Sahara - Great Man Made River Project

Nachrichten zu und aus den Sahara- und Wüstenregionen.

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achim
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Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von achim »

SATELLITENBILD DER WOCHE

Uraltes Wasser aus der Wüste
24.03.2006

Mit einem gigantischen Rohrsystem pumpt Libyen Grundwasser aus der Wüste zu den Städten an der Mittelmeerküste. Ein Satellitenbild zeigt einige der riesigen Anlagen des Systems, das als eines der größten zivilen Technikprojekte weltweit gilt ...
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Birgitt
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Birgitt »

Saharan Water Pipe Project Irrigates Desert
By Phuong Tran - Timia, Niger - 05 June 2008

Phuong Tran Report / Broadband - Download (WM) video clip
Phuong Tran Report / Broadband - Watch (WM) video clip
Phuong Tran Report / Dialup - Download (WM) video clip
Phuong Tran Report / Dialup - Watch (WM) video clip


In Libya, people are starting to get their water from one of the most unlikely places on Earth: the Saharan desert. About 30 years ago, scientists looking for oil found water instead - and there is now a multi-billion dollar pipeline to pump it to Libya's coastal cities. But most people in the desert still draw water from wells, waiting for rain, and hoping their oases will not run dry. Phuong Tran brings VOA this report from Timia, Niger ... :arrow: weiterlesen und download

Gruß
Birgitt
Alexander
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Alexander »

Puiser de l’eau dans le désert... Le projet pharaonique de la Lybie

La Libye est un pays aride, principalement désertique, dans lequel l’eau potable est perpétuellement rare.Au milieu des années 50, la recherche du pétrole dans le désert dans la partie Sud du pays a révélé l’existence d’une précieuse source et d’une apparente solution : une nappe d’eau fossile.Pour amener cette eau ancienne à la surface et la distribuer à la population, le gouvernement libyen a lancé le projet de la Grande rivière artificielle...

Übersetzung

Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

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Birgitt
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Birgitt »

FOCUS | Concrete
Pure Technologies monitors Great Man Made River Project in Libya

20.05.2010 - journal of commerce

With 500,000 pre-stressed concrete cylinder pipes (PCCP) running some 4,000 kilometres through the Sahara Desert, the Great Man Made River Project is the largest PCCP project in the world. But monitoring a pipeline that will eventually carry six million cubic metres of water per day from well fields deep in the Sahara to population centres on Libya’s northern coast has been the job of Calgary-based Pure Technologies for the past decade. Using its SoundPrint acoustic fibre optic (AFO) system, Pure Technologies monitors the nearly $20 billion pipeline for deterioration, allowing the Great Man Made River Authority (GMMRA) to take preventative measures before a section of the pipeline fails ... mehr

Gruß
Birgitt
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GMMR

Beitrag von Birgitt »

LIBYEN
Öl und Wasser in Hülle und Fülle - und doch kein Paradies für die Armen

09.08.2010 - Das Parlament

Wasserreserven für 4.860 Jahre und Rohrsysteme quer durch den Sand: Wie der reiche Wüstenstaat im Norden Afrikas gegen Hitze und Trockenheit neues Ackerland gewinnt ... mehr

Gruß
Birgitt
Kuno
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Re: GMMR

Beitrag von Kuno »

Birgitt hat geschrieben:Wasserreserven für 4.860 Jahre und Rohrsysteme quer durch den Sand...
Wie berechnet man Wasserreserven fuer 4'860 Jahre?

Oder anders formuliert - stellt euch mal vor, dass jemand vor 4'860 Jahren den Wasserverbrauch von heute bestimmt haette...
Birgitt
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Birgitt »

Libya's Qaddafi taps 'fossil water' to irrigate desert farms
23.08.2010 - cs monitor

[...] The Libyan government says reserves will last the country 4,625 years according to current rates of demand. But independent estimates indicate that the aquifer could be depleted in as soon as 60 to 100 years, says Stephen Longhorn, a professor of geography at the University of Victoria in Canada ... mehr

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Birgitt
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Birgitt »

Wassernot
Rettung aus der Eiszeit
27.12.2010 - Frankfurter Rundschau

Libyen zapft mit Macht die gigantischen Süßwasserreserven unter der Sahara an. Die Idee stamm aus den 60er Jahren und soll zum „achten Weltwunder“ werden ... mehr

Gruß
Birgitt
Regula St.
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Après nous le déluge...

Beitrag von Regula St. »

Birgitt hat geschrieben:Wassernot
Rettung aus der Eiszeit
27.12.2010 - Frankfurter Rundschau

Libyen zapft mit Macht die gigantischen Süßwasserreserven unter der Sahara an. Die Idee stamm aus den 60er Jahren und soll zum „achten Weltwunder“ werden ... mehr

Gruß
Birgitt
Wasser aus der Eiszeit ist ja schon okay, aber Entnahmen aus dieser Reserve können vorläufig nicht mehr ersetzt werden...

Und etwas vorher:
Kuno hat geschrieben:
Birgitt hat geschrieben:Wasserreserven für 4.860 Jahre und Rohrsysteme quer durch den Sand...
Wie berechnet man Wasserreserven fuer 4'860 Jahre?

Oder anders formuliert - stellt euch mal vor, dass jemand vor 4'860 Jahren den Wasserverbrauch von heute bestimmt haette...
Betrachtet bitte die nachfolgende, in Gänsefüsschen stehende Aussage als Ironie...
*Man braucht doch, was da ist: wir leben schliesslich jetzt! Und was nach uns kommt, ist uns sch :?: egal :!: ."

Wahrscheinlich sorge ich mich zu sehr um die Umwelt und noch mehr...

LG Regula
Horst
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Horst »

Sahara-Wasser für Libyens Küste
Zeit Online vom 27.12.2010

Pipelines von der Größe eines Autotunnels pumpen Wasser aus der Tiefe an die Küsten und in die Wüste Libyens. Martin Gehlen hat eine Schaltzentrale des Projekts besucht.

Der ganze Artikel in werbefreier Druckansicht

Grüße,
Horst
Kuno
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Kuno »

"Unser Reporter", Martin Gehlen spielt mit den Zahlen, genau so wie es die Leute der Finanzinstitute tun.

Es faengt eigentlich harmlos an:

"Pipelines von der Größe eines Autotunnels pumpen Wasser aus der Tiefe an die Küsten und in die Wüste Libyens."

Das ist leicht uebertrieben. Oder kennt jemand einen Autotunnel mit 4,5 Metern Durchmesser?

"Der Nubische Aquifer
Der Nubische Aquifer, den sich die Länder Ägypten, Libyen, Sudan und Tschad teilen, ist das größte fossile Frischwasservorkommen der Welt.

Das Wasser ist zwischen 35.000 und 15.000 Jahre alt und stammt aus der letzten Eiszeit. Die Vereinten Nationen schätzen das Gesamtvolumen auf mindestens 373.000 Milliarden Kubikmeter, von denen aber nur rund 9000 Milliarden Kubikmeter abpumpbar sind.

In Ägypten speist es Oasen, Wüstenseen und Sahara-Brunnen. Libyen zapft die Vorräte über Kufra für seinen künstlichen Fluss ab. Nach Kalkulationen des UN-Zentrums für Umwelt und Entwicklung für die arabische Region und Europa (Cedare) in Kairo reichen die Vorräte dieses Aquifers bei den heutigen Entnahmeraten noch 4860 Jahre.

Wasser unter der Sahara
Libyen hat vier unterirdische fossile Wasserspeicher: Die Kufra- und Sarir-Becken in der Osthälfte sind Teile des Nubischen Aquifers. Sie haben eine Kapazität von 35.000 Milliarden Kubikmetern. Im Südwesten liegt das Murzuk-Becken mit 4000 Milliarden Kubikmetern und im Westen das Hamada-Becken mit 3500 Milliarden Kubikmetern, welches zu dem unter Tunesien und Algerien fließenden Nord-Sahara-Aquifer gehört.

Zusammen addieren sich die fossilen Wasservorräte Libyens auf 37.500 Milliarden Kubikmeter, von denen etwa 10.000 bis 12.000 Milliarden abpumpbar sind. Bei einer jährlichen Entnahme von 2,4 Milliarden Kubikmeter reichen diese Reserven nach libyschen Berechnungen zwischen 4000 und 5000 Jahre."


Wenn nach Schaetzungen der UNO (und wer schaetzt sowas bei der UNO?) insgesamt aus dem Reservoir von 373'000 Milliarden Kubikmetern nur 9'000 Milliarden Kubikmeter abpumpbar sind, wie kann dann Libyen alleine 10 - 12'000 Milliarden Kubikmeter abpumpar haben, wenn auf Libyschem Gebiet nur insgesamt 35'000 Milliarden Kubikmeter Wasser gespeichert sind?
Kuno
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von Kuno »

Gelen's Artikel ist richtig schlecht gemacht:

""Das Projekt wird für unsere Generation den Mindestbedarf an Wasser decken", bilanziert Agrarminister El Gaood. Die Einwände von westlichen Umweltschützern, Libyen treibe kurzsichtigen Raubbau an den unersetzbaren Vorräten und ignoriere die ökologischen Gefahren, lässt er nicht gelten."

Wenn Gaood sagt, dass das Wasser fuer eine Generation reicht, dann widerspricht das doch schon ziemlich den weiter oben genannten 4-5000 Jahren; oder nicht?

Und wenn Gaood die Vorwuerfe nicht gelten laesst, dann sollte Herr Gehlen doch mindestens seine Gegenargumente auflisten. Mach er aber nicht.
DetlevC
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Re: Sahara - Great Man Made River Project

Beitrag von DetlevC »

Na ja. Vielleicht haben die Kritiker der Wasserentnahmen Recht, vielleicht auch nicht.

Aber - wie sieht es mit dem libyschen Öl und Gas aus? Und die damit verbundenen Schäden an der Umwelt?

Sicher, wir brauchen hier in Deutschland kein Wasser aus der Sahara. Uns reicht es, wenn immer schön getankt werden kann und das bitte auch zu erträglichen Preisen. Und dann kommt es zu Tiefseebohrungen, siehe BP im Golf und was weiß ich sonst noch. Wenn ich mich richtig erinnere, wird vor der libyschen Küste jetzt auch bald im Tiefseebereich gebohrt. Von BP meine ich.

Aber wehe, ein unbeliebter arabischer Potentat tut so was, ein Staat, der vorgestern noch zu den Schurkenstaaten gehörte!

Politik ist wirklich eine merkwürdige Sache. Um nicht zu sagen scheinheilige Sache.
Angelika Gutsche
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Re: Grundwasser - Trinkwasser - Krieg um Wasser

Beitrag von Angelika Gutsche »

LIBYEN: DAS GREAT-MAN-MADE-RIVER-PROJEKT

Libyen ist ein zweifach gesegnetes Land, denn sein größter Reichtum ist nicht wie viele denken das Erdöl, sondern es ist das Wasser, jenes lebensnotwenige Element, das auf unserem Trabanten immer knapper wird und um das deshalb, wie Harald Welzer in seinem Buch über Klimakriege befürchtet, die erbarmungslosesten Kriege des 21. Jahrhunderts geführt werden könnten.

Als man vor nicht ganz fünfzig Jahren unter dem Sand der Sahara unglaublich große Mengen von fossilem Grundwasser entdeckte, stellte dies eine Sensation dar. Der Fund von bestem Süßwasser in der Wüste, das kam einem Wunder gleich! Um dieses Wasser nutzbar zu machen, musste ein Plan erdacht werden, wie das Nass zu fördern und zu transportieren sei. In der Folge entstanden große Pumpanlagen und ein gigantisches Wasserleitungssystem, mit dessen Hilfe das fossile Wasser aus dem Süden des Landes durch ein riesiges Röhrensystem, dessen Röhren vier Meter im Durchmesser haben, an die Küste gepumpt wird, um die dort in den Städten lebende Bevölkerung mit frischem Wasser zu versorgen beziehungsweise es in der Landwirtschaft zur Bewässerung nutzbar zu machen. Nicht nur Großstädte wie Tripolis und Bengasi sind von dieser Wasserzufuhr komplett abhängig, sondern insgesamt deckt der Great-Man-Made-River 70 Prozent des Wasserbedarfs von Libyen. Dieser große künstliche Fluss stellt unzweifelhaft das bedeutendste Projekt der Ära Gaddafi dar. Er ist das größte jemals vom Menschen erschaffene Röhrensystem der Welt und fand als solches 2008 Eingang ins Guinnessbuch der Rekorde. Alle internationalen Experten gaben sich begeistert und seine Bedeutung für die Entwicklung Libyens ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Umso schockierender waren die Nachrichten, dass dieses wichtigste unter den Infrastrukturprojekten Libyens im Juli 2011 Ziel eines Bomben-Angriffes durch die NATO-Staaten geworden ist. Nachdem bereits die Wasserleitung von Brega durch Bomben getroffen wurde, bombardierte die NATO am 22. Juli die in der Nähe gelegene Fabrik, in der die Röhren für die Wasserleitungen hergestellt wurden, und zerstörte große Teile der Anlage. Bei dem Angriff kamen auch sechs Sicherheitskräfte des Werks ums Leben. Als Vorwand für den Angriff gab die NATO bei einer Pressekonferenz am 26. Juli 2011 in Neapel an, es hätte sich bei dem angegriffenen Ziel um militärische Versorgungseinrichtungen gehandelt und in der benachbarten Betonfabrik seien bewaffnete Gaddafi-Kräfte mit Raketenabschussvorrichtungen gesichtet worden. Allerdings geht aus damaligen Google-Earth-Aufnahmen eindeutig hervor, dass es sich bei den fraglichen Bauwerken um eine Röhrenfabrik und keinesfalls um militärische Einrichtungen handelte. Dass die Angreifer wussten, was das Ziel ihres Angriffs war, lässt auch die Äußerung des Rebellensprechers Shamsiddin Abdulmolah in einem Interview vier Tage vor der Bombardierung des Röhrenwerks vermuten: „Ihre [Gaddafis Kämpfer, die sich in Brega aufhielten] Lebensmittel- und Wasserversorgung wird gekappt und sie werden nicht mehr schlafen können.“ Sollte also die Zerstörung des Röhrenwerks auch dazu dienen, die Reparatur der Wasserpipeline nach Brega zu verhindern?

Die in der Fabrik produzierten Stahlbetonröhren werden dringend benötigt, um Rohre von defekten Leitungen, deren Länge insgesamt über 4.000 Kilometer misst, bei Reparaturen austauschen zu können. Die Funktionsfähigkeit des Röhrenwerks ist somit für die Versorgung des ganzen Landes mit Wasser von größter Wichtigkeit. Mit dem Flugzeugangriff auf das Röhrenwerk hat sich die NATO unmissverständlich eines Verstoßes gegen das internationale Recht schuldig gemacht, das den Angriff auf Ziele, die der zivilen Infrastruktur und Versorgung der Bevölkerung dienen, als Kriegsverbrechen einstuft. In Paragraph 54 heißt es: „Das Angreifen, Zerstören, Entfernen oder Abschalten benötigter Objekte, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unverzichtbar sind, ist verboten.“ Einen Monat nach dem Angriff auf das Great-Man-Made-River-Projekt war mehr als die Hälfte Libyens ohne Fließendwasser.

Um die Bedeutung dieses Wasserleitungssystem, das von den Libyern als das achte Weltwunder bezeichnet wird, deutlich zu machen, muss man sich noch einmal vor Augen führen, dass Libyen ein Land ist, das zu 95 Prozent aus Wüste besteht. Es gibt in Libyen keinen einzigen natürlichen Fluss, der das ganze Jahr Wasser führt. Die meisten Wadis füllen sich nur einmal im Jahr zur Regenzeit mit Wasser. Es gibt im Süden Libyens Gegenden, in denen es gerade mal alle 25 Jahre regnet, wobei die Feuchtigkeit oft nicht am Boden ankommt, sondern noch in der Luft verdunstet. Zwar regnet es an der Küste in den Wintermonaten, doch hat sich hier der Grundwasserspiegel gesenkt und durch Einsickern des Meereswassers hat das Grundwasser einen relativ hohen Salzgehalt, was sich negativ auf die Trinkwasserqualität auswirkt. Welche Kostbarkeit die Versorgung mit Süßwasser aus der Sahara für ein so wasserknappes Land wie Libyen darstellt, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Nähert man sich heute durch Hitze und Sand auf einer unüberschaubar großen Wüstenplatte Kufra, bemerkt man die neben der Straße verlaufenden Wälle, unter denen die großen Betonstahlrohre verlegt sind. Nahe der Oasenstadt grünt die Sahara wieder, diesmal allerdings in abgezirkelten Kreisen inmitten des gelben Wüstensandes. Es handelt sich um landwirtschaftliche Pflanzungen, die von großen, sich im Kreis drehende Sprinkleranlagen mit fossilem Wasser bewässert werden. Gaddafis Traum, sich das fossile Wasser zunutze machen, wurde wahr.

Das mineralarme Gletscherwasser stammt aus der letzten Feuchtperiode, als es in der Sahara noch grünte und blühte, und ist zwischen 38.000 und 14.000 Jahre alt. Es wird heute aus 40 bis 100 Meter tiefen Becken empor gepumpt. 1983 vergab Gaddafi die ersten Aufträge an bundesdeutsche Röhrenhersteller und koreanische Baufirmen. Zwischenzeitlich ist das gesamte Know-how auf Libyen übergegangen und die Fabriken wurden in eigene Regie übernommen. 1991 weihte man den ersten Strang der Wasserpipeline ein. Mit dieser Leitung werden die Städte Agdabiya, Sirte und Bengasi versorgt. 1996 folgte die Fertigstellung der Phase 2, die nun Tripolis an die fossile Wasserversorgung anschloss, 2006 folgte die Stadt Gharian in den Nafusa-Bergen und in der Phase 3 wurde auch Tobruk an ein neues Brunnenfeld angeschlossen. Die UNESCO zeichnete 1999 Libyen für die Finanzierung des Great-Man-Made-River-Projekts mit dem Internationalen Wasser-Preis aus, der vergeben für bemerkenswerte wissenschaftliche Forschung im Bereich des Wasserverbrauchs in Trockengebieten wird. Von den insgesamt fünf Bauphasen des Projekts konnten die ersten drei bis zum Ausbruch des Kriegs realisiert werden.

Wichtige Lagerstätten des fossilen Nass‘ sind die vier großen Becken von Kufra, Sirte, Mursuk, Hamada- und Al-Jufrah, wo das Wasser in nubischem Sandstein gespeichert ist. Das Kufra-Becken beinhaltet etwa 20.000 km³ Wasser, dies entspricht einer Menge, wie sie in etwa 220 Jahren den Nil hinab fließt; das Sirte-Becken dürfte über die Hälfte dieser Wassermenge verfügen, das Mursuk-Becken etwa über 5.000 km³. Das Wasser wird an die Oberfläche gepumpt und hauptsächlich mithilfe des natürlichen Gefälles, aber auch unter dem Einsatz von Pumpen als großer künstlicher Fluss unterirdisch zur Küste geführt. Ursprünglich war vorgesehen, die Wüste im Bereich der Wasserförderanlagen im großen Stil als landwirtschaftliche Anbauflächen zu nutzen. Jedoch haben sich die Projekte bei Kufra und Sarir aufgrund der starken Wasserverdunstung, der weiten Transportwege und der hohen Kosten nicht als sinnvoll erwiesen und so hat man sich entschieden, das Wasser an die Küste zu transportieren. Auch in den Küstengegenden wird etwa 70 Prozent des Wassers für die Landwirtschaft genutzt. Sogar Versuchsflächen für organischen Landbau wurden angelegt. Es herrschte die Vorstellung, Libyen könne sich unabhängig von Lebensmittelimporten machen, ja sogar Überschüsse für den Export produzieren. Dieser Plan ist jedoch aus oben genannten Gründen nicht aufgegangen und es fragt sich, ob er jemals sinnvoll war. Warum sollte Libyen seine kostbaren Wasserressourcen für eine teure Lebensmittelproduktion verschwenden, anstatt mit den Erlösen aus dem Erdölverkauf Nahrungsmittel zu importieren?

Unter Gaddafi wurden im Jahr 1983 die ersten Aufträge an koreanische Baufirmen erteilt, dass unter dem Saharasand gefundene fossile Wasser, zu fördern. In der Folge entstand ein gigantisches, in der Welt absolut einmaliges Projekt. Das Wasserförderprojekt in Sarir, wo das Wasser aus 150 bis 400 Metern Tiefe geholt werden muss, verfügt beispielsweise über ein eigenes Kraftwerk mit sechs Gasturbinen zur Erzeugung von Strom. Zwei Leitungsstränge führen von hier an die Küste, wo das Wasser in einen riesigen, ebenfalls menschengemachten See fließt. Die Wassermassen dieser künstlichen Seen verbessern durch die Verdunstung das Mikroklima. Das neueste von vier Wasserreservoiren verfügt über einen 35 Meter hohen Damm, die Grundfläche hat die Größe von 93 Fußballfeldern. Bemerkenswert dabei, dass Libyen inzwischen fast keine ausländische Unterstützung für diese Großprojekte mehr braucht, sondern die gesamte Planung und den Bau alleine bewältigt. Libyen war bis zum Krieg 2011 weltweit führend in Wasserbautechnologie.

Die Leitstelle für das gesamte Management des Projekts Wüstenwasser befindet sich in Bengasi. Von einem Kontrollraum aus kann alles überwacht und gesteuert werden. Der tägliche Mindestverbrauch liegt bei einer halben Million Kubikmeter Wasser.

Die Befürchtungen, die Förderung des fossilen Grundwassers könne zu einem Absinken des Wasserspiegels führen, haben sich nicht bewahrheitet. So wird in Tazerbo ständig der Wasserspiegel geprüft. Bisher konnte kein Abfall festgestellt werden, obwohl Bengasi bereits seit 1991 am Wüstenwasser angeschlossen ist und Tripolis 1996 folgte.
Schätzungen zufolge könnten die fossilen Wasserreserven etwa hundert Jahre reichen. Das spricht jedenfalls nicht dafür, das Wasser nicht zu nutzen. Denn was ist besser? In hundert Jahren kein Wasser mehr zu haben, oder gleich kein Wasser zu haben? Im ersteren Fall hat man zumindest Zeit gewonnen. Und vielleicht sollte man noch erwähnen, dass dieses Leitungssystem grundsätzlich auch mit entsalztem Meerwasser genutzt werden könnte.

„Wasser statt Waffen“, unter dieses Motto stellte Gaddafi das größte Wasserbau-Ingenieurwerk der Welt, dass der libyschen Bevölkerung die Versorgungssicherheit mit dem wichtigsten aller Lebensmittel garantiert. Welch böse Ironie, dass dessen Funktionieren nun gerade durch Waffen in Frage gestellt wird.

Das Sahara-Wasser weckt Begehrlichkeiten. Wer hatte gehofft, nach dem Waffengang gegen Libyen vom fossilen Wasser profitieren zu können? Bisher hat das Wüstenwasser die Lebensverhältnisse des libyschen Volkes immens verbessert. Jetzt steht zu befürchten, dass gierige Großkonzerne bereitstehen, um das libysche Wasser – den wichtigsten Rohstoff der Zukunft – zu privatisieren. Gerade in dieser trockenen Weltgegend, in der Länder wie Sudan und Ägypten verbittert bei zunehmender Wasserknappheit um das Wasser des Nils oder Jordanien und Israel um das Wasser des Jordans streiten, stellt sich die Frage: Wer kann sich Libyens Wasser ohne eigene Investitionskosten unter den Nagel reißen? Es bleibt zu hoffen, dass sich auf dem Etikett der Plastikflaschen zukünftig neben „Man-Made-River-Water“ nicht die Namen von Lebensmittelkonzernen wie Nestle oder von privaten Wasserwerken wie Veolia finden.
Angelika Gutsche
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Re: Grundwasser - Trinkwasser - Krieg um Wasser

Beitrag von Kuno »

Angelika Gutsche hat geschrieben:Das mineralarme Gletscherwasser stammt aus der letzten Feuchtperiode, als es in der Sahara noch grünte und blühte, und ist zwischen 38.000 und 14.000 Jahre alt.
Bist du ganz sicher, dass es sich da um "Gletscherwasser" handeln könnte?
Und mineralarm? Dann haben sie also bei all den Wasserfeldern völlig umsonst die Aufbereitungsanlagen nachgerüstet, durch die alles Wasser durchgedrückt wurde, bevor es in die Röhren kam.... weil es diese sonst imemr zerfressen hat.
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