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Wüstentaugliches Fahrrad?

Unterwegs zu Fuß, mit Kamel oder Muli, mit dem Drahtesel

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Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Tilmann » 04.09.2015 07:59

Gestern beim Fahradhändler bin ich über dieses Fahrrad gestolpert. Müsste doch klasse sein für die Abfahrt von hohen Dünen oder das Radeln am Plage Blanche in Marokko? Luftdruck runter und los?

Fahrrad.jpg

Gruß Til
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Alexander » 04.09.2015 09:25

Letztes Jahr auf einem Treffen sah ich auch so ein Fahrrad. Die breiten Reifen waren beeindruckend. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die sogar noch ein bissschen breiter waren. Mir kam auch der Gedanke, ob das Fahrrad für eine länger Wüstentour geeignet wäre. Man bräuchte noch einen stabilen Gepäckträger und Seitentaschen für Wasser, Nahrung und das Nötigste. Den Rest könnte man in einem nicht zu schweren Rucksack transportieren.

Von meinen Wüstenwandererfahrungen könnte man mit diesem Fahrrad besonders in den großen Sandebenen zwischen den Dünelriegeln gut voran kommen. Leider habe ich den Namen dieses Fahrradtyps vergessen. Kennt jemand zufällig dieses Fahrrad?

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Guido3 » 04.09.2015 09:54

Sowas läuft unter der Bezeichnung Fatbike.
http://www.fat-bike.de/trek-farley-fatbike/

2 extreme Varianten
http://www.fat-bike.de/fettbike-statt-fatbike/

Beste Grüße

Guido
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Peter D » 05.09.2015 00:00

das sind relativ schmale Fatbike-Reifen.
Der Reifentyp auf diesem Rad hat nur 4 Zoll.
Im Sand ein NoGo

4,8 Zoll oder 5 Zoll sind ein Muß am Fatbike, will man im Weichsand fahren.
Und das geht auch nur im flachen und bestenfalls leicht hügeligen Bereich. Also sanfte Seifdünen und dergleichen.
Bei längeren Strecken ist mit so einem 23 kg-Bike deren Reifen allein schon 3kg haben (ganzer Laufradsatz 4-4,5kg !!)
ein Jahrestraining von 10000km Vorraussetzung.
Ein gemäßigte Hobbybiker ist bald "hingerichtet".

Für Hobbybiker: mit einem Fatbike-Allrad (600W-Nabenmotor vorn, 600W Nabenmotor hinten kann problemlos jede Düne fahren. Gibt es alles bereits fix fertig zum kaufen. (Brauchbares nur Übersee...)

Die 2x 600Watt habe ich berechnet, geht sich tatsächlich das Dünenfahren mit 10kgGepäck und 25Liter Wasser aus.

Aber das Reichweitenproblem ist schwierig.

Für z.b. eine Tour von Douz zum verlorenen See müsste ich mindestens 3 Akkupacks haben (30h 36V)

So ein Fatbike mit 30 Ah-Akku hat 30 Kilo, mit 35kg Gepäck gesamt 65 Kilo.
Das möchte ich allerdings nicht schieben/ziehen, wenn das Ding eingeht...

Da haben mir die 52kg die ich mit dem MTB von Douz nach KsarGhilange teilweise geschoben habe schon gereicht...

Jedenfalls ist Alexander mit seinem MYOG-Reisetrolley besser dran. Auch wenn er hart ran muss :mrgreen:

lg
Peter
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Peter D » 05.09.2015 00:08

http://www.fat-bike.de/fettbike-statt-fatbike/

man liest immer vom neuen Trend, dem Fatbike-Trend.

Ist allerdings ein alter Zopf, schon in den achtzigern hat man in Canada von Ultrallight-Fliegern die 5-Zoll-Reifen entdeckt und 26-Zoll-Stahlrahmen umgeschweißt. Ebenso die Felgen schweißtechnisch verbreitert.

Damit ist man in Canada im Schnee gefahren oder im Schlamm der Übergangszeiten. Vor allem querfeldein...

Alles schon lange da... wird aber aus Marketinggründen nicht an die Glocke gehängt. NoNa...
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Christian Desertrider » 05.09.2015 09:04

Hallo

Man sollte ein Velo nicht zu einseitig auslegen. Mit den breiten Reifen hat man weniger Freude auf der Strasse.
Zudem muss man überlegen, für welche Strecken man das Rad auslegen will. Wüste ist nicht notwendig Sand, man findet auch Strecken, bei denen Sand immer nur mal kurz ein Problem ist, oft in Rinnen, das Stück kann man dann auch schieben.

Grüsse

Christian
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon seppr » 05.09.2015 12:45

Man sollte ein Reise-Velo nicht zu einseitig auslegen. Das stimmt eindeutig.

Auf längere Strecken ist Weichsand ohnehin nichts für einen Radfahrer. Beim motorisierten Dünenspringer gilt bekanntlich die Regel: Leistung und Drehmoment ist nie zuviel (aber schnell zu wenig). Deshalb der gute Hinweis auf die 10 Tausend Trainingskilometer pro Jahr.

Aber hinten auf dem Allradler draufgeschnallt und nur als Spaßbike oder für Nachtplatzumrundungen wäre das nicht schlecht. Und an jedem Parkplatz wird man von Technikfreaks angesprochen. Kontakte im Urlaubsland en masse. Wer hat das schon.

Sepp
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Carlo » 07.09.2015 09:58

Moin,

so ein Fatbike ist geil, habe seit Januar auch eines und bin begeistert. Bin auch schon Straßenpässe damit gefahren, rollt auf Teer leichter als manch einer glaubt. Nur der Wüstentest steht noch aus :mrgreen:

Ciao, Carlo

fatbike.jpg
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Peter D » 01.09.2016 21:26

Moin,

inzwischen sind die Fatbikes deutlich besser geworden.

K1024_Atacama Wüste ohne E-Motor.JPG


K1024_Atacama Wüste mit E-Motor.JPG


K1024_Zum Südpol, Erstdurchquerung mit Fahrrad....JPG


Ich persönlich bevorzuge ein Trike, das Ding steht von alleine und hat dreifache Zuladungskapazität,
hat eine gewaltige Sandtauglichkeit..

K1024_ICE Full Fat Trike, knackt jede Düne....JPG



Hier ein paar links von (unter anderem) Fatbike-Verleihstationen wie z.b. in Marokko und Südtunesien.
Wer Risikofrei fahren will wie in alten Zeiten fliegt mit dem Ding in die Atacama, dort sind die Fatbikes bereits ebenfalls zu hause.
Die meisten lassen sich als Gruppe mit Begleitung versorgen, ich würde die Eigenversorgung mit Ultralight-Gepäck vorziehen, Unabhängigkeit so weit es eben geht...

https://www.youtube.com/watch?v=TgP6r8qDLyc
https://www.youtube.com/watch?v=RCRM_30wjo8
https://www.youtube.com/watch?v=z41HrGNF1Lo
https://www.youtube.com/watch?v=yQzpFxCzYS0
https://www.youtube.com/watch?v=zNpXRmVRy1Q
https://www.youtube.com/watch?v=_ht9WNGX5zA

Wer hat Interesse im Herbst 2017 eine Fatbike-Südtunesien- oder Marokkotour in einer flotten Gruppe zu unternehmen ?`
z.b. zum Verlorenen See ?
An die 3500-5000 Trainingskilometer (sogenannte "Qualitätskilometer = Stop-and Go-Kilometer in der Stadt zählen da z.b. nicht dazu...) sollten halt schon in den Beinen sein. Es sei denn man ist jünger als ich mit meinen 63...


lg Peter
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Alexander » 02.09.2016 06:31

Hallo Peter,

so eine Fatbiketesttour würde mich schon mal interessieren. Mich würde interessieren, was dieses Bike in der Wüste leistet und wie weit man damit kommen könnte.

Allerdings habe ich im Herbst schon etwas anderes vor. Pro Tag 50 - 70 km durch die Wüste und bis zu 18 Stunden pro Tag. Zu Fuß natürlich. Schaffst du das noch mit deinen 63 ;-)

Viel Spass beim Radlfahren.

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Peter D » 02.09.2016 18:23

Alexander hat geschrieben:Hallo Peter,

so eine Fatbiketesttour würde mich schon mal interessieren. Mich würde interessieren, was dieses Bike in der Wüste leistet und wie weit man damit kommen könnte.

Allerdings habe ich im Herbst schon etwas anderes vor. Pro Tag 50 - 70 km durch die Wüste und bis zu 18 Stunden pro Tag. Zu Fuß natürlich. Schaffst du das noch mit deinen 63 ;-)

Viel Spass beim Radlfahren.

Grüsse
Alexander


Hallo Alexander,

E-Fatbikes mit 500W Hinterradnabenmotor schaffen bei 500Wh (Amperstunden x Volt =Wattstunden) in so einer Atacma-Sandünenwüste (erster Link) 30km.
Die meisten E-Fatbikes haben maximal 500Wh-Accus an Board.
Das kannst du vergessen.
Man kauft sich ein Fatbike, z.b. das brandneue Caynon-Carbon-Fat-MTB mit 12kg um 2100 Euro und hängt hinten einen 500W-E-Motor rein, dann lässt man sich 2 stk Akkus zu je 1000 Wh bei 48 Volt zusammenschweißen, gepolsterten Schrumpfschlauch drüber und rein in die Packtaschen, eine links (4,5kg), eine rechts. (4,5kg)
Der Motor wiegt2,9kg und ist als Nabenmotor unkaputtbar.

Mit dem ersten Akkupack fährst du mit mittreten bis Tembaine, dort lädst du beim Camp-Stromgenerator wieder auf.
Dann fährst du Tembaine-See, da musst du schon mehr mittreten um zum See zu kommen, ist der Point of no Return vor dem See, hast du Pech und musst zum Tembaine umdrehen.
Das ist spannend..

Beim Mittelmotor-E-Bike hast du bei gleicher Leistung von 2x 1000 Wh ein ganzes Drittel mehr an Reichweite.
Es gibt viele Faktoren warum, eine der Hauptfaktoren ist, das der Mittelmotor immer die günstigste Übersetzung mit der Kettenschaltung vorfindet. Beim Nabenmotor fährst du ja de facto mit dem sechsten Gang aus dem Stand los und bist du in dem stromsparenden guten Drehzahl-Drehmomentbereich endlich drin bist fliest schon eine Menge Strom, dann kommt garantiert die Weichsandstelle und du fährst wieder mit dem 6.Gang los...
Allerdings sind Mittelmotoren mit dem deutlich anfälligeren Technik-Innenleben ausgestattet, da kann immer was sein.

Auf einer Extrem-Teststrecke Paris-Mongolei sind alle Mittelmotoren bis auf einen einzigen alle eingegangen.
Die Nabenmotoren haben alle locker überlebt...

Käufliche fertige E-Fat-Bike-Standardware ist also völlig unbrauchbar, man muss mit teilweisem Motor-Selbsteinbau und Batterien "bauen lassen" (da gibt es zuverlässige günstige Anbieter) selber ran. Natürlich lässt du den Motor von einem Profi einspeichen, du hängst dann das fertige Laufrad einfach nur rein und verkabelst das Ding mit dem Akku.
Ein paar YouTubeVideo anschaun und gut is.
Kapazitäten um zum See zu kommen gibt es definitiv nicht fix und fertig zu kaufen..

Wie gesagt, bei weitläufigen Dünen wie die Atacama, brauchst du gar nix.

Natürlich fährst du mit dem zusammengebauten Bike sofort nach Skagen, Dänemark, 30km südlich davon ist ein 8km langes Sanddünengebiet. Oder zur Nordsee nach Amrun, dort fährst du so lang die Minidünen im Kreis ohne einen einzigen Treter und wartest mit Blick auf den Tacho bis die Accus leer sind.

Dann hast du deinen Radius in Reinpraxis.
Voila.

K1024_Bafang 250 Watt motor.JPG


K1024_allrad.JPG


K1024_1111.JPG


lg
Peter
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Re: Wüstentaugliches Fahrrad?

Beitragvon Peter D » 02.09.2016 18:59

Alexander hat geschrieben:Hallo Peter,

....Allerdings habe ich im Herbst schon etwas anderes vor. Pro Tag 50 - 70 km durch die Wüste und bis zu 18 Stunden pro Tag. Zu Fuß natürlich. Schaffst du das noch mit deinen 63 ;-)

Viel Spass beim Radlfahren.

Grüsse
Alexander



Hi Alexander,

Nichts für mich, nach 20km ist meine rein auf Radtraining optimierte Muskulatur steif wie eine OktoberGelse... :mrgreen:

Naturgemäß besser aufgehoben bin ich, wenn ich mit dem Rad mit kompletter Camp- und Proviantausrüstung von der Stadt Salzburg über die Alpenpässe nach Grad ans Meer fahre. Mit 3x 160km-Etappen und 3x 1700 Höhenmeter war ich vor kurzem in drei Tagen am Meer.
Mit guter Haltungsnote und Schnitt 28km/h.

Ich meide gehen wie der Teufel das Weihwasser 8)
So fahr ich selbst zum Supermarkt ums Eck mit dem Mtb - mit Genehmigung meiner lieben Filialleiterin - komplett in den Markt hinein und steig erst bei der Wurstbude ab, wo ich immer Standing-Ovations von den WurstverkäuferInnen bekomme´ :)

lg
Peter

Ich brauch in 25 Jahren sicher kein Altenheim sondern werd einfach irgendwann tot vom Rad fallen. :wink:
Voila.
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