Wüstenschiff • Thema anzeigen - Von Äthiopien über Südsudan nach Uganda

Von Äthiopien über Südsudan nach Uganda

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Äthiopien - Gambelas Ruinen aus der Kolonialzeit

Beitragvon Birgitt » 12.07.2012 21:04

"Alte Steine" gibt es auch in Gambela ;-)
und die suchen wir am frühen Abend, als die Hitze des Tages endlich etwas nachlässt, es aber noch einigermaßen hell ist, auf.

Im vergangenen Jahrhundert war Gambella für einige Zeit britisches Protektorat und Binnenhafen für Schiffe auf dem Weg zwischen Baro River und Weißem Nil. Geht man am Strand entlang unter der Brücke hindurch (flussabwärts) sieht man noch die Überreste alter Anlandungsstellen, die hier im Schutz zwischen Insel und Ufer erbaut waren. Wenn Steffen mich nicht vor der Reise darauf aufmerksam gemacht hätte, hätte ich diese Stelle glatt übersehen ;-)

_ 7b gambella landungssteg.jpg

Ein Blick von oben -
einmal flussabwärts in Richtung Südsudan ...

_ 7c gambella landungssteg.jpg

... und dann flussaufwärts in Richtung Gambela Stadt

_ 7 gambella landungssteg.jpg

Die Brücke über den Baro wird von bewaffnetem Militär bewacht, Fotografieren der Brücke oder von der Brücke ist verboten. Ich habe versucht, eine Erlaubnis zu erhalten, aber in diesem Fall hat mir auch mein Lächeln nicht geholfen ;-)

Oberhalb dieser alten Anlandungsstellen ist - zumindest am Wochenende - die Amüsiermeile der Stadt. Vor der Sonne geschützt unter den Bäumen im Schatten sitzen Familien an langen Bänken, lachen, grillen, essen, trinken - und nebenbei werden Kicker-Meisterschaften ausgetragen

_8 gambella kicker am fluss.jpg

Und noch mehr tote Steine, gar nicht so sehr weit weg von unserem Hotel:
die Ruinen des alten italienischen Forts.

1936 wurde Gambela von den Italienern besetzt, die das kleine, jetzt zerstörte Fort bauten. 1941 eroberte England die Stadt zurück - ab 1951 wurde Gambela dann wieder über den Sudan verwaltet. Erst 1956 ging die Enklave an Äthiopien.

Das alte Fort von hinten

_ 4 gambella altes fort.jpg

Die Ruine ist ummauert und es gibt für uns leider keine Möglichkeit, das Fort aus der Nähe anzusehen.Wir klopfen vorsichtig am Tor, werden aber von einem völlig panischen alten Herrn verscheucht, der ganz hysterisch "go, go, go" schreit. Vielleicht sehen wir ja italienisch aus ... ? ;-)

Hier noch ein heimliches Foto durch einen Mauerschlitz auf die Front der Ruine -
zu lesen sind nur die letzten Buchstaben L C I

_ 3 gambella altes fort.jpg

Bevor wir zurück zum Hotel gehen, besuchen wir noch den Friedhof

_ 1 gambella friedhof 1.jpg

_ 2 gambella friedhof 1.jpg

Wieso ist Jesus wohl verhüllt?
Es hängt sicherlich mit einem Brauch ähnlich unserer Verhüllung Jesu am Kreuz in der Fastenzeit zusammen ... ich bin bei diesen christlichen Dingen überfordert 8)

_ gambella 10 jesus am kreuz verhüllt.jpg

Die "Fresken" an der Außenwand der kleinen Kirche sehen auf alle Fälle sehr hübsch aus -
auch wenn das Kabel am unteren Rand des Gemäldes den Eindruck erweckt,
es sei der Abfluss des Gewässers ... ;-)

_ gambella 11 kreuzgang.jpg
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Re: Von Äthiopien über Südsudan nach Uganda

Beitragvon Butterblume » 13.07.2012 09:26

Hallo Birgitt,

vielen Dank! Mit Deinem Bericht machst Du wirklich Lust auf Äthiopien.

Freue mich auf die Fortsetzung nach dem Urlaub (heute Abend geht´s Richtung Kenia, denn die Gnus sind schon am Sand River angekommen). :-)

Herzliche Grüße
Marina
Wer keinen Mut hat zum Träumen, hat auch keine Kraft zum Kämpfen. Afrikanische Weisheit
www.butterblume-in-afrika.de
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Äthiopien - von Gambella über Abobo und Pugnido nach Gog

Beitragvon Birgitt » 10.08.2012 22:42

Am Montag früh gehen wir zum Tourist Office, um unser Permit zur Ausreise nach Südsudan abzuholen. Seit nachts schon gibt es keinen Strom, d.h. es funktioniert kein Licht und kein Computer ;-) Glücklicherweise liegt unser Permit fertig vorbereitet auf dem Schreibtisch. Aber bevor wir es ausgehändigt bekommen, bittet uns Chuol Chany Kier, der Leiter des Tourist-Office, noch zum Interview bei einem ihm vorgesetzten Herrn. Wir haben nicht verstanden, um wen es sich hier handelt bzw. welche Rolle dieser Mensch spielt.

Das Interview dauert eine knappe Stunde und wir müssen zum wiederholten Mal erklären, wieso wir nach Südsudan ausreisen wollen. Auch will man wissen, wieso wir uns ohne Guide von Addis Ababa aus wegbewegt haben. Unser Hinweis auf ein Touristenvisum im Pass, mit dem wir uns im Land frei bewegen können, wird mit einer wegwerfenden Handbewegung quittiert. An einem gewissen Punkt schaltet sich Kier ein und weist seinen Kollegen darauf hin, dass sie nicht berechtigt sind, uns eine Weiterreise zu verweigern. Das sehen wir ähnlich ;-)

Gegen Zahlung von 100 Birr pro Person - gegen Quittung - erhalten wir unser Permit.
Aufgesetzt in Amharisch ....

Am späten Vormittag kommen wir endlich noch auf die Piste Richtung Abobo und Gog.


Ich hatte mich schon auf eine möglicherweise tierreiche Pistenfahrt durch die Randbezirke des Gambella Nationalparks gefreut, doch weit gefehlt. Das einzige, was wir sehen, sind Baumwollfelder. Kilometerlang. Riesige Farmen ausländischer Investoren.

Nun verstehe ich die Problematik des Land grabbing in der Region Gambella. Hier wird es überdeutlich.

_3 piste nach gambela.jpg

_2 piste nach gambela baumwolle.jpg

Wir fahren durch das Anuak-Dorf Abobo

_4 piste nach gambela abobo.jpg

und erreichen kurz darauf den Alwero Staudamm

2 gambela NP see abobo.jpg

Die Kids der Anuak haben Spaß beim Fischen im Alwero River ...

3 gambela NP see abobo ablauf.jpg

8 fischer.jpg

4 gambela NP see abobo fischer.jpg

... müssen ihre Beute aber gegen Horden von Marabus verteidigen ;-)

1 gambela NP marabu.jpg

Vögel sind das einzige an Wildlife, was wir auf dieser Strecke sehen

9 vögel.jpg

Wir stehen keine 10 Minuten am Damm, um die Szene etwas auf uns wirken zu lassen, als drei Ranger auftauchen, und unser Ticket für den Nationalpark sehen möchten. Wir zeigen unser frisch erworbenes Permit, dass sie - zu Recht - nicht akzeptieren, da es ja nicht für den Nationalpark gilt. Wir sehen aber auch nicht ein, für die Transitstrecke nach Gog durch Baumwollplantagen Eintritt für den Nationalpark zu zahlen. Wie so oft in Äthiopien, verstehen wir die Diskussion mit den Behörden nicht, starten den Motor und fahren weiter ...

Rechts und links der Piste (Saudi Star Road) ist rege Bautätigkeit, Bewässerungskanäle werden gezogen, um weitere Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

10 bewässerungsgräben gambella.jpg

Wir passieren noch ein paar kleinere Dörfer -
an den Pistenrändern ab und zu Hinweistafeln von ARRA und UNHCR:

"Bitte keine Geschenke annehmen. Dies führt zu unerwünschten sexuellen Avancen und HIV-Infektion"

7 gog hiv hinweis.jpg

bis kurz nach Gog die Piste immer enger wird und schließlich ganz aufhört. Hier ist nur noch Busch. Es besteht auch nicht der Hauch einer Chance mit einem Fahrzeug weiterzukommen. Die Bauarbeiten hier sind vor ungefähr 7 Jahren eingestellt worden.


Diesem netten Anuak geben wir einen Lift von Gog zurück nach Pugnido (in manchen Karten als "Agenga" gekennzeichnet) -
und da er sehr gut englisch spricht, übersetzt er uns unser Permit, damit wir wissen, was wir in Händen halten: Das Permit ist ausgestellt zur Vorlage beim "Bürgermeister" der Region Gog mit Sitz in Pugnido, der gebeten wird, uns bei der Ausreise nach Südsudan behilflich zu sein. Gut zu wissen.

6 gog hitchhiker.jpg

Nach kurzer Zeit finden wir auch das "Rathaus" in Agenga, aber niemand - weder der Bürgermeister noch die netten Mitarbeiter von ARRA und dem UNHCR - können uns weiterhelfen. Der Grund: es gibt keine weiterführenden Pisten Richtung Süden und keine Brücken für Fahrzeuge über die Flüsse. Gilo River Bridge ist nur für Fußgänger konzipiert.

Nun gut. So schwer es uns auch fällt, wir müssen auf gleichem Weg zurück nach Gambella.
Mehr Möglichkeiten haben wir hier nicht.
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Äthiopien - Von Gore nach Tepi

Beitragvon Birgitt » 12.08.2012 22:20

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Gambella und übernachten wieder in "unserem" Hotel.
Beim Abendessen überlegen wir uns, wie es weitergeht. Wir müssen nach Süden, so viel steht fest.
Hier bei Gambella Richtung Norden nach Südsudan auszureisen ist uns bei der aktuellen Nachrichtenlage einfach zu unsicher.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass unsere nächste Chance, weiter südlich nach Südsudan zu gelangen, bei Dima liegt. Dort gibt es eine Piste Richtung Südsudan/Boma, und dort ist es vielleicht auch möglich, über den Fluss zu kommen.

Gesagt getan, am nächsten morgen starten wir früh.
Zunächst müssen wir von Gambella aus die tadellose Asphaltstraße, die wir schon auf dem Hinweg genommen haben, bis Gore zurückfahren.

In Gore biegen wir dann ab auf die Piste nach Süden, Richtung Tepi

1 rg tepi.jpg

Der anfangs noch "dichte" ;-) Verkehr lässt wenige km hinter Gore sehr schnell nach ...

2 rg tepi.jpg

... und man bekommt richtiges Urwald-Feeling

5 rg tepi urwald.jpg

3 rg tepi urwald.jpg

4 rg tepi urwald.jpg

Wunderschöne Wälder wechseln sich ab mit Farmland

8 rg tepi landschaft.jpg

7 rg tepi farmen.jpg

Die Piste ist landschaftlich wirklich ein Highlight!
Kaum Verkehr und eine sagenhafte Vegetation -
es grünt und blüht, dass es eine wahre Freude ist

9a rg tepi strecke.jpg

10a rg tepi strecke.jpg

11 rg tepi strecke.jpg
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Äthiopien - Friedhof zwischen Gore und Tepi

Beitragvon Birgitt » 13.08.2012 20:41

Friedhof am Rand der Piste

13 friedhof.jpg

Die Gräber sind überwiegend sehr schlicht,
einige jedoch verziert mit dem Foto des Verstorbenen

14 friedhof.jpg

Dieses Grab hier sticht deutlich hervor -
farbenprächtig in seiner Gestaltung und überdacht

15 friedhof.jpg

16 friedhof.jpg

17 friedhof.jpg
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Re: Von Äthiopien über Südsudan nach Uganda

Beitragvon Klaus B. » 14.08.2012 10:22

Liebe Birgit,

wenn Du jetzt noch die Grabinschriften übersetzen würdest...

Gruß Klaus
Die Zukunft ist auch nicht mehr das was sie mal war!
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Äthiopien - Tepi Coffee Plantation Guesthouse

Beitragvon Birgitt » 14.08.2012 21:59

Lieber Klaus,

das wäre wirklich einmal eine Herausforderung, amharische Texte zu übersetzen.
Dann würden sich auch Speisekarten etwas flüssiger lesen lassen ;-)


Tepi, unser Etappenziel

19 tepi.jpg

Das Gästehaus der Tepi Kaffeeplantage ist uns zum übernachten empfohlen worden -
leider finden dort gerade größere Umbau- und Renovierungsarbeiten statt,
so dass der Restaurant- und Barbetrieb völlig lahmgelegt ist.
Noch nicht einmal Kaffee gibt es hier ;-) nur Bier und Ambo ...
Dabei hat der Kaffee von Tepi einen exzellenten Ruf!

Preis für ein Doppelzimmer ohne Frühstück: 120 Birr/Nacht (knapp 6 €)
Wir finden die Zimmer - wie so oft - nicht besonders prickelnd und schlafen deshalb lieber im Dachzelt ;-)

Kontakt:
Tepi Coffee Plantation Guesthouse
Telefon +251 47 5560062


Ein Hinweis der "Berufsgenossenschaft"?
Baustellenschild in Tepi von HAPCO - HIV/AIDS Prevention & Control Office und CETU - Confederation of Ethiopian Trade Unions -
sieht sehr nach Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aus

20 berufsgenossenschaft äthiopien.jpg
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Äthiopien - Von Tepi nach Mizan Teferi

Beitragvon Birgitt » 25.08.2012 19:36

Am frühen Morgen fahren wir weiter in Richtung Mizan Teferi

20 rg mizan teferi.jpg

Der Morgendunst liegt noch über den Wäldern im Tal

22 rg mizan teferi morgennebel.jpg
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Äthiopien - Mizan Teferi

Beitragvon Birgitt » 25.08.2012 22:09

Als wir in Mizan Teferi ankommen gibt es - genau, keinen Strom!
Wie passend ;-) da nützt es uns auch nichts, dass es mittlerweile eine schöne neue Tankstelle im Ort gibt.

Die Leute kennen das hier, sie haben entsprechend vorgesorgt und es gibt immer wieder neue Lieferungen an Sprit aus Fässern

8 mizan teferi spritfässer.jpg

Schnell erfahren wir, wo wir "ganz privat" tanken können -
hinter dieser Mauer scheint sich ein unerschöpflicher Vorrat zu befinden ;-)

Ständig halten Kleinbusse in dieser unscheinbaren Seitenstraße, die sich Kanister abholen,
und Pferdedroschken, die Kanister irgendwohin karren müssen

9 mizan teferi tanken scheuklappe.jpg

Auch wir tanken voll: alles rein, was passt!
Wer weiß, wo wir das nächste Mal Sprit bekommen ...

7 mizan teferi tanken.jpg

Die Tankerei dauert -
eine nette Dame mit unglaublich strahlenden Augen leistet mir Gesellschaft und verkürzt mir damit die Wartezeit

4 mizan teferi alte dame.jpg

Wenn man irgendwo einfach so steht, wird man garantiert niemals verhungern -
irgendwer kommt immer, der einem irgendetwas verkaufen möchte.
Und seien es Bananen ...

2 mizan teferi bananen.jpg

Nach dem Tanken braucht unser Luftfilter noch ein klein wenig Zuwendung ;-)

5 mizan teferi luftfilter.jpg

und dann kann es weitergehen -
am Kreisverkehr biegen wir ab

10 mizan teferi kreisel.jpg

lassen die Lademeister der Zivilisation hinter uns und starten in den Busch 8)

1 mizan teferi lademeister.jpg
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Äthiopien - Von Mizan Teferi nach Dima

Beitragvon Birgitt » 25.08.2012 22:59

Wir sind die Strecke Mizan Teferi - Dima vor drei Jahren schon einmal gefahren, damals in umgekehrter Richtung, als wir von Kenia über den Omo Nationalpark und über Maji nach Addis gefahren sind. Die Piste wurde damals gerade instandgesetzt und war teilweise richtig schnell befahrbar ...

Um so mehr wundert uns, dass auf den ersten Metern von Mizan Teferi in Richtung Dima schon wieder rege Bautätigkeiten sind

10 rg dima.jpg

Später verstehen wir das, die Piste ist in einem wirklich üblen Zustand.
Es gibt stellenweise tiefe Spurrillen durch LKWs, die sich bei Nässe durchgepflügt haben,
oder übles Wellblech, was auch nicht gerade zu einem entspannten Fahren beiträgt.

Die Strecke bis Dima kommt uns ewig lang vor, vielleicht auch, weil wir sie bereits kennen.
Ein kurzer Stop in der Bebeka Coffee Plantation (GPS 6°52.892'N 35°25.800'E) enttäuscht uns diesmal, denn genau wie in Tepi gibt es ... bingo ! Keinen Kaffee !!! Der Kaffeeautomat ist kaputt !
Jammerschade ... wir quälen uns also über Wellblech bis nach Dima

11 rg dima.jpg
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Äthiopien - Dima

Beitragvon Birgitt » 09.09.2012 20:26

Dima -
die besten Infos bekommt man noch immer von den Locals ...

2 dima mädchen.jpg

am Kiosk ...

5 dima shop.jpg

und im Restaurant

3 dima restaurant.jpg

Unsere Vermutung, dass es eine gute Piste in Richtung Südsudan gibt,
wird uns bestätigt: mitten im Ort zweigt die Dima - Akula Road ab -
die sollten wir nehmen und dann weiter nach Raad.
Ob wir ein Permit hätten?
Kein Problem, wir haben unser Südsudan-Visum im Pass und unser Permit aus Gambella.
Noch mehr Permit geht wohl nicht ;-)

Als wir Dima verlassen sticht uns noch ein Hinweis des UNHCR ins Auge:
Landminen und Sprengkörper. Etwas Vorsicht ist also angebracht.

4 landminen.jpg
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Äthiopien - Von Dima Richtung Raad Bridge / Südsudan

Beitragvon Birgitt » 09.09.2012 21:33

Genau 55 km sind es von Dima in Richtung Akula bis Raad Junction (bei 06°39.216'N 34°50.820'E)
unterwegs Buschland und kurz vor Raad Junction kleinere Anyuak-Siedlungen.
Von Raad Junction sind es ungefähr 12 km bis zur Südsudan-Grenze an der Raad Bridge (bei 06°36.140'N 34°46.097'E)

Die Piste ist etwas rauh, aber bestens in Schuss

1 piste rg akula.jpg

Es dämmert bereits und wir beschließen, kurz nach Raad Junction zu campen.
Wir möchten ungerne im Dunkeln an der Grenze sein,
und schon gar nicht im Dunkeln weiterfahren und irgendwo ein Nachtlager suchen müssen.

2 piste rg akula.jpg

Hinter diesen verlassenen Hütten hauen wir uns in den Busch,
von der Piste aus sind wir nicht mehr zu erkennen, Dämmerung und Busch bieten uns Schutz

3 piste rg akula nachtlager.jpg

Abgeflämmte und verbrannte Erde -
Tod ist hier gleich Geburt, Blütenknospen recken keck ihre Köpfe aus dem ersten wieder sprießenden Grün

4 piste rg akula blume.jpg

und bald schon werden sie ihre Samen streuen, so wie hier:
Samen von Bäumen und Sträuchern warten auf Regen um Wurzeln zu treiben ...

4 piste rg akula samen.jpg

Ein roter Käfer auf dem Weg in seine kleine Erdhöhle

4 piste rg akula käfer.jpg
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Äthiopien - Raad Bridge über den Akobo - Grenze Südsudan

Beitragvon Birgitt » 10.09.2012 20:17

Früh am Morgen starten wir in Richtung Südsudan -
es sind nur wenige km bis zur Raad Bridge

Riesige Flächen sind gerodet und vorbereitet zur landwirtschaftlichen Nutzung -
wem diese Flächen wohl gehören?
Oder anders gefragt: wer mag sie gepachtet haben?
Auch ein Fall von land grabbing?

2 rg raad bridge agrarprojekte.jpg

3 rg raad bridge agrarprojekte.jpg

Rechts der Piste ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb, dahinter - auf dem Foto nicht sichtbar - die Raad Bridge -
eine neue Behelfsbrücke (Bailey Bridge), ausgelegt für Fahrzeuge!

Links der Piste vor dem Hügel die Baracken der Grenzsoldaten.

4 rg raad bridge grenze.jpg

Kurz vor der Brücke (sie ist in Sichtweite) versperren uns eine Schranke sowie ca. 15 bewaffnete äthiopische Soldaten den Weg.

Einer der Soldaten kommt zu uns, ein übergroßer Schriftzug ziert sein T-Shirt:
"Toy Boy" :roll:

Es herrscht große Aufregung -
was wir hier wollen, und wo wir hinwollen.
Wir erklären zum wiederholten Male geduldig unser Vorhaben.
Toy Boy nickt verständnisvoll und fragt nach unserem Permit.
Wir zeigen ihm unsere Dokumente.
In seinen Augen ausreichend zur Ausreise nach Südsudan.

Nach kurzer Zeit tritt ein etwas kräftigerer und scheinbar auch höher dekorierter Mensch aus einer der Hütten. Toy Boys Vorgesetzter. Rigoros weist er uns zurück. Unsere Südsudan-Visa interessieren ihn nicht, unser Permit lässt er nicht gelten.
Im Gegenteil !
Er lügt uns ins Gesicht indem er behauptet dort stände geschrieben, dass dies ein Permit des Nationalparks Gambella sei um Tiere zu sehen. Unfassbar! Jeder behauptet in diesem Land etwas anderes, und zwar so, wie es ihnen gerade in den Kram passt.

Er verweigert uns die Ausreise aus Äthiopien.
Wir sollen uns in Dima ein neues Permit besorgen, das für Raad Bridge gelte.
Und Toy Boy soll mit. Dieser schultert seine AK47 und entert unseren Wagen.

Hier geht es nicht darum sich "zu einigen", auch nicht mit ein paar Birr oder Dollar.
Hier geht es - wie so oft - um die Demonstration der eigenen Macht.
Nicht nur uns gegenüber, sondern auch der eigenen Truppe gegenüber.
Hätte die Truppe die Schranke nicht öffnen wollen, dann hätte Mr. Wichtig sicherlich anders entschieden und uns passieren lassen. So hatten wir das Pech, dass seine Soldaten uns passieren lassen wollten. Also musste er - um das letzte Wort zu haben - uns zurückschicken.

67 km zurück nach Dima.
Ich hätte diesem Grenzmenschen an die Gurgel springen können ... :evil:

Aber es kommt noch besser!
In Dima suchen wir die Polizeidienststelle auf, die uns ein Permit ausstellen kann.
Der Chef dieser Behörde weigert sich uns zu empfangen und lässt uns ausrichten, er könne keine Permits ausstellen, dafür sei die Behörde in Jima zuständig (liegt rund 300 km zurück in Richtung Addis). Und falls diese nichts ausrichten könne, mögen wir bitte zurück nach Addis fahren und uns an die Botschaft wenden.

Toy Boy lässt sich schon gar nicht mehr blicken, weil er in meiner Nähe wohl so langsam um sein Leben fürchtet ...
Das ist vielleicht auch besser für ihn.


Wir halten kurz Kriegsrat, wie es nun weitergeht.
Zum Südsudan trennt uns an dieser Stelle der Akobo-River.
Der führt Wasser. Also brauchen wir eine Brücke, und hier gibt es genau diese eine.
Wenn wir nicht zurück nach Addis wollen, bleibt uns nur noch eine Möglichkeit:
die "Flucht" nach Süden, nach Kenia -
und von dort "ganz normal" weiter über Lokkichoggio nach Südsudan.

Wir besorgen uns zur Sicherheit nochmals Sprit,
denn von hier aus brauchen wir einige Tage bis wir unsere Reserven wieder irgendwo auffüllen können.

5 dima sprit.jpg
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Re: Von Äthiopien über Südsudan nach Uganda

Beitragvon Joe Pichler » 11.09.2012 13:25

Hallo Birgitt!
Danke für die Info. Ich fahre Anfang Dezember von Addis aus Richtung Südsudan und werde mal versuchen ob es mir gelingt von Dima aus bei Raad über die Grenze nach Boma zu fahren.
Ich werde dann kurz darüber berichten ob und wie es funktioniert hat.

Schöne Grüße
Joe
http://www.josef-pichler.at
der auf 2 Rädern die Welt bereist
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Ethiopia - Southsudan overland via Dima - Raad - Boma

Beitragvon Birgitt » 11.09.2012 16:30

Hallo Joe,

dann wünsche ich dir mehr Glück als wir es hatten.
Selbst an offiziellen Grenzübergängen verweigern die Äthiopier ja sehr gerne die Ausreise -
ich kannte das bisher aber immer nur in den Fällen, wo der Einreisestempel im Pass fehlt ( siehe hier ).

Für dich dürfte der nachfolgende Thread sehr hilfreich sein:

Äthiopien - Südsudan / Beschaffenheit Pisten im Grenzbereich

UN/WFP sind einige Pisten im Grenzbereich im Juni 2012 abgefahren und haben den Zustand sehr gut in Wort und Bild dokumentiert, auch die Piste Raad - Boma.

Ich bin gespannt, was du hinterher berichtest!

Gruß
Birgitt
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