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Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Unterwegs zu Fuß, mit Kamel oder Muli, mit dem Drahtesel

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon seTZenATLA » 27.11.2012 15:21

wow, vielen Dank für die tollen Bilder!

Deine Signatur finde ich richtig klasse! Und so zutreffend!

:)
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 27.11.2012 19:28

Das Schattenparadoxon
Obwohl es mehr als ausreichend Berge und Dünen in der Wüste gibt, findet man nicht genau so viel Schatten. Die Sonne steht um die Mittagszeit relativ senkrecht. Da die meisten Berge und Hügel eine Kegelform besitzen, werfen sie kaum Schatten. Für diese schattenlosen Gegenden muss mein Rucksack als Schattenspender herhalten. Er wirft nur einen kleinen Schatten was aber ausreichend ist, um einen kühlen Kopf zu bewahren.

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Ein letzter Blick zurück bevor es über einen kurzen aber steilen Aufstieg auf eine Anhöhe geht. Die Kletterei würde normalerweise kein Problem darstellen. Es war aber schon später Nachmittag und meine Kräfte schienen schon fast aufgebraucht zu sein.

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Immer wieder stosse ich auf fastzinierend geformte Steine. Ein Stein aus dem Wind und Sand eine Schüssel herausgefräst hatten.

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Der kräftezehrende Anstieg wird mit einer Bilderbuchaussicht belohnt. Leicht abfallendes Terrain. Sanfte Hügel, die der Wind mit Wüstensand bestäubt hatte. Dahinter eine weite Ebene mit einem Abbruch, der den Rand eines Plateaus markiert. Ich sitze dort oben, starre in die Ferne und vergesse dabei die Zeit.

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Ich beschliesse den Tag in einer Traumlandschaft und errichte mein Nachtlager.

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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 28.11.2012 19:13

Gastfreundschaft

Am frühen Morgen erreiche ich die Oase el Hayz. Mit ihren zahlreichen Quellen und Gärten bietet sie eine gute Gelegenheit, meine Wasservorräte zu ergänzen. Die erste Wasserstelle ist schnell entdeckt. Das Wasser ist klar und sauber und schmeckt erfrischend. Weit und breit ist niemand, den ich fragen könnte, also fülle ich meine Flaschen.

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In der Wüste stösst man auf vielerlei Spuren. Spuren, die offensichtlich den Verursacher verraten. Andere Spuren hingegen geben Rätsel auf. Hier hat eine Schlange einen deutlichen Abdruck hinterlassen.

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Die Schlange wird wohl nicht für diesen Tod verantwortlichsein. Ist es einfach verendet, was war die Ursache. Ich bin mir sicher, dass mich zwischen den Oasen nicht das gleiche Schicksal ereilen wird.

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Am Vormittag suche ich im Schatten eines verlassenen Gebäudes etwas Ruhe. Kaum habe ich meinen Rucksack abgelegt, erscheint auch schon der erste Oasenbewohner. Er fragt mich, wo ich herkomme und wohin mein Weg mich führt. Als ich ihm erkläre, dass ich von Baharia nach Dakhla zu Fuss unterwegs bin, hebt er beide Daumen nach oben. Er erkundigt sich, ob ich ein Telefon dabei hätte. Als ich das bejahe ist er beruhigt und zieht mit seinem Esel weiter.

Ich bin nach meiner Pause gerade mal zwei Kilometer gegangen, da winkt mir ein alter Mann zu und fordert mich auf, zu ihm zu kommen. Auch er erkundigt sich, wo mein Weg mich hinführt. Als ich ihm die gleiche Antwort wie dem Mann mit dem Esel gebe, schaut er besorgt. Er hebt meine beiden Feldflaschen, um zu prüfen, ob sie auch wirklich gefüllt sind. Jede Flasche fasst 2,2 Liter. Der Mann deutet mit einer Geste an, dass er mich zum Essen einladen will. Ich folge ihm in sein Haus. In einem kühlen Raum, den der Wind durch die offenen Fenster wohl temperiert hält, bittet mich der alte Mann Platz zu nehmen. Ich lege meinen Rucksack ab und ziehe meine Schuhe aus, bevor ich eintrete. Anscheinend mache ich auf den Mann einen erbärmlichen Eindruck, denn er deutet mir an, dass ich mich waschen solle. Wir gehen vor das Haus, vor dem ein Eimer mit frischem Wasser steht. Er deutet mir an auf die Knie zu gehen und mich nach vorne zu beugen. Der Mann schöpft Wasser aus dem Eimer und giest es über meinen Kopf. Der Mann hält mir ein Stück Seife hin, mit dem ich meinen Kopf einseifen soll. Danach duscht er mich ab, gibt mir ein Handtuch, mit dem ich meine Haare trockne. Zum Schluss gibt er mir einen Kamm, mit dem ich meine Haarpracht wieder ordne und einen Spiegel, in dem ich das Ergebnis bestaunen kann.

Nun gibt es Essen. Mir wird eine Art Bratkartoffel aufgetischt. Der Gastgeber weiss gar nicht, welchen Gefallen er mir damit tut 8) Dazu gibt es weisse Bohnen und Brot. Ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Gericht. Wir versuchen uns weiter zu unterhalten. Mein Gastgeber spricht kein Englisch und ich nur wenige Worte Arabisch. Mit etwas Mimik und Gestik und etwas Phantasie klappt es ganz gut. Ich erzähle ihm von meiner Wanderung und das ich GPS und ein Satellitentelefon dabei habe. Für Verpflegung und Wasser ist auch gesorgt, was den Mann sichtlich beruhigt.

Zwischenzeitlich traf ein Nachbar ein. Der Hausherr erzählt ihm von mir und meinem Vorhaben. Der Nachbar erzählt mir, dass er mit meinem Gastgeber vor einiger Zeit von Baharia nach Farafra gelaufen sei. Daher wuchs die Begeisterung der beiden Männer für mein Vorhaben. Zur Unterhaltung gab es den traditionellen Tee.

Irgendwann verabschiedete ich mich. Wir winkten uns zu, bis wir uns aus den Augen verloren hatten...

Also mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Süden. Ich hatte nicht einmal zwei Kilometer zurückgelegt, da hörte ich lautes Rufen. Ein Mann stand etwas 100 Meter mit seiner Familie entfernt von mir entfernt und deutete mir an, näher zu kommen. Der Antwort auf die Frage, wo ich denn herkomme und wo ich hin gehe folgte die Einladung zum Tee :wink:

Nachdem ich mich wieder verabschiedet hatte und einige Kilometer gelaufen war, ja, ihr ratet richtig. Freundliches Zurufen und die Einladung in ein kleines kühles Häuschen, wo mir Essen und Tee angeboten wurde.

Ich war schmutzig. Vermutlich sah ich nicht gerade vertrauenserweckend aus. Aber ich wurde eingeladen und war Gast dieser besonderen Menschen. Würde bei uns zu Hause jemand mit meiner Erscheinung an die Türe klopfen, würde mir die Türe wahrscheinlich erst gar nicht geöffnet.

Ich hatte schon Bedenken, dass ich Probleme mit meinem Zeitplan bekommen würde. :-) Aber unternehmen wir nicht diese Reisen gerade darum, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und sie kennen zu lernen?

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Der Mittag war heiss, doch ein Wind mit Sturmböen sorgte dafür, dass die Temperaturen erträglich blieben. Eine gute Gelegenheit, Schatten zu suchen und für den Nachmittag auszuruhen.

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Die Sonne stand nur noch eine Handbreit über dem Westhorizont. Zeit sich ein Nachtlager zu suchen. Bei meiner abendlichen Kontrolle meiner Wasservorräte musste ich feststellen, dass eine PET Flasche beschädigt war und sich 1,5 Liter Wasser in meinen Rucksack ergossen hatten. Der Rucksack und Inhalt trockneten schnell im Wind. Der Wasserverlust war auch keine Problem, da ich immer genügend Reserven mitführe. Trotzdem wollte ich den Verlust ergänzen. Das nahm ich mir aber für den nächsten Tag vor. Ich befand mich immer noch in der Nähe der Oase und Wasserversorgung war kein Problem.

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Auf meinen Wanderungen traf ich häufig auf eigenartige Spuren. Sie waren keinem Mensch und keinem Tier zuzuordnen. Ich rätselte lange, bis ich die Lösung fand: Der Wüstenwind spielte mit einem Ast und trieb ihn durch die Wüste, wodurch Kilometer lange Spuren entstanden sind.

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Gegen 17:00 Uhr geht die Sonne unter. Es bleibt noch Zeit, mein tägliches Lebenszeichen bei Stefanie per Satellitentelefon abzusetzen, mein Tagebuch zu schreiben und Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen. Dann schlüpfe ich in den Schlafsack, denn sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und der frische Wind über die Sandebenen fegt, gehen die Temperaturen relativ schnell zurück.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 29.11.2012 16:58

Nächtlicher Besuch

An diesem kühlen Morgen hatte ich es besondes schwer, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen. Ich wollte aber die kalten Morgenstunden nutzen, um Vormittags schon einiges an Strecke gut zu machen. Also raus aus den Federn. Mit dem Licht der Taschenlampe orientiere ich mich im Dunkeln. Der Lichtkegel fällt auf eine grosse Spinne, die es sich in meinem Rucksack über die Nacht bequem gemacht hat. :shock: Die Spinne muss weg. Ich katapultiere das nette Tierchen etwa zwei Meter von mir weg. Sie kommt zurück und setzt sich genau auf den gleichen Platz. Ich packe sie und werfe sie einige Meter weiter. Sie kommt zurück und setzt sich genau auf den gleichen Platz. :cry: Wieder packe ich sie am Körper. Diesesmal krallt sie sich am Rucksack fest. Ich lasse sie los. Die Spinne lockert ihren Griff und ich kann sie erneut greifen. Ca. 20 Meter von meinem Platz setzte ich sie ab. Ich gehe zu meinem Lager zurück. Die Spinne hinter mir her. :roll: Das Tierchen ist mir zu anhänglich. Ich schlage einen Zick Zack Kurs ein, dem auch die Spinne folgt. Irgendwann wird es ihr anscheinend zu dumm und sie gibt auf.

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Wer wohl in dieser Höhle wohnt? Vielleicht eine dieser Spinnen, die ihren Opfern eine Falle stellt und sie dann in ihre Höhle zieht?

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Bei der nächsten Möglichkeit versuche ich das Wasser, das ich durch die defekte Flasche verloren hatte, zu ersetzen.
Ich schleiche mich nicht an, sondern mache mich durch Rufen bemerkbar. Ein verschlafener junger Mann kommt aus dem Haus. Ich hatte ihn offensichtlich geweckt :oops: Ich frage ihn, ob ich an der Quelle meine Wasservorräte auffüllen darf. Zunächst führt er mich in das Haus, wo noch einige andere Bewohner sich gerade aus den Betten bemühen. Ich werde zu Tee und Frühstück eingeladen. Nach dem Essen fängt einer der hilfsbereiten Jungs an, meine Flaschen aufzufüllen.

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Langsam nähere ich mich dem Ende der Oase.

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Eine Piste kreuzt meinen Weg. Zwei LKW fahren permanent hin und her, um etwas, was oben am Plateau abgebaut wird, von dort herunter zu fahren.

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Ich ändere meine Richtung und Peile das erste Wasserdepot an, das sich in ca. 30 km Entfernung befindet. Ich wähle in meinem GPS mit GOTO den entsprechenden Waypoint aus. Das GPS gibt mir eine Entfernung zur Wasserstelle von 342 km an. :shock: Ich wiederhole die Auswahl. Gleiches Ergebnis. Was war geschehen? Zu Hause hatte ich die Koordinaten der Wasserstellen in den Oziexplorer eingegeben und die Wasserstellen mit Wasser1, Wasser2, usw. bezeichnet und die Route auf mein Garmin GPS Plus II geladen. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass mein GPS nur Wegpunktnamen mit maximal sechs Zeichen akzeptiert. Demzufolge schnitt das GPS die letzte Stelle ab, so dass ich in der Route nun sieben mal den Waypoint "Wasser" hatte. Das GPS verträgt aber nur jeden Namen ein einziges Mal. Das hat nun das GPS vollkommen verwirrt. Ich musste also die Wasserstellen unter anderen Bezeichnungen nochmal ins GPS eingeben.
Ich verifizierte die Koordinaten nochmals in der Karte. Diesmal zeigte das GPS die richtige Entfernung an.

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Die Strecke führt weiterhin dem Abbruch eines Plateaus entlang. Noch wechselt sich saftiges Grün mit den Okkerfarben der Wüste ab.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 01.12.2012 08:52

Wüstenlandschaften sind beeindruckend. Besonders in den Abendstunden...

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... werden die Farben intensiver. Schatten spielen mit der Landschaft und geben einen ganz besonderen Kontrast

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Die Hügel im Hintergrund kündigen ein Plateau an. Ich könnte den Plateauausläufer umgehen, was mich wohl knapp einen halben Tag kosten würde. Mich treibt aber die Neugierde dort hoch und bin gespannt, was es dort oben zu sehen gibt. So fällt die Entscheidung, den geraden Weg über das Plateau zu nehmen.

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Früh beginnt der Anstieg. Es ist steil und die Abhänge sind mit lockerem Sand bedeckt. Oben erschöpft angekommen dreh ich mich um, um die zurück gelegte Strecke zu begutachten. Der Anblick lässt meinen Atem stocken. Die Aussicht, die hier oben geboten wird, ist unbeschreiblich. Die Fernsicht nahezu unendlich. Weit am Horizont Berge, dazwischen eine weite Sandebene. Man vergisst hier oben die Zeit, man möchte sie anhalten, um den Anblick so lange wie möglich geniessen zu können.

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Das Plateau selbst ist Bretteben. Die einzigen Unebenheiten bilden einige Steine. Es gibt kein Leben dort oben. Keine Tiere, keine Pflanzen.

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Nur ein verdorrter Strauch, den der Wind durch die Wüste gejagt hatte, bietet die einzige Abwechslung. Diese Öde ist beeindruckend.

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Auf der anderen Seite des Plateaus wird die Aussicht nochmal um ein vielfaches getoppt. Sie ist einfach nur schön und atemberaubend. Fotos vermitteln leider nur einen Bruchteil dessen, was das menschliche Auge sieht. Es fehlt der Wind, die Wärme und die Emotionen, die durch so einen Anblick hervorgerufen werden.

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Diese Panoramaaufnahme zeigt fast die Gesamtansicht. Zur Grossansicht bitte auf das Bild klicken.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon martin1101 » 01.12.2012 10:41

Danke nochmals, Alexander !
ich häng an Deinen Lippen und an Deinen Augen und versuche, Deine Eindrücke in mich aufzunehmen.

Du vermittelst mir viele wunderbare "Kleinigkeiten", die man wahrscheinlich nur bei Deiner Art, der Wüste zu begegnen, erleben darf. Vermutlich fehlt mir dazu aber der Mut, die Ausdauer und Willensstärke 8)
LG Martin
Reisen ist tödlich ... für Vorurteile (Mark Twain)
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 01.12.2012 11:00

Hallo Martin,

dankeschön. ;-)

martin1101 hat geschrieben: Vermutlich fehlt mir dazu aber der Mut, die Ausdauer und Willensstärke 8)


Die Ausdauer ist etwas, was man sich aneignen und antrainieren kann. Damit hatte ich schon Monate zu vor angefangen. Trotz der anspruchsvollen Laufleistung während meiner Wanderung hatte ich nicht die geringsten konditionellen Probleme, worüber ich wirklich überrascht war. Auch am Nachmittag ging es immer noch gut den Dünen hinauf.

So eine Wanderung ist gut, um seinen Mut und Willensstärke auf die Probe zu stellen. Bin ich wirklich so ein willensstarker Mensch, wie ich es immer vor mir denke, oder bin ich ein ganz anderer Mensch und mache mir selbst nur etwas vor. Die Wüste, besonders so eine Wanderung ist sehr gut geeignet, sich und seinen Charakter festzustellen. Viele Menschen währen überrascht. Auch ich habe mich bei dieser Wanderung etwas besser kennen gelernt. ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 01.12.2012 12:05

Alexander; warum hast du diesen Fussmarsch ueberhaupt unternommen?
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 01.12.2012 12:52

Hallo Kuno,

das ist eine gute Frage. Vielleicht sollte ich die Frage erst einmal mir selbst beantworten, bevor ich es dir tue. Ich wage aber trotzdem einen Erklärungsversuch.

Anfang der 90er kam bei mir der Wunsch auf, nicht wie bisher, mit dem 4 x 4 zu reisen. Ich wollte ein Land mit dem Rucksack, oder auf neudeutsch als Backpacker bereisen. Aufgrund der Infrastruktur und der Schönheit des Landes wollte ich damals für mehrere Wochen Indien bereisen. In diesem Reisemodus bist du Land und Leute einfach näher. Du kommst mehr in Kontakt mit den Menschen und du siehst die Details, die du als Autofahrer vielleicht nicht so siehst. Meinem Wunsch kam dann ein Rebellenaufstand dazwischen und ich blies die Reise wegen Sicherheitsbedenken ab.

Vor ca. acht Jahren erinnerte ich mich zurück und der Wunsch keimte erneut auf. Ich hatte nur zwei Wochen Zeit, also wählte ich Ägypten aus, da ich dieses Land bisher noch nicht bereist hatte, die Verkehrsinfrastruktur bestens ausgebaut ist, du eigentlich jede Ortschaft oder Oase mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kannst und natürlich, weil es in Ägypten jede Menge Wüste gibt 8)

Ich begann mit dem Wüstenwandern. Zunächst nur einige Tage und 20 – 30 Kilometer. Danach wurden die Wanderungen immer ausgedehnter. Ich hatte mich mittlerweile in dieses Land verliebt und ich wollte mehr sehen und erleben.

Irgendwann stieß ich an meine Grenzen. Du kannst nur eine beschränkte Menge an Wasser und Verpflegung mitnehmen, was natürlich deinen Aktionsradius stark einschränkt. Daher hatte ich auch dieses Thema, das im Übrigen immwe noch aktuell ist, angedacht. Zum Glück aber gibt es Stefanie hier im Forum und ihren Mann Mohammed, die beide in der Oase Baharia leben. Ich diskutierte mit Stefanie verschiedene Routen. Ich wollte eigentlich wieder nach Siwa, da ich schon eine Route ausgearbeitet hatte. Stefanie meinte, warum läufst du nicht von Baharia nach Dakhla? Wir könnten dir auf der Strecke Wasserdepots anlegen, was Mohammed schließlich auch tat und wofür ich ihm heute außerordentlich dankbar bin.

Um aber zurück zu deiner Frage zu kommen, warum ich gerade diese Wanderung unternommen habe, 330 Kilometer durch die Wüste mit all den Strapazen aber auch mit all den Schönheiten, welche die Wüste zu bieten hat. Es gibt vermutlich mehrere Antworten darauf, von den üblichen Antworten, die man immer wieder hört einmal abgesehen. Zunächst wollte ich austesten, was für mich möglich ist. Wo liegen meine Grenzen, psychisch und physisch. Es war einfach eine Herausforderung an mich und ich bin ein Mensch, der gerne Herausforderungen annimmt, bzw. sich ihnen stellt. Ich war am Ende der Wanderung sehr erstaunt über meine Leistung und Fähigkeiten. Ich hatte vermutet, dass ich irgendwann unterwegs aufgeben, Stefanie anrufen und ich ihr sagen werde: Hey, holt mich ab, ich habe die Schnauze voll. Dem war aber ganz und gar nicht so. Meine Psyche und meine körperliche Verfassung waren so stark, dass ich problemlos noch einige Tage hätte dranhängen können. Die tägliche Anwechslung, die Erlebnisse mit den Menschen und die Schönheit der Landschaft trugen natürlich zur hohen Motivation mit bei. Mohammed hatte mich einer Strecke entlang die Wasserdepots angelegt, deren Schönheit ihres Gleichen sucht. Jeder neue Tag übertraf den vorherigen um ein Vielfaches. Eventuell wollte ich mir mit dieser "Extrem" – Wanderung auch selbst etwas beweisen. Vielleicht, dass ich es noch kann, dass ich noch nicht zu alt dafür bin. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall werde ich noch so lange weiter machen, wie es nur irgendwie geht.

Ich kann nur jedem raten, es auch einmal mit Ägypten zu versuchen. Ob zu Fuß oder mit dem Fahrzeug. Es lohnt sich. Und ich glaube, dass Stefanie hier im Forum die richtige Ansprechpartnerin dafür ist.

Viele Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 02.12.2012 08:53

Der Abstieg vom Plateau erfolgt problemlos über die am Abbruch angelagerten Sandfelder. Von der beeindruckenden Mondlandschaft geht es hinunter in eine wieder etwas sandigere Landschaft.

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Es ist später Vormittag und es weht immer noch kein Wind. Es wird immer wärmer und die Luft steht still. Ich komme aber immer noch gut voran. Keine Konditionsprobleme und die Stimmung ist super. Nach acht Tagen anspruchsvollem Laufpensum merke ich aber trotzdem die Erschöpfung. Liegt es daran, dass ich zu wenig esse oder einfach an der Tatsache, dass mein Tag heute schon um 2:30 Uhr begann?

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Die Uhr zeigt die Mittagszeit an, aber es gibt weit und breit keinen Schatten, unter dem ich mir etwas Ruhe gönnen könnte. Die Füsse schmerzen. Ich vermute, dass sich die ersten Blasen gebildet haben. Ausserdem schmerzt der Rücken. Besonders die Bandscheiben beschweren sich über die ständige Last. So geht es weiter auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen.

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Gegen 14:30 ist es dann soweit: Schatten! Nicht viel, aber genug, um sich lang auf dem Boden breit machen zu können. Und es ist an dieser Stelle kühl. Erfrischend kühl. :wink: Ich werfe die Last des Rucksacks ab und breite mich im Schatten aus. Zunächst kontrolliere ich die Füsse. Alleine das Ausziehen der schweren Wanderschuhe ist eine Erholung. An verschiedenen Stellen haben sich kleine Blasen gebildet. An zwei Zehen, am Fussballen und grosse Blasen an den Fersen. Ich öffne die Blasen, indem ich kleine Löcher in sie steche. So kann das Wasser entweichen, die Haut schützt aber weiter die Wunde. Zusätzlich bringe ich Pflaster an und stülpe mir noch ein weiteres paar Socken über. Nach der Wundversorgung liege ich nur da und entspanne. Bald bin ich eingeschlafen und merke nicht, wie der aufkommende Wind verspätet für Kühlung sorgt.

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Nach der verdienten Pause, geht es mir wieder besser. Ich fühle in den Füssen keinen Schmerzen mehr. Ich komme wieder gut voran.

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Sand und Fels wechseln sich wieder ab. Die Schatten werden wieder länger und kündigen den nahenden Abend an. Vier Kilometer liegen aber noch vor mir und mindestens 20 Kilometer möchte ich pro Tag schaffen. Es ist also noch zu früh, um sich auf Nachtlagersuche zu begeben.

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Endlich ist das Tageswerk vollbracht. Mit blick auf ein weiteres Plateau richte ich mein Nachtlager in Richtung Süden aus. Das erste Wasserdepot ist noch 10 Kilometer entfernt. Entsprechend meiner Laufleistung der vergangenen Tage erwarte ich, dass ich dort morgen spätestens gegen 10:30 eintreffen werde. In meinen Wasserflaschen habe ich noch einen Vorrat von 4,5 Liter. Mehr als genug Wasser für einen Tag.
Schnell bricht die Nacht über der Wüste herein. Nachts kann man ein Sternschnuppenfeuerwerk am Himmel beobachten. Einige Meteoriten sind so gross, dass sie einen langen, mehrere Sekunden sichtbaren Schweif hinter sich herziehen.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 02.12.2012 09:00

Alexander, du schreibst, dass du schwere Wanderschuhe angezogen hattest. Warum hast du nicht leichte Trekkingschuhe genommen? Zumal du ja (deinen Fotos nach zu schliessen) mehr oder weniger im Sand flach geradeaus laeufst und nicht irgendwelche felsigen Ziegenpfade auf die Berge hinauf erklimmst... ... stellt sich natuerlich grad die Frage, was du unter einem schweren Wanderschuh verstehst...
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 02.12.2012 09:37

Kuno, unter einem schweren Wanderschuh verstehe ich Schuhwerk, dass solide aus Leder gefertigt wurde und dass ich auch im steinigsten Terrein verwenden kann, ohne das Risiko eingehen zu müssen, sich eine Verstauchung zuzuziehen. Dazu kommt, dass Trackingschuhe in der Regel niedriger sind und du dir beim Dünenaufstieg, wenn der Sand weich und locker ist, erst mal die Schuhe voller Sand schaufelst. Meine Wanderung ging nicht immer flach und eben auf Sand, wie dieses Bild zeigt.

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Mit einem soliden Wanderschuh schütze ich meine Knöchel besser gegen Verdrehen und Verstauchung. Gerade in diesem Gelände.

Grüsse
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 02.12.2012 09:38

Mach doch mal ein Bild von deinem Schuh und stelle es hier rein - wuerde mich interessieren, mit was sich deine Fuesse so umgeben.
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 02.12.2012 09:42

Kuno,

Kuno hat geschrieben:Mach doch mal ein Bild von deinem Schuh und stelle es hier rein - wuerde mich interessieren, mit was sich deine Fuesse so umgeben.


du hast meinen Reisebericht noch nicht aufmerksam gelesen :cry: sonst hättest du bemerkt, dass ich bereits ein Foto mit Wanderschuhen gepostet habe. :x

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 02.12.2012 09:46

Aufmerksam lesen tue ich natuerlich nicht - ich ueberfliege ihn nur und warte auf die Stelle, wo du richtig zu leiden beginnst :twisted:

Das sind ja echte Kloetze, die du dir da an deine Hinterfluegel gebunden hast. Im Nachinein gesehen - waren das die richtigen Schuhe fuer diesen Marsch?
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