TGerd hat geschrieben:Tja ...
das ist eben der Unterschied zwischen Konserve (wasch mich, aber mach mich nicht naß) und dem faszinierenden Geschmack des wirklichen Lebens.
Hört sich gut an - Klaus Störtebeker in den Diensten des Bey von Tunis!
Wer sich aber mal ein echtes Vergnügen leisten will, der sollte hoffen, während der Zeit, wo die Habib im Dock liegt, mit einem von der CTN ersatzweise gescharterten Schiff zu fahren.
Glücklicherweise habe ich den Namen vergessen, deshalb nur den Steckbrief: Ein proper wirkendes Schiff mit auffällig glitzernd-gläsernem Fahrstuhl Mittschiffs. Breite Decks und frohe Stimmung an Bord - im Hafen! Dann in den bekannten Breiten mit den geschätzten Gewaltwellen die übliche Berg-und Talfahrt, bei der auf Deck die tosenden Elemente die verlorengegangene Einheit von Mensch und Natur schnell wieder herstellen. Es war der Moment, wo ich mich - sehr gesammelt - beim noch ansprechbaren Personal der Provinienz des Schiffes versicherte: Es war ein als Inselhüpfer gebautes Schiff, welches die griechischen Gewässer normalerweise nie verließ. Dort aber herrschen andere Winde, der Meeresboden scheint eine andere Struktur zu besitzen, allfällige Felsen und Grotten dicht unter der Wasserlinie rufen nach konstruktiver Breite, nicht nach stabilisierender Tiefe. Der Kahn besaß fast keinen Kiel!
Was sich dann in Quer-und Scherwellen abspielte, erreichte bislang unbekannte Dimensionen. Von dem, was der Magen unentwegt erneut vorlegte, war längst keine Rede mehr, hier ging's ganz einfach um finale Hoffnung! Eintauchen, Auftauchen über Bug und Heck - dafür hatten wir ja bezahlt. Nun aber ging es fast nur noch seitwärts nach links und rechts: hinab zu den Fischen über die gesamte Breite und wieder empor zum versperrten Himmel, der grauschwarz mit dem wühlenden Wasser zusammenfloß.
Für diese hinterhältigen Schläge mit dem enormen Seitwärtshub fehlen der menschlichen Anatomie einfach einige Jahrtausende Entwicklungsgeschichte. Ich hatte mich auf's hintere Deck begeben und genau auf der Mittellinie des rollenden Schönwetter-Dampfers Position bezogen. Neben mir stand ein bleicher Mensch, dessen Zigarette nicht vom Rauchen kürzer wurde: Er spuckte immer wieder ein abgebissenes Stück in die Gischt. In solchen Momenten ist es schön, nicht allein zu sein. Ich frage also nach Woher und Wohin. "Ich gehöre zur Mannschaft vom Frachter .... (Namen habe ich vergessen), der in Tunis liegt. Nie, niemehr fahre ich mit so einem Schiff - eher fliege ich!", stieß er gequält, mit dem letzten Rest verfügbarer Wut, hervor.
Und ich bin seither gänzlich davon überzeugt, daß ich den "faszinierenden Geschmack des wirklichen Lebens" anderswo bekömmlicher dégustieren sollte!
