Tag Besichtigung der Ruinen - keine Touristen weit und breit und Fremdenführer, die sich die Beine in den Bauch standen. Weiterfahrt über Le Kef nach Gabes, dann Kebili bis nach Douz. Von den wenigen üblichen Polizeikontrollen vor den Dörfer überhaupt keine vermehrte Polizei- bzw. Militärpräsenz (außer in der Hauptstadt), alles friedlich, wir fühlten uns sehr sehr sicher !!!
In Douz wollten wir eigentlich auf den Campingplatz, früher waren wir immer im Hotel Touareg zuhause. Der Neugierde halber, da es schon dunkelte, fragten wir im El Mouradi nach. Und da die fette Überraschung: Doppelzimmer mit Frühstück für 34 Dinar pro Person, also 17 Euro --> Campingplatz ade
Am nächsten Tag Einkauf in Douz, Mittagessen im Restaurant Erimel, dann über die direkte Piste zum Cafe Tente, dort der obligatorische Minztee, dann weiter zum Tembaine. Erstaunen erregte ein Rudel französischer 2CV und Renault4, die abends ebenfalls am Tafelberg eintrafen - cool. Treffen mit Habib und Ibrahim, unseren einheimischen Scouts. Übernachtung im kleinen Quechua.
Start um 7 Uhr morgens zum "verlorenen See", dort nach 100% Sand Eintreffen um 1400 Uhr. Baden, relaxen, Touaregkuskus - ein perfekter Abend am See. Wobei See doch ganz ganz leicht übertrieben ist, er präsentierte sich uns als ca. 4x4m großer Tümpel... Hotel Quechua
Am nächsten Tag auf geradem Track zurück zum Tembain, abends wieder in Douz. Die restlichen Tage Tozeur, Nefta, Matmata, Zarzis, Djerba, Hammamet. Letzte Nacht wieder in Tunis.
Fazit: Im Vorfeld unserer Reise wurden wir von verschiedenen Seiten angesprochen, wie wir ausgerechnet am Wahlwochenende nach Tunesien fahren könnten. Unruhen und Übergriffe seien wahrscheinlich. Das einzige, was wir von der Wahl mitbekamen, war nur der schwarze Zeigefinger unserer tunesischen Freunde. Die Lage im Land ist sehr sehr ruhig, es ist keine vermehrte Präsenz der Sicherheitsorgane festzustellen, alles ist wie die Jahre vorher - kein Unterschied !?! DOCH, ein ganz wesentlicher Unterschied ist speziell in Douz festzustellen:
ES FEHLEN DIE TOURISTEN !!! Das ist gaaanz ganz schlimm, die örtliche Bevölkerung braucht uns Touris DRINGEND. Hotels leer, abends ist Douz wie ausgestorben - grausam. Deshalb unser Aufruf: Kommt wieder nach Tunesien und überzeugt Euch von der Ruhe dort --- und unterdrückt nicht Eure Leidenschaft, es gibt keinen Grund dafür!
Auf Djerba ersetzen die Libyer die ausbleibenden Europäer, unzählige weiße Limousinen mit libyschen Kennzeichen bevölkern die Straßen dort und bis hinauf nach Sfax. In Hammamet sind viele Hotels geschlossen, einige wenige Pauschalurlauber sind da.
Unser abschließender Eindruck: Wir hatten keinen einzigen Augenblick das Gefühl von Gefahr oder fühlten uns unsicher. Im Gegenteil, die Einheimischen waren sehr sehr freundlich und offen uns gegenüber. Aus unserer Sicht ist zu hoffen, dass es 2012 wieder aufwärts geht. Dazu könnte auch die neue Autofähre der CTN, die ab Mitte 2012 im Mittelmeer die Carthage ersetzen soll und die größte Autofähre der Welt sein wird, beitragen.
Ganz ganz suuper funktionierte übrigens auch der 3GG Internet-Stick von Tunisie Telecom. Im ganzen Land waren wir online - Feeling wie zuhause, wir waren nicht allein. Ein SPOT Messenger komplettierte neben GPS und CF18 das elektronische Sortiment...
Also Mädels, Tunesien wartet auf Euch, los los !!!
Gruß aus den Bergen




