Feldschuhträger-Nama zerfallen in zwei Gruppen und kämpfen um Anerkennung
Die Feldschuhträger von Blouwes, 70 Kilometer nordwestlich von Keetmanshoop liegen seit dem Tod ihres gemeinsamen Stammeschefs Hans Titus im Nachfolgestreit. Die //Haboben haben seitdem zur Nachfolge Chef David Gertze ernannt, den die Regierung bisher nicht anerkennt [...] Die Feldschuhträger/Veldskoendraers//Haboben, nicht zu verwechseln mit den Riemvasmakers, haben in ihrem Wappen zwei prägende Feldschuhe integriert und identifizieren sich durch die Stammesfarbe Rot mit weißen Punkten. Sie haben sich 1905 am Nama-Aufstand gegen die deutsche kaiserliche Verwaltung sowie am Widerstand gegen die südafrikanische Verwaltung beteiligt.
Gestern ist noch eine Stammesgruppe, die Feldschuhträger-Nama (//Haoben), an die Öffentlichkeit getreten, um in der Rivalität mit konkurrierenden Clans zu bekennen. Wie bei den Witbooi-Nama sowie bei den Ovambanderu/Herero geht es hier auch um einen Nachfolgestreit in der Stammesführung, nachdem der //Haoben-Chef Hans Titus schon länger verstorben ist. Uneinigkeit herrscht außerhalb der Ovambanderu noch zwischen den traditionellen Ovaherero-Führern der Roten Flagge, von denen sich der eine „Supreme Chief Maharero“ (er ist vor kurzem verstorben) genannt hat und der andere sich „Paramount Chief Riruako“ nennt. Sprachlich gibt es nach den Superlativen „Paramount“ und „Supreme“ kaum noch Möglichkeiten der Steigerung zur Beherrschung der ethnischen Kommandohöhe.
Schoen, dass die alten Stammesrivalitaeten trotz der Deutschen Kolonisierung, der folgenden Besetzung durch Suedafrika und den langwierigen Befreiungskampf immer noch vorhanden sind - ein gutes Stueck von Tradition, welches in die heutige Zeit gerettet werden konnte
Der Polizeikommissar von Otjozondjupa, Joseph Anguwo, hatte die zwei Hauptlager der Ovaherero, die Gruppierungen Maharero, bzw. Riruako, durch ihre Führer am Dienstag und Mittwoch direkt zur Friedlichkeit beim jährlichen Volkstag der Roten Flagge in Okahandja ermahnt. Laut Katuutire Kaura, führender und langjähriger Teilnehmer am Volkstag der Herero, hat die Unterredung der Polizei Anfang der Woche mit beiden Fraktionen drei Stunden Unterredung gedauert. Das Haus Maharero wurde vom Akademiker Phanual Kapama angeführt und das Lager Riruako war durch Dr. Hoze Riruako vertreten. Keine der beiden Gruppen ist von ihrer Position abgewichen, so dass es eventuell zu zwei rivalisierenden Gedenken gekommen wäre. Aus Sicherheitsgründen hat die Polizei nun das diesjährige Gedenken verboten, [...] Bei dem aktuellen Verbot handelt es sich um das erste Mal, dass das Treffen in Okahandja verboten wird [...]
Die Differenzen der zwei Lager sind am Standort des Heiligen Feuers der Ovaherero entbrannt [...] Uvatera Kuhanga, Senior-Ratsherr aus dem Haus Maharero erklärte am Mittwoch: „Wir bestehen kategorisch darauf, dass wir nach Okahandja gehen, um den Friedhof und das Erbe unserer Ahnen zu beschützen, was immer es koste – Tod oder Leben.“
Für die Ovaherero der Roten Flagge war es ein Wochenende des Zorns, der Enttäuschung aber gleichzeitig des Aufbruchs, das polizeilich verbotene Gedenken nachzuholen. Die Polizei wurde laut Sonderberater Vekuii Rukoro davon schriftlich benachrichtigt [...] Nach dem Polizeiverbot der Feier am vergangenen Wochenende, das am Donnerstag aus Sicherheitsgründen erlassen worden war – zum ersten Mal in der Geschichte des Maharero-Gedenkens seit August 1923 – reichte die Fraktion der Roten Flagge am Freitag einen Eilantrag am Obergericht ein, der gar nicht behandelt, sondern aus dem Grund abgewiesen wurde, dass es den Antragstellern nicht gelungen sei, die Dringlichkeit zu beweisen. Daraufhin versammelten sich die Anhänger des Chefs Kuaima Riruako am Samstagmittag in voller Montur mit exerzierenden Truppenspielern in Katutura wie zu einem Volkstag - mit dem Unterschied, dass die zahlreichen Reden fast ausschließlich aus Protest gegen das Polizeiverbot des Ahnen- und Heldengedenkens bestanden. Der Zorn der Redner richtete sich an drei Instanzen und Adressen.
Zum ersten Mal droht das Verhältnis zwischen den Sprachgruppen Ovambo und Ovaherero ernstlich in die Niederungen pauschaler ethnischer Gehässigkeit abzurutschen. Vorurteile und unterschwellige Ressentiments gibt es unter den meisten Gruppen, inklusive der Weißen, aber innerhalb der Klammer der Nationalfarben und des Aufbaus der Nation haben sich solche Spannungen bisher in Grenzen gehalten und wurden durch Gemeinsamkeiten wieder abgebaut.
Generalinspektor Sebastian Ndeitunga hat gestern dem Gesuch der Riruako-Fraktion der Ovaherero stattgegeben, am kommenden Wochenende das traditionelle Ahnen- und Kriegergedenken in Okahandja zu begehen, nachdem die Polizei diese Feier vergangene Woche aus Sicherheitsgründen verboten hatte. Die Genehmigung gilt nur für die Organisation der Roten Flagge von Chef Kuaima Riruako und nicht für das rivalisierende Haus Tjamuaha Maharero und seine Verbündeten der Führungsclans Zeraua, Kambazembi und andere. Nach Ndeitungas Ankündigung gestern Vormittag hat das Haus Maharero durch seinen Sprecher, den Akademiker Phanuel Kapaama, am Nachmittag Protest gegen die Genehmigung für die Fraktion Riruako bekundet, weil Angehörige dieser Gruppe vor einem Jahr absichtlich das Häuptlingsgrab Samuel Mahareros geschändet hätten.