In Marokko ist der Fischhändler Mouhcine Fikri in einem Müllwagen ums Leben gekommen. Die Umstände seines Todes sind unklar. Der Fall hat landesweite Proteste ausgelöst, die größten Demonstrationen seit fünf Jahren. Der Zorn richtet sich gegen Machtmissbrauch, Korruption und die Willkür der Polizei.
Nicht viel Neues, aber wenigstens eine Zusammenfassung der vergangenen Tage und ein Ausblick auf die Lage in Marokko:
Bisher feierte sich Marokko als Hort der Stabilität. Unter der Regierung von Mohammad VI. blieb es auch im Arabischen Frühling weitgehend ruhig.
Seit Freitag ist das anders. Der gewaltsame Tod eines Fischhändlers treibt viele Menschen auf die Straßen.
Der König reagierte rasch, um die Lage zu beruhigen. Doch es sind weitere Proteste angekündigt.
[1] Ich habe trotz Adblock-Blocker der SZ dorthin verlinkt, weil ich gerade keinen besseren Text fand, und der Adblock-Blocker mit Noscript im Web-Browser ohne Einbuße umgangen werden kann.
Meldungen zu diesem Thema scheinen rar zu sein. Hier hat die Taz ein paar Sätze:
Drei Wochen nach dem grausamen Tod eines Fischverkäufers in einem Müllwagen in Marokko haben im Norden des Landes erneut hunderte Menschen gegen soziale Ungerechtigkeit protestiert.
Aktuell streiken einige Gewerkschaften, kommende Woche sind Streiks in Häfen und Schlachthöfen angekündigt. wenn alles nach Plan läuft soll es zu einer Verknappung des Fleisch- und Fischangebotes kommen.
40 Tage nach dem Tod Mouhcine Fikris gab es zu seinem Gedenken eine Riesendemo mit Zigtausenden Teilnehmern in Al Hoceima. Aus Solidarität blieben die Geschäfte geschlossen, Taxen und Busse transportierten Demonstranten kostenlos.Wie bereits die vorherigen Demos blieb auch diese friedlich. http://www.bladi.net/manifestation-al-h ... 46841.html
Gewaltsame Demos am 2. Juni in Imzouren, friedliche Proteste in el-Hoceima ...
Morocco: Young protesters clash with the police near al-Hoceima
A group of hundreds of young members of Hirak, the protest movement of al-Hoceima, skirmished with the security forces on 2 June in Imzouren. The protesters threw rocks at the police officers, who retaliated using tear gas and by dispersing the crowds, putting an end to the riots. In the meantime, in el-Hoceima, thousands of locals are holding peaceful protests to demand the release of the leader of Hirak, and the satisfaction of political, social and economic demands made by the movement.
Der marokkanische Frühling neigt sich dem Ende zu. Nun versucht der Staat, das Vermächtnis der letzten fünf Jahre des "marokkanischen Sonderweges" ungeschehen zu machen und die Uhr auf die Epoche vor der Ankündigung der Reformen vom 9. März 2011 zurückzudrehen. Ein Essay des marokkanischen Politikwissenschaftlers Mohamed Taifouri ...
In Marokko ist die Demokratie auf dem Rückzug. Dennoch wird im In- und Ausland immer wieder versichert, dass der Staat ungeachtet der Abberufung des ehemaligen Premierministers Abdelilah Benkirane im März 2017 weiter auf Reformkurs bleibt. Dies tut er aber lediglich nach eigenen Gutdünken und Maßstäben und hält dabei an seinem Credo von einer neuen Verfassung sowie vorgezogenen und neutralen Wahlen fest. Wer es aber hierbei belässt, hat offensichtlich nichts aus der modernen politischen Geschichte Marokkos gelernt. Fakt ist, dass jegliche Reformen in Marokko ausschließlich dem Regime dienen [...] Sogar die neue Verfassung, die für viele Beobachter einen praktischen Schritt in Richtung Demokratisierung darstellte, entpuppte sich sogleich als Manipulationsinstrument [...] Das Ergebnis: Öffentliche Demonstrationen werden von vielen Marokkanern als das letzte legitime Kommunikationsmittel im Umgang mit der Regierung begriffen. Denn inzwischen bekommen die Menschen immer mehr den Eindruck, dass sie nur noch dann gehört werden, wenn sie lauthals protestieren.
In Marokko sind erneut tausende Menschen für mehr soziale Gerechtigkeit auf die Straße gegangen. Die Teilnehmer der Kundgebung in der Hauptstadt Rabat forderten am Sonntag zudem die Freilassung politischer Gefangener. Die Polizei bezifferte die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 15.000, die Organisatoren sprachen sogar von einer Million ...
Bei Protesten in Marokko sind nach Behördenangaben innerhalb von zwei Tagen knapp 80 Polizisten verletzt worden. Zunächst seien am Montag in Al-Hoceima rund 50 Beamte verletzt worden, die meisten von ihnen durch Steinwürfe, verlautete am Mittwoch aus Behördenkreisen. Am Dienstag seien in der benachbarten Ortschaft Imzouren 29 Polizisten verletzt worden.
Ob bei den Ausschreitungen auch Demonstranten verletzt wurde ist aus der Presse nicht zu entnehmen.
Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
Seit einigen Wochen gibt es in Marokko Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der neuen Protestbewegung "Hirak El-Shaabi", die Autonomie, soziale Gerechtigkeit und die Freilassung der politischen Gefangenen in dem nordafrikanischen Land fordert. Informationen dazu von Mohamed Lamrabet ...
Die Protestserie in Marokko begann allerdings schon im vergangenen Oktober nach dem Tod des Fischhändlers Mohsin Fikri [...} Obwohl die Demonstrationen zwischenzeitlich abebbten, wurde innerhalb der marokkanischen Zivilgesellschaft seitdem kontinuierlich weiter mobilisiert. In öffentlichen Graswurzel-Debatten entwickelte man ein politisches Programm, welches Forderungen nach allgemeinen Sozialleistungen wie Bildung und medizinischer Versorgung, sowie die Freilassung politischer Gefangene, beinhaltet. Mittlerweile ist die Protestwelle weit über den Rif hinaus zu einer "Volksbewegung" angewachsen. "Hirak El-Shaabi" heißt sie und zeugt von einem umfangreichen Bewusstsein für politisches Empowerment und kulturelle Identität in Marokko [...] Mittlerweile haben die Proteste auch die Zentren der marokkanischen Elite, wie Rabat und Casablanca, erfasst. Über 100 führende Mitglieder der Bewegung wurden bereits festgenommen. Mindestens 25 von ihnen erhielten Haftstrafen von 18 Monaten Gefängnis.
Seit Oktober vergangenen Jahres kommt es vor allem im Norden Marokkos in der Provinz Al-Hoceima immer wieder zu Demonstrationen gegen die Regierung. Die Proteste richten sich gegen Arbeitslosigkeit, Polizeiwillkür und Korruption.
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
Rund 1.000 Menschen haben eine Online-Petition gegen den Bau der 3,2 Mio. Euro teuren neuen Youssef Ibn Tachfine-Moschee in Agadir unterzeichnet. Ihrer Meinung nach fehle es an Krankenhäuser und Schulen sowie deren Equipment, aber nicht an einer neuen Moschee ...
"We are in need of basic infrastructure, hospitals, schools, everything except a new mosque," the authors of the petition say. Extending over 8,712 square metres, the 'Youssef Ibn Tachfine' mosque is due to be built in the densely populated Haut Anza neighbourhood at a cost of nearly 3.2 million euros. Local residents have also sent a letter to King Mohammed VI, calling on him to be the judge of the situation. "Here the Youth Centre has been closed for a long time due to financial problems," they write. "The two small hospitals open for an hour or two per day, but they don't have medicines or structures for treating patients, there are no theatres or sports facilities, there have never been libraries and there isn't even a police station. We would like to draw attention to the exorbitant cost of a mosque that certainly isn't a priority for our neighbourhood."
Trotz der harten Linie, die der marokkanische Staat seit Jahren im Umgang mit islamistischen Extremisten verfolgt, gilt das maghrebinische Land noch immer als größter "Terroristen-Exporteur". Was läuft schief? Antworten von Ali Anouzla ...
Die erste Ebene ist der Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit, um dem Extremismus den sozialen Nährboden zu entziehen und die von Armut, Perspektivlosigkeit und Marginalisierung geprägten Brennpunkte zu beseitigen, die solche Jugendlichen hervorbringen, die dem Extremismus anheimfallen.
Die zweite Ebene des marokkanischen Plans zur Extremismusbekämpfung ist gesetzlicher Natur: 2003 wurde ein strenges Anti-Terrorgesetz erlassen, infolge dessen es allerdings mehrfach zu Repressionen kam, die von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wurden.
Drittens setzt Marokko vor dem Hintergrund des Anti-Terrorgesetzes auf ein hartes Vorgehen des Sicherheitsapparats im Kampf gegen den Extremismus.
Die vierte Ebene der marokkanischen Strategie zur Extremismusbekämpfung ist ein großangelegtes Projekt zur Neuausrichtung des religiösen Sektors.
Nach einem Erdrutsch am 21. Dezember in einer illegalen Mine in der Provinz Jerada wurden zwei Minenarbeiter im Alter von 23 und 30 Jahren getötet. Am 23. Dezember sind die sozialen Unruhen in der Region dann eskaliert ...
Morocco: Two miners killed in landslide, social unrest escalates
Following a landslide at an illegal mine in the province of Jerada on 21 December, two miners aged 23 and 30 were killed. On the 23rd, social unrest started escalating in the area as hundreds of locals have been rallying outside the province headquarters, not only to condemn the alleged absence of reaction from the authorities the victims, but also to denounce the difficult socio-economic conditions in the area.