Nun hieß es warten, bis der Flug TK 1526 nach Istanbul zum Einsteigen aufgerufen wird, die Zwischenstation zur Final Destination Ägypten.
Die Wartezeit verkürze ich mir mit dem Kriminalroman "Die dunklen Strassen von Kairo" von Parker Bilal und stimme mich damit schon mal auf meinen Ägyptenurlaub ein.

Ich schaue immer häufiger auf die Uhr und irgendwann erschallt die Stimme aus dem Lautsprecher: Ladies and gentlemen. Your flight TK 1526 to Istanbul is ready for boarding...

Verpflegt wird im Flieger wahlweise mit Chicken oder Kebab. Ich entscheide mich für das türkische Gericht, das mit Sicherheit besser schmeckt, als die Atlas Forelle, die bei der Royal Air Maroc serviert wird.

Ankunft und Einreise in Ägypten erfolgen ohne Probleme. Ich bin der einzige Tourist am Flughafen...

Da ich gegen 2:50 Uhr in Kairo ankomme rechne ich damit, dass ich von der Ausgangssperre betroffen sein werde. Ein freundlicher Flughafenangestellter im Anzug erklärt mir, dass immer noch die Ausgangssperre gilt und er mir ein Hotel vermitteln könnte, ohne mich darauf hinzuweisen, dass es auch Taxis gibt, ausgestattet mit einer entsprechenden Lizenz, die berechtigt sind, auch während der Ausgangssperre nachts fahren zu dürfen. Ich lehne dankend ab und mache mich auf den Weg zum Taxistand. Dort werde ich von einem Fahrer angesprochen. Er erklärt mir, dass er auch während der Ausgangssperre fahren darf. Für die Fahrt zum Busbahnhof Midan Torgoman verlangt der Fahrer 400 LE. Der Normalpreis liegt im Bereich um die 100 LE. Ich erkläre dem guten Mann, dass ich mich nicht zum ersten Mal in Ägypten aufhalte und die gültigen Preise durchaus kenne. Prompt reduziert er den Preis auf 250 LE, was mich immer noch nicht zufrieden stimmt. Der Fahrer erklärt mir, dass das Geschäft seit der Revolution ohne Touristen kaum noch läuft und er einer der wenigen Fahrer wäre, die eine Lizenz für die Ausgangssperre besitzen. Wir verhandeln nochmals über den Preis und ich erkläre mich bereit 150 LE zu zahlen, gebe ihm nach Ankunft aber noch ein Bakschisch.
Die nächtliche Fahrt durch Kairo ist beeindruckend. Noch nie habe ich Kairo so menschen- und fahrzeugleer erlebt. Es gibt keine Drängen, kein Hupen. Alle paar Kilometer passieren wir einen Militärkontrollposten, die mit Panzern ausgestattet die Einhaltung der Ausgangssperre kontrollieren. Um einigen Kontrollstellen auszuweichen, fährt mein Taxifahrer durch kleine Gassen, abseits der Hauptstrassen. Schließlich kommen wir am Busbahnhof an, der aufgrund der Ausgangssperre bereits geöffnet hat, um die Busfahrer nicht im Freien stehen zu lassen.
Neben meinem eigentlichen Trip mit der Wüstenkarre...
... interessiert es mich auch, was sich am Tahrir Square verändert hat. Bei meinem Besuch vor zwei Jahren war der Platz noch von Menschen bevölkert, Gruppen, die über die politische Situation und die Revolution diskutierten. Heute ist der Platz fast menschenleer. Viele Geschäfte haben geschlossen. In jeder Strasse, die zum Tahrir hin oder weg führt, stehen mindestens drei Panzer. Die Strasse neben der alten Amerikanischen Universität wird sogar von vier Panzern komplett gesperrt. Etwas 20 Panzer wurden am Tahrir an verschiedenen Stellen stationiert. Eine weitere Strasse neben der Uni wurde mit einer mehreren Meter hohen Mauer und grossen Steinquadern unpassierbar gemacht. Es gehen Gerüchte um, dass das Militär den symbolträchtigen Platz komplett für die Öffentlichkeit schließen will.
Auf der Rückfahrt von Baharia treffe ich einen Studenten, der neben seinem Studium für das Gesundheitsministerium arbeitet. Mohamed bietet mir an, die letzten Tage meines Urlaubs zusammen mit ihm und seinem Bruder zu verbringen. Ein Angebot, das ich nicht abschlagen kann
Am Abend streifen Mohamed und ich durch die engen Gassen von El Behous in Giza. Ein Laden, Markt, Teehaus oder Restaurant reiht sich an den anderen. Ich werde in die kulinarischen Geheimnisse Ägyptens eingeweiht. Wer hat schon mal panierte und fritierte Leber oder Hirn in Fladenbrot gegessen oder wer weiß, wie frisch gepresster Zuckerrohrsaft schmeckt?
CC die Abkürzung für Sisi und darunter in arabisch in etwa: I like Sisi. Wobei ich Zweifel hege, ob Sisi wirklich so beliebt ist.


Kunst am Flughafen Kairo, der dieses Jahr sein 50jähriges Jubiläum feiert.

Auch wenn der Flughafen Kairo schon auf die Weihnachtszeit vorbereitet wird, will bei mir keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Geht man an dem Nikolaus vorbei, fängt er wie ein Parkinsonpatient zu zappeln an und bringt Weihnachtslieder zum Besten

Mit dem Sonnenuntergang am Flughafen endet auch mein Aufenthalt in Ägypten.

Während meines Ägyptenaufenthaltes wurde ich weder angegriffen noch ausgeraubt oder bedroht. Offensichtlich ist es aber, dass immer wieder versucht wird, Touristen überhöhte Preise aufzutischen. Das nervt teilweise, besonders wenn es mehr als offensichtlich ist und die überhöhten Preise teilweise mit einer Unverfrohrenheit offeriert werden.
Auch wenn die politische Lage in Ägypten immer noch volatil ist und es bei Demos zu gewaltsamen Ausschreitungen kommt und Militär und Polizei Gewalt weit jenseits der Verhältnismäßigkeit einsetzen, halte ich immer noch an meiner Meinung fest, dass Ägypten für den Touristen ein sicheres Reiseland ist. Das gilt für mich besonders für die Oasen und grenzfernen Wüstengebiete. Auch in Städten wie Kairo sehe ich keine Probleme, insbesonders, wenn man gewisse Regeln beachtet und man erst gar nicht die Gelegenheit für Diebstähle bietet.
Die Einkommenssituation der Bevölkerung ist nach wie vor prekär. Während sich die Tourguides mit Hilfe ihrer Familien in den Oasen noch über Wasser halten können, leben die Menschen in den Touristencentren wie Luxor teilweise schon unterhalb der Existenzgrenze. Dort hofft man dringendst darauf, dass die Touristen bald wieder zurückkehren.
Ich freue mich jetzt schon darauf wenn es wieder heißt: Ladies and gentlemen. Your flight to Kairo is ready for boarding...
Grüsse
Alexander





