Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

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Stefanie
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Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von Stefanie »

Aufgrund einer "Beweiskette" wird die Behauptung aufgestellt, dass sowohl Aegypten (vertreten durch Tantawi und die Moslembrueder) als auch die USA ein "pakistanisches Regierungsmodell" dem tuerkischen vorziehen...:
Tantawi war als Militaerattachee in Pakistan,
die US-Botschafterin, die erst kuerzlich nach Kairo abgesannt wurde, war vorher in Pakistan,
und in der letzten Woche fanden intensive Gespraeche zwischen Kerry und den Moslembruedern (und nur denen!) statt...

Is Egypt becoming another Pakistan?
http://www.almasryalyoum.com/en/node/552851

Wenn ich an Pakistan denke, so denke ich u.a. an El Kaida...
Was faellt euch dazu ein??? Ist das "pakistanische Modell" ein gutes Modell, wenn das Militaer die letzte Entscheidungsmacht bleibt?
Gruesse aus Baharia
Stefanie

Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
Alexander
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Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von Alexander »

Dass es den Amis und dem SCAF gut passen würde, pakistanische Verhältnisse zu implementieren, kann ich mir gut vorstellen. Bei den Islamisten bin ich mir allerdings nicht sicher.

Pakistan wird, wie derzeit Ägypten, vom Militär regiert. Pakistans Militär hat Präsidenten geputscht und andere eingesetzt. Die eigentliche Macht ging immer vom Militär aus.

Den Amis gefällt die Idee, da das Militär die Islamisten im Auge behält und leichter "vorhersehbar" ist. Amerika fürchtet die Islamisten wie der Teufel das Weihwasser. Sie sind der erklärte Feind der USA.

Keine Frage, dass dieses Regierungsmodell auch der SCAF entgegen kommt. Festigt es doch ihre Macht und sichert weiterhin Militärhilfe aus den USA.

Wo da allerdings die Islamisten jetzt reinpassen, erschließt sich mir derzeit noch nicht.

Grüsse
Alexander
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Wolfgang K
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Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von Wolfgang K »

Der Artikel ist ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Pakistan ist de facto eine Militärdiktatur und das „türkische Modell“ besteht darin, dass die Türkei de facto lange eine Militärdiktatur war. Das sogenannte „türkische Modell“ gibt es in meinen Augen nicht. Es ist ein derzeitiger Übergangstatus von einer Militär Diktatur zu einer Demokratie, die sich jetzt mit konservativen Inhalten füllt, und niemand genau sagen kann wo es hingeht. Das wäre auch für Ägypten ein Weg, den wird aber nicht geben (siehe unsere Diskussion zum Thema Verfassung). Was die Türkei für viele Muslimische Länder so attraktiv macht ist die Verbindung von Erfolg und einer gewissen (wirtschaftlichen) Modernität und dem religiös - konservativen Kurs von Erdogan. Dabei wird aber vollkommen ausgeblendet, dass Erdogans Politik (Religion, regionale Machtexpansion) durch die vorangegangen Modernisierung erst möglich wurde. Hier lebt seine Politik von einer Substanz die anderen Ländern fehlt - und: der noch existierenden Trennung von Religion und Saat
Wenn Ägypten zur Überwindung der Militärdiktatur einen religiös konservativen Kurs (und in Anbetracht der Erfolge der Salafisten ist das eine euphemistische Bezeichnung) einschlägt wird man feststellen, dass die Militärregierung nicht genug Konkursmasse hinterlassen und oder die Vorsehung auch nicht genug Öl in den Boden getan hat, die ein „back to the roots“ finanzieren würden.

Ein „pakistanisches Modell“ kann ich mir nicht vorstellen, eher ein „algerisches Modell“ in dem in letzter Sekunde die Wahl „verschoben“ – wenn nicht mit Gewalt dann aus „Sicherheitsgründen“. Anschließend 10 Jahre Kleinholz. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich das Militär seine unglaubliche Privilegien und Besitztümer nehmen lässt.

Grüße
Wolfgang

PS.: da in einem anderen Fred wieder mal das leidige Thema aufkam: Es geht mir nicht darum hier den Ländern des „Arabischen Frühling“ irgendwelche Ratschläge zu erteilen oder irgendwelche normativen Aussagen zu machen. Mir geht es nur darum Meinungen und Erwartungen über die zukünftige Entwicklung auszutauschen.
Stefanie
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Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von Stefanie »

Wolfgang,
ich sehe es eigentlich so wie du - nur mit etwas Hoffnung, dass ich Unrecht habe, die Armee betreffend!

Was ich zwischenzeitlich so ueber Pakistan gelesen habe, so kann alleine diese im Artikel genannte Verknuepfung von Ereignissen auch aus meiner Sicht nicht den "Wunsch" nach pakistanischen Verhaeltnissen belegen.

Ich hatte auch so boesartige Gedanken wie: den Al-Kaida-Chef haben wir ja nun schon, ist schliesslich Aegypter...da koennen wir ja nun auch hier ein paar Trainigscamps einrichten :wink:

Ich sehe, wie Alexander, auch die Rolle der Islamisten nicht so wirklich. Den meisten von ihnen waere sicher ein "zweites Saudi Arabien" lieber...allerdings sind wir noch so weit vom Reichtum entfernt, wie der Teufel vom Weihwasser. Das wenige Oel wird nicht helfen - na ja, etwas Gold kommt nun dazu... - auch nicht genug, bei mehr als 80 Mio Menschen!

Das mit dem "tuerkischen Modell" ist ja eigentlich recht witzig (habe ich glaube ich auch schon an anderer Stelle geschrieben)...Als Erdogan hier war und seine Rede hielt, wurde er zu allererst von den MB bejubelt...bis er zu dem Punkt der Trennung von Religion und Staat kam...da haben viel den Saal verlassen! Im Rahmen der Wahl wird aber immer wieder von Seiten der MB genau auf die Tuerkei verwiesen. Sie wuerden sich an diesem Modell orientieren wollen...

Ich persoenlich moechte eigentlich weder ein 2.Pakistan, noch eine 2. Tuerkei. Ich will aber auch keine 2.USA oder ein 2.Deutschland... Ich moechte einfach ein Aegypten, das einen fuer sich passenden Weg einschlaegt - egal, was im Westen, Osten, Norden oder Sueden dazu gesagt wird. Natuerlich darf dieser Weg nicht andere Laender bedrohen... Wenn dieser Weg die eigenen Menschen bedroht (durch Folter, "Vollvermummung", "Gurkenverbot" .....), dann ist es wieder an den Aegyptern sich dagegen aufzulehnen...
Gruesse aus Baharia
Stefanie

Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
schu achbar ?

Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von schu achbar ? »

Gefährden kann uns in Europa ein streng islamischer Gürtel über ganz Nordafrika eigentlich nur durch etwas Druck in Kombination mit unseren eigenen Schleimspurpolitikern. Die Schweiz wird das vielleicht wegen des Minarettverbots am ehesten bemerken , wenn sich Nordafrika organisiert hat und sich um Aussenpolitik kümmern kann.
Ich bin mir sicher unsere ganze Politkaste kippt sofort um , wenn der Ton aus Nordafrika schärfer wird.
Wenn die Salafis und die "Freiheit u. Gerechtigkeits" Brüder und Schwestern weiterhin den Durchmarsch schaffen, dann ist der Friedensvertrag mit Israel nur noch für den Kamin.
Sollte sich in Zukunft wegen ein paar Vergeltungsschlägen auf den Gazastrefen nach den Freitagsgebeten die Lage in Ä. so hochschaukeln, das 10 tausende die Grenze stürmen und die neue Regierung feuert das noch an - es wäre sicherlich gut wenn das Militär das letzte Wort hätte.
Genau wie früher in der Türkei, aber Erdogan hat das ja inzwischen geschickt ausgehebelt.
Guido3

Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von Guido3 »

Die Türkei kann derzeit wegen des Wirtschaftswachstums außenpolitisch vor Kraft kaum laufen und gilt aktuell als das leuchtende Erfolgsbeispiel für den Nahen Osten und den Maghreb. Ob das wirklich so ist, wird man wohl erst in 10 Jahren beurteilen können.

Der Wohlstand ist in der Türkei in den letzten Jahren stark gewachsen. Es spricht aber Einiges dafür, dass das nicht nachhaltig ist und in den nächsten Jahren implodiert. Triebfeder des Wirtschaftswachstums sind vor allem die Baubranche und der private Konsum. Beides zu großen Teilen kreditfinanziert. Die Wirtschaft wuchs zuletzt um 11 Prozent, die Kredite wuchsen um 36 Prozent. Nur wenige Branchen sind international wettbewerbsfähig. Türkische Unternehmen haben laut OECD im Schnitt eine geringere Produktivität als portugiesische und griechische Firmen. Die Türkei hat ein riesiges Außenhandelsdefizit und die Importe wachsen weiterhin schneller als die Exporte. Usw. usf. Das sind eigentlich alles Symptome, die langfristig zu ähnlichen Krisen wie in Griechenland, Portugal, Spanien oder den USA führen müssen. Die Staatsfinanzen der Türkei sind derzeit aber noch sehr in Ordnung. Das waren sie in Spanien bis zum Kollaps des Baubooms und dem Ausbruch der Krise aber auch.

Wenn Erdogan noch 1-2 weitere Perioden im Amt bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit nicht so gering, dass die Wirtschaft noch in seiner Amtszeit kollabiert und Erdogan davon gejagt wird.

Beste Grüße

Guido
schu achbar ?

Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von schu achbar ? »

Die Fakten von Guido sind richtig und sehr gut dargestellt.
PeterM
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Registriert: Di 4. Mär 2008, 11:53
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Re: Wird Aegypten ein zweites Pakistan???

Beitrag von PeterM »

Wenn wir über ein Modell Pakistan sprechen (was immer sich die Erfinder der Idee dabei gedacht haben), so sollten wir die "Islamisierung" unter Zia ul-Haq nicht aus den Augen verlieren: Das war die Zeit, in der ein Religionsverständnis, das ohne Umma auskommen konnte (aufgrund der Geschichte als Minderheit im nicht mehrheitlich islamischen Vizekönigreich) und musste, durch eine - sagen wir höflich - "sehr saudische" Variante verdrängt wurde. Passend sind dazu auch die Berichte über die saudische Finanzierung der Salafisten.

Die gute Frage dazu ist, warum das im Interesse der agyptischen Militärs und ihrer amerikanischen "Freunde" sein soll; allerdings kann ich mir vorstellen, dass letztere noch immer nichts gelernt haben und glauben, dass eine religiös geprägte Diktatur wie die bei ihren saudischen Geschäftspartnern auch anderswo funktionieren kann und die "feindlichen Islamisten" nur dort Platz haben bzw. Einfluss gewinnen, wo das Regime nicht "religiös genug" ist..

Grüsse
Peter
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