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Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Unterwegs zu Fuß, mit Kamel oder Muli, mit dem Drahtesel

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon schnorr » 09.12.2012 15:38

danke für deinen tollen bericht, ich freue mich auf die fortsetzung.

waren deine schuhe eingelaufen? blasen sind grässlich und können eine wanderung zur tortur machen.

ich hatte einmal feste (kein billigprodukt)wanderschuhe, bei denen ich jedesmal nach kurzer zeit blasen bekommen habe, bis ich die nach jahren frustriert weggeorfen habe und andere ausprobiert habe (mit neuen schuhen ein wochenende in den alpen, dann eine woche später 950 km jakobsweg) und siehe da, nur ganz wenige kleine blasen. die schuhe passten einfach besser zu meinem fuß.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://www.quadridesafrica.de
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 09.12.2012 15:51

schnorr hat geschrieben:waren deine schuhe eingelaufen?


Die Schuhe waren eingelaufen. Schuhe sind aber nicht alles. Die passenden Socken dazu und auch etwas Prophylaxe und die Pflege. Während dieser Wanderung habe ich einiges dazu gelernt.

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon TGerd » 09.12.2012 16:50

Mein Klettervater hat mir bei meinen ersten Krabbelversuchen im Hochgebirge und meiner damals auch vertretenen Mainstream-Ansicht bezüglich der 'festen' Schuhe sofort mit auf den Weg gegeben: 'Deine Bewegungen im Gelände sollen materialunabhängig erfolgen!' Recht hatte er.

Entgegen der hier vorherrschenden, offensichtlich-hegemonialen Klumppschuh-Doktrin bevorzuge ich daher auf Kurz- und Weitwanderungen die landläufig auch in diesem Forum bereits gebashten Jesuslatschen von Birkenstock. Die tun bei mir am besten. Damit komme ich überall hin, egal wie weit oder wo das ist, besonders bei meinen Wüstengängen. Die Muskulatur der Füße und Haxerl wird auf natürliche Weise beansprucht und trainiert, keine eingeschnürten Füße, kein blockierter Bewegungsapparat, prima Fußbett, bestens belüftet, keinerlei Einschränkung im Bewegungsablauf.
Sand? Allah weht ihn hinein, er weht ihn auch wieder raus. 8) Der Louvre der Sahara Tassili n'Ajjer hat mich auch schon mehrmals so gesehen, der 'Große Gott von Sefar' schleuderte keine Blitze.

Keine Blasen, keine Abschürfungen, keine Schweißfüße, kein Vortriebsverlust.
Nicht die Spur.

Bild

Mit welchem Material jemand am besten zu Fuß ist, ist individuell völlig unterschiedlich und muß einfach ausprobiert werden. Natürlich habe ich auch 'g'scheite' Bergschuhe. Die zieh ich auch an, aber nicht zu jeder Tour. Ausnahme sind Wintertouren ins Gebirg.

Gruß
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Monika Lorenz » 09.12.2012 17:05

Hallo Alexander,
wegen Deiner Blasen an den Füssen - pack Dir das nächste Mal Compeed-Blasenpflaster ein. Gibt es in zwei Größen.
http://www.compeed.de/de/home/blasen/produktuebersicht.html

Gruß
Monika
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 09.12.2012 18:06

Hallo Mia,
Mia hat geschrieben:Inzwischen hat der Markt den sogenannten Trekkingsocken entdeckt.

Ich habe mich im Internet bezüglich den Trekkingsocken umgelesen. Es gibt vor allem gute Bewertungen (ca. 80%). 20% sind negativ, wobei das mit der Qualität der einzelnen Hersteller oder Marken zu tun hat, weniger mit der Wirkungsweise. Und wenn es keine Blasen mehr gibt. Was will man mehr? 8) Auch wenn sie nicht ganz billig sind, werde ich mir einige zulegen. In Verbindung mit den anderen Massnahmen dürfte ich dann auf der sicheren Seite sein.

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 09.12.2012 20:15

Verfolgt

Bei einer Wüstenwanderung durch die Wüste ist es unvermeidbar, dass man Spuren hinterlässt. Spuren, die schnell wieder vom Wind verweht werden, oder Spuren, die man noch lange Zeit später erkennen kann. Auch ich hinterlasse Spuren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, dass jemand meinen Spuren folgte. :shock:

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13 Tage später stößt Maja auf meine Spuren, die zufällig im gleichen Gebiet unterwegs ist. Was Maja mit einigen Fotos dokumentiert ist unglaublich. Nicht nur, dass meine Spuren nach 13 Tagen noch deutlich zu sehen sind. Der Wind hatte es offensichtlich nicht geschafft, den groben Sand über meine Abdrücke zu wehen. Neben meiner Spur verläuft exakt eine zweite Spur. Ein Fuchs war genau meiner Fährte gefolgt. Offensichtlich hatte er gehofft, dass etwas für ihn abfällt. War der Fuchs mir gefolgt, ohne dass ich es bemerkt hatte, oder war er erst Tage später auf meine Spur gestossen? Ich werde es wohl nie erfahren.

Bild
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Fortsetzung folgt
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon seTZenATLA » 09.12.2012 22:01

ALexander, dein letztes Foto ist der absolute Hammer! :-) Echt! Ich bin grad hin und weg :) Was für eine super Momentaufnahme. Herzlichen Glückwunsch, dass du das so "schießen" konntest :) Wow!
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 10.12.2012 07:03

Das Foto ist nicht vom Alexander, der hat den Fuchs gar nicht gesehen.

Mich wuerde wunder nehmen, wie der Fuchs in der Gegend ueberlebt - braucht der kein Wasser?
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Mathilda » 10.12.2012 10:02

Na das nenn ich ein gelungenes "Tracking", schon kurios.
Evtl. hat Maja den Schnuffi Fuchs vorher abgerichtet und auf deine Faehrte angesetzt ? :lol:
Btw. Gratulation zu dieser unglaublich schoenen Wanderung .
Alexander, mit so einer duennen Rettungsdecke und irgendwelchen zerlegbaren Leichtstaeben koennte man
sich doch ein wenig Schatten verschaffen ? 3 Tage pralle Sonne hoert sich nach Leiden an..
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Kuno » 10.12.2012 12:15

Ich dachte, in solchen Gegenden haette es nur die sog. Wüstenfüchse / Fennek. Auf dem Foto sieht es aber so aus, als wäre es ein ganz normaler "Standartfuchs".
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon TGerd » 10.12.2012 12:25

Der toll abgelichtete Vierbeiner sieht mir eher wie ein Schakal aus. Einer von der Gold-Sorte. Ebeggi, Canis aureus.
Ich hör sie gerne nächtens heulen.

Gruß
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Regula St. » 10.12.2012 13:09

Das ist ein Sandfuchs, Vulpes rueppelli.
Erstaunlicherweise haben diese Füchse in der Western Desert wenig Angst vor den Menschen, vielleicht weil sie selten gejagt werden?

LG Regula
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon TGerd » 10.12.2012 13:15

Hallo Regula,
ja kann auch sein. Kommt auf dem Foto ziemlich groß raus.

Wie sich die Viecher ernähren, hat Saint-Ex. schon treffend beschrieben. Die Schneckenrunde des Füchsleins mit partiellem Abnaschen ... Schlau eben.

Gruß
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Alexander » 11.12.2012 20:20

Aufgabegedanken

Am nächsten Tag entdecke ich den Verursacher der eigenartigen Spuren. Der Wüstenwind treibt einen alten Ast durch den Sand und hinterlässt dabei die ungewöhnlichen Abdrücke.

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Eine Fatamorgana täuscht das Vorhandensein eines Sees vor. Wie vielen Verirrten wurde das schon zum Verhängnis?

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Der graublaue Himmel, grelles Licht und vom Wind aufgewirbelter Staub lassen die Konturen am Horizont verschwimmen. Himmel und Wüste scheinen nahtlos ineinander überzugehen.

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Am Nachmittag geschieht das, was ich schon befürchtet hatte. Die Naht des Rucksacks löst sich auf und einer der Träger reisst aus der Naht. Was kann ich tun? Der defekte Rucksack, die schmerzenden Füsse, die verhärteten Waden, der geschundene Rücken. Habe ich mich mit der Tour übernommen? Ist das Ganze einfach zu viel für mich und meinen Körper? Wäre es nicht besser einen Schlussstrich zu ziehen und aufzugeben? Ich hatte doch schon genügend gesehen. Über 160 Kilometer war ich schon gelaufen. Sollte es nicht genug sein? Ich sitze da, vertieft in meine Gedanken. Schliesslich rüttle ich mich selber wieder wach. Überlege in aller Ruhe, was zu tun ist.

Ich erinnere mich an ein Stück Holz, dass ich aus einer Oase mitgenommen hatte. Könnte ich damit den Rucksack wieder reparieren? Wenn ich an dem steifen Falz, durch den die Naht verlief, oben und unten mit dem Messer einen Schlitz schneide und da den Trageriemen hindurchführe, zwischen Falz und Trageriemen das Stück Holz, quasi als Widerstand bzw. Halterung klemme, sollte es doch funktionieren. Einen Versuch ist es Wert. Ich schneide mit dem Messer die beiden Schlitze und versuche den Tragegurt durch die Schlitze zu stecken. Der Gurt ist zu weich und der Rucksack besteht an der Stelle, an der ich die Schlitze angebracht habe aus zu vielen Lagen. Also helfe ich mit der Messerspitze nach und schiebe den Gurt durch die Schlitze. Bingo, geschafft. Jetzt lege ich das Holzstück auf die Innenseite des Rucksacks, wickle den Tragegurt darum, stecke ihn wieder durch den anderen Schlitz und verknote den Gurt. Nun der Test. Ich packe alles wieder in den Rucksack und werfe ihn mir auf den Rücken. Ich rüttle und schüttle den Rucksack. Gurt, Knoten, Schlitze und Holzstück halten. Eine geglückte Operation 8) Die Stimmung steigt wieder. :-) Jetzt die Füsse. Ich ziehe die Socken aus. Die Blasen an der Sohle und an den Zehen waren fast verheilt. Es hatte sich bereits eine harte Hornhaut gebildet. Aber die Fersen. Sie waren offen und entzündet. Die Pflaster, die ich schon einige Tage nicht mehr gewechselt hatte, waren verrutscht. Ich bringe neue Pflaster an. Ausserdem stelle ich Polster aus Toilettenpapier her und lege sie um die Fersen. Vorsichtig schiebe ich den ersten Socken darüber, dann den zweiten und den dritten musste ich erneuern, da er bereits vollkommen durchgescheuert war. Die Füsse fühlen sich jetzt um ein vielfaches besser an.

Bild

Zufrieden mit den heutigen Tag und dem, was ich erreicht hatte, breitete ich mich auf meinem Nachtlager aus. Ich hatte meine Motivation zurück gewonnen.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitragvon Guido3 » 11.12.2012 21:49

Hallo Alexander,

beeindrucke Wanderung, die Du da gemacht hast und gut nachvollziehbar aufgeschrieben und bebildert.
Vielen Dank!

Guido
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