Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
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- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
war alles überhaupt kein Problem, lieber Uwe! Ich hatte ja wie beschrieben eine englische Übersetzung der Papiere mit und der Wagen ist in Deutschland versichert, was eine grüne Versicherungskarte einbrachte, die natürlich sehr hilfreich und zeitsparend war. Ich habe mir in der Planungsphase auch viele Gedanken gemacht, aber es war alles ganz einfach - auch auf der Rückreise (über die berichte ich noch, das hier war ja die Hinreise in den Urlaub!).
Viele Grüße
Achim
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- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
So, nun geht es weiter. In den folgenden Postings findet Ihr die Beschreibung der Rückreise von Berlin nach Amman im August 2009.
Viel Spaß wieder beim Lesen und Schauen!
Achim
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Inzwischen sind fast sechs Wochen seit meiner Ankunft in der Heimat vergangen, die Reise von Amman über die Türkei, Griechenland, den Balkan, Italien und die Alpen liegt weit zurück. Mehr als 2.000 Kilometer bin ich mittlerweile durch Deutschland getingelt, habe manches gute Glas Wein mit Freunden getrunken, bin auf alten Spuren gewandelt und habe meine Heimat als Tourist erlebt – ein ungewohntes Gefühl. Noch ungewohnter sind allerdings die teils skurrilen Erlebnisse unterwegs: In Biberach versuche ich, eine Umweltplakette für meinen Wagen zu bekommen und lande bei einem Autohändler, wo ich am Schalter – alles ist global – auf eine Inderin treffe, die mir im breitesten Schwäbisch weiterhilft: „Da müssen wir nur kurz mit dem Landratsamt telefonieren". Dort wird prompt entschieden und so klebt wenige Minuten später die grüne Plakette an meiner Frontscheibe.
Noch besser wird es in Berlin, wo ich mich zunächst über die vielen Autofahrer ärgere, die mich scheinbar grundlos anhupen. Erst nach einiger Zeit realisiere ich, dass palästinensische, libanesische oder türkische Taxifahrer mich freudig als Landsmann begrüßen: „Bist Du aus Palästina?" fragt mich einer auf Arabisch, mein Äußeres völlig ignorierend. „Nein, aus Jordanien“, entgegne ich. „Ahlan wa sahlan“, ruft er freudig durchs Seitenfenster zurück – herzlich willkommen –, „ich bin aus Libanon". Von einem libanesischen Taxifahrer als Jordanier in Berlin begrüßt zu werden – ich entdecke meine Stadt aus einer völlig neuen Perspektive.
Der Höhepunkt ist schließlich ein Besuch in meiner Stammwerkstatt im brandenburgischen Stahnsdorf. Dort reagiert der Mechaniker beim Blick auf meinen arabischen Fahrzeugschein überraschend: „Davon haben wir doch noch einen hier!" Prompt steht kurz darauf ein weiterer Pajero auf dem Hof und ich traue meinen Augen nicht: Nachdem ich seit der Türkei kein arabisches Fahrzeug mehr gesehen habe, kommt dieser ausgerechnet aus den Vereinigten Arabischen Emiraten!

"Gipfeltreffen" im brandenburgischen Stahnsdorf: Potsdam-Mittelmark, Jordanien, Sharjah!
Noch besser wird es in Berlin, wo ich mich zunächst über die vielen Autofahrer ärgere, die mich scheinbar grundlos anhupen. Erst nach einiger Zeit realisiere ich, dass palästinensische, libanesische oder türkische Taxifahrer mich freudig als Landsmann begrüßen: „Bist Du aus Palästina?" fragt mich einer auf Arabisch, mein Äußeres völlig ignorierend. „Nein, aus Jordanien“, entgegne ich. „Ahlan wa sahlan“, ruft er freudig durchs Seitenfenster zurück – herzlich willkommen –, „ich bin aus Libanon". Von einem libanesischen Taxifahrer als Jordanier in Berlin begrüßt zu werden – ich entdecke meine Stadt aus einer völlig neuen Perspektive.
Der Höhepunkt ist schließlich ein Besuch in meiner Stammwerkstatt im brandenburgischen Stahnsdorf. Dort reagiert der Mechaniker beim Blick auf meinen arabischen Fahrzeugschein überraschend: „Davon haben wir doch noch einen hier!" Prompt steht kurz darauf ein weiterer Pajero auf dem Hof und ich traue meinen Augen nicht: Nachdem ich seit der Türkei kein arabisches Fahrzeug mehr gesehen habe, kommt dieser ausgerechnet aus den Vereinigten Arabischen Emiraten!

"Gipfeltreffen" im brandenburgischen Stahnsdorf: Potsdam-Mittelmark, Jordanien, Sharjah!
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Nun aber ist es Zeit, den langen „Heimweg" nach Amman anzutreten. An einem Freitag verlassen wir frühmorgens Berlin. Mit dabei sind diesmal Moritz und seine Freundin Séverine. Moritz ist schon mit unserem Ältesten in den Kindergarten gegangen. Inzwischen studieren die beiden. Zufällig habe ich erfahren, dass die zwei überland in den Orient wollen. Mit ihnen als Begleitung ändert sich für mich natürlich vieles: Einerseits bin ich nicht mehr allein unterwegs wie auf der Hinfahrt, andererseits kann ich meinen Gedanken nicht mehr so einfach stundenlang nachhängen. Doch Moritz und Séverine sind eine enorme Bereicherung. Nicht zuletzt, weil sie viel jünger sind, kommen ihre Eindrücke aus einer völlig anderen Perspektive. Andererseits: Während ich auf dem Hinweg alles minutiös geplant hatte, improvisieren wir nun mehr, weil die beiden auf ihre Reisekasse achten müssen.
Immer wieder habe ich festgestellt, dass manchmal ein einfacher Blick auf den Atlas ganz neue Ideen für die Reiseroute hervorzaubert. Dass wir nun in Richtung Osten fahren, um nach Jordanien zu kommen, ist nur auf den ersten Blick überraschend. Die Ostroute ist von Berlin aus kürzer als der Weg über den Balkan, von den Staus dort in der Hochsaison ganz abgesehen. So treffen wir am Nachmittag in Krakau ein und genießen bei herrlichem Wetter die Altstadt mit ihrer Architektur und ihrer entspannten Atmosphäre.

Krakau am Abend: Blick auf Schloss Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige

Fellow Travellers: Enten aus Finnland in Krakau
Immer wieder habe ich festgestellt, dass manchmal ein einfacher Blick auf den Atlas ganz neue Ideen für die Reiseroute hervorzaubert. Dass wir nun in Richtung Osten fahren, um nach Jordanien zu kommen, ist nur auf den ersten Blick überraschend. Die Ostroute ist von Berlin aus kürzer als der Weg über den Balkan, von den Staus dort in der Hochsaison ganz abgesehen. So treffen wir am Nachmittag in Krakau ein und genießen bei herrlichem Wetter die Altstadt mit ihrer Architektur und ihrer entspannten Atmosphäre.

Krakau am Abend: Blick auf Schloss Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige

Fellow Travellers: Enten aus Finnland in Krakau
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Am nächsten Morgen besuchen wir Auschwitz und Birkenau, wo wir eine private Führung gebucht haben. Es ist lange her, dass ich ein Konzentrationslager besucht habe. Umso wichtiger scheint mir der Blick auf die Vergangenheit jetzt, wo ich im Nahen Osten arbeite. Nirgendwo wird die Unendlichkeit des Grauens so überdeutlich wie auf dem endlosen Gelände Birkenaus. In Auschwitz wiederum ist die Dichte des Schreckens kaum auszuhalten. Schweigend und sehr nachdenklich überqueren wir am Nachmittag die Höhenzüge der Tatra und fahren weiter in die Slowakei.

Endstation Birkenau: Blick in die Hölle

Der nächste Tag beginnt für uns früh, denn wir müssen Zeit gut machen: Ausgerechnet am Tag vor unserer Abfahrt hatte uns die Reederei mitgeteilt, dass die Fähre, die wir von Odessa aus nehmen wollen, schon einen Tag früher fährt – entspannte Reiseplanung sieht anders aus. Ungarn durchqueren wir deshalb ohne Aufenthalt, wobei der Osten um Debrecen zumindest von der Autobahn aus ohnehin nicht besonders anziehend wirkt.


Eindrücke aus Ungarn

Endstation Birkenau: Blick in die Hölle

Der nächste Tag beginnt für uns früh, denn wir müssen Zeit gut machen: Ausgerechnet am Tag vor unserer Abfahrt hatte uns die Reederei mitgeteilt, dass die Fähre, die wir von Odessa aus nehmen wollen, schon einen Tag früher fährt – entspannte Reiseplanung sieht anders aus. Ungarn durchqueren wir deshalb ohne Aufenthalt, wobei der Osten um Debrecen zumindest von der Autobahn aus ohnehin nicht besonders anziehend wirkt.


Eindrücke aus Ungarn
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Wesentlich schöner wird die Fahrt nach der nächsten Grenze, als wir nach Siebenbürgen hinüber kommen. Wir genießen die hügelige Landschaft mit ihrem satten Grün und die teils alten Städte mit ihrem Flair. Rumänien und später Georgien sind die beiden Länder, die uns besonders positiv überraschen; wir sind uns einig, dass wir hier mal eigene Ferien verbringen wollen. Irgendwie wirkt die Fahrt manchmal wie eine Pfadfindermission, um potenzielle Ziele für spätere Urlaube zu erkunden.
Abends kehren wir in einer der alten Kirchenburgen Siebenbürgens im Örtchen Cristian bei Braşov ein. Die Pfarrersfrau heißt uns willkommen und führt uns in unsere Gemächer, riesige, sehr persönlich gehaltene Zimmer mit alten Möbeln, aber viel Flair. Wie früher die Kutscher dürfen wir unser Auto im Garten abstellen, das große Tor wird nachts diebstahlsicher verschlossen.


Herberge in der alten Kirchenburg von Cristian bei Braşov

Straßenszene in Cristian in Siebenbürgen
Abends kehren wir in einer der alten Kirchenburgen Siebenbürgens im Örtchen Cristian bei Braşov ein. Die Pfarrersfrau heißt uns willkommen und führt uns in unsere Gemächer, riesige, sehr persönlich gehaltene Zimmer mit alten Möbeln, aber viel Flair. Wie früher die Kutscher dürfen wir unser Auto im Garten abstellen, das große Tor wird nachts diebstahlsicher verschlossen.


Herberge in der alten Kirchenburg von Cristian bei Braşov

Straßenszene in Cristian in Siebenbürgen
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Roger-Tecumseh
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Achim Vogt hat geschrieben:war alles überhaupt kein Problem, lieber Uwe! Ich hatte ja wie beschrieben eine englische Übersetzung der Papiere mit und der Wagen ist in Deutschland versichert, was eine grüne Versicherungskarte einbrachte, die natürlich sehr hilfreich und zeitsparend war.
Viele Grüße
Achim
Da mal schnell eine praktische Frage: Du konntest also Dein Auto bei einer deutschen Gesellschaft versichern, obwohl es ein auslaendisches Kennzeichen - noch dazu im fernen "Arabien" - hat? Ist ein solcher Tarif nicht erheblich teurer, als fuer das deutsche Kennzeichen?
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Lieber Roger,
ob es teurer als in Deutschland ist, kann ich nicht sagen, da es um einen speziellen Tarif geht. Es gibt meines Wissens zwei große Versicherungsgesellschaften, Helvetia und Allianz, die so etwas anbieten. Ich bin aber nicht sicher, ob sich das Angebot möglicherweise auf entsandte Fachkräfte beschränkt, also nicht jede(r) in den Genuss dieses Angebotes kommt.
Aber auch mit einer jordanischen Versicherung kann mensch nach Deutschland reisen. Vermutlich muss dann nur, wie umgekehrt ja auch an den hiesigen Grenzen, eine Kurzzeitversicherung abgeschlossen werden. Jedenfalls sieht mensch überall in Europa Fahrzeuge mit außereuropäischen Kennzeichen.
Viele Grüße
Achim
ob es teurer als in Deutschland ist, kann ich nicht sagen, da es um einen speziellen Tarif geht. Es gibt meines Wissens zwei große Versicherungsgesellschaften, Helvetia und Allianz, die so etwas anbieten. Ich bin aber nicht sicher, ob sich das Angebot möglicherweise auf entsandte Fachkräfte beschränkt, also nicht jede(r) in den Genuss dieses Angebotes kommt.
Aber auch mit einer jordanischen Versicherung kann mensch nach Deutschland reisen. Vermutlich muss dann nur, wie umgekehrt ja auch an den hiesigen Grenzen, eine Kurzzeitversicherung abgeschlossen werden. Jedenfalls sieht mensch überall in Europa Fahrzeuge mit außereuropäischen Kennzeichen.
Viele Grüße
Achim
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Immer einsamer wird die Gegend, als wir am nächsten Tag weiter Richtung Osten fahren. Im Grenzgebiet zu Moldawien sehen wir kaum noch andere Fahrzeuge, manchmal hat es den Anschein, als wären wir in den Steppen Zentralasiens unterwegs. Auch an der Grenze selbst ist wenig los. Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass wir mit einem jordanischen Nummernschild so schnell und unbürokratisch von Rumänien nach Moldawien kommen.

Einsame Landschaft im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Moldawien
Moldawien selbst ist zunächst das Armenhaus, das wir uns vorgestellt haben. Auf den holprigen Landstraßen ist kaum Verkehr, die wenigen klapprigen Ladas teilen sich die Wege mit alten Traktoren, auf den Feldern ist vor allem Handarbeit angesagt. Dennoch oder gerade deswegen übt das Land einen eigentümlichen Reiz aus. Wir sind traurig, dass wir wegen der knappen Zeit auf das geplante Treffen mit einer Kollegin in der Hauptstadt Chisinau verzichten müssen.
In den Außenbezirken treffen wir an einer Quelle auf Junge und Alte, die in großen Kanistern heiliges und heilendes Wasser sammeln. „Fahrt nur nicht durch Transnistrien“, warnt uns ein junger Mann und macht mit seiner einen Hand ein eindeutiges Zeichen an seinem Hals. Auch die Kollegin hat uns gewarnt, Polizei und Militär seien unberechenbar. In vielen Berichten im Internet sind die Einschätzungen wesentlich entspannter, wir haben den Eindruck, hier werden Stereotypen der einen über die andere Seite breitgetreten. Andererseits müssen wir abends in Odessa sein – und wer unter Druck steht, ist für korrupte Polizisten auf der ganzen Welt eine leichte Beute. Also weichen wir schweren Herzens nach Süden aus, wo es mehrere Grenzübergänge gibt.

Kennzeichen eines nicht existierenden Landes: Autofahrer aus der abtrünnigen moldawischen Region Transnistrien können nur nach Moldawien, in die Ukraine und nach Russland reisen
Leider haben wir die Rechnung ohne die moldawischen Urlauber gemacht, die eines der beliebten Apartments an der Schwarzmeerküste gebucht haben. Statt wie geplant einen entspannten Abend im quirligen Nachtleben von Odessa zu genießen, hängen wir knapp 60 Kilometer davor an der moldawisch-ukrainischen Grenze im Stau. Wie im Süden üblich fällt die Nacht urplötzlich über das Land, auf der Straße zwischen der moldawischen und der ukrainischen Abfertigung ist es stockfinster. Nur das Stimmengewirr zeigt an, dass mit uns Dutzende Familien oder Gruppen von Freunden warten. Sechs Stunden später haben wir die fehlenden 300 Meter geschafft und passieren die Grenze völlig problemlos. Keine langen Diskussionen, keine Gepäckkontrolle – lediglich der bürokratische Papierkram hat die Abfertigung so verzögert, wie wir Mitteleuropäer es nur noch aus einer weit entfernten Vergangenheit in Erinnerung haben.

Abendstimmung an der Grenze zur Ukraine: sechs Stunden Wartezeit für 300 Meter - wenig romantisch
Erst gegen zwei Uhr nachts erreichen wir Odessa und finden uns im kyrillischen Zeichensalat nicht gleich zurecht. Ich spreche einen Taxifahrer an, der uns aber nicht die Richtung zeigt, sondern einfach quer durch die Stadt vorausfährt und uns bis zum Hotel lotst. Ich möchte mich gerne erkenntlich zeigen, schließlich hat er faktisch eine durchaus längere Fahrt für uns unternommen, aber er winkt nur fröhlich und ist schon um die nächste Ecke verschwunden. An der letzten Kreuzung vor dem Hotel gibt es mitten in der Nacht plötzlich noch einmal ein kleines Hupkonzert: Neben uns steht ein Kuwaiti an der Ampel – auf welcher Route er hierher gekommen ist, weiß Allah.

Einsame Landschaft im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Moldawien
Moldawien selbst ist zunächst das Armenhaus, das wir uns vorgestellt haben. Auf den holprigen Landstraßen ist kaum Verkehr, die wenigen klapprigen Ladas teilen sich die Wege mit alten Traktoren, auf den Feldern ist vor allem Handarbeit angesagt. Dennoch oder gerade deswegen übt das Land einen eigentümlichen Reiz aus. Wir sind traurig, dass wir wegen der knappen Zeit auf das geplante Treffen mit einer Kollegin in der Hauptstadt Chisinau verzichten müssen.
In den Außenbezirken treffen wir an einer Quelle auf Junge und Alte, die in großen Kanistern heiliges und heilendes Wasser sammeln. „Fahrt nur nicht durch Transnistrien“, warnt uns ein junger Mann und macht mit seiner einen Hand ein eindeutiges Zeichen an seinem Hals. Auch die Kollegin hat uns gewarnt, Polizei und Militär seien unberechenbar. In vielen Berichten im Internet sind die Einschätzungen wesentlich entspannter, wir haben den Eindruck, hier werden Stereotypen der einen über die andere Seite breitgetreten. Andererseits müssen wir abends in Odessa sein – und wer unter Druck steht, ist für korrupte Polizisten auf der ganzen Welt eine leichte Beute. Also weichen wir schweren Herzens nach Süden aus, wo es mehrere Grenzübergänge gibt.

Kennzeichen eines nicht existierenden Landes: Autofahrer aus der abtrünnigen moldawischen Region Transnistrien können nur nach Moldawien, in die Ukraine und nach Russland reisen
Leider haben wir die Rechnung ohne die moldawischen Urlauber gemacht, die eines der beliebten Apartments an der Schwarzmeerküste gebucht haben. Statt wie geplant einen entspannten Abend im quirligen Nachtleben von Odessa zu genießen, hängen wir knapp 60 Kilometer davor an der moldawisch-ukrainischen Grenze im Stau. Wie im Süden üblich fällt die Nacht urplötzlich über das Land, auf der Straße zwischen der moldawischen und der ukrainischen Abfertigung ist es stockfinster. Nur das Stimmengewirr zeigt an, dass mit uns Dutzende Familien oder Gruppen von Freunden warten. Sechs Stunden später haben wir die fehlenden 300 Meter geschafft und passieren die Grenze völlig problemlos. Keine langen Diskussionen, keine Gepäckkontrolle – lediglich der bürokratische Papierkram hat die Abfertigung so verzögert, wie wir Mitteleuropäer es nur noch aus einer weit entfernten Vergangenheit in Erinnerung haben.

Abendstimmung an der Grenze zur Ukraine: sechs Stunden Wartezeit für 300 Meter - wenig romantisch
Erst gegen zwei Uhr nachts erreichen wir Odessa und finden uns im kyrillischen Zeichensalat nicht gleich zurecht. Ich spreche einen Taxifahrer an, der uns aber nicht die Richtung zeigt, sondern einfach quer durch die Stadt vorausfährt und uns bis zum Hotel lotst. Ich möchte mich gerne erkenntlich zeigen, schließlich hat er faktisch eine durchaus längere Fahrt für uns unternommen, aber er winkt nur fröhlich und ist schon um die nächste Ecke verschwunden. An der letzten Kreuzung vor dem Hotel gibt es mitten in der Nacht plötzlich noch einmal ein kleines Hupkonzert: Neben uns steht ein Kuwaiti an der Ampel – auf welcher Route er hierher gekommen ist, weiß Allah.
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Morgens sitzen wir etwas zerknittert im Frühstücksraum des Black Sea Hotels, die müden Augen geblendet von den schrillen Orangetönen aus den sechziger Jahren. Aber wir sind fest gewillt, den verlorenen Abend wieder wett zu machen und die Stadt zumindest ein wenig zu erobern. Also schlendern wir durch die Innenstadt mit ihrem vielen Grün, bewundern die perspektivische Meisterleistung der Potemkinschen Stufen am Hafen und die vielen renovierten Häuser der Innenstadt.

Im Zentrum von Odessa

Potemkinsche Treppe am Hafen von Odessa

Geschichte: Die Fähre von Odessa nach Istanbul mit der "Caledonia" der UKRFERRY wurde im Sommer 2010 eingestellt.

Odessa-Impressionen

Im Zentrum von Odessa

Potemkinsche Treppe am Hafen von Odessa

Geschichte: Die Fähre von Odessa nach Istanbul mit der "Caledonia" der UKRFERRY wurde im Sommer 2010 eingestellt.

Odessa-Impressionen
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Im Büro der UKRFERRY holen wir unsere Tickets ab. Am frühen Nachmittag fahren wir zum Hafen von Ilyichevsk, wo wir in der Sommerhitze noch einmal mehrere Stunden warten müssen, ehe wir endlich aufs Schiff dürfen. Zu den vielen Merkwürdigkeiten der Bürokratie auf dieser Reise kommt hier eine weitere hinzu: Das Auto wird mit einem Geigerzähler auf radioaktive Strahlung untersucht!
Bevor es am späten Abend endlich losgeht, haben wir Gelegenheit, unsere Mitreisenden zu beobachten: Eine Hundertschaft Lkw-Fahrer dominiert – schließlich ist die „Greifswald“, noch Ende der achtziger Jahre als eines der letzten Schiffe in der DDR gebaut, eine gemischte Lkw- und Eisenbahnfähre. Hinzu kommen fünf Autohändler, die in Osteuropa gebrauchte Mercedes-Limousinen gekauft haben. Außer uns und einem italienisch-französischen Paar aus Kiew sind nur noch ein paar Rucksackreisende als Touristen an Bord.
Zunächst passiert nicht viel. Als wir am Morgen an Deck kommen, liegen wir immer noch vor der Küste, haben kaum zehn Seemeilen zurückgelegt. Ein Motorschaden muss repariert werden, Mechaniker kommen an Bord, Stunden später sind wir erleichtert, als eine schwarze Rauchsäule in den blauen Himmel aufsteigt und es weitergeht. Nach den Anstrengungen der letzten Tage genießen wir nun die Erholung an Bord, liegen in der Sonne, lesen und wechseln ein paar Worte mit den eher wortkargen Lkw-Fahrern, die auf dem Weg in den Kaukasus oder noch weiter Richtung Seidenstraße sind. Wie eine Schicksalsgemeinschaft treffen wir uns zu den gemeinsamen Mahlzeiten oder beobachten abends an Deck den Sternenhimmel und die vorbeiziehenden Lichter der Krim oder von Sochi.

An Bord der "Greifswald", einer Ende der achtziger Jahre in Rostock gebauten Lkw-Eisenbahn-Fähre

Auf dem Weg von Odessa nach Georgien über das Schwarze Meer
Zweieinhalb Tage später erreichen wir morgens Poti in Georgien. Vom Wasser aus macht das Städtchen einen morbiden Eindruck. Alte Wohnbunker aus der Stalinzeit, halb gesunkene oder verrostete Kähne, die Öllachen am Kai – Georgien scheint uns von seiner Schattenseite begrüßen zu wollen. Aber dann sind da die weißen Boote im Yachthafen und ein Spezialschiff sammelt ultramodern Abfälle aus dem Hafenwasser – wie so häufig wollen die Bilder nicht zueinander passen.

Routenplanung an Bord der Greifswald

Eine Hundertschaft Lkw-Fahrer erwartet die Ankunft in Georgien

Morbider Charme in Poti
Eine Armada georgischer Beamter kommt an Bord und überprüft die Papiere der Passagiere und der Fahrzeuge. Der Nachteil des bürokratischen Overkills: Wir dürfen erst von Bord, nachdem alle Passagiere abgefertigt sind. Das aber zieht sich über Stunden, und am Ende ist die Laderampe eine Stunde lang durch einen der Autohändler blockiert, der in der Stadt erst noch sein Visum organisieren muss. Immer wieder sind wir fasziniert und fast ein wenig beschämt angesichts der Geduld, die die – sichtlich genervten – Lkw-Fahrer zeigen. In Deutschland hätte es sicher einen mittleren Aufstand gegeben, hier fällt kein einziges lautes Wort. Wir „Privaten“ müssen noch auf den Zollhof, wo wir – allen Warnungen aus Odessa zum Trotz – erneut sehr korrekt abgefertigt werden. Angesichts der vielen Vorräte, die ich in Deutschland für unser Zuhause in Amman eingekauft habe, war ich auf ganz andere Diskussionen eingestellt.
Gemütlich erkunden wir Poti, besorgen lokales Geld, fahren kurz zum Yachthafen hinunter und verlassen am Spätnachmittag die Stadt Richtung Batumi. Dank der subtropischen, üppigen Vegetation fühle ich mich in dieser Landschaft ein wenig an Westafrika erinnert, die Stimmung ist aufgelockert, an einem Aussichtspunkt laden mich georgische Männer zu einem selbstgebrannten Schnaps ein.

Tropenfeeling auf dem Kaukasus: Auf dem Weg von Poti nach Batumi
Bevor es am späten Abend endlich losgeht, haben wir Gelegenheit, unsere Mitreisenden zu beobachten: Eine Hundertschaft Lkw-Fahrer dominiert – schließlich ist die „Greifswald“, noch Ende der achtziger Jahre als eines der letzten Schiffe in der DDR gebaut, eine gemischte Lkw- und Eisenbahnfähre. Hinzu kommen fünf Autohändler, die in Osteuropa gebrauchte Mercedes-Limousinen gekauft haben. Außer uns und einem italienisch-französischen Paar aus Kiew sind nur noch ein paar Rucksackreisende als Touristen an Bord.
Zunächst passiert nicht viel. Als wir am Morgen an Deck kommen, liegen wir immer noch vor der Küste, haben kaum zehn Seemeilen zurückgelegt. Ein Motorschaden muss repariert werden, Mechaniker kommen an Bord, Stunden später sind wir erleichtert, als eine schwarze Rauchsäule in den blauen Himmel aufsteigt und es weitergeht. Nach den Anstrengungen der letzten Tage genießen wir nun die Erholung an Bord, liegen in der Sonne, lesen und wechseln ein paar Worte mit den eher wortkargen Lkw-Fahrern, die auf dem Weg in den Kaukasus oder noch weiter Richtung Seidenstraße sind. Wie eine Schicksalsgemeinschaft treffen wir uns zu den gemeinsamen Mahlzeiten oder beobachten abends an Deck den Sternenhimmel und die vorbeiziehenden Lichter der Krim oder von Sochi.

An Bord der "Greifswald", einer Ende der achtziger Jahre in Rostock gebauten Lkw-Eisenbahn-Fähre

Auf dem Weg von Odessa nach Georgien über das Schwarze Meer
Zweieinhalb Tage später erreichen wir morgens Poti in Georgien. Vom Wasser aus macht das Städtchen einen morbiden Eindruck. Alte Wohnbunker aus der Stalinzeit, halb gesunkene oder verrostete Kähne, die Öllachen am Kai – Georgien scheint uns von seiner Schattenseite begrüßen zu wollen. Aber dann sind da die weißen Boote im Yachthafen und ein Spezialschiff sammelt ultramodern Abfälle aus dem Hafenwasser – wie so häufig wollen die Bilder nicht zueinander passen.

Routenplanung an Bord der Greifswald

Eine Hundertschaft Lkw-Fahrer erwartet die Ankunft in Georgien

Morbider Charme in Poti
Eine Armada georgischer Beamter kommt an Bord und überprüft die Papiere der Passagiere und der Fahrzeuge. Der Nachteil des bürokratischen Overkills: Wir dürfen erst von Bord, nachdem alle Passagiere abgefertigt sind. Das aber zieht sich über Stunden, und am Ende ist die Laderampe eine Stunde lang durch einen der Autohändler blockiert, der in der Stadt erst noch sein Visum organisieren muss. Immer wieder sind wir fasziniert und fast ein wenig beschämt angesichts der Geduld, die die – sichtlich genervten – Lkw-Fahrer zeigen. In Deutschland hätte es sicher einen mittleren Aufstand gegeben, hier fällt kein einziges lautes Wort. Wir „Privaten“ müssen noch auf den Zollhof, wo wir – allen Warnungen aus Odessa zum Trotz – erneut sehr korrekt abgefertigt werden. Angesichts der vielen Vorräte, die ich in Deutschland für unser Zuhause in Amman eingekauft habe, war ich auf ganz andere Diskussionen eingestellt.
Gemütlich erkunden wir Poti, besorgen lokales Geld, fahren kurz zum Yachthafen hinunter und verlassen am Spätnachmittag die Stadt Richtung Batumi. Dank der subtropischen, üppigen Vegetation fühle ich mich in dieser Landschaft ein wenig an Westafrika erinnert, die Stimmung ist aufgelockert, an einem Aussichtspunkt laden mich georgische Männer zu einem selbstgebrannten Schnaps ein.

Tropenfeeling auf dem Kaukasus: Auf dem Weg von Poti nach Batumi
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Wir fahren durch Adscharien, eine der drei abtrünnigen Provinzen Georgiens, die glücklicherweise wieder in den Staatsverband zurückgekehrt ist.

Neues Land - neue Schrift

Adscharien, eine der abtrünnigen georgischen Provinzen. Doch während Abchasien und Südossetien noch immer abgetrennt sind, ist Adscharien nun wieder frei bereisbar und Teil Georgiens.
Im Ferienort Batumi pulsiert das Leben, die Häuser sind mondän renoviert, am Strand sitzen wir in einer Chillout-Lounge, die auch auf Sylt stehen könnte – welch ein Kontrast zu Poti. Irgendwie sind wir unendlich weit weg von Berlin – und irgendwie auch ganz nah dran, wie das Gespräch mit dem Kellner belegt, der gerne in der deutschen Basketball-Liga spielen möchte. Nur die iranischen Autos auf dem Parkplatz zeigen, dass Tourismus auch ganz unerwartete Richtungen einschlagen kann.

Renovierte Altstadthäuser in Batumi

Chillout-Lounge am Strand

Lichtspiele am Strand

Religion kann auch bunt sein - Kirche in Batumi

Iranische Touristen in Batumi

Neues Land - neue Schrift

Adscharien, eine der abtrünnigen georgischen Provinzen. Doch während Abchasien und Südossetien noch immer abgetrennt sind, ist Adscharien nun wieder frei bereisbar und Teil Georgiens.
Im Ferienort Batumi pulsiert das Leben, die Häuser sind mondän renoviert, am Strand sitzen wir in einer Chillout-Lounge, die auch auf Sylt stehen könnte – welch ein Kontrast zu Poti. Irgendwie sind wir unendlich weit weg von Berlin – und irgendwie auch ganz nah dran, wie das Gespräch mit dem Kellner belegt, der gerne in der deutschen Basketball-Liga spielen möchte. Nur die iranischen Autos auf dem Parkplatz zeigen, dass Tourismus auch ganz unerwartete Richtungen einschlagen kann.

Renovierte Altstadthäuser in Batumi

Chillout-Lounge am Strand

Lichtspiele am Strand

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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Als wir weiterfahren, ist das Wetter umgeschlagen, es regnet in Strömen und wir verzichten schweren Herzens auf den Weg über die Berge. Stattdessen kommen wir über den Küstenübergang in die Türkei. Ich bin selbst darüber erstaunt, wie sehr ich nach dem Abenteuer Südosteuropa ausgerechnet in der Türkei wieder das Gefühl von Vertrautheit genieße. Und nur wenige Kilometer weiter müssen die eigenen Bilder ein weiteres Mal korrigiert werden: Statt durch den früher rückständigen Osten der Türkei fahren wir durch ein Land im Aufbruch: Mit Milliardeninvestitionen modernisiert Ankara das Hinterland, treibt Fernstraßen und Brücken ins Gebirge und bringt die Konsumgesellschaft auch noch in den letzten Winkel.

Stürmische Zeiten am Schwarzen Meer, kurz hinter der Grenze zur Türkei

Noch sind nicht alle Straßen im anatolischen Hochland ausgebaut
Am nächsten Tag besuchen wir Ani, eine beeindruckende, alte Handelsstadt an der Seidenstraße, die aufgrund der Grenznähe zu Armenien jahrelang für Touristen nur eingeschränkt zugänglich war. Lange wandern wir durch das riesige verlassene Areal mit der alten Kathedrale und entlang des Grenzflusses, der sich tief ins Gebirge eingegraben hat. Kaum vorstellbar, dass hier einmal 100.000 Menschen gelebt haben. Durch eine ursprüngliche Landschaft mit winzigen Weilern tasten wir uns über eine Piste wieder zur Hauptstraße zurück. Wenig später sind wir auf 2000 Metern auf einer Hochebene unterwegs, wo nur ein mächtiger Regenbogen einen Farbklecks ins Pastell der Wiesenlandschaft pinselt, als uns ein Konvoi entgegen kommt: Dass wir ausgerechnet hier in der Weite Anatoliens dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan begegnen würden, hätten wir am allerwenigsten erwartet.


Denkmal umgekehrt: Türkische Erinnerung an die Gewalttaten von Armeniern an Türken (sic!)

Eindrucksvolle Landschaft am Grenzfluss zwischen der Türkei und Armenien in Ani

Kathedrale in Ani


Piste entlang der armenischen Grenze zurück zur Hauptstraße



Stürmische Zeiten am Schwarzen Meer, kurz hinter der Grenze zur Türkei

Noch sind nicht alle Straßen im anatolischen Hochland ausgebaut
Am nächsten Tag besuchen wir Ani, eine beeindruckende, alte Handelsstadt an der Seidenstraße, die aufgrund der Grenznähe zu Armenien jahrelang für Touristen nur eingeschränkt zugänglich war. Lange wandern wir durch das riesige verlassene Areal mit der alten Kathedrale und entlang des Grenzflusses, der sich tief ins Gebirge eingegraben hat. Kaum vorstellbar, dass hier einmal 100.000 Menschen gelebt haben. Durch eine ursprüngliche Landschaft mit winzigen Weilern tasten wir uns über eine Piste wieder zur Hauptstraße zurück. Wenig später sind wir auf 2000 Metern auf einer Hochebene unterwegs, wo nur ein mächtiger Regenbogen einen Farbklecks ins Pastell der Wiesenlandschaft pinselt, als uns ein Konvoi entgegen kommt: Dass wir ausgerechnet hier in der Weite Anatoliens dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan begegnen würden, hätten wir am allerwenigsten erwartet.


Denkmal umgekehrt: Türkische Erinnerung an die Gewalttaten von Armeniern an Türken (sic!)

Eindrucksvolle Landschaft am Grenzfluss zwischen der Türkei und Armenien in Ani

Kathedrale in Ani


Piste entlang der armenischen Grenze zurück zur Hauptstraße


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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Stundenlang fahren wir auf der Hochebene, links zeigt ein Straßenschild den Abzweig in die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan, geradeaus thront schneebedeckt der Ararat. Bis auf 2.640 Meter Höhe führt die Fernstraße hinauf, auf dem Pass ist es empfindlich kalt. Abends erreichen wir Van, wo Moritz und Séverine eine Freundin aus Frankreich besuchen, die hier ein Praktikum absolviert. Ihr Bild vom Aufbruch Anatoliens ist differenzierter, vor allem als Frau erlebt sie die auch in Van immer noch vorwiegend von Traditionen geprägte Gesellschaft ganz anders als wir im bloßen Vorbeifahren.

In der Nähe des Ararat

Höchster Pass am Ararat
Am nächsten Morgen bin ich zum ersten Mal wieder allein unterwegs. Moritz und Séverine wollen in Van ein paar Tage bleiben und besuchen uns erst einige Wochen später in Amman, nach einer Tour durch Syrien und den Libanon. Ich fühle mich zugleich einsam und frei, finde die plötzliche Stille im Auto bedrückend und erlebe zugleich voll Freude, mit mir und der Landschaft allein zu sein. Ich vermisse die so reifen Reflexionen der beiden und freue mich, meine eigenen Gedanken wieder fliegen lassen zu können.
Entlang des Van-Sees fahre ich in einen sonnigen Tag und nähere mich „meiner“ arabischen Welt.

Am Van-See

Interessante Ortsschilder
In Hasankeyf erreiche ich den Tigris, besuche die Ruinenstadt und entspanne mich beim Mittagessen in einem der Restaurants, die über den Fluss gebaut sind. Der süße Tee auf dem Wasser ist ein ganz eigenes Erlebnis. Über Midyat führt die Fahrt entlang einer wunderschönen langgestreckten Flussoase auf der Nationalstraße 47. Abends sitze ich in einem Hotel an der Straße außerhalb von Nusaybin, draußen steht als einziges Fahrzeug mein Pajero auf dem Parkplatz.

Hasankeyf am Ufer des Tigris

Restaurant auf dem Tigris

In Midyat

Flussoase auf der Nationalstraße 47, auf dem Weg nach Nusaybin

In der Nähe des Ararat

Höchster Pass am Ararat
Am nächsten Morgen bin ich zum ersten Mal wieder allein unterwegs. Moritz und Séverine wollen in Van ein paar Tage bleiben und besuchen uns erst einige Wochen später in Amman, nach einer Tour durch Syrien und den Libanon. Ich fühle mich zugleich einsam und frei, finde die plötzliche Stille im Auto bedrückend und erlebe zugleich voll Freude, mit mir und der Landschaft allein zu sein. Ich vermisse die so reifen Reflexionen der beiden und freue mich, meine eigenen Gedanken wieder fliegen lassen zu können.
Entlang des Van-Sees fahre ich in einen sonnigen Tag und nähere mich „meiner“ arabischen Welt.

Am Van-See

Interessante Ortsschilder
In Hasankeyf erreiche ich den Tigris, besuche die Ruinenstadt und entspanne mich beim Mittagessen in einem der Restaurants, die über den Fluss gebaut sind. Der süße Tee auf dem Wasser ist ein ganz eigenes Erlebnis. Über Midyat führt die Fahrt entlang einer wunderschönen langgestreckten Flussoase auf der Nationalstraße 47. Abends sitze ich in einem Hotel an der Straße außerhalb von Nusaybin, draußen steht als einziges Fahrzeug mein Pajero auf dem Parkplatz.

Hasankeyf am Ufer des Tigris

Restaurant auf dem Tigris

In Midyat

Flussoase auf der Nationalstraße 47, auf dem Weg nach Nusaybin
- Achim Vogt
- Moderator
- Beiträge: 2854
- Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
- Wohnort: Kampala / Uganda
Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Am nächsten Morgen hat mich das geliebte und vermisste Chaos des Orients wieder: Am Übergang von Nusaybin nach Qamishliye in Syrien – in beiden Städten wohnen Kurden – sorgt der kleine Grenzverkehr für ein unbeschreibliches Durcheinander, in dem verzweifelte Menschen auf der Suche nach ihren unauffindbaren Pässen buchstäblich über die Schalter klettern. Für mich hat das Schauspiel vor allem den Vorteil, dass kein Grenzer Zeit hat, mir unbequeme Fragen zu stellen.
Von der Grenze bis nach Deir ez-Zor am Euphrat und weiter nach Palmyra quäle ich mich durch einen endlosen Sandsturm, Bote der Dürre, die den Nordosten Syriens seit zwei Jahren im Griff und zehntausende Bewohner – von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt – zur Flucht nach Damaskus getrieben hat. Erst kurz vor Palmyra hat der Spuk ein Ende und ich kann fast alleine durch die faszinierenden Ruinen schlendern. Die letzte Nacht dieser Reise verbringe ich stilecht im altehrwürdigen Zenobia-Hotel.

Sandsturm auf der Strecke von Qamishliye nach Deir ez-Zor

Tankstelle an der Straße nach Palmyra

Palmyra fast ohne Touristen

Die Weiterfahrt verläuft ereignislos, den Kampf mit der letzten Grenze teile ich mir mit all den arabischen Touristen, die jetzt bereits wieder auf dem Heimweg aus dem Sommerurlaub in Beirut sind.

Einfache Entscheidung
Am späten Nachmittag rolle ich durch die Außenbezirke Ammans. Hier kenne ich wieder jede Kreuzung und wie bei der Abfahrt bin ich verwirrt über die scheinbare Normalität. Nach mehr als 14.000 Kilometern scheint es, als wäre ich nie weg gewesen. Zu Hause begrüßen mich die Kinder, als käme ich von der Arbeit. Aber es wird noch Wochen dauern, bis die äußere Normalität in meinem Innenleben angekommen ist.
Soweit dieser Bericht, der ursprünglich in zwei Teilen 2010 in der Zeitschrift "Trotter" der Deutschen Zentrale für Globetrotter erschien.
Viele Grüße von "zuhause" aus Amman
Achim
Von der Grenze bis nach Deir ez-Zor am Euphrat und weiter nach Palmyra quäle ich mich durch einen endlosen Sandsturm, Bote der Dürre, die den Nordosten Syriens seit zwei Jahren im Griff und zehntausende Bewohner – von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt – zur Flucht nach Damaskus getrieben hat. Erst kurz vor Palmyra hat der Spuk ein Ende und ich kann fast alleine durch die faszinierenden Ruinen schlendern. Die letzte Nacht dieser Reise verbringe ich stilecht im altehrwürdigen Zenobia-Hotel.

Sandsturm auf der Strecke von Qamishliye nach Deir ez-Zor

Tankstelle an der Straße nach Palmyra

Palmyra fast ohne Touristen

Die Weiterfahrt verläuft ereignislos, den Kampf mit der letzten Grenze teile ich mir mit all den arabischen Touristen, die jetzt bereits wieder auf dem Heimweg aus dem Sommerurlaub in Beirut sind.

Einfache Entscheidung
Am späten Nachmittag rolle ich durch die Außenbezirke Ammans. Hier kenne ich wieder jede Kreuzung und wie bei der Abfahrt bin ich verwirrt über die scheinbare Normalität. Nach mehr als 14.000 Kilometern scheint es, als wäre ich nie weg gewesen. Zu Hause begrüßen mich die Kinder, als käme ich von der Arbeit. Aber es wird noch Wochen dauern, bis die äußere Normalität in meinem Innenleben angekommen ist.
Soweit dieser Bericht, der ursprünglich in zwei Teilen 2010 in der Zeitschrift "Trotter" der Deutschen Zentrale für Globetrotter erschien.
Viele Grüße von "zuhause" aus Amman
Achim




