Libyen / Wadi Sofeggin

Kultur- und Politikgeschichte über die im Wüstenschiff behandelten Regionen.

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Roger-Tecumseh
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Roger-Tecumseh »

"Und um's gleich zu sagen: Es war schon kaputt, als ich dort hinkam"


Mir schien aber, als haette Dein blauer Landy einige Schrammen und Beulen! 8)


Im Uebrigen teile ich Regulas Skepsis: als Teil einer (militaerischen) Wehranlage direkt aus der Zeit, sind die Ornamente und andere Details nicht stimmig - es wirkt alles einfach zu praechtig. Es ist schon wahrscheinlich, dass dies Gebaeude aus der Zeit nach Rom waren - unter Umstaenden nach roemischem Vorbild und mit den gleichen Materialien!
Regula St.
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Regula St. »

Und um's gleich zu sagen: Es war schon kaputt, als ich dort hinkam
Da bin ich aber beruhigt! Die Schäden schienen mir doch etwas zu gross, als dass sie von einem einzelnen stammen würden...

Was mir noch durch den Kopf gegangen ist: Das Gebiet hat nach der römischen Zeit zuerst zum Königreich der Vandalen gehört (bis 533). Die haben vieles aus der römischen Kultur übernommen und weiterentwickelt. Danach kam die Gegend zum oströmischen Reich (bis um 650). Wenn ich die Verzierungen so anschaue, würde das schon eher passen.
Ich werde nächste Woche aber auf jeden Fall mal den Begleitband zur Vandalen-Ausstellung (Badisches Landesmuseum Karlsruhe, läuft noch bis 21.2.2010) durchsehen.

LG Regula
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Ich glaube auch nicht, dass die Gegend gleich mit dem Niedergang des Westroemischen Reiches sofort alle Kultur etc. einstellte. Ist sehr realistisch, dass sich die Siedlungsform noch recht lange so gehalten hat. sicher ueber die Vandalenzeit hinweg bis und mit Ostrom (wobei die Ostler dann eigentlich doch nur noch sehr reduzierte Gebiete kontrollierten).

RT; den Limes Tripolitanus darf man sich nicht so vorstellen, wie den Limes in Germanien. In LY hatte man ein ganz anderes Konzept: Legionen waren in Ghadames, Qariat und Bu Ngem stationiert. Dazwischen hat man in der entsprechenden Zone Veteranen der Legionen mit einem Stueck Land beschenkt und ihnen die Auflage gemacht, dass sie ihr Gut gegen Angriffe von "Aussen" zu verteidigen haetten. Deshalb der Ausdruck "Wehrhoefe". Die Anlagen sind den fruehen Burgen in Europa vergleichbar, dienten als Wohnanlage fuer den Chef und seine Familie und als Rueckzugsmoeglichkeit fuer die "Angestellten" im Falle eines Angriffs. Da es sich also nicht nur um Militaerbauten handelt hat man durchaus auch kuenstlerische und gestalterische Elemente zu erwarten - wohl wie heute: Um dem Wohlstand Ausdruck zu geben.
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Hab's gerade nachgelesen: Diese Siedlungsform konnte sich noch ueber das Wandalenreich und die Byzantiner hinaus halten... somit sind natuelrich die "spaeten" Muster fuer die Verzierungen sehr gut moeglich.

Bild

Bild
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Ich werde mich in den naechsten zwei Wochen wahrscheinlich etwas ausgiebiger mit den "Wehrhoefen" befassen koennen. Hat jemand einen Tip, auf was man achten muesste, wenn man die Bauten zeitlich einstufen moechte :?:
Regula St.
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Regula St. »

Hallo Kuno

ich habe soeben noch den Katalogband der grossen Byzanz-Ausstellung (2004/2005) durchgesehen. Darin habe ich Kapitelle des 6. und 7. Jahrhunderts gefunden, die den hier gezeigten sehr ähnlich sind. Auch zu den geometrischen Mustern und dem Flechtwerk finden sich Parallelen. Allerdings kommen solche Dekors noch bis ins 11. Jahrhundert vor...
Bis zum Wandalenkatalog in der Bibliothek bin ich noch nicht vorgestossen, da ich erst mal einen Weg im Labor und mein Postfach freiräumen musste...

LG Regula
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Ich inde die Zeit nach dem Zusammenbruch des Westroemischen Reiches ist ungeheuer spannend - aber leider gibt's dazu nicht viel nachzulesen :cry:
Regula St.
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Regula St. »

Da sind wir offenbar gleichzeitig am gleichen Thema :lol:
Kuno hat geschrieben:Ich werde mich in den naechsten zwei Wochen wahrscheinlich etwas ausgiebiger mit den "Wehrhoefen" befassen koennen. Hat jemand einen Tip, auf was man achten muesste, wenn man die Bauten zeitlich einstufen moechte :?:
Da bin ich ja mal gespannt drauf, was Du zurückbringst!
Datierend sind sicher verzierte Architekturteile (Säulen, Kapitelle, Architravbalken, aber auch reliefierte Teile wie z.B. Dekors um Tore und Türen, und nicht zu vergessen Inschriften). Falls Keramik vorhanden ist: Ist sie glasiert, unglasiert, mit roter Engobe oder sonstwie überzogen? Welche Dekors? Wie sieht das Profil aus? Auch Glas kann aufgrund von Form und Verzierung datiert werden. Kleinfunde aus Metall (z.B. Fibeln und Nadeln) und Knochen (Messergriffe) sind ebenfalls sehr zeittypisch. Interessant wären natürlich auch Grundrissskizzen; die Anlagen können sich ja im Lauf der Zeit verändern.

Übrigens: die Löcher auf den Maueraussenseiten dürften Gerüstlocher sein.

LG Regula
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Wie Geruestloecher? Das Ding meinte ich:

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Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Regula St. hat geschrieben:Da sind wir offenbar gleichzeitig am gleichen Thema :lol:
Wirklich? Ist das eben auch dein Thema?
Regula St. hat geschrieben:Da bin ich ja mal gespannt drauf, was Du zurückbringst!Datierend sind sicher verzierte Architekturteile (Säulen, Kapitelle, Architravbalken, aber auch reliefierte Teile wie z.B. Dekors um Tore und Türen, und nicht zu vergessen Inschriften). Falls Keramik vorhanden ist: Ist sie glasiert, unglasiert, mit roter Engobe oder sonstwie überzogen? Welche Dekors? Wie sieht das Profil aus? Auch Glas kann aufgrund von Form und Verzierung datiert werden. Kleinfunde aus Metall (z.B. Fibeln und Nadeln) und Knochen (Messergriffe) sind ebenfalls sehr zeittypisch. Interessant wären natürlich auch Grundrissskizzen; die Anlagen können sich ja im Lauf der Zeit verändern.
Zurueckbringen werde ich hoechstens Fotos. Ich bin natuerlich nicht befugt, da zu graben - und waere auch keinesfalls befaehight, dies richtig anzustellen.

Scherben iegen oft herum. Manchmal sogar in Massen. Ganz selten ist mal eine glasiert. Verzierungen sieht man praktisch nie - und wenn, dann nur ein paar enfache horizontale Linien. Metallfunde - sowas ist mir bis jetzt noch nicht begegnet.

Auch der beruehmte "Goldtopf des Alexander" noch nicht.

Grundriss? Das gaebe ja dann richtig Arbeit :!:
Regula St.
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Regula St. »

Kuno hat geschrieben:Zurueckbringen werde ich hoechstens Fotos.
Daran dachte ich ja auch (und ich beneide Dich, dass Du unserem Schneewetter entfliehen kannst und erst noch so tolle Sachen anschauen darfst...)
Kuno hat geschrieben:Scherben iegen oft herum. Manchmal sogar in Massen. Ganz selten ist mal eine glasiert. Verzierungen sieht man praktisch nie - und wenn, dann nur ein paar enfache horizontale Linien. Metallfunde - sowas ist mir bis jetzt noch nicht begegnet.

Auch der beruehmte "Goldtopf des Alexander" noch nicht.
Glasierte Keramik gibt's im späten 2./3. Jahrhundert (grünlich), sie ist aber sehr selten und danach geht die Technik verloren. In Zentraleuropa taucht sie erst im späten 12. Jahrhundert wieder auf. Wie's in Nordafrika aussieht, weiss ich nicht; im byzantinischen Raum tauchen die ersten Bleiglasuren etwa im 11./frühen 12. Jahrhundert auf. Und den Goldtopf würdest Du ja sicher öffentlich machen :wink:
Kuno hat geschrieben:Grundriss? Das gaebe ja dann richtig Arbeit :!:
Da ist wohl die Archäologin mit mir durchgegangen... 8) äxgüsi!

LG Regula
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Regula St. hat geschrieben:
Kuno hat geschrieben:...und ich beneide Dich, dass Du unserem Schneewetter entfliehen kannst und erst noch so tolle Sachen anschauen darfst...)
Kommst halt mal vorbei...

Das mit dem Grundriss waere eigentlich keine Sache. Aber ich bin halt auch nicht tagelang vor Ort. Und ich glaube, dass Goodchild eigentlich schon die typischen Formen erfasst hatte. Zudem sind die Bauten meist eingestuerzt und ein Erkennen des Grundrisses durch den ganzen Schutt meist nicht mehr moeglich.

Werde mir aber auf jeden Fall noch ein Messband zulegen.
Regula St.
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Regula St. »

Die Gerüstlöcher hatte ich in meinem letzten Beitrag vergessen: das sind die rechteckigen bis quadratischen Löcher, die in waagrechten Reihen an den Aussenmauern sichtbar sind. Hier wurden Stangen eingemauert, die die Gerüstbretter trugen, damit die Mauern weiter aufgebaut werden konnten. Nach der Vollendung des Baus wurden die Stangen bzw. Balken abgesägt. Der vorkragende Stein mit dem Loch dürfte, wie Du ja auch vermutet hast, eher zum Anbinden von Pferden oder so gedient haben.

LG Regula
Kuno
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Kuno »

Vielleicht wollte man auch einfach nur ein Loch zum durchschauen haben :mrgreen:
Werner Lenz
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Re: Libyen / Wadi Sofeggin

Beitrag von Werner Lenz »

Sorry, aber wenn ich die Dinger anschaue, erinnern sie mich an eine Mexiko-Reise anno 1980.
Die Mayas spielten durch solche Dinger ihr Ballspiel.

A weng off-topic; aber kam mir halt so.

Gruß
Werner
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