Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

In diesem Bereich kannst du deine persönlich Meinung zur Sicherheitslage im Sahara/Sahel Gebiet sowie für die übrigen Regionen veröffentlichen. Sie kann, neben Presse und behördlichen Auskünften, zur Meinungsbildung und Entscheidungshilfe dienen.

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Jürgen
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Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Jürgen »

Aus gegebenen Anlaß http://wuestenschiff.de/phpbb/viewtopic.php?t=36649.
Wäre es nun angebracht hier an dieser Stelle über die Sicherheitslage im Maghreb weiter zu diskutieren.
Es gibt Leute die WISSEN ALLES - es gibt Leute die WISSEN es BESSER - aber am schlimmsten sind die die meinen ALLES BESSER ZU WISSEN!

Mitglied der DTG
Ich war Tot, wurde aber wieder geholt. Gott sei Dank oder leider :!:
Wolfgang K
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Wolfgang K »

@ GG und Unimurr

Die unterschiedliche Risikobereitschaft einzelner Reisender ist sicher ein überzeugender Grund für die unterschiedlichen Entscheidungen an einen bestimmten Ort zu fahren. Auch, dass durch einen möglichen Vorfall erst mal Verunsicherung und gesteigerte Vorsicht herrscht ist ein Zeichen von Verstand.

Was mir aber nicht so einfach in den Sinn will ist die plötzliche und krasse Warnung. Wer jetzt in Tunesien ein anderes Sicherheitsempfinden als vor einem Jahr hat, der hat sich entweder in der Vergangenheit etwas vorgemacht oder ist jetzt der Panikmache aufgesessen. Jedenfalls passt es nicht zusammen.
Über das tatsächliche Risiko kann man nur schwer eine Aussage machen und eine klare Empfehlung wäre auch schon vor Jahren schwer gewesen. Solche Vorfälle (sofern dies ein „solcher“ ist, was ich noch nicht ganz glaube) werden in weinigen Jahren auch in Europäischen Ländern ein Teil des Alltags sein, bzw. sind es schon, sonst wäre London menschenleer.

Ich bin persönlich nicht besonders mutig, bin aber auf der anderen Seite nicht bereit den Bärtigen und den Panikmachern das Feld überlassen. Das würde man sonst auch bald auch im Heimatland tun müssen – und da geht es dann nicht mehr ums Vergnügen.

Terror „funktioniert“ nicht über tatsächliche Bedrohung, sondern über die Angst die er erzeugt. Entführte, Verletzte und Tote sind Opfer von Gewalttaten, Oper des Terrors sind die, die sich von ihm einschüchtern lassen. Ich bin relativ viel unterwegs, und das nicht nur zum Vergnügen und nicht nur im Maghreb. Wir haben es hier mit Risiken zu tun, die einfach mehr oder weniger zum Alltag gehören werden, auch in Europa. Ob ich beruflich in Madrid, London, Tripolis oder privat in Tunis bin spielt eigentlich keine Rolle, da das alles Teil meines Lebens ist. Wenn da ein Risiko besteht, kann ich das nicht ändern.

Ich kann nichts heroisches daran erkennen, sich bewusst einem erhöhten Risiko auszusetzen und man muss abwägen, wann man den Schwanz einzieht, aber es darf kein Reflex werden.

Ich hoffe jedenfalls für die Vermissten und die Tunesier, dass sich dieser Mist bald mit gutem Ausgang aufklärt.

Grüße
Wolfgang
Wolfgang K
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Wolfgang K »

Jürgen hat geschrieben:Aus gegebenen Anlaß http://wuestenschiff.de/phpbb/viewtopic.php?t=36649.
Wäre es nun angebracht hier an dieser Stelle über die Sicherheitslage im Maghreb weiter zu diskutieren.
Was aber eigentlich ein einem nicht öffentlichem Teil des Forums geschen sollte. Könnte man das korrigieren ?

Grüße
Wolfgang
Roger-Tecumseh
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Hallo "Alter G.G.-Speer" - schau doch mal in Dein Postfach! :)
schnorr
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von schnorr »

ob, oder ob nicht - schwierige frage. ich für meinen teil möchte erst einmal mehr informationen, was wirklich genau geschehen ist.

ich war zur gleichen zeit wie die beiden halleiner in südtunesien und hätte sie auf der fähre zurück treffen können.

ich habe natürlich nichts mitbekommen von der situation, sondern habe unbeschwert mein abenteuer in der einsamkeit durchführen können, und bin ungekidnappt nach hause gekommen.

und dennoch schleicht sich bei mir ein mulmiges gefühl ein, dass es mich und meinen mitreisenden auch hätte passieren können!

dies wird mich wahrscheinlich nicht davon abhalten, wieder nach tunesien zu reisen, aber erst einmal, nachdem klar ist, was genau passiert ist und wie es dazu hat kommen können, und wo es geschehen ist.

bisher wird nur ins blaue hinein diskutiert, ob tunesien sicher ist oder nicht, ob sie überhaupt in tunesien gefangen wurden oder ob nicht, wurden sie überhaupt gefangen, stellen einige ihre frage, die passdaten kann man auch vorher geklaut haben, usw, usw.......trittbrettfahrer oder nicht......

für mich zu viel unklarheiten und interessen, die ich nicht kenne, um überhaupt eine meinung zur sicherheitslage in tunesien haben zu können.

deshalb für mich: erst einmal mehr gesicherte informationen, dann entscheiden ob reisen ohne großes risiko möglich ist.

bis ich diese infos nicht habe, würde ich meine reise nicht antreten (was mir im herbst, wenn es bis dahin immer noch nicht gesichert ist, passieren kann :? )

ich lasse mich auch gerne von abenteurern, die das risiko eingehen (und franz - du entscheidest das auch für deine familie mit, oder?)
als übervorsichtig oder angsthase titulieren. bitte schön, gerne.
Viele Grüße
Jörg

meine Reisen unter http://jschnorr.com/
martääh
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von martääh »

hallo!

um ins allgemeine gesabbere einzustimmen:

die zwei halleiner sind ja anscheinend anhand der informationslage hier im forum (in der presse hab ich davon noch nichts gefunden) vermutlich illegal nach algerien eingereist und das ohne visum. liest sich für mich, als ob jemand die strecke von bir guendouz nach nouhadhibou zu fuß und mit einer marschzahl unter nichteinbeziehung der grenzposten und der piste geht und sich dann nach 400m wundert, warums ihn zerreißt.

genau wie die 3-4 franzosen, die bei dem attentat (überfall, mordanschlag, zufall?) in aleg ihr leben ließen, sind sie wohl auch ein zu großes risiko eingegangen und haben sich verkalkuliert - die franzosen hatten halt zur falschen stelle am falschen ort die falsche menge geld wohl zu öffentlich hergezeigt - auch wenn die mörder in ihren aussagen lieber als märtyrer, die die morde aus religiöser überzeugung durchführten, dastehen wollen, glaube ich eher an finanzielle gründe.

in diesem fall waren wohl die österreicher zur falschen zeit am falschen ort und passten wohl ins beuteschema von irgendwelchen banditen. dass dies nun von der gspc oder wem auch immer zu propagandazwecken missbraucht wird klärt leider nicht auf, wer wirklich dahintersteckt.



ich bin übrigens heuer am tag, als die dakar abgesagt wurde, also gut 10 tage nach den morden in aleg in die RIM eingereist und habe dort 10 sehr schöne tage verbracht. denke, dass derzeit auch ein paar touristen, sei es nun an der marokkanisch-algerischen grenze oder in tunesien eine schöne zeit verbringen und halt nicht zu fuß das minenfeld durchqueren sondern auf sicherem terrain dahingleiten.


grüße

m
PieRossi
Beiträge: 76
Registriert: So 2. Apr 2006, 20:33

Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von PieRossi »

Franz (UNI)Murr hat geschrieben:...Die gleiche, kollektive Bejammerung der Wüstenfahrer ist dort nachzulesen, dass wegen ein paar böser Buben nicht mehr unbeschwert "sandgespielt" werden kann.... Zum Reisen in der Sahara: Mut ist nicht immer, wie hier schon erwähnt wurde Dummheit, sondern viel mehr sich über irrationale Ängste hinweg setzen zu können und mit klarem, wachen Verstand Unterwegs zu sein. wer wegen einer unbestätigten Entführung Tunesien als zu gefährlich brandmarkt, nimmt nicht mehr war, welchen Gefahren er sich zuhause täglich in weit größerem Umfang aussetzt..... Ich überlege mir sehr gut, wo und wie ich unterwegs bin. Ich werde mir so schnell nicht meine Bewegungsfreiheit einschränken lassen. In dem ich mich ängstlich zurück ziehe, haben die Terroristen genau das erreicht, was sie wollen. Angst erzeugen und die Region destabilisieren....Warum jeder verbrecherische Vorfall im Maghreb Panik auslöst, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht kann mich da ein Psychologe über die Mechanismen in den Köpfen aufklären...Möge das Sperrgebiet offen bleiben für die, die sich nicht kollektiver Ängste beugen. Algerien kann ich mir bedauerlicherweise nicht mehr leisten...
Gefahrenwahrnehmung ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Dank einem Airbag fühlen sich einige sicher und eine abgelaufene Versicherung kann Gedanken an Unfälle und andere Risken und damit auch Ängste auslösen. Und: Es gibt immer noch Leute, die rauchen, ohne Todesängste auszustehen. Andere wiederum würden aus Angst vor einer Panikattacke um keinen Preis einen Fahrstuhl betreten. Was uns Angst einflösst und was nicht, ist sowohl individuell als auch gesellschaftlich bedingt und wird ganz wesentlich durch die Medien portiert.

Grundsätzlich ist es aber so, dass eine ernste Bedrohung bei (gesunden) Menschen (und Tieren) Angst und/oder Aggressionen und in einer leichteren Form sorgenvolles Abwarten oder eine waghalsige "Flucht nach vorne" auslöst. Zum Glück überwiegen bei Bedrohungen bewusste Ängste und Sorgengefühle, sonst wäre der Fluss der Evolution nämlich schon lange zum Erliegen gekommen. Bedrohungen führen zuerst immer einmal zu Hilflosigkeits- oder Ohnmachtsgefühlen, nur werden diese nicht immer bewusst erlebt. Vor allem Männer neigen sozialisationsbedingt vermehrt dazu, bei Bedrohungen mehr oder weniger aggressiv zu reagieren (Beispiel im Text von oben: "...lasse mich in meiner Bewegungsfreiheit nicht einschränken"). Einige versuchen damit, elementare Bedohungs- und Unsicherheitsgefühle zu umgehen und direkt auf eine Handlungsebene zu gelangen. Das Verdrängen der Bedohung bzw. der Gefahren lässt dann so manche unvorsichtig werden. Und durch die "Flucht nach vorne" setzen nicht wenige sich und andere dann mehr oder weniger grossen Risiken aus.

Objektive Risiken und subjektive Bedrohungsgefühle wahrnehmen und bewusst damit umgehen hat nichts damit zu tun, ängstlich zu kapitulieren und muss in keiner Weise heissen, sich "kollektiven Ängsten" zu beugen. Und mutig ist man meinem Empfinden nach nicht dann, wenn man sich über irrationale Ängste hinwegsetzt, sondern wenn man die eigenen Bedrohungsgefühle sowie die Angst- und Riskogedanken bewusst reflektiert und abwägt. Jeder mutige Bergsteiger, jeder Abfahrtskifahrer und jeder Fallschirmspringer hat innerlich Zugang sowohl zu seinen Angstgefühlen als auch zu seinen Risikoerwägungen. Sicher, in Londons Bahnhöfen ist es um ein Vielfaches gefährlicher, als in Tunesien. Nur ändert das leider nichts daran, dass die durch Terrorismus bedingten Risiken für uns Individualtouristen in Nordafrika grösser geworden sind. Für viele von uns bedeuten diese Reisen sehr, sehr viel. Das Wissen darum, sich nunmehr auch in diesen Ländern nicht mehr „frei“ und „sicher“ zu fühlen, ist für viele Reisende ein trauriger und erschreckender Gedanke, der bei vielen auch Hilflosigkeitsgefühle auslöst. Ich denke, wir sollten diese Gefühle zulassen und ein Weg finden, mit diesen Emotionen und den realen Risiken bewusst umzugehen. Meine im April in Marokko geplante Route, welche u.a. eng der algerischen Grenze entlang führen würde, wie bereits 2003 nun aus Vernunftsgründen wieder nicht fahren zu können, beelendet mich schon. Und wenn ich an die Folgen für all jene denke, die in diesen Ländern von uns leben, fühle ich mich noch mieser. Und wenn ich mir schliesslich vor Augen halte, dass ich es ja wusste, dass es nicht eine Frage war, ob es wieder zu Entführungen kommt, sondern wann, dann stocken Atem und das Weiterdenken...

Die im Posting von Franz postulierte „Flucht nach vorne“-Reaktion halte ich für problematisch: Und zwar vor allem deswegen, weil Risikowahrnehmung und Mut gegeneinander ausgespielt werden. Das kann dann wirklich gefährlich werden. Soweit meine Meinung als Nordafrikareisender und Psychologe.
Zuletzt geändert von PieRossi am Do 13. Mär 2008, 20:52, insgesamt 2-mal geändert.
Maudarua
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Maudarua »

Hi zusammen,

es ist schon eine höchst interessante Diskussion. Ich bin auch schon eine Weile am Überlegen, ob ich derzeit nach TUN reisen würde oder nicht (vgl.
Argument v.a. Pr - Contra von Gerhard und Franz mit Anmerkung von TGerd sowie RieRossi weiter oben). Nun ich bin mir nicht und werde mir wohl auch nicht die nächsten Tage schlüssig sein. Generell hänge ich die Entscheidung an der Verantwortung auf, Verantwortung mir allein gegenüber - damit wird die Entscheidungsfindung rel. leicht.
Verantwortung meiner Familie gegenüber - da wird´s schon schwerer, denn ich möchte meiner Tochter ja auch eine "andere Welt" als unsere "heile" zeigen, Ich möchte ihr vermitteln und zeigen,dass auf dem anderen Kontinent auch Menschen leben mit eigener Kultur, eigener Religion, anderem Aussehen, anderen Sitten und Gebräuchen....und ich möchte ihr die Möglichkeit geben sich ihr eigenes Bild von diesen Völkern zu machen und nicht nur die Sichtweise unserer Medien zu sehen und hören.
Dann gibt´s da noch die Verantwortung gegenüber den, wenn ihr so wollt, Dritten gegenüber. In diesem Fall den Bewohnern des Reiselandes, die oft auf den Tourismus angewiesen sind, aber auch den Menschen gegenüber, die u. U. indirekt von meinem Handeln betroffen sind.
Klar ist es in Europa nicht ungefährlicher und wie TGerd schon schrieb, so eine entsicherte MP direkt an der Schläfe hat schon was, egal ob im damaligen Ostberlin, in Montenegro oder in Londonderry zu IRA´s Zeiten. Der Unterschied hierbei ist der, dass wir damals als Touristen in diese Situationen hineinstolperten und jetzt aber aktuell in TUN durch die terror. Szene ganz gezielt gegen Touristen vorgegangen wird. Damit würden wir uns im Falle einer Reise in solche Gebiete ganz klar und vorsätzlich dieses Risiko in Kauf nehmen. Spielen wir den Gedanken mal weiter und gehen von einer Entführung aus. Konsequent wäre es dann diesen Weg auch bis zuletzt auf eigenes Risiko zu gehen, egal wie es ausgeht. Das heißt aber auch das eigene Leben u. ggf. das der Mitfahrer bewusst aufs Spiel zu setzen; oder aber im dann im günstigsten Fall, nach einer Befreiung auf politischer Ebene, die Zeche dafür zu zahlen. Dies dürfte für die meisten von uns den privaten Ruin bedeuten.
Im Bewusstsein der o.g. Verantwortung, einer zeitlichen Abgrenzung und unter Abwägung der Risiken darin liegt momentan, für mich zumindest, der Schlüssel, ob ich eine solche antreten würde oder nicht.
4x4traveler
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von 4x4traveler »

runterfahren ?

wir wollten im sommer für drei wochen nach tun. und haben es kuzfristig abgesagt, bin auch ein angsthase !

angsthase deshalb, weil ich eine verantwortung meiner frau und unseren familien gegenüber habe. da siegt die vernunft obwohl ich immer der meinung und überzeugung bin->

wenn es passieren soll, dann passiert es (in´sch allah)

das kann man natürlich als kindliches oder unreifes denken abtun, aber ich war in einigen situationen die mich zu dieser überzeugung haben kommen lassen.

das was ich vermisse in den antworten sind die auswirkungen auf die nordafrikanischen völker!

wer kann nach diesen vorfällen noch unbeschwert und offenherzig auf einen " einheimischen" zugehen und sich auf ihn einlassen ?

ich behaupte das jeder der jetzt und in naher zukunft runterfährt das schwarze tuch des mistrauens und der (nicht gezeigten) angst im nacken hat, dass ihn auf seiner ganzen reise begleitet.

das ist ein sehr schwerer schlag in gesicht der kulturen, alles wird auf einen schlag zunichte gemacht.

das ist aber von einigen randgruppen so gewollt, schade nur das es heutzutage noch so verblendete menschen gibt.

abschreckung und angst ist heutzutage noch die gefährlichste waffe !

gruß und sichere reisen
rafael
sand-heinrich
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von sand-heinrich »

Guten Abend Kolleginnen und Kollegen der Tunesichen Sahara

Wenn ich Revue passiere lasse, was ich täglich an Verbrechen, Überfällen, Morden etc. lese, dann bin ich per see schon mal schockiert.

Trotzdem werde ich Mitte April nach Tuneisen reisen um dann vor Ort
situativ zu entscheiden wo's lang gehen soll. Natürlich nur in einer Gruppe.

Ein Fakt für mich ist, dass es wahrscheinlich - die täglichen Meldungen bestätigen es - in der Stadt Zürich nicht minder gefährlich ist als es in Tunesien sein soll.

Ich wünsche allen trotzdem eine gute Zeit

Heinrich
PieRossi
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Registriert: So 2. Apr 2006, 20:33

Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von PieRossi »

PieRossi hat geschrieben:
Franz (UNI)Murr hat geschrieben:...Die gleiche, kollektive Bejammerung der Wüstenfahrer ist dort nachzulesen, dass wegen ein paar böser Buben nicht mehr unbeschwert "sandgespielt" werden kann.... Zum Reisen in der Sahara: Mut ist nicht immer, wie hier schon erwähnt wurde Dummheit, sondern viel mehr sich über irrationale Ängste hinweg setzen zu können und mit klarem, wachen Verstand Unterwegs zu sein. wer wegen einer unbestätigten Entführung Tunesien als zu gefährlich brandmarkt, nimmt nicht mehr war, welchen Gefahren er sich zuhause täglich in weit größerem Umfang aussetzt..... Ich überlege mir sehr gut, wo und wie ich unterwegs bin. Ich werde mir so schnell nicht meine Bewegungsfreiheit einschränken lassen. In dem ich mich ängstlich zurück ziehe, haben die Terroristen genau das erreicht, was sie wollen. Angst erzeugen und die Region destabilisieren....Warum jeder verbrecherische Vorfall im Maghreb Panik auslöst, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht kann mich da ein Psychologe über die Mechanismen in den Köpfen aufklären...Möge das Sperrgebiet offen bleiben für die, die sich nicht kollektiver Ängste beugen. Algerien kann ich mir bedauerlicherweise nicht mehr leisten...
Gefahrenwahrnehmung ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Dank einem Airbag fühlen sich einige sicher und eine abgelaufene Versicherung kann Gedanken an Unfälle und andere Risken und damit auch Ängste auslösen. Und: Es gibt immer noch Leute, die rauchen, ohne Todesängste auszustehen. Andere wiederum würden aus Angst vor einer Panikattacke um keinen Preis einen Fahrstuhl betreten. Was uns Angst einflösst und was nicht, ist sowohl individuell als auch gesellschaftlich bedingt und wird ganz wesentlich durch die Medien portiert.

Grundsätzlich ist es aber so, dass eine ernste Bedrohung bei (gesunden) Menschen (und Tieren) Angst und/oder Aggressionen und in einer leichteren Form sorgenvolles Abwarten oder eine waghalsige "Flucht nach vorne" auslöst. Zum Glück überwiegen bei Bedrohungen bewusste Ängste und Sorgengefühle, sonst wäre der Fluss der Evolution nämlich schon lange zum Erliegen gekommen. Bedrohungen führen zuerst immer einmal zu Hilflosigkeits- oder Ohnmachtsgefühlen, nur werden diese nicht immer bewusst erlebt. Vor allem Männer neigen sozialisationsbedingt vermehrt dazu, bei Bedrohungen mehr oder weniger aggressiv zu reagieren (Beispiel im Text von oben: "...lasse mich in meiner Bewegungsfreiheit nicht einschränken"). Einige versuchen damit, elementare Bedohungs- und Unsicherheitsgefühle zu umgehen und direkt auf eine Handlungsebene zu gelangen. Das Verdrängen der Bedohung bzw. der Gefahren lässt dann so manche unvorsichtig werden. Und durch die "Flucht nach vorne" setzen nicht wenige sich und andere dann mehr oder weniger grossen Risiken aus.

Objektive Risiken und subjektive Bedrohungsgefühle wahrnehmen und bewusst damit umgehen hat nichts damit zu tun, ängstlich zu kapitulieren und muss in keiner Weise heissen, sich "kollektiven Ängsten" zu beugen. Und mutig ist man meinem Empfinden nach nicht dann, wenn man sich über irrationale Ängste hinwegsetzt, sondern wenn man die eigenen Bedrohungsgefühle sowie die Angst- und Riskogedanken bewusst reflektiert und abwägt. Jeder mutige Bergsteiger, jeder Abfahrtskifahrer und jeder Fallschirmspringer hat innerlich Zugang sowohl zu seinen Angstgefühlen als auch zu seinen Risikoerwägungen. Sicher, in Londons Bahnhöfen ist es um ein Vielfaches gefährlicher als in Tunesien. Nur ändert das leider nichts daran, dass die durch Terrorismus bedingten Risiken für uns Individualtouristen in Nordafrika grösser geworden sind. Für viele von uns bedeuten diese Reisen sehr, sehr viel. Das Wissen darum, sich nunmehr auch in diesen Ländern nicht mehr „frei“ und „sicher“ zu fühlen, ist für viele Reisende ein trauriger und erschreckender Gedanke, der bei vielen auch Hilflosigkeitsgefühle auslöst. Ich denke, wir sollten diese Gefühle zulassen und ein Weg finden, mit diesen Emotionen und den realen Risiken bewusst umzugehen. Meine im April in Marokko geplante Route, welche u.a. eng der algerischen Grenze entlang führen würde, wie bereits 2003 nun aus Vernunftsgründen wieder nicht fahren zu können, beelendet mich schon. Und wenn ich an die Folgen für all jene denke, die in diesen Ländern von uns leben, fühle ich mich noch mieser. Und wenn ich mir schliesslich vor Augen halte, dass ich es ja wusste, dass es nicht eine Frage war, ob es wieder zu Entführungen kommt, sondern wann, dann stocken Atem und das Weiterdenken...

Die im Posting von Franz postulierte „Flucht nach vorne“-Reaktion halte ich für problematisch: Und zwar vor allem deswegen, weil Risikowahrnehmung und Mut gegeneinander ausgespielt werden. Das kann dann wirklich gefährlich werden. Soweit meine Meinung als Nordafrikareisender und Psychologe.
Franz (UNI)Murr
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Franz (UNI)Murr »

das was ich vermisse in den antworten sind die auswirkungen auf die nordafrikanischen völker!

wer kann nach diesen vorfällen noch unbeschwert und offenherzig auf einen " einheimischen" zugehen und sich auf ihn einlassen ?

ich behaupte das jeder der jetzt und in naher zukunft runterfährt das schwarze tuch des mistrauens und der (nicht gezeigten) angst im nacken hat, dass ihn auf seiner ganzen reise begleitet.

das ist ein sehr schwerer schlag in gesicht der kulturen, alles wird auf einen schlag zunichte gemacht.
Hallo Rafael,

das kann ich nicht nachvollziehen. ich kann mir nicht vorstellen, dass in Zukunft ein kollektives Misstrauen vorherrscht. Böses spiegelt sich im Gesicht eines Menschen in allen Kulturen. Das ist sichtbar in einem Gesicht unabhängig von seiner ethnischen Herkunft.
Ich habe Angst vor verblendeten Fanatikern, aber nicht vor dem Tunesier, der mir auf Reisen über den Weg läuft. Im arabischen Raum erlebe ich die Menschen mit einer Offenheit und Toleranz, die wir in D erst lernen müssen.

Gruß

Franz
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
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Unübersichtlich

Beitrag von Franz (UNI)Murr »

Hallo Forum,

die Thematik bewegt sich nun in vier Foren. Das ist sehr unübersichtlich.

Gruß

Franz
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
Michael Escher
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Michael Escher »

Hallo zusammen,
ja klar werde ich wieder fahren!!!!!!!
- Anschlag in Djerba: Ist deswegen eine(r) von euch nicht mehr gefahren?
- 2007 Schiessereien in der Nähe von Tunis: Ist deswegen eine(r) nicht gefahren?
Ist doch schon seit einigen Jahren klar, dass auch Tunesien nicht gefeit ist vor Terroristen, genauso wenig wie unsere "sicheren" Heimatländer. Ich betrachte mich als Gast in diesem Land und muss mich darauf verlassen, dass die dortigen Offiziellen ihr Handwerk verstehen. Wenn das jemandem zu gefährlich ist, dann bleibt er eben zu Hause.
Reisen nach Afrika, und Tunesien ist Afrika, haben doch immer auch daraus bestanden, dass man vor Ort seine Vorhaben ändern musste, weil halt grad die Situation geändert hat und ein wenig anders ist, als im Reiseführer beschrieben. Selbstverständlich werde auch ich einen anständigen Respektabstand zur algerischen bzw. libyschen Grenze einhalten. Das aber v.a. weil ich keinen Bock drauf habe, dass mir dasselbe passiert wie dem K.H. Benemsi.
In diesem Sinn freue ich mich auf unsere nächste Reise in unsere zweite "Heimat"
Gruss Michael
Franz (UNI)Murr
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Re: Meinungen zu Sicherheitslage im Maghreb (Ja/Nein)

Beitrag von Franz (UNI)Murr »

Hallo Michael,

warum bringe ich das nicht so locker auf den Punkt. :-(

Zustimmung.

Gruß

Franz
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
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