Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Nachrichten zu und aus den Sahara- und Wüstenregionen.

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Alexander
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Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Alexander »

Kirgistan versinkt trotz Mobilmachung der Armee im Chaos

In Kirgistan halten die schweren Unruhen im Süden des Landes trotz Ausgangssperre und der Teilmobilmachung der Armee an. "Das Stadtzentrum ist in der Hand von Banditen" mehr...

Grüsse
Alexander
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Birgitt
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Birgitt »

Kriegsähnliche Zustände in Osch
Usbeken flüchten aus Kirgistan

14.06.2010 - tagesschau

Brennende Häuser und Leichen auf den Straßen: Marodierende Banden gehen im Süden Kirgistans brutal gegen Anhänger der usbekischstämmigen Minderheit vor. Es wird mit Hunderten Toten gerechnet. Zehntausende sind auf der Flucht. Usbeken sprechen bereits von Völkermord ... mehr
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Interview zur Lage in Kirgistan
"In Zentralasien droht eine Explosion"

14.06.2010 - tagesschau

Die Unruhen in Kirgistan breiten sich von der Stadt Osch auf die Umgebung aus. Die Marodeure betreiben ethnische Säuberungen, berichtete der Journalist Marcus Bensmann aus Bischkek im tagesschau.de-Gespräch. Ohne internationale Intervention drohe eine Explosion in Zentralasien ... mehr


Gruß
Birgitt
Birgitt
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Birgitt »

Blutige Unruhen in Kirgistan
OSZE verurteilt "versuchte ethnische Säuberung"

15.06.2010 - tagesschau

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die Gewalt im Süden Kirgistans als "versuchte ethnische Säuberung" verurteilt. Der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE, Knut Vollebaek, sprach nach einem kurzfristig einberufenen Treffen in Wien von einer "dramatischen Entwicklung". Usbeken würden von kirgisischen Gruppen systematisch angegriffen. Es gebe Morde und Plünderungen. Die Organisation warnte eindringlich vor einer weiteren Eskalation der Gewalt ... mehr

Gruß
Birgitt
LudwigH
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von LudwigH »

Wer gehört zu welcher Ethnie?
schu achbar ?

Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von schu achbar ? »

Die Kirgisen sind ein Turkvolk.(ErdoKhan)
Beide Völker sind mehrheitlich Sunni Islam.
LudwigH
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von LudwigH »

aus wikipedia:

Religion [Bearbeiten]

Die Usbeken sind überwiegend sunnitische Muslime hanafitischer Rechtsschule.

Religion [Bearbeiten]

Die Kirgisen gehören seit dem 18./19. Jahrhundert dem Islam an. Doch haben zahlreiche schamanistische Traditionen überdauert.

?????????????????????????????

Welche Ethnie bringt jetzt welche Ethnie um und warum?


sorry - hab mich bis jetzt noch nicht mit diesem thema dort beschäftigt.
schu achbar ?

Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von schu achbar ? »

Das hier ist ganz informativ.
Wenn ich das richtig deute gabs auch schon mal sowas mit umgekehrten Vorzeichen in Usbekistan.

http://www.tagesschau.de/ausland/kirgistan306.html

Scheint so , als wäre Religion hier nicht die Ursache.
Aber interessantes Thema, ich schau mal was man da noch an verschiedenen Einschätzungen findet.
abacus
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von abacus »

Die Kirgisen sind ursprünglich ein Nomadenvolk welches Tiere hält, die Usbeken sind ein Bauernvolk. Die Kirgisen sind eher mongolischer Abstammung als ein Turkvolk. Vom Islam ist in Kirgistan kaum was zu spüren, während er in Usbekistan eine wichtige Rolle spielt.

Das Problem ist, dass die Grenzen in der Region nicht im geringsten mit den Volkszugehörigkeiten übereinstimmen, was im übrigen aufgrund der Vermischung auch gar nicht geht.

Osch ist einer der größten Basare Zentralasiens. Seit der Bildung der Republiken ist Osch quasi vom Rest des Landes und insbesondere von seinem Einflußbereich abgeschnitten. Die frühere Straße nach Bishkek führt über usbekisches Gebiet, also mußte eine neue, knapp 100km längere Straße gebaut werden. Das fruchtbare Ferganatal, an dessen Rand Osch liegt, gehört nun überwiegend zu Usbekistan, entsprechend wenig wird in Osch gehandelt.

Die Mentalität der beiden Völker ist recht unterschiedlich, stark übertrieben sind die Kirgisen laut, frech und meist besoffen, die Usbeken ruhig, sehr gastfreundlich und offen.

Unglaublich traurig, was da passiert, wir haben Osch und Jalalabad, die 2 Hauptstädte der momentanen Revolten noch als wirklich schöne Orte erlebt. Oschs Markt und Parks mit ihren kleinen Restaurants und Cafes waren einfach schön zum durchschlendern.

Grüße
sven
schu achbar ?

Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von schu achbar ? »

Danke für die Infos, Sven.
Als ich das Thema sah hab ich auch zuerst an Deinen Reisebericht gedacht.
schu achbar ?

Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von schu achbar ? »

Hier hab ich noch was informatives zu den Kirgisen entdeckt.
Warum es dort so einen Hass gibt ist mir allerdings auch noch nicht klar.
http://peter-hug.ch/lexikon/kirgisen
abacus
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von abacus »

Hallo,

die Sachlage ist recht verworren, letztendlich stellt sie sich mir in etwa so dar:

in der Region Mittelasien (so heißts korrekt, Zentralasien umfaßt viel mehr, blöd nur, dass es im englischen central asia heißt) lebten früher so etwa 3 Volksarten:
- nomadisierende, kriegrisch gestimmte, von Chinggis Khans Horden abstammende Viehzüchter (in den Bergen und Steppen)
- sesshafte Bauern (in den fruchtbaren Tälern, vor allem im Ferganatal)
- Händler in den Städten

Während unseres Mittelalters blühte der Handel auf der Seidenstraße, die Städte verdienten viel Geld, hin und wieder kamen die Reitervölker und verwüsteten sie (allerdings halfen sie wohl auch hin und wieder bei deren Wiederaufbau). Eine übergeordnete Regierung gabs nicht, das Land wurde von Lokalfürsten verwaltet, die Seßhaften wurden islamisiert.

Nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien und China interessierte sich keiner mehr für die Region.

Mitte des 19 Jhd. fing der Kolonialismus an und Russland erhob Anspruch auf die Region, die allerdings nicht sonderlich erforscht oder erschlossen war.

Anfang des 20. Jhd. einigten sich Russland, England und China auf die Grenzziehung in der Region (Great Game). Afghanistan wurde als Pufferstaat zwischen den Einflußzohnen der Engländer und Russen angelegt.

In den 20iger und 30iger Jahren drohte den Russen von chinesischer Seite ein Angriff (u.a. Maos langer Marsch), in der Zeit wurde dann Mittelasien erschlossen (Straßen, Eisenbahn) und zur Befestigung der Grenze der Pamir-Highway gebaut.

Stalin teile die Region in relativ willkürliche Sowjetrepubliken. Nach welchen Gesichspunkten die Grenzziehung erfolgte ist mir nicht klar, sie folgt keinem logischen Prinzip. Sie ist äußerst kompliziert mit vielen Enklaven. Angeblich wollte man gleichsprachige Völker in eine Sowjetrepublik packen, aber diese Begründung kann einfach nicht stimmen. Es war aber eigentlich auch egal, die Republikgrenzen hatten keine große Bedeutung.

So entstanden völlig neue politische Strukturen. Die Nomaden (die Stalin mit Gewalt seßhaft machte) wurden zu Kasachen und Kirgisen, die Bauern und Händler zu Usbeken und Tadschiken. Usbeken und Tadschiken sind beide islamisch, jedoch etwas abweichend voneinander (Sunniten und Hanafiten). Die Usbeken sind türkisch orientiert, sowohl ihre Sprache als auch Schrift, die Tadschiken sind persisch orientiert.

Solange der Druck von Moskau kam ging alles soweit gut.

Nach dem Zerfall der SU waren die Republiken plötzlich real und die Grenzen dicht. Und jetzt rächte sich die irre Grenzziehung.

Beispiel: Osch: die größte Stadt der Region, am Rande des fruchtbaren Ferganatals, wo dessen Erzeugnisse gehandelt wurden, liegt plötzlich durch eine Grenze getrennt in Kirgistan. Die Verbindungsstraße nach Bishkek muß neu und auf großen Umwegen gebaut werden, da die alte Straße über usbekisches Gebiet führt. In Osch leben überwiegend Usbeken, aber die sind nun von ihrem Land im Ferganatal abgeschnitten, der Handel kommt zum erliegen, da die Waren nicht über die Grenze kommen. Nun wollen die Usbeken die Grenzen verschieben, so dass Osch zu Usbekistan gehört. Immerhin ist es Kirgisiens zweit größte Stadt, deshalb haben die Kirgisen da was dagegen, der Bürgerkrieg entflammt.

Samarkand und Buchara: diese wichtigen Städte in Usbekistan gehören sprachlich und religiös zu Tadschikistan. Das Pamir-Hochland, in Tadschikistan gelegen gehört kulturell zu Kirgisien (ist jedoch nun auch noch eine autonome Region) ...

Es gibt dann nach der Unabhängigkeit noch andere "Liebenswürdigkeiten". In SU-Zeiten wurden Staudämme in den Bergen Kirgistans und Tadschikistans gebaut um Wasser zu speichern, mit denen im Sommer das Ferganatal und weite Regionen in Usbekistan bewässert wurden. Nach der Unabhängigkeit stellten die Bergländer aber fest, dass sie von der Bewässerung Usbekistans ja nix haben und liesen die Stauseen im Winter ab um Strom zum Heizen zu erzeugen, woraufhin es große Überschwemmungen in Usbekistan und Kasachstan gab, da der gefrorene Boden kein Wasser aufnehmen konnte. Dafür dorrten dann im Sommer die Pflanzen.

Tja, und deshalb und aus ähnlichen Gründen haut jetzt jeder den anderen ... und dann hocken da im Hintergrund noch viele dubiosen Strippenzieher, z.B. der abgesetzte (von den Amerikanern unterstützte) kirgisische Präsident (der das Land jetzt destabilisieren will), irgendwelche moskautreue Geheimdienste, und der eine oder andere Drogenbaron (viel von dem Zeug aus Afghanistan kommt über Mittelasien).

Usbekistan orientierte sich nach der Unabhängigkeit sehr am Westen und an der Türkei (deshalb haben dort die Amis ihre Militärbasen), Kirgistan blieb moskauorientiert, deshalb haben die Russen dort ihre Militärbasen.

Grüße
sven
Bäärti
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Bäärti »

Sven; toll - eine sehr treffende Übersicht.
abacus hat geschrieben:Usbekistan orientierte sich nach der Unabhängigkeit sehr am Westen und an der Türkei (deshalb haben dort die Amis ihre Militärbasen), Kirgistan blieb moskauorientiert, deshalb haben die Russen dort ihre Militärbasen.

... da möchte ich noch ergänzen, auch auf dem Flugplatz von Bishkek (Kirgistan) stehen jede Menge amerikanische Militärflugzeuge und Soldaten herum.


Gruss Bäärti

.
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Birgitt »

Otunbajewa besucht Osch
2000 Tote in Kirgistan befürchtet

18.06.2010 - tagesschau

Mit jedem Tag kommen neue schreckliche Einzelheiten ans Licht: Bis zu 2000 Menschen könnten bei den Unruhen in Kirgistan ums Leben gekommen sein, befürchtet die Übergangsregierung. Dennoch will sie inzwischen keine Hilfe von außen mehr - der Konflikt sei unter Kontrolle ... mehr

Gruß
Birgitt
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Birgitt »

Neustart in Kirgistan
29.06.2010 - berlin online

Kirgistan wird die erste parlamentarische Demokratie Zentralasiens. Die Abstimmung über das Verfassungsreferendum war korrekt und transparent - mit situationsbedingten Abstrichen. Wer für die neue Verfassung stimmte, bestätigte auch die Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa, die bislang über keinerlei demokratische Legitimation verfügte, in ihrem Amt. Sie kann nun das Interim aus ihrem Titel streichen. Gewonnen ist damit noch nicht viel. Jetzt kommt es darauf an, Vertrauen in den künftigen Staat zu schaffen - vor allem bei den Usbeken, den Opfern des Pogroms, der vor zwei Wochen etwa 2 000 Menschen das Leben kostete und Hunderttausende in die Flucht ins benachbarte Usbekistan trieb ... mehr

Gruß
Birgitt
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Re: Kirgistan - Lage außer Kontrolle

Beitrag von Birgitt »

Erste Frau in Zentralasien im höchsten Staatsamt
Otunbajewa als Präsidentin von Kirgistan vereidigt

02.07.2010 - tagesschau

In Kirgistan ist die bisherige Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa offiziell als Staatschefin vereidigt worden. Sie soll das Amt bis zu den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr ausüben. Otunbajewa ist die erste Frau, die in Zentralasien das höchste Staatsamt bekleidet ... mehr

Gruß
Birgitt
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