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Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Unterwegs zu Fuß, mit Kamel oder Muli, mit dem Drahtesel

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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon Alexander » 19.01.2014 13:54

Hallo Peter,

wie soll der Fahrradanhänger denn aussehen? Wäre dieser auch wüstentauglich? Das Fahrrad in der Wüste sehe ich eher als problematisch an. Es radelt sich im Weichsand einfach nicht so gut. Man könnte den Anhänger ja auch separat verwenden. Mit wieviel Kilo kann der Anhänger beladen werden und welche Bereifung schlägst du vor?

Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon donpietro » 19.01.2014 20:57

Hallo Alexander,

Hier mal ein Eindruck der Rikscha- oder Sulky-Variante in der Werkstatt und im Wald.
Der Grundtypus ist als Fahrradanhänger entworfen, soll aber eigentlich den lückenlosen Transport ermöglichen, wenns z.B. mit dem Fahrrad nicht mehr weitergeht (Ski zum drunterschnallen sind auch schon in Vorbereitung). Ich habe das untere Photo letztes Wochenende im Gelände an der Isar aufgenommen und war selbst ziemlich erstaunt, wie leicht sich der vollbeladene Hänger im Gelände bewegen lässt. Aus diesem Grund habe ich es ja auch hier gepostet, da die Anwendung als Sulky eben unabhängig vom Fahrradanhänger erstaunlich gut funktioniert. Selbst steilste Abhänge waren relativ problemlos möglich, auch wenn wir für derartige Einsätze im steilen Gelände dann noch Bremsen und andere Griffe oder Griffschlaufen vorsehen müssten. Ich persönlich würde da immer 20"-Reifen wie auf dem Foto verwenden, z.B. mit einem Schwalbe BigApple, der auch noch eine Dämpfungswirkung übernimmt. Aber welche Reifen sich bei einer Wüstenwanderung bewähren, kann ich aus eigener Erfahrung leider nicht sagen. Sicher einer mit einem hervorragenden Pannenschutz. Die kleineren 16"-Reifen sind zwar etwas leichter, mit wäre aber die Manövrierfähigkeit über Geröll oder Wurzeln wichtiger.

Man kann auch erkennen, dass das Gestänge teilbar ist, die Räder haben QuickRelease-Steckachsen, so dass der komplette Hänger extrem kompakt zusammengelegt und z.B. im Zug, Flieger oder Camper mitgenommen werden kann.
Das komplette System lässt sich mit nur wenigen Klicks zerlegen, ist aber trotzdem für relativ hohe Belastungen ausgelegt. Da ich erst vor ein paar Monaten mit der Fertigung begonnen habe, bin ich mit Gewichtsangaben (aus Haftungsgründen) aber noch vorsichtig. Als Fahrradanhänger sind max. 60 kg zuläsig, als Handwagen max 100kg, getestet haben wir 150 - 180 kg - bei vorsichtiger Benutzung ohne Probleme :-)

Bild
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon uwetorsten » 29.01.2014 22:16

hallo alexander,

bin erstes mal im forum und gehe auch nicht in wüsten,
also kurz:
habe mir einen leichtsulky und einen "schwerlastsulky" gebaut.

leichtsulky:
- achse und räder vom fahrradanhänger roland carry s
- plattform 45x64 aus bootssperrholz okoume salzwasserfest verleimt 5mm stark
- beschläge, z. b. augbolzen, aus yachtbedarf bzw. edelstahleigenbau
- deichsel leki hts6.5 teleskopstöcke
- pulka-zuggurt von globetrotter
- gewicht: 5,8kg, tragfähigkeit mind. 40kg (achse + Räder sind werksseitig für 80 kg zugelassen),
in schwerem gelände (z. b. bahnhofstreppen null problem) mind. 25kg
- problemlos in flugzeug: plattform mit gepäck in bauplane packen + aufgeben,
die räder haben 40 cm durchmesser und passen ideal in handgepäck
genutzt 2013 in norwegen auf 645km olavsweg mit 25-30kg

"schwerlastsulky":
- gebaut 2001, nur testweise eingesetzt thüringen
- edelstahlrahmen zweiteilig mit bootssperrholzplatte
- eigenberechnete edelstahlrohrachsaufnahme
- downhillräder mit scheibenbremse auf einer seite (genügt völlig!)
- gewicht ca. 9 kg
- tragkraft mind. 100kg, getestet schräg (weil gerade hoch schafft man nicht) auf bahndämme rauf + runter
- verpackbar in fahrradkarton
- war gedacht für canol heritage trail

spezielle fragen, nur los, vielleicht kann ich weiterhelfen.

grüße an alle im forum,
uwetorsten
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ergänzung

Beitragvon uwetorsten » 06.02.2014 17:50

hallo allerseits,
in meiner mail vom 29. januar hatte ich meinen "schwerlastsulky" erwähnt.
ich wollte es genauer wissen und habe ihn nach 12 jahren im karton mal wieder montiert.

anbei fotos (splinte in kronenmuttern fehlen und der zuggurt - seile werden an der plattform befestigt - auch) und bauskizzen.
der sulky hat noch die dicken baumarkt-test-sperrholzplatten drauf und man sieht auch die überschweren reifen, war halt so in 2001.
habe ihn wie abgebildet auf geeichter wildwaage gewogen: 17,050 kg - bitte um entschuldigung wegen meiner falschen angabe in letzter mail.
endgewicht würde sich reduzieren:
- bootssperrholzplatte statt baumarktplatte - minus gut 2 kg
- 1 schlauch wiegt 395g! (steht auf ersatzschlauchpackung), die reifen wiegen über 1.200g, das ergibt bei zeitgemäßem material für die räder nochmal ca. 1,5 kg weniger

also einsatzgewicht dann ca. 13,5 kg plus hüft-zuggurt.

die breite hatte ich übrigens nach der zarges midi-box 40862 gewählt; man geht in dem rahmen, die gepäckgummi halten den sulky mittig bei ca. 3 kg vorderlastigkeit auf dem gurt.

nun ein vorschlag.
wer meinen oder/und seinen sulky testen möchte, kann gerne zu mir kommen - einfach eine email senden.

bis 100 kg beladung (baumstämme oder splitt) für meinen sulky bei wegelosem gebirgigen waldgelände und durch gerölliges flußbett können wir laden. mein sulky ist auch dafür konzipiert, bei steilen anstiegen zum beispiel, durch 2 personen im tandem gezogen zu werden.

jetzt die fotos und skizzen.
man sehe beispielhaft die sehr gut geschützte achse durch die sich überlappenden platten.
ich wollte den bodenbereich "so glatt wie panzerunterboden" haben, da das drüberschleifen über felsbrocken nichts beschädigen darf.

und wer den sulky nachbauen möchte, ich helfe mit weiteren infos gern.

grüße!
uwetorsten

Achsbefestigung + Bremse.jpg

Achse Lötstelle.JPG

Achse mit Nabe.JPG

Achse.JPG

Belastung Kippstellung.JPG

Deichselklemmung.jpg

Draufsicht.JPG

Maximale Lastannahme.JPG

Nabe +Bremse.jpg

Platten unten.jpg

von vorn.jpg
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon Wolfgang K » 06.02.2014 18:07

Saubere Arbeit, Hut ab!

Und vor allem finde ich es Klasse wenn sich jemand soviel Mühe gibt und sogar den „Bauplan“ öffentlich zugänglich macht!

Daumen hoch!! :!:

Dank und Grüße
Wolfgang
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon uwetorsten » 06.02.2014 18:42

hallo wolfgang k.,

kein problem,
ob sulky light oder sulky heavy,
ich gebe alles an bauunterlagen + bauhinweisen weiter.

und vorab testen mit meinen beiden sulkys, nur zu.

aber kleine warnung:
die beiden liegen auch preislich im highend-bereich, z.b.:
- die bootssperrholzplatte hatte 184,- dm gekostet
- die edelstahlteile zu fertigen und schweißen zu lassen, das waren auch so etwa 1.000,- dm
- die räder (magura-naben mit 20mm achsen, mavic-felgen, etc.) ....

zeit und ein wenig kleingeld sollte man schon aufwenden dafür.

abendgruß,
uwetorsten
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon donpietro » 06.02.2014 19:42

Finde das Klasse, was Du da gemacht hast, UweTorsten. Auch die Bereitstellung der Baupläne ist schon ein guter Schritt, damit andere das weiterentwickeln, nachbauen könen usw. Ich mache das ähnlich, das ganze Projekt des hinterher.com Lastenanhängers ist eigentlich als Selbstbauprojekt entstanden und dann innerhalb von 1 1/2 Jahren so gut geworden, dass der Anhänger mittlerweile sogar bei Globetrotter im Laden steht 8) Und alle Bauteile gibts einzeln, dazu Baupläne mit Bohrplänen für Selbstbauprojekte und natürlich telefonische oder praktische Unterstützung in unserer Werkstatt.

Aber natürlich musste ich auch immens viel Geld in die Hand nehmen (ab einem bestimmten Punkt), um schliesslich wirklich brauchbare, multifunktionelle und überall verwendbare Bauteile zu haben. Entwicklung und Bau von Spritzgusswerkzeugen war für mich Neuland, hat sich aber absolut gelohnt. Und der modulare Aufbau unseres Anhängersystems scheint weltweit Beachtung zu finden, zumindest haben wir Anfragen von überall her. Die ersten Skizzen dazu entstanden Anfang 2012 :mrgreen:

Hier mal ein paar Eindrücke von den Bauteilen des Hinterher.com

Bild

und hier die Lastenrikscha

Bild
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon uwetorsten » 06.02.2014 20:57

hallo donpietro,
gratuliere.
was mich betrifft, ich brauchte 2 ganz spezielle sulkys - und hatte zu keiner zeit die absicht zu verkaufen oder zu produzieren.

zum leichtsulky noch ein paar technische ergänzungen.

die original carry-s-auchsaufnahme ist aus vermutlich druckgußalu und wiegt ganze 258 g.

alles kann unterweegs repariert werden, aber die achsaufnahme/achse ist das wichtigste.
also habe ich zwischen platte und achsaufnahme eine 9 mm starke robinienholzleiste geleimt (robinieholz ist sehr biegefest, zäh, widerstandsfähig und wurde früher für wassermühlen verwendet!).
unter die "alu"-achsaufnahme habe ich 2 15x15x1,0 alu-quadratrohre geschraubt:_
- so brauchte ich weniger löcher nutzen zur befestigung
- hatte zusätzliche biegefestigkeit
- und die quadratrohre konnten sich lustig deformieren an felsbrocken
gewicht:
robinienholzleite 182g
2 alu-quadratrohre zusamm. 121g
damit war die achskonstruktion "unkaputtbar" (nichtmal mit daraufspringen auf die rechts + links aufgelegte einzelne robinienleiste konnte diese brechen!)

paar fotos dazu jetzt.
wie gesagt, ich habe ernsthaft leichtbau betrieben.

abendgrüße,
uwetorsten

Achsaufnahme.jpg

Boden.jpg

Deichselbefestigung.jpg

untere Klemmung.jpg
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon donpietro » 07.02.2014 12:44

Sehr schöne Überlegungen und Details!

wir sind uns anscheinend nicht so unähnlich :-)
Ich bin Schreiner und Architekt und habe den Hinterher ursprünglich v.a. für die eigene Werkstatt entworfen - wir haben sehr viele Kunden im Innestadtbereich und unsere Werkstatt ist ebenfalls in der Innenstadt. Und die Idee mit dem Robinienholz entspricht in unserem Fall dem Entwurf einer Blattfedernachse aus Eschenholzleisten :mrgreen:

Allerdings habe ich das wieder verworfen, weil zu teuer und zu anfällig...
Aber ich liebe Holz und setze es oft und gerne für tausend Anwendungen ein!

Wo bist Du denn? Vielleicht sollten wir uns mal austauschen. Zu Kai Fuchs, dem Entwickler des Monowalker, habe ich bereits Kontakt und wir überlegeen in bestimmten Bereichen eine Kooperation, da wir als Kleinst-Nischenanbieter bessere Einkaufsbedingungen aushandeln könnten und Entwicklungsenergien bündeln könnten. Z.B. suche ich noch nach einem brauchbaren Scheibenbremssystem, das sich problemlos mit unserem Konzept kombinieren lässt.
Also weiter so :mrgreen:
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon martinaustirol » 07.02.2014 17:04

HOI, alles feine Anhänger! Beeindruckend. Persönlich würde ich als alter Bergler jedoch immer zu größeren Rädern tendieren - 29" rollt besser als 24" rollt besser als 20". Viel besser. Und vom Gewicht her wird es nicht soviel ausmachen, denkt Martin aus Tirol
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon Alexander » 07.02.2014 17:38

Hallo uwetorsten,

das sind herrliche Teile, die du da konstruiert hast. Schon die Vorbereitung (Pläne usw.) sieht super professionell aus.

Ich dachte zuerst, dass deine Rohre etwas unterdimensioniert sind. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Bei meinen Rohren habe ich vermutlich zu große gewählt, wenn man das aus der Gewichtsperspektive sieht. Ansonsten bin ich damit absolut zufrieden. Vermutlich hätte ich mir einige hundert Gramm an Gewicht sparen können.

Was mir gefällt sind die Griffe, die du an deinem Sulky angebracht hast. Stammen die von Ski- oder Walkstöcken? Der Bauchgurt ist auch schön breit und gepolstert. Da kann man sein Gewicht richtig schön reinlegen. Was mir aber noch vorschwebt und ich habe noch keine zufriedenstellende Lösung dafür, ich hätte gerne einen Gurt, den ich sowohl so verwenden kann, wie du es vorgesehen hast und dann mit den Händen die Deichseln führst. Gleichzeitig möchte ich aber als Alternative den Gurt so an der Hose, Hüfte oder Gürtel anbringen, dass ich zeitweise auch die Hände frei habe oder mit den Händen nur unterstützend eingreife.

Was hat dich bewogen, Edelstahl und kein Alu zu verwenden. Alu wäre doch leichter und ist auch recht stabil.

Martin hat im Prinzip recht. Je größer die Räder, umso bessere Laufeigenschaften. Ich verwende allerdings auch kleinere mit einem Durchmesser von 20 Zoll. Eigentlich ist das ausreichend, wenn man vorwiegend im harten Gelände unterwegs ist. Ich weiß nicht, ob es auch breite Reifen für 24’’ oder 27’’ Räder gibt. Die 20’’ Größe war mir auch ganz recht, da ich beide Räder genau in den Korb legen kann, was mit größeren Reifen nicht möglich gewesen wäre.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ich eine Scheibenbremse in der Wüste nicht benötige. Wenn es die Dünen runter geht, dann setze ich mich auf den Hosenboden und lasse mich durch das Gewicht herunter schieben. Im steilen harten Gelände ist das mit dem Bergabfahren nicht so einfach. Da macht eine Scheibenbremse auf jeden Fall Sinn.

Ich kann es kaum erwarten, meine Wüstenkarre wieder zu beladen und in den Weiten der Sandsee zu wandern. :-)

Grüsse
Alexander
Alexander
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon uwetorsten » 07.02.2014 18:04

hallo donpietro,
hallo martinaustirol,

ein paar antworten.
kai fuchs und auch den monowalker kenne ich nicht.

ich hatte allen angeboten, mich per email zu kontaktieren, mit mir gemeinsam tests durchzuführen, sämtliche erfahrungen und unterlagen von mir zu nutzen - also schreibt!

meine 2 sulkys sind jeweils auf ganz spezielle einsatzzwecke hin optimiert:
- der leichtsulky gebirgspfad-, sumpf-, furtentauglich (schwimmfähig mit ortlieb duffle 85 l, auch ohne matte!); sehr leicht; als standardgepäck ohne zusatzkosten im flieger mitzunehmen, in einsatzkonfiguration mit gepäck in bussen und bahnen transportierbar, für lasten bis 30 kg in schwerem (heißt mit mountainbike unpassierbar) gelände, gleichermaßen im zug- und schiebebetrieb (z.b. bergab im felsigen gelände kann er so viel besser optisch kontrolliert werden) sicher laufen
- der schwerlastsulky sollte im fahrradkarton als zusatzgepäck im flieger transportiert werden, auf normalwegen (z.b. gravel road) 2 leute von allem gepäck befreien, mit 100 kg auch schwere furtquerungen ermöglichen (schwimmfähig mit ortlieb-säcken)

ich möchte nicht,
daß irgendwelche "perfektionierungen" von mir jemanden frustriert, der nach eigenen einfachen lösungen sucht,
auch möchte ich nicht potentiellen käufern von sulkys lösungen aufzeigen oder diese verunsichern (das wäre kleinstfirma gegenüber unfair).

martinaustirol,
richtig, größere räder sind grundsätzlich besser rollend.
klar auch, -zigmal rollt ein rad über etwas, das kostet kraft, bringt verwindung ins gerät und würde zu polternder deichsel an den hüften führen (bzw. handkraft erfordern zur abwendung dessen).
ich hatte dazu etliches getestet.

ich habe das so gelöst:
leichtsulky hat aus o.g. gründen 16"-räder.
achse ist starr, alles andere muß durchgängig flexibel sein (was starr ist bricht oder es bricht daneben)
beispiel nur die leki-stöcke. die können sich durch die flexible schlaufenführung vorn über die gesamte länge homogen biegen und zwar sowohl horizontal wie vertikal.
dazu das sehr flexible bootssperrholz.
man merkt in den griffen praktisch keine unebenheiten, über die einseitig ein rad rollt.
und die kleinen räder stören gar nicht, wenn der unterboden so ist, daß man den sulky über alles drüberschleifen kann.

schwerlastsulky hat 26"-räder
hier war das problem der extremen belastung im kippfall.
und daß die achse nicht wie in fahrradvordergabel beidseitig, sondern einseitig eingespannt ist.
da habe ich etliches berechnen müssen.
folge: downhill-vorder-laufräder mit 20(!) mm achse.
entkopplung meines körpers von den sulkybewegungen hier ebenfalls nötig.
erreicht durch flexiblen rahmen, zugkräfte nicht an deichsel sondern am gepäckrahmen angreifend, mittiggehend in gabel durch gepäckspanngummis (die sieht man auf dem foto) zum gurt, komfortable ergonomische handhaltung (schräg nach vorn, winkel hatte ich getestet!) für den fall bremsen bzw. heftig unebenen geländes.

leute, ich möchte hier nicht seitenlang dozieren und euer forum vermüllen,
ich wollte nur aufmerksam machen auf vermeintlich nebensächliches.

daß ich euer forum fand (und die sulky-seite), war zufall.
in island hat man es mit wüsten zu tun, da will ich mal hin, muß nun entscheiden:
- mit 30 kg rucksack
- mit leichtsulky
- mit schwerlastsulky
- mit mountainbike
- mit mountainbike + anhänger
alles funktioniert, kenne mich mit meiner ausrüstung aus; hätte ich nicht sowas, hätte ich kein problem der entscheidung.

diesmal ohne foto, war ja keine spezielle frage.
frohes nachdenken,
uwetorsten
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Re: Wüstenwandern mit Hilfmitteln. Aber wie?

Beitragvon uwetorsten » 07.02.2014 18:38

hallo alexander,

wir schrieben gleichzeitig.
hier meine antwort auf deine fragen.
probleme sind gelöst, lies bitte meine vorherige antwort.

leichtsulky
die griffe sind original dran an den leki-stöcken.
je nach wegebeschaffenheit braucht man die stöcke gar nicht anzufassen (bergauf, gravel road, ..), sonst genügt meist, daß man eine deichsel mit "2 fingern" leicht nach unten drückt

schwerlastsulky
der läuft faktisch frei außer in extremen gelände.

edelstahl ist flexibler und - schau dir die achsaufnahmen an - diese belastung ist mit alu und aluschweißen nicht zu bewältigen,
und (!) versuche mal einer die genauen vorgaben des downhillnabenherstellers 19,98mm (-0,02) mit alu hinzubekommen.
außerdem ist alu irgendwie brüchig, müßte eloxiert werden, usw.

soweit,
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festigkeitsüberlegungen

Beitragvon uwetorsten » 10.02.2014 19:21

hallo,
die frage von alexander vom 07. februar habe ich noch nicht beantwortet, ihm kamen meine rohre dünn vor.
also habe ich meinen akter mit den überlegungen, skizzen, berechnungen nebst den dateien auf dem schleppi hervorgekramt und möchte jetzt die frage beantworten.

zunächst heavy-sulky.

< bitte erst blatt 1 draufsicht ansehen >

ziel war es, auch aus schönheitsgründen, den sulky mit nur 2 rohrdurchmessern herzustellen.
der sulky besteht aus einzelnen 3 geschweißten teilen:
- achse
- gepäckteil
- deichselteil
jedes mußte einzeln überlegt und ein wenig berechnet werden.

das gepäckteil ist unkritisch: der einfache "binder" ist überdimensioniert.

"knackpunkt" ist das deichselteil und zwar das rohr genau an der spannhülse.
mindestens muß das rohrmaterial so dimensioniert sein, daß es statisch die belastung (mit einem sicherheitsfaktor) aushält. die sicherheit erhöht sich, da die andere deichsel trotz verwindung des rahmens und torsion des materials mitträgt.
ein grenz-belastungsfall ist das überrollen einer kante in höhe des halben raddurchmessers; dabei sind die räder und (meine) füße auf einer horizontalen ebene (trepphoch ist die belastung geringer, da die füße höher stehen und so die deichsel steiler steht).

< bitte jetzt blatt 2 ansehen >

wenn das rad durch den zug nach vorn im moment des abhebens ist, ist die belastung maximal; da biegt sich die deichsel maximal, durch die last auf der achse und den erforderlichen druck vorn auf die deichsel.
wie ich gerechnet hatte, dies kann man nun sehen (ich hatte mit vollast 100kg und 10 kg eigengewicht auf der achse gerechnet – daher pro rad die 55 kp)

< bitte jetzt blatt 3 heavy-sulky ansehen >

man verzeihe mir den einheitenmix, ich bin noch ohne si-einheiten groß geworden und schätze meine alten formelbücher; außerdem, wie schwer ein zentner ist, dies können wir uns leichter vorstellen.

jetzt light-sulky.

< vielleicht noch einmal das bild im pdf-anhang meines ersten beitrages ansehen >

da wurde es schwieriger, weil ich im flieger die stöcke teleskopierbar im duffle transportieren wollte.
damit sollten es leki-stöcke mit innenklemmung (leki gibt 140kp haltekraft und 360° rückdrehsicherheit an) sein, den antishock habe ich mit je 3 dichtungen für wasserhähne blockiert.
hier bin ich von 20 kp achslast pro rad ausgegangen (den gurt hat man um, eine auflast von 3 kp am gurt ist sinnvoll), meine hüfthöhe beträgt 1000mm; analoge berechnung wie beim "heavy" ergibt eine erforderliche deichselkraft von 4,85kp.
die belastungssituation hier ist jedoch anders:
- der trekkingstock endet in der klemmung 120 mm von der achse entfernt
- die gurtbandschlaufe vorn am trapezwinkel "arretiert" den trekkingstock, es liegt also eine außermittige belastung eines rohres vor; die gummispitze des stockes ist bis 30° flexibel (so quasi frei aufliegender träger)

< bitte blatt 4 light-sulky ansehen >

die an der schlaufe wirkende kraft und das biegemoment konnte ich berechnen, aber ich hatte keine festigkeitswerte des rohrmaterials.
im leki-winterkatalog 2011/2012 sind durchbiegungen (u. a. eines hts6.5-stockes) bei 40 kg belastung angegeben.

also schickte ich leki folgende email:

Hallo ….,
auf dem Foto können Sie sehen, wie ich den Skistock (jetzt den Leki "Teton AS") vorn am Sulky in einer Schlauchbandschlaufe an einem Winkel befestigt habe.
Diese 41x41x25/15 und 3 mm starken Edelstahltrapezwinkel (original beim Yachtbedarf gekauft) habe ich auf Biegung getestet.
Bei jetziger Befestigung (Rohrmitte 55 mm von Plattform) würde ein solcher Winkel 26 kg aushalten.
Diese Entfernung von 55 mm möchte ich, damit die Plattform weniger schräg steht, auf 95 mm vergrößern.
Entsprechend steigt die Belastung, so daß ich mir selbst Trapezwinkel aus Edelstahl in 4 mm Stärke fertigen muß.
Diese Trapezwinkel möchte ich gleich so dimensionieren, daß sie auch den Belastungen eventuell später eingesetzter Kevlarstöcke standhalten.
Im Leki-Winterkatalog 2011/2012 ist für den Langlaufstock "Super Shark" eine Durchbiegung von 30 mm bei 40 kg Belastung angegeben.
Bitte sind Sie so gut und fragen Sie die Technik-Abteilung, wie diese Durchbiegung gemessen wird.
- mittige Belastung?
- auf voller Länge von (knapp) 180 cm beidseitig frei aufliegend?
Unnötiges Gewicht möchte ich vermeiden, deshalb will ich die Trapezwinkel auch nicht überdimensionieren.
Mit freundlichem Gruß

und nun ein riesengroßes lob für leki: sie haben mir die meßbedingungen geschrieben!
damit hatte ich den belastungsfall, damit konnte ich das biegemoment berechnen, damit hatte ich den sicherheitsfaktor für meine bauweise ermittelt (und, da die 40kg von leki nicht die bruchlast sind, sondern nur zu vergleichszwecken gewählt wurde, ist mein tatsächlicher sicherheitsfaktor sogar höher als mein berechneter!) und über die angegebene durchbiegung konnte ich meine meine durchbiegung berechnen.
daß ich dazu keine angaben mache, dafür bitte ich um verständnis: ich hatte mehrfach mit leki gemailt und versprochen, über mir genannte technische daten zu schweigen.
soweit einige überlegungen und berechnungen von damals, entsprechend hatte ich mir über die kippstabilität und andere bauteile auch gedanken gemacht.

ein tipp zum schluß:
wer nicht so gerne theoretisiert, man kann auch prototyp bauen aus billigstem unterdimensionierten baumarktmaterial und dann mit anglerwaage oder kofferwaage an neuralgischen stellen eine kraft ausüben und sehen, wann es zu bruch geht; so kann man auch das nach berechnungen gebaute teil überprüfen.

nochmal, fragen oder mit mir testen wollen, bitte mailen.

ich sage tschüß,
uwetorsten

blatt 1 draufsicht.JPG

blatt 2.JPG

blatt 3 heavy-sulky.JPG

blatt 4 light-sulky.JPG
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WÜSTENGONDEL ODER DOCH EHER EINE SÄNFTE?

Beitragvon HildaMalthus » 15.02.2014 03:00

WIE MAN DAS MACHT? HAT JEMAND KONNKRETE VORSCHLÄGE DAZU?
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