Konflikt im Jemen

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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Liebe Ulrike,

ich würde mich freuen, wenn es so wäre, wie Du schreibst, aber dies ist die Meldung der Nachrichtenagentur Associated Press, die heute mittag noch ganz unten im Artikel stand und nun prominent nach oben gehoben wurde:
Sanaa airport was closed Wednesday night and remains shut for fear that planes could be hit in the heavy shelling around the city.
Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Nach Rücksprache mit Kollegen in Sana'a muss ich mich berichtigen: Der Flughafen war offenbar in der Nacht geschlossen und ist nach mehreren Stunden heute wieder geöffnet worden - herzlichen Dank Ulrike für die Korrektur!

Auf der Webseite des Flughafens sind aber nur eine Handvoll Flüge heute als tatsächlich gelandet angezeigt, darunter auch ausländische Airlines.

Hier ein Auszug aus einem Bericht von Nasser Arrabiyee, einem der wenigen profilierten Journalisten in Sana'a, aus der New York Times von heute:

Fighting in Yemen Capital Threatens Airport
SANA, Yemen — Heavy shelling north of Yemen’s capital threatened to close the main international airport Thursday as government troops and opposition tribesmen appeared to escalate bloody street battles that have pushed the country to the edge of civil war.

The airport, which lies roughly six miles north of the capital, Sana, was open on Thursday and flights operated normally, the airport director, Naji Quddam, said in a statement, denying earlier news reports that it had closed.

But the main road to the airport from Sana remained dangerous to navigate because of government checkpoints, sporadic shelling and heavy fighting in the north of the city.
Nach der italienischen und kuwaitischen soll nun auch die russische Botschaft geschlossen worden sein. Über die deutsche Botschaft gibt es widersprüchliche Aussagen.

Die Kämpfe haben offenbar auch auf Taiz übergegriffen, wo über die jüngsten Angriffe auf die Demonstranten verärgerte Stammesangehörige Regierungstruppen angriffen.

Eine weitere Eskalation wird aus der nördlichen Provinz al Jawf gemeldet:
In the northern province of Jawf, a battle broke out Wednesday between opposition tribesmen and the rebels who now control much of northern Yemen, known as Houthis after the family of their leader. At least five tribesmen were killed, said Abdullah al-Jamili, a senior tribal figure in the area.
Viele Grüße
Achim
Götz Krieger
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Götz Krieger »

Jemens Präsident durch Granatenbeschuss verletzt

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa spitzt sich die Lage dramatisch zu: Nach Augenzeugenberichten sind zwei Granaten im Palast von Präsident Salih eingeschlagen - es soll mehrere Tote geben. TV-Berichten zufolge wurden Salih sowie weitere Regierungsmitglieder verletzt...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 54,00.html

Gruß
Götz
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Die Kämpfe in der Hauptstadt Sana'a halten an. Im Viertel Hadda, in dem viele Botschaften liegen und zahlreiche Ausländer und wohlhabende Jemeniten wohn(t)en, waren die Explosionen selbst am Telefon als permanentes Hintergrundgeräusch zu hören.

Die Situation in der Stadt wird zunehmend chaotischer und für die Zivilbevölkerung unerträglich. Es ist teilweise unmöglich, die Häuser zu verlassen, um Lebensmittel und Wasser einzukaufen. Problematisch ist die Lage auch für Unternehmer - die Angst vor drohenden Plünderungen, auch durch in die Stadt eindringende Stammeskämpfer, ist groß. Viele versuchen, nicht nur sich selbst, sondern auch wichtige Güter in Sicherheit zu bringen.

Die Zentralen der staatlichen Fluggesellschaft Yemenia und der privaten Airline Felix Airways sollen zerstört worden sein, auch ein privater Fernsehsender soll dazugehören. Der dem Ahmar-Klan gehörende Mobilfunksender Sabafon ist längst abgeschaltet.

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der jemenitische Präsident bei dem Beschuss am Freitag schwerer verletzt wurde als vom Regime zugegeben. Statt der zunächst erwarteten Pressekonferenz und der später angekündigten Fernsehansprache gab es lediglich eine Audio-Botschaft, auf der die Stimme des Präsidenten brüchig klingt und keineswegs so, wie man ihn gewohnt ist. Er soll in einem Krankenhaus des Verteidigungsministeriums behandelt werden. Im britischen "Guardian" spekulierte ein Korrespondent, das beste Szenario sei, dass Saleh so schwer verletzt worden sei, dass er zur Behandlung ins Ausland geflogen werden müsse. So könne der Übergangsprozess, der auf einem Vermittlungsplan des Golfkooperationsrates basiert, doch noch umgesetzt werden.




Im wohlhabenden Stadtteil Hadda, in dem viele Ausländer wohnten und westliche Botschaften sind, gingen die Schießereien auch am Freitag abend und in der Nacht weiter. Bewohner sind aufgefordert, auch am Samstag ihre Häuser nicht zu verlassen.

Besonders dramatisch entwickelt sich die Versorgungslage in der Stadt. Der Preis für Wasser hat sich beispielsweise seit Donnerstag vervierfacht. Die meisten Menschen können sich das nicht mehr leisten. Möglicherweise bis zu 100.000 Menschen haben Sana'a inzwischen verlassen. Andererseits zeigten Fernsehbilder auch am Freitag trotz der Gefechte beeindruckende Demonstrationen der Opposition mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Das zeigt, dass auch die friedliche Protestbewegung noch nicht aufgegeben hat.

Gleichzeitig eskaliert die Situation auch in der Großstadt Taiz. Dort war Anfang der Woche ein seit vier Monaten bestehendes Zeltlager der Opposition gestürmt worden. Dabei waren mindestens 20, möglicherweise viel mehr Menschen ums Leben gekommen. Am Freitag zogen sich die Sicherheitskräfte von dem zentralen Hurriya-Platz zurück, der in der Folge von den Demonstranten erneut besetzt wurde. Seitdem ist laut Meldungen von Al Jazeera wieder Artilleriebeschuss in der Stadt und von den umliegenden Hügeln zu hören.

Viele Grüße
Achim
Stefanie
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Stefanie »

Karim El-Gawhary vermeldet gerade, dass Abdalla Saleh zur medizinischen Behandlung nach Saudi Arabien geflogen sei. Er hat angeblich schwere Verbrennungen bei dem gestrigen Anschlag davon getragen...

...und wie geht es nun weiter???
Gruesse aus Baharia
Stefanie

Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Noch ist nichts klar im Jemen, es gibt unzählige zum Teil völlig widersprüchliche Meldungen. Möglicherweise ist der Präsident noch nicht nach Saudi-Arabien geflogen worden - sein Flugzeug stehe noch auf dem Flughafen in Sana'a, heißt es. Das kann natürlich viele Gründe haben, auch den, dass Ali Abdallah Saleh doch so schwer verletzt ist, dass er nicht transportfähig ist.

Der Premierminister und der Gouverneur von Sana'a scheinen ebenfalls so schwer verletzt zu sein, dass sie nicht ausgeflogen werden konnten. In Saudi-Arabien sind der Parlamentssprecher und die beiden Vize-Premierminister, die ebenfalls schwer verletzt worden waren.

Nachdem sich die Regierungssoldaten schon aus der Stadt Taiz zurückgezogen hatten, gibt es nun Anzeichen dafür, dass ein solcher Rückzug auch in Aden erfolgt. Sehr problematisch - und möglicherweise beabsichtigt - ist, dass damit wahrscheinlich eine Gesetzlosigkeit in beiden Städten Einzug hält.

In der Provinz Abyan, die an Aden angrenzt, kontrollieren militante Elemente offenbar große Teile des Gebietes.

Die deutsche Botschaft wurde am Samstag vorübergehend geschlossen.

Viele Grüße
Achim
Alexander
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Jemen | Saleh offenbar von Teilen einer Granate in Herzgegend getroffen

Beitrag von Alexander »

Noch ein Bericht über die Verletzungen und dem Zustand Salehs:

Die Berichte über das Ausmass der Verletzungen von Präsident Saleh sind widersprüchlich. Inzwischen soll Saudiarabien eine Waffenruhe zwischen rivalisierenden Stämmen und Jemens Regierung vermittelt haben ...

tagesanzeiger: Saleh offenbar von Teilen einer Granate in Herzgegend getroffen

Grüsse
Alexander
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

In der Tat ist es so, dass Saleh offenbar trotz seiner Verletzungen an der Macht bleiben will. Die Regierungsgeschäfte sind offiziell (da stimmt die Meldung des Tagesanzeiger nicht mehr) an den Vizepräsidenten übergegangen. Es gibt aber zwei Einschränkungen: Erstens wurde der Vize nie offiziell überhaupt zum Vize ernannt und ist es deshalb verfassungsmäßig gar nicht, was bei Konflikten schnell ein Thema werden kann; zweitens wurden ihm drei hochrangige Militärs zur Seite gestellt - davon zwei Halbbrüder Salehs, was vermutlich für die Opposition schon jetzt ein "no go" ist.

Die Opposition (diejenige im Parlament gemeinsam mit der auf den Straßen) hat angekündigt, innerhalb von 24 Stunden einen Übergangsrat bilden zu wollen.

Problematisch ist die Entwicklung in den Regionen, wo sich die Regierung aus Taiz und Aden zurückgezogen hat. Schon jetzt sind bewaffnete Elemente zumindest in Taiz eingedrungen und plündern Gebäude. Es besteht insofern weiter eine große Gefahr, dass sich die Rechtlosigkeit im Land ausweitet. Die junge Opposition versucht nun, durch enge Koordination zwischen Taiz und Sana'a wieder Ordnung zu schaffen. Gleichzeitig bilden sich in den großen Städten Bürgerwehren nach ägyptischem Vorbild, um Häuser und Stadtviertel zu schützen.

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Recht gute Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse. Allerdings hat sich der amerikanische Botschafter nicht mit einem "Stellvertreter", wie es im SPIEGEL-Artikel (der wesentlich auf Agenturmeldungen beruht) heißt, sondern mit dem Vizepräsidenten selbst getroffen, was als wichtiges Zeichen gilt.

Verletzter Präsident: Demonstranten im Jemen feiern Salihs Abgang

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Diesmal irrt Yassin Musharbash, der sonst sehr gut berichtet und analysiert, an zwei Stellen:

1. ist der Jemen überraschenderweise nicht in ein völliges Chaos gefallen, wie es der erste Absatz suggeriert. Stattdessen gibt es auf allen Kanälen Versuche, die Ordnung (wieder)herzustellen.

2. steht die friedliche Protestbewegung nicht an der Seitenlinie: selbst während der Gefechte am Freitag waren Zehntausende auf den Straßen. In Taiz wie in Sana'a gibt es Bürgerkomitees, die versuchen, Stabilität in den Städten zu erreichen und eine Art Übergangsrat zu bilden. Dies gilt im übrigen für jede der jemenitischen Provinzen.

Vermutlich ist manche etwas sensationalistische Wortwahl der Notwendigkeit geschuldet, Aufmerksamkeit zu erheischen.

Jemen: Ein Land versinkt im Chaos

Viele Grüße
Achim
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Achim Vogt
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

In einem eher ungewöhnlichen, aber guten Schritt haben die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien in einer

gemeinsamen Erklärung

zu den Entwicklungen im Jemen Stellung genommen.

Viele Grüße
Achim
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Re: Konflikt im Jemen | Demonstrationen und Proteste

Beitrag von Achim Vogt »

Noch ist gänzlich unklar, was im Jemen als nächstes passiert: während die Regierung verlauten lässt, Ali Abdallah Saleh komme in zwei Wochen wieder nach Sana'a zurück, spekulieren andere, seine Rekonvaleszenz werde mindestens sechs Monate brauchen.

Ein ungutes Zeichen ist, dass Salehs Sohn Ahmed, der die Republikanischen Garden befehligt, ebenso in der Stadt geblieben ist, wie Salehs Halbbrüder Ali Saleh (Befehlshaber der "Special Operation Forces" innerhalb der Republikanischen Garden), Mohammed Saleh (Kommandeur der Luftwaffe), sowie sein Vetter Yahya (Befehlshaber der Central Security Forces) und ein weiterer Vetter.

Ein gutes Zeichen ist, dass die Bürger in Sana'a und anderen Städten sowie den meisten Provinzen Komitees gebildet haben, um die Ordnung wiederherzustellen.

Viele Grüße
Achim
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Sanaa ohne Präsident Saleh | Der Machtkampf im Jemen ist nicht vorbei

Beitrag von Birgitt »

Der Klinikaufenthalt des verwundeten jemenitischen Präsidenten in Saudi-Arabien hat in seiner Heimat die Hoffnung auf einen Machtwechsel genährt. Doch Regierungssprecher verkündeten, Saleh würde schon bald wieder nach Hause kommen. Die Einwohner Sanaas sind nach tagelangen Kämpfen verunsichert: Gibt es eine Chance für die Opposition oder einen Rachefeldzug der Regierungstruppen? ...

Sanaa ohne Präsident Saleh: Der Machtkampf im Jemen ist nicht vorbei
06.06.2011 - tagesschau

Gruß
Birgitt
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