Im Rahmen der Diskussion über Quellenangaben stellen sich einige Detail-Fragen, die ich hier grob im Format „Frage & Antwort“ anspreche und gegebenenfalls noch ergänzen werde.
F:
Muss ich etwas mit einer Quelle belegen, das doch jeder weiß?
A: Das kommt darauf an. Manche Statements sind klar, breit bekannt und gesellschaftlich nicht umstritten. Da kann man gerne darauf verzichten. — Allerdings wenn man eine alternative Sichtweise darauf präsentiert oder einen hochspezifischen Aspekt aufgreift und erweitert, dann ist das mit der Quell-Referenz zu versehen, um zu sehen wer diese neue Sichtweise in welchem Zusamenhang bringt.
F:
Das Thema ist doch gerade Top-aktuell und sicherlich jedem bekannt. Wozu dann noch die Quellenangabe?
A: Gerade bei Top-aktuellen Themen unterscheiden sich die Sichtweisen auf das Thema oft deutlich und sind oft sehr vielfältig. Daher ist der jeweilige Original-Kontext einer Aussage sehr wichtig.
Auch stellt sich bei solchen, sich gerade entwickelnden Ereignissen zusätzlich die Frage des Zeitpunkts einer Information. Wenige Stunden Differenz können den Kontext komplett verändern.
Auch bleibt das Thema nicht top-aktuell. Aber das Wüstenschiff hat ein Langzeitgedächtnis. Spätere Recherchen werden durch saubere Quellenangaben deutlich vereinfacht und wertiger..
F:
Ich bin im Forum gut bekannt, da erübrigt sich das Misstrauen und ich kann die Quellen-Pflicht legerer sehen?
A: Nein. Gut bekannt heißt noch lange nicht, dass jeder Dich als vertrauenswürdig und kompetent
in diesem speziellen Thema sieht. Zudem kennen Neulinge Dich noch nicht.
F:
Ich arbeite in der Medienbranche. Ich weiß was ich tue.
A: Tja, auch der Hausmeister eines Verlages arbeitet in der Medienbranche und weiß was er tut.

Abgesehen davon machen auch Medienhäuser Fehler in der Berichterstattung und müssen von ihnen verbreitete
Informationen widerrufen.
F:
Jeder kann das Internet bedienen. Wozu dann noch Quellenangaben? Wer's wissen will, kann's doch einfach suchen.
A: Du schmeißt eine Info rein, die Du zumeist nicht gesucht, sondern im vorbeisurfen gefunden hast; Minimaler Zeitaufwand. Ein Leser, der Näherers über die Quelle wissen will, muss (ohne Deine Quellenagabe) hier von Null an was ganz Bestimmtes suchen. Oft ein erheblicher Aufwand; auf alle Fälle deutlichst mehr als der, den Du gehabt hast.
Es ist aber nicht nur ein Leser, sondern teils dutzende bis viele hunderte Leser, die die Quelle eigentlich interessieren würde. Deine Bequemlichkeit kostet jeden Deiner Leser ein Vielfaches der Zeit, die es Dich kostet, den Quell-Link einmalig für alle bereitzustellen.
Ist es zudem noch eine Falschinformation, findet man keine oder nur zweifelhafte Quellen. In dieser Konstellation maximiert sich der Aufwand; Ein Worst-Case-Szenario. Ein Troll weiß das und verstärkt das mit einer Vielzahl an weiteren Statements, so dass der Aufwand der Recherche früher oder später letztlich bei jedem den Zeitrahmen sprengt — quasi eine „soziale DOS-Attacke“.
(DOS = „Denial of Service“; eine Technik, um Rechner/WebSeiten bis zum Zusammenbruch zu überlasten.)
Auf die Quellen-Verlinkung zu verzichten bewirkt letztlich, die Trolle zu unterstützen, auch wenn man selber keiner ist.
Alleine der Respekt gegenüber der Lebenszeit der anderen gebietet es, hier die Effizienz für die Gemeinschaft zu suchen und auf das bisschen bessere Eigeneffizienz zu verzichten. — Es wird einem zig-fach zurückgezahlt, indem Andere auch ihre Quellen verlinken.
F:
Genügt es nicht, nur die Hauptseite der Quelle zu nennen?
A: Früher, also vor dem Start des Internets, mag das vielleicht genügt haben. Aber schon damals war es üblich, Ausgabe und Seite mit zu benennen. Heute haben Webseiten Archive, die über Jahre zurück reichen. Da kann ein Thema mehrfach in unterschiedlichem Kontext aufgegriffen worden sein. Entsprechend kann der Aufwand, den Quell-Artikel zu finden, fast genauso aufwendig sein wie eine komplette Internet-Recherche. Insbesondere ist häufig die Suche einer WebSite oft so schlecht, dass die Suche über eine der großen Suchmaschinen bessere Ergebnisse über die WebSite liefert, als sie selbst.
Also nein, es sollte wirklich die konkrete Seite, besser noch der konkrete Abschnitt mit der wiedergegebenen Aussage als Quelle verlinkt werden.
Solch unscharfe Quellenverweise als akzeptabel zu betrachten unterstützt zudem gezielte Desinformation. Diese Akteure hiken auf diese Weise das Vertrauen, das einer Seite entgegen gebracht wird:
Ein falsches Statement wird gemacht und als (gefakte) Quelle pauschal auf eine WebSite mit Renomée verlinkt. — Alleine die Nennung der vertrauenswürdigen WebSite lässt einen die Aussage als „wahrscheinlicher wahr“ empfinden, so dass viele auf eine weitere Recherche verzichten und vom Fake einkassiert werden.
F:
Ausführlich Links anzugeben ist Link-Bombing. Ist das nicht eher hinderlich als nützlich, da damit das eigentliche Thema unterzugehen droht?
A: Die Art der Quellenangabe kann etwas zum Link-Bombing machen. Das ist natürlich nicht wünschenswert und bleibt die Kunst des Autors, diesen Effekt zu vermeiden.
Es macht z.B. keinen Sinn, ganze Verlinkungslisten zusammen zu stellen und als Anhang mitzuliefern. Solch unspezifische Verlinkungen vernichten das Vertrauen in den ganzen Post, da es auf eine bewusste Überforderung des Lesers abzielt. —
Press delete & continue.
Hingegen sinnvolle Links einzuflechten, die den Lesefluss nicht stören, aber dem Leser ermöglichen, eine Aussage an der Quelle zu prüfen, ist eine saubere und hilfreiche Technik.
F:
Der Aufwand Anderer ist mir eigentlich egal. Quellen herauszusuchen ist mir zu aufwendig.
A: Ja natürlich. Der Fairness-Gedanke liegt Dir fern. Aber was sagt das dann über Dich und Deine Argumentation aus?
Du bringst Dich damit nahe zu den vielen Trollen, also Leuten, die absichtlich Sätze aus dem Kontext reißen und in den eigenen Argumetationskontext setzen und so bewusst einen falschen Eindruck suggerieren oder schlicht eine Falschaussage verbreiten.
Öffentlich geäußert kann das gegenüber den zittierten Personen durchaus auch mal den Tatbestand der Beleidigung
§185, übler Nachrede
§186 oder Verleumdung
§187 StGB erfüllen.
Korrekt zitieren ist also auch Selbstschutz.
Neben dem guten Eindruck einer fairen Argumentation kann der Nachweis der Stichhaltigkeit über gute Quellenangaben verhindern, dass jemand durch Rechtsmittel versucht, Dir zu schaden oder in die Defensive zu drängen.