Der Akakus ruft
Moderator: Moderatoren
Der Akakus ruft
Hallo,
hier ein kurzer stichpunktartiger Bericht zu unserer letzten Reise nach Libyen.
Die Überfahrt von Genova nach Tunis und zurück war diesmal sehr angenehm, ohne großen Wellengang. Die Tunesischen Fahrgäste werden noch immer in den Restaurants mit den größeren Portionen und Nachschlägen bedacht.
Ein sehr guter Umtauschkurs gab es in der Wechselstation direkt im Hafengelände.
Die Autobahn führt bis nach Sfax. Somit ist Tunesien als Transitland mit einer Übernachtung vor der libyschen Grenze leicht zu durchfahren.
Der Andrang tunesischer Kraftstoffhändler ist durch die schon beschriebenen Einreiseänderungen zum erliegen gekommen.
Das Ein- und Ausreiseprozedere kommt mir jedes Mal verändert vor. Wahrscheinlich ist dem auch soooo.
Diesmal haben wir in einem Telefonladen eine libysche SIM-Karte mit einer Prepaidkarte (Aufladekarte) erstanden. Mit dieser ist es um ein vielfaches günstiger von Libyen nach Deutschland zu telefonieren. Durch die Phantasiepreise (Roamingkosten) meines deutschen Anbieters mußte ich das letzte Mal für 5 kurze??? Gespräche etwas über 145,- Euro bezahlen.
Nach dem jetzt 3. Besuch von Ghadames ist sehr schön die positive Veränderung in der Altstadt zu erkennen. Viele alte Häuser sind bereits saniert und es wird rege weitergearbeitet.
Die Quelle Ain El Fras ist saniert.
Die Wasser- und Abwasserkanäle werden von Unrat befreit.
Eingestürzte Wände wieder aufgerichtet, verputzt und gestrichen.
Jetzt werden sogar die Wände mit Ornamenten bemahlt.
Die Dattelpalmen geschnitten und bestäubt.
Straßennamen, Häuser und Moscheen neu beschriftet.
Der Weg von Ghadames direkt nach Al Awainat war problemlos befahrbar. Es wurde nirgends nach einem zusätzlichen ortskundigen und teuren Führer zu dem vorhandenen Zwangsbegleiter gefragt.
In der Nähe von Bir Helu trafen wir eine Tuareggruppe aus Ghat mit 4 schönen-alten Toyotas. Diese waren auf dem Weg nach Ghadames, um eine größere spanische Reisegruppe abzuholen und zu begleiten.
Der Weg zum Wadi Maridat war mir zu steinig. Das drückt schon sehr das Fortkommen.
Die interessanten Felsformationen waren jedoch eine beeindruckende Einstimmung für die 8 Tage im Tadrart-Akakus.
Also ich gebe es zu, der Nationalpark Tadrart-Akakus ist fantastisch.
Und mit 8 Tagen Zeit konnten wir in Ruhe bald jedes Wadi und viele Schluchten abfahren, genau erkunden und wirken lassen.
In „vielen“ Sackgassen stand Wasser in den Gueltas. Manche führten Wasser in allen Kaskaden. Einige Gueltas führten nur Wasser in den oberen Becken.
Im Süden war es sehr heiß. Fast jeden Abend hat es ganz leicht geregnet, oder zumindest getröpfelt. Manchmal ist das Regenwasser auch schon vorher in der Luft verdunstet.
Eines Abends dachten wir, es käme eine gigantische Gewitterfront aus Algerien herübergezogen. Dann prasselte es und stach auf der Haut. Doch es war kein Regen, sondern eine Staubwand die uns überrollte. So schnell hatten wir noch nie alles verräumt und in den Fahrzeugen Zuflucht gesucht.
Eine Begebenheit läßt uns jedoch noch immer Grübeln was das zu Bedeuten hatte.
Im „Eingang“ vom Akakus, dem Adat hatten wir eine längere Rast bei der Polizeistation mit Tee, Unterhaltung, Essen usw. eingelegt.
Da glaubten wir einen Hubschrauber zu hören. Und tatsächlich, es flog ein Hubschrauber über die vorderen Hügel und umkreiste den Adat.
Mein Partner war zu diesem Zeitpunkt am Adat und dachte, jetzt ist es um Ihn geschehen. Die Kalaschnikows werden gezückt und…. Nein, ein kleiner Mann mit riesigem Hut stieg aus dem Hubschrauber und blinkte ihn mit einem Signalspiegel an.
Nun gut, mit einem Spiegel wird man selten erschossen. So fährt er hin und erfährt, der kleine Mann mit Riesenhut ist Engländer.
Ob er, also mein Partner, ihm vielleicht helfen könnte eine Landebahn für Flugzeuge zu bauen.
Ja ja, den hat’s voll erwischt, zu viel Sonne eben!!!
Aber nein, wirklich, in einer halben Stunde kommt noch ein weiterer Hubschrauber mit 3 Kleinflugzeugen. Die benötigen eine Landehilfe.
Die kennt Ihr ja alle. Diese riesige Hantel aus 2 Kreisen mit einer Verbindungslinie. Das hat doch Almasy in den 30ern schon so in Ägypten gemacht.
„Ok, das mach ich doch gerne. Ich muß nur meinem Partner“, also mir, „Bescheid geben“.
Mit diesen Worten kommt er zu mir und erklärt „er müsse mal kurz eine Landebahn bauen“.
Wahrscheinlich habe ich sehr verstört geschaut und meinte nur: „ja ja, mach nur, paß aber auf“!
Ich dachte aber: den hat’s voll erwischt, zu viel Sonne eben!!!
Frag´ jetzt keiner, weshalb ich nicht auch zum Adat gefahren bin. Es landen ja nicht ständig Hubschrauber in der Nachbarschaft. Außerdem läßt man seinen vom Sonnenstich gezeichneten Partner nicht alleine losfahren.
Also, wenn einem Touristen es nicht so gut geht, sagen wir mal Kopfschmerzen, dann erklärt einem ein Tuareg, daß hiefür die beste Medizin die Asche eines kleinen Tuaregfeuers ist, die noch heiß auf die Stirn und Kopf gerieben wird. Morgen sind die Schmerzen vorüber.
Hat er, der Tourist, jedoch kräftige Magenkrämpfe, dann wird nicht ein kleines Feuerchen entfacht, nein, sondern ein großes. Die heiße Asche, was sonst, wird beiseite geräumt, daß eine tiefe Mulde entsteht, um den Touristen darin zu versenken. Darüber wird der Rest der heißen Asche mit dem heißen Sand gefüllt, daß der größte Teil des Touristen verschwunden ist. Morgen sind die Koliken vorüber.
Was ich jedoch die letzten Jahre erkannt habe ist, daß dieser Wirkstoff, heiße Tuaregfeuerasche, nur bei Touristen wirkt. Bei Tuaregs, Berbern oder Arabern ist diese Heilmethode vollkommen wirkungslos. Hier muß immer mit profaner westlicher Medizin ausgeholfen werden.
Und diese Aushilfe mußte ich gerade leisten.
Also mein Partner fährt zwischenzeitlich seine Kreise und die ca. 300 Meter lange Verbindungslinie als Landepiste.
Anscheinend war der anwesenden Obrigkeit das ungewöhnliche Vorkommnis nicht angekündigt worden. Heftigste Funksprüche und Telefonate mit den Händis wurden geführt, so daß es nicht lange dauerte und mehrere Toyota Pick Up´s sternförmig aus allen Richtungen angeschossen kamen, um das Spektakel zu inspizieren.
Allah sei Dank, fliegen in Afrika die Flieger nicht so schnell und der rote Halbmond konnte seine Praxis schließen, daß auch ich die Vorkommnisse in Augenschein nehmen konnte.
Mittlerweile waren 2 Hubschrauber gelandet und es kündigte sich das erste Flugzeug zur Landung an. Es staubt gewaltig und irgendwann kommt er zum stehen.
Ich pirsche mich langsam an den vollkommen in weiß gekleideten (weiße Schirmmütze, weißes T-Shirt, darunter weißen BH, weiße lange Hose, darunter weißen Slip, weiße Socken und weiße, vollkommen weiße Turnschuhe) weiblichen Fahrgast des 2. Hubschraubers an:
„As-salamu Alleikum“ kaifa halluki, lebäss? Alhamdu lillah“
Sie: „Oh, ei äm sorry, ei dount spiek äräbik“
Na gut, den Spaß hat sie nicht verstanden: „Hau duu juu duu“?
Sie: it is wery hot hier!
Ich: “oh real”? (Stimme am Ende nach oben)
Anscheinend kam ich der weißen Lady zu Nahe. Wann hatte ich das letzte Mal geduscht? Ich konnte mich nicht erinnern. Gewaschen? Ja, das war in Serdeles. Zähne geputzt? Ja, das war heute früh, also alles im grünen Bereich.
Seit sie gelandet ist, also eigentlich noch gar nicht angekommen, hat sie schon 2 Flaschen Wasser getrunken. Aber irgend etwas stört sie. Sie geht aus dem dürftigen Schatten der Akazie in die pralle Sonne. Ich bilde mir ein, sie prüft die Windrichtung.
Eine ähnliche Begebenheit hatte ich 2002 aus Algerien kommend in einem Hotelfahrstuhl. Die angeregte Unterhaltung hörte schlagartig auf, nachdem sich die Fahrstuhltür geschlossen hatte.
Ich fühle mich nicht schuldig. Habe ich doch endlich die Möglichkeit ihre Unterlagen, die sie auf dem Boden abgelegt hat, einer näheren Untersuchung zu unterziehen.
Die englischen Patienten haben alle Genehmigungen. In einer Art Checkliste ist genau aufgeführt was sie unternehmen und prüfen wollen, sollen, müssen.
Daten, Entfernungen, Tankstellen, Versorgungspunkte, Kontaktpersonen. Alles sehr buchhalterisch aufgearbeitet.
Auch der Landeplatz am Adat ist genau aufskizziert.
Wenn wir mal eine Filmszene in: „mein Name ist Bond, James Bond“, mit Adat oder Akakus sehen, dann ist´s vorbei mit der Grübelei.
Auch für den Nationalpark war kein weiterer besonderer ortskundiger Führer notwendig. Nirgends wurde danach gefragt.
Einige besorgte Reisende hatten uns im Vorfelde gewarnt, ja nicht ohne ortskundigen Tuareg in den Akakus zu fahren. Das ist viel zu gefährlich. Ihr verfahrt euch hoffnungslos. Außerdem seien die Felszeichnungen und Kravuren ohne den Tuareg nicht zu finden.
Allah sei Dank, gibt es mittlerweile für die Digitalkameras große Speicherkapazitäten, sonst hätten wir nicht alles Fotografieren können.
Danach ging es durch den Erg Ouan Cassa. Hier läuft es wie auf einer Autobahn.
Dann über Tehi N´Abahoha durch den Massak Mellet.
Hier sahen wir eine große Anhäufung von Fangsteinen. Einer war so groß, daß man eine Ganze Herde Büffel daran hängen konnte.
Einen Tag verbrachten wir in den Gassis vom Erg Murzuq um dann im Bewässerungsprojekt vom Wadi Barjuj wieder in die Zivilisation zu gelangen.
Das Bewässerungsprojekt ist vergrößert und umzäunt worden. Bald wächst es mit den Bewässerungskreisen von Murzuq zusammen.
Im Afrika Camp in Terkiba entspannten wir 2 Tage, bevor wir wieder einige Seen besuchten und ungewollt verschiedene Kreise im Erg Ubari fuhren.
Eigentlich wollten wir zum Abschluß von Gabron nach Brak fahren.
Heuer aber nicht von Gabron die Steilabfahrt auf die Mandara/Um El Maa-Seite und nach Brak, sondern direkt von Gabron aus nach Brak.
Aber irgendwie verfehlten wir die Richtung und kamen südlich von Sabha wieder auf die Straße. Also zurück und auf ein Neues. In der Ortschaft Bint Bait verließen wir die Straße nach Norden und fuhren direkt nach Gabron.
Von hier dann doch auf die Mandara/Um El Maa-Seite (das nördlichere Gassi) und dann nach Nordost Richtung Brak, das wir dann am nächsten Tag erreichten.
Zum Schluß gönnten wir uns noch einen Tag in der Altstadt von Tarabulus. Die Altstadt ist für libysche Verhältnisse sehr schön. Viele Läden, angenehme Unterhaltungen mit den Händlern und gutes Essen in den Buden.
Aber, wo ist denn jetzt der verfluchte „grüne Platz“ fragte ich mitten daraufstehend.
Das hätte ich bald nicht erleben dürfen, da mich die fahrweise der Verkehrsgegner dermaßen mitgenommen hat, daß ich schon in den Vororten von Tarabulus nervlich am Ende war. Nur durch gutes Zureden meines Partners und die Einnahme homöopathischer Beruhigungsmittel (weil der Wirkstoff in 98% Alkohol aufgelöst ist) konnte ich die Fahrt fortsetzen.
Noch einiges zur Kostensituation:
Visum und Erledigung der Grenzformalitäten 70 Euro/Person
KFZ-Versicherung und Carnet 375 Euro/Fahrzeug
Zwangsbegleiter 40 Euro/Tag
Das bedeutet aufsummiert für 2 Personen mit je einem Fahrzeug: zu teuer.
Umtauschkurs in der Bank an der Grenze 1 Euro = 1,69 lib Dinare
Ein Liter Diesel kostet 0,150 lib Dinare
Das Umrechnen erspare ich mir, da kommen einem in Deutschland nur die Tränen.
Trinkwasser in 6 Liter Gebinde kostet 1 Dinar.
SIM-Karte kostet 10 Dinare, ½ Dinar für Reisepaß-Kopierkosten.
10 Dinare Telefonkarte reichte für alle Telefonate nach Hause.
Brot ist zu billig.
Campinggebühren 5 Dinar/Fahrzeug und 5 Dinar/Person.
Mittagessen ein ganzes großes Huhn mit köstlichem Safranreis, Salat, Harissa, eine Schale Brot, 2 Pepsi, 1 Flasche Wasser, 2 Kaffee alles ausreichend für 2 ausgewachsene Europäer kosteten in Mizda 10,5 Dinare.
An keinem Grenzübergang wurde irgend etwas in den Fahrzeugen inspiziert.
In der Schweiz keine Küchenmesser wegen dem Kriegswaffenkontrollgesetz.
In Tunesien kein GPS.
In Libyen kein Alkohol.
In Italien kein Kraftstoff-Kanister.
In Deutschland keine Zigaretten.
Das sollte einem doch vorher gesagt werden.
Der Günther
hier ein kurzer stichpunktartiger Bericht zu unserer letzten Reise nach Libyen.
Die Überfahrt von Genova nach Tunis und zurück war diesmal sehr angenehm, ohne großen Wellengang. Die Tunesischen Fahrgäste werden noch immer in den Restaurants mit den größeren Portionen und Nachschlägen bedacht.
Ein sehr guter Umtauschkurs gab es in der Wechselstation direkt im Hafengelände.
Die Autobahn führt bis nach Sfax. Somit ist Tunesien als Transitland mit einer Übernachtung vor der libyschen Grenze leicht zu durchfahren.
Der Andrang tunesischer Kraftstoffhändler ist durch die schon beschriebenen Einreiseänderungen zum erliegen gekommen.
Das Ein- und Ausreiseprozedere kommt mir jedes Mal verändert vor. Wahrscheinlich ist dem auch soooo.
Diesmal haben wir in einem Telefonladen eine libysche SIM-Karte mit einer Prepaidkarte (Aufladekarte) erstanden. Mit dieser ist es um ein vielfaches günstiger von Libyen nach Deutschland zu telefonieren. Durch die Phantasiepreise (Roamingkosten) meines deutschen Anbieters mußte ich das letzte Mal für 5 kurze??? Gespräche etwas über 145,- Euro bezahlen.
Nach dem jetzt 3. Besuch von Ghadames ist sehr schön die positive Veränderung in der Altstadt zu erkennen. Viele alte Häuser sind bereits saniert und es wird rege weitergearbeitet.
Die Quelle Ain El Fras ist saniert.
Die Wasser- und Abwasserkanäle werden von Unrat befreit.
Eingestürzte Wände wieder aufgerichtet, verputzt und gestrichen.
Jetzt werden sogar die Wände mit Ornamenten bemahlt.
Die Dattelpalmen geschnitten und bestäubt.
Straßennamen, Häuser und Moscheen neu beschriftet.
Der Weg von Ghadames direkt nach Al Awainat war problemlos befahrbar. Es wurde nirgends nach einem zusätzlichen ortskundigen und teuren Führer zu dem vorhandenen Zwangsbegleiter gefragt.
In der Nähe von Bir Helu trafen wir eine Tuareggruppe aus Ghat mit 4 schönen-alten Toyotas. Diese waren auf dem Weg nach Ghadames, um eine größere spanische Reisegruppe abzuholen und zu begleiten.
Der Weg zum Wadi Maridat war mir zu steinig. Das drückt schon sehr das Fortkommen.
Die interessanten Felsformationen waren jedoch eine beeindruckende Einstimmung für die 8 Tage im Tadrart-Akakus.
Also ich gebe es zu, der Nationalpark Tadrart-Akakus ist fantastisch.
Und mit 8 Tagen Zeit konnten wir in Ruhe bald jedes Wadi und viele Schluchten abfahren, genau erkunden und wirken lassen.
In „vielen“ Sackgassen stand Wasser in den Gueltas. Manche führten Wasser in allen Kaskaden. Einige Gueltas führten nur Wasser in den oberen Becken.
Im Süden war es sehr heiß. Fast jeden Abend hat es ganz leicht geregnet, oder zumindest getröpfelt. Manchmal ist das Regenwasser auch schon vorher in der Luft verdunstet.
Eines Abends dachten wir, es käme eine gigantische Gewitterfront aus Algerien herübergezogen. Dann prasselte es und stach auf der Haut. Doch es war kein Regen, sondern eine Staubwand die uns überrollte. So schnell hatten wir noch nie alles verräumt und in den Fahrzeugen Zuflucht gesucht.
Eine Begebenheit läßt uns jedoch noch immer Grübeln was das zu Bedeuten hatte.
Im „Eingang“ vom Akakus, dem Adat hatten wir eine längere Rast bei der Polizeistation mit Tee, Unterhaltung, Essen usw. eingelegt.
Da glaubten wir einen Hubschrauber zu hören. Und tatsächlich, es flog ein Hubschrauber über die vorderen Hügel und umkreiste den Adat.
Mein Partner war zu diesem Zeitpunkt am Adat und dachte, jetzt ist es um Ihn geschehen. Die Kalaschnikows werden gezückt und…. Nein, ein kleiner Mann mit riesigem Hut stieg aus dem Hubschrauber und blinkte ihn mit einem Signalspiegel an.
Nun gut, mit einem Spiegel wird man selten erschossen. So fährt er hin und erfährt, der kleine Mann mit Riesenhut ist Engländer.
Ob er, also mein Partner, ihm vielleicht helfen könnte eine Landebahn für Flugzeuge zu bauen.
Ja ja, den hat’s voll erwischt, zu viel Sonne eben!!!
Aber nein, wirklich, in einer halben Stunde kommt noch ein weiterer Hubschrauber mit 3 Kleinflugzeugen. Die benötigen eine Landehilfe.
Die kennt Ihr ja alle. Diese riesige Hantel aus 2 Kreisen mit einer Verbindungslinie. Das hat doch Almasy in den 30ern schon so in Ägypten gemacht.
„Ok, das mach ich doch gerne. Ich muß nur meinem Partner“, also mir, „Bescheid geben“.
Mit diesen Worten kommt er zu mir und erklärt „er müsse mal kurz eine Landebahn bauen“.
Wahrscheinlich habe ich sehr verstört geschaut und meinte nur: „ja ja, mach nur, paß aber auf“!
Ich dachte aber: den hat’s voll erwischt, zu viel Sonne eben!!!
Frag´ jetzt keiner, weshalb ich nicht auch zum Adat gefahren bin. Es landen ja nicht ständig Hubschrauber in der Nachbarschaft. Außerdem läßt man seinen vom Sonnenstich gezeichneten Partner nicht alleine losfahren.
Also, wenn einem Touristen es nicht so gut geht, sagen wir mal Kopfschmerzen, dann erklärt einem ein Tuareg, daß hiefür die beste Medizin die Asche eines kleinen Tuaregfeuers ist, die noch heiß auf die Stirn und Kopf gerieben wird. Morgen sind die Schmerzen vorüber.
Hat er, der Tourist, jedoch kräftige Magenkrämpfe, dann wird nicht ein kleines Feuerchen entfacht, nein, sondern ein großes. Die heiße Asche, was sonst, wird beiseite geräumt, daß eine tiefe Mulde entsteht, um den Touristen darin zu versenken. Darüber wird der Rest der heißen Asche mit dem heißen Sand gefüllt, daß der größte Teil des Touristen verschwunden ist. Morgen sind die Koliken vorüber.
Was ich jedoch die letzten Jahre erkannt habe ist, daß dieser Wirkstoff, heiße Tuaregfeuerasche, nur bei Touristen wirkt. Bei Tuaregs, Berbern oder Arabern ist diese Heilmethode vollkommen wirkungslos. Hier muß immer mit profaner westlicher Medizin ausgeholfen werden.
Und diese Aushilfe mußte ich gerade leisten.
Also mein Partner fährt zwischenzeitlich seine Kreise und die ca. 300 Meter lange Verbindungslinie als Landepiste.
Anscheinend war der anwesenden Obrigkeit das ungewöhnliche Vorkommnis nicht angekündigt worden. Heftigste Funksprüche und Telefonate mit den Händis wurden geführt, so daß es nicht lange dauerte und mehrere Toyota Pick Up´s sternförmig aus allen Richtungen angeschossen kamen, um das Spektakel zu inspizieren.
Allah sei Dank, fliegen in Afrika die Flieger nicht so schnell und der rote Halbmond konnte seine Praxis schließen, daß auch ich die Vorkommnisse in Augenschein nehmen konnte.
Mittlerweile waren 2 Hubschrauber gelandet und es kündigte sich das erste Flugzeug zur Landung an. Es staubt gewaltig und irgendwann kommt er zum stehen.
Ich pirsche mich langsam an den vollkommen in weiß gekleideten (weiße Schirmmütze, weißes T-Shirt, darunter weißen BH, weiße lange Hose, darunter weißen Slip, weiße Socken und weiße, vollkommen weiße Turnschuhe) weiblichen Fahrgast des 2. Hubschraubers an:
„As-salamu Alleikum“ kaifa halluki, lebäss? Alhamdu lillah“
Sie: „Oh, ei äm sorry, ei dount spiek äräbik“
Na gut, den Spaß hat sie nicht verstanden: „Hau duu juu duu“?
Sie: it is wery hot hier!
Ich: “oh real”? (Stimme am Ende nach oben)
Anscheinend kam ich der weißen Lady zu Nahe. Wann hatte ich das letzte Mal geduscht? Ich konnte mich nicht erinnern. Gewaschen? Ja, das war in Serdeles. Zähne geputzt? Ja, das war heute früh, also alles im grünen Bereich.
Seit sie gelandet ist, also eigentlich noch gar nicht angekommen, hat sie schon 2 Flaschen Wasser getrunken. Aber irgend etwas stört sie. Sie geht aus dem dürftigen Schatten der Akazie in die pralle Sonne. Ich bilde mir ein, sie prüft die Windrichtung.
Eine ähnliche Begebenheit hatte ich 2002 aus Algerien kommend in einem Hotelfahrstuhl. Die angeregte Unterhaltung hörte schlagartig auf, nachdem sich die Fahrstuhltür geschlossen hatte.
Ich fühle mich nicht schuldig. Habe ich doch endlich die Möglichkeit ihre Unterlagen, die sie auf dem Boden abgelegt hat, einer näheren Untersuchung zu unterziehen.
Die englischen Patienten haben alle Genehmigungen. In einer Art Checkliste ist genau aufgeführt was sie unternehmen und prüfen wollen, sollen, müssen.
Daten, Entfernungen, Tankstellen, Versorgungspunkte, Kontaktpersonen. Alles sehr buchhalterisch aufgearbeitet.
Auch der Landeplatz am Adat ist genau aufskizziert.
Wenn wir mal eine Filmszene in: „mein Name ist Bond, James Bond“, mit Adat oder Akakus sehen, dann ist´s vorbei mit der Grübelei.
Auch für den Nationalpark war kein weiterer besonderer ortskundiger Führer notwendig. Nirgends wurde danach gefragt.
Einige besorgte Reisende hatten uns im Vorfelde gewarnt, ja nicht ohne ortskundigen Tuareg in den Akakus zu fahren. Das ist viel zu gefährlich. Ihr verfahrt euch hoffnungslos. Außerdem seien die Felszeichnungen und Kravuren ohne den Tuareg nicht zu finden.
Allah sei Dank, gibt es mittlerweile für die Digitalkameras große Speicherkapazitäten, sonst hätten wir nicht alles Fotografieren können.
Danach ging es durch den Erg Ouan Cassa. Hier läuft es wie auf einer Autobahn.
Dann über Tehi N´Abahoha durch den Massak Mellet.
Hier sahen wir eine große Anhäufung von Fangsteinen. Einer war so groß, daß man eine Ganze Herde Büffel daran hängen konnte.
Einen Tag verbrachten wir in den Gassis vom Erg Murzuq um dann im Bewässerungsprojekt vom Wadi Barjuj wieder in die Zivilisation zu gelangen.
Das Bewässerungsprojekt ist vergrößert und umzäunt worden. Bald wächst es mit den Bewässerungskreisen von Murzuq zusammen.
Im Afrika Camp in Terkiba entspannten wir 2 Tage, bevor wir wieder einige Seen besuchten und ungewollt verschiedene Kreise im Erg Ubari fuhren.
Eigentlich wollten wir zum Abschluß von Gabron nach Brak fahren.
Heuer aber nicht von Gabron die Steilabfahrt auf die Mandara/Um El Maa-Seite und nach Brak, sondern direkt von Gabron aus nach Brak.
Aber irgendwie verfehlten wir die Richtung und kamen südlich von Sabha wieder auf die Straße. Also zurück und auf ein Neues. In der Ortschaft Bint Bait verließen wir die Straße nach Norden und fuhren direkt nach Gabron.
Von hier dann doch auf die Mandara/Um El Maa-Seite (das nördlichere Gassi) und dann nach Nordost Richtung Brak, das wir dann am nächsten Tag erreichten.
Zum Schluß gönnten wir uns noch einen Tag in der Altstadt von Tarabulus. Die Altstadt ist für libysche Verhältnisse sehr schön. Viele Läden, angenehme Unterhaltungen mit den Händlern und gutes Essen in den Buden.
Aber, wo ist denn jetzt der verfluchte „grüne Platz“ fragte ich mitten daraufstehend.
Das hätte ich bald nicht erleben dürfen, da mich die fahrweise der Verkehrsgegner dermaßen mitgenommen hat, daß ich schon in den Vororten von Tarabulus nervlich am Ende war. Nur durch gutes Zureden meines Partners und die Einnahme homöopathischer Beruhigungsmittel (weil der Wirkstoff in 98% Alkohol aufgelöst ist) konnte ich die Fahrt fortsetzen.
Noch einiges zur Kostensituation:
Visum und Erledigung der Grenzformalitäten 70 Euro/Person
KFZ-Versicherung und Carnet 375 Euro/Fahrzeug
Zwangsbegleiter 40 Euro/Tag
Das bedeutet aufsummiert für 2 Personen mit je einem Fahrzeug: zu teuer.
Umtauschkurs in der Bank an der Grenze 1 Euro = 1,69 lib Dinare
Ein Liter Diesel kostet 0,150 lib Dinare
Das Umrechnen erspare ich mir, da kommen einem in Deutschland nur die Tränen.
Trinkwasser in 6 Liter Gebinde kostet 1 Dinar.
SIM-Karte kostet 10 Dinare, ½ Dinar für Reisepaß-Kopierkosten.
10 Dinare Telefonkarte reichte für alle Telefonate nach Hause.
Brot ist zu billig.
Campinggebühren 5 Dinar/Fahrzeug und 5 Dinar/Person.
Mittagessen ein ganzes großes Huhn mit köstlichem Safranreis, Salat, Harissa, eine Schale Brot, 2 Pepsi, 1 Flasche Wasser, 2 Kaffee alles ausreichend für 2 ausgewachsene Europäer kosteten in Mizda 10,5 Dinare.
An keinem Grenzübergang wurde irgend etwas in den Fahrzeugen inspiziert.
In der Schweiz keine Küchenmesser wegen dem Kriegswaffenkontrollgesetz.
In Tunesien kein GPS.
In Libyen kein Alkohol.
In Italien kein Kraftstoff-Kanister.
In Deutschland keine Zigaretten.
Das sollte einem doch vorher gesagt werden.
Der Günther
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Kuno
- Beiträge: 9586
- Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
- Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
- Kontaktdaten:
Re: Der Akakus ruft
In den Akakus habe ich es nie geschafft... :(
Re: Der Akakus ruft
Mich ruft der Akakus auch. Aber ich kann dem Ruf nicht folgen. Noch nicht.
>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
Re: Der Akakus ruft
Hallo,
auch ich fühle mich berufen...............
Danke für den schönen Bericht. Denke mal, dass sich die Führerkosten etwas relativieren, wenn es vier zahlende Parteien gibt. Aber ab einer bestimmten Gruppengröße darf dann zusätzlich wieder ein Polizist mitfahren?
Dann kann man die Grenzpiste zu Algerien doch fahren? Hatte da mal gegenteiliges gehört.
Michael
auch ich fühle mich berufen...............
Danke für den schönen Bericht. Denke mal, dass sich die Führerkosten etwas relativieren, wenn es vier zahlende Parteien gibt. Aber ab einer bestimmten Gruppengröße darf dann zusätzlich wieder ein Polizist mitfahren?
Dann kann man die Grenzpiste zu Algerien doch fahren? Hatte da mal gegenteiliges gehört.
Michael
-
Ronald P
Re: Der Akakus ruft
Hallo,
vielen Dank für den Bericht. zwei Fragen habe ich dazu:
1. Bei meinem Besuch im Akakus 2009 waren viele der wunderschönsten Felsbilder zerstört - mittels einer schwarzen Sprühfarbe. War davon nichts mehr zu sehen.
2. Stimmen die Preise für Carnet und Versicherung? Ich habe sie ca 100€ niedriger in Erinnerung. Mich interessiert das, da ich in wenigen Wochen wieder nach Libyen fahren werde.
Vielen Dank im Voraus
Ronald
vielen Dank für den Bericht. zwei Fragen habe ich dazu:
1. Bei meinem Besuch im Akakus 2009 waren viele der wunderschönsten Felsbilder zerstört - mittels einer schwarzen Sprühfarbe. War davon nichts mehr zu sehen.
2. Stimmen die Preise für Carnet und Versicherung? Ich habe sie ca 100€ niedriger in Erinnerung. Mich interessiert das, da ich in wenigen Wochen wieder nach Libyen fahren werde.
Vielen Dank im Voraus
Ronald
Re: Der Akakus ruft
Hallo Libyenfahrer,
@ Michael,
wir sind nirgends direkt an der algerischen Grenze gefahren.
Der Sicherheitsabstand betrug bestimmt 10Km an der nahesten Stelle.
Wir hatten keinen Zeitdruck und konnten verschiedene Schleifen einlegen.
Die Tuareggruppe aus Ghat, so wie ich sie verstanden habe, fährt teilweise den direkten Weg an der Grenze.
Sonst haben wir keine Fahrzeuge von Armee oder Polizei gesehen, die wir hätten fragen können, ob wir hier fahren dürfen, oder wo ein Gefahrenpotential besteht.
Daher kann ich keine Bewertung der Situation abgeben.
@ Ronald
Die Felszeichnungen sind nicht nur mit schwarzer, sondern auch mit weißer Farbe übermalt.
Diese sind noch wunderbar erhalten, also die Übermalungen.

Ein einheimischer Tuareg behauptete, daß die/einige Übermalungen von einem arabischen Polizisten verübt wurden, der ihre Kultur zerstören wollte/will. Dieser schlechte Mensch sei noch immer im Akakus.
Wenn Du in wenigen Wochen nach Libyen fährst, dann hast Du sicher schon alles mit Deinem Agenten besprochen und die Preise, die er verlangt, erhalten.
Die Preise sind von den Agenturen in freier Marktwirtschaft kalkuliert und nicht festgelegt.
Meine Preisangaben sind so wie wir diese bezahlt haben.
Bei der KFZ-Versicherung und Carnet wird jedoch noch nach Art des Fahrzeuges (PKW, LKW, Allradfahrzeug, Wohnmobil, Pick Up), Fahrzeuggesamtgewicht, PS, Hubraum, Zylinderanzahl, Anzahl der Ersatzräder, Autoradio, Anzahl der Mitreisenden, Baujahr und sonstigen Einträgen in den Fahrzeugpapieren unterschieden. Da kommen schon einige Preisdifferenzen bei den unterschiedlichen Agenturen zusammen.
Viel Erfolg bei eueren weiteren Planungen wünscht der Günther
@ Michael,
wir sind nirgends direkt an der algerischen Grenze gefahren.
Der Sicherheitsabstand betrug bestimmt 10Km an der nahesten Stelle.
Wir hatten keinen Zeitdruck und konnten verschiedene Schleifen einlegen.
Die Tuareggruppe aus Ghat, so wie ich sie verstanden habe, fährt teilweise den direkten Weg an der Grenze.
Sonst haben wir keine Fahrzeuge von Armee oder Polizei gesehen, die wir hätten fragen können, ob wir hier fahren dürfen, oder wo ein Gefahrenpotential besteht.
Daher kann ich keine Bewertung der Situation abgeben.
@ Ronald
Die Felszeichnungen sind nicht nur mit schwarzer, sondern auch mit weißer Farbe übermalt.
Diese sind noch wunderbar erhalten, also die Übermalungen.

Ein einheimischer Tuareg behauptete, daß die/einige Übermalungen von einem arabischen Polizisten verübt wurden, der ihre Kultur zerstören wollte/will. Dieser schlechte Mensch sei noch immer im Akakus.
Wenn Du in wenigen Wochen nach Libyen fährst, dann hast Du sicher schon alles mit Deinem Agenten besprochen und die Preise, die er verlangt, erhalten.
Die Preise sind von den Agenturen in freier Marktwirtschaft kalkuliert und nicht festgelegt.
Meine Preisangaben sind so wie wir diese bezahlt haben.
Bei der KFZ-Versicherung und Carnet wird jedoch noch nach Art des Fahrzeuges (PKW, LKW, Allradfahrzeug, Wohnmobil, Pick Up), Fahrzeuggesamtgewicht, PS, Hubraum, Zylinderanzahl, Anzahl der Ersatzräder, Autoradio, Anzahl der Mitreisenden, Baujahr und sonstigen Einträgen in den Fahrzeugpapieren unterschieden. Da kommen schon einige Preisdifferenzen bei den unterschiedlichen Agenturen zusammen.
Viel Erfolg bei eueren weiteren Planungen wünscht der Günther
-
Ronald P
Re: Der Akakus ruft
Dank dir, Günther, für die Ausführungen zum Thema Preise.
Über den oder die Täter, durch welche diese wundervollen Bilder so schändlich zerstört wurden, nannte man mir mal die eine, mal eine andere Erklärung.
Die erste, mir genannte Erklärung: Ein Araber aus Sebha hatte sich ein Auto gekauft, um für eine Agentur zu arbeiten, die in den Akakus fährt. Man hat sich aber zerstritten und so wurde aus der erhofften Einnahme-Quelle besagten Arabers nichts. Aus Wut soll er dann mit Sprayflaschen in den Akakus gefahren sein - nach dem Motto: Wenn ich nichts an den Touristen verdienen kann, dann sollt ihr auch nichts verdienen können, wenn die nun, nach der Zerstörung der Bildern, nicht mehr kommen.
Die zweite, mir genannte Erklärung: In der Region Akakus werden Ölvorkommen vermutet. Das würde - so rechnet man sich aus - Touristen davon abhalten in den Akakus zu kommen, weil dann die Landschaft verhunzt würde.
Man rechnet also mit Widerstand bei den Touareg, die natürlich weiter vom Tourismus leben wollen. Die Öl-Leute wollen nun also die Region durch die Zerstörung der Felsbilder unattraktiv machen, so dass die Touristen eh ausbleiben und womit dann ein Widerstand nicht mehr zu erwarten sei.
Überflüssig zu sagen, dass ich wie jeder von uns hier bestenfalls darüber spekulieren kann, was da stimmt.
Gruß Ronald
Über den oder die Täter, durch welche diese wundervollen Bilder so schändlich zerstört wurden, nannte man mir mal die eine, mal eine andere Erklärung.
Die erste, mir genannte Erklärung: Ein Araber aus Sebha hatte sich ein Auto gekauft, um für eine Agentur zu arbeiten, die in den Akakus fährt. Man hat sich aber zerstritten und so wurde aus der erhofften Einnahme-Quelle besagten Arabers nichts. Aus Wut soll er dann mit Sprayflaschen in den Akakus gefahren sein - nach dem Motto: Wenn ich nichts an den Touristen verdienen kann, dann sollt ihr auch nichts verdienen können, wenn die nun, nach der Zerstörung der Bildern, nicht mehr kommen.
Die zweite, mir genannte Erklärung: In der Region Akakus werden Ölvorkommen vermutet. Das würde - so rechnet man sich aus - Touristen davon abhalten in den Akakus zu kommen, weil dann die Landschaft verhunzt würde.
Man rechnet also mit Widerstand bei den Touareg, die natürlich weiter vom Tourismus leben wollen. Die Öl-Leute wollen nun also die Region durch die Zerstörung der Felsbilder unattraktiv machen, so dass die Touristen eh ausbleiben und womit dann ein Widerstand nicht mehr zu erwarten sei.
Überflüssig zu sagen, dass ich wie jeder von uns hier bestenfalls darüber spekulieren kann, was da stimmt.
Gruß Ronald
-
Roger-Tecumseh
- Beiträge: 2066
- Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37
Re: Der Akakus ruft
Ronald P hat geschrieben: Überflüssig zu sagen, dass ich wie jeder von uns hier bestenfalls darüber spekulieren kann, was da stimmt.
Gruß Ronald
Diese Bemerkung trifft ganz sicher zu! Trotzdem: Du hast in Deinen beiden Beispielen wiedergegeben, was man dort vor Ort (und spaeter bei uns) verbreitet. Man sucht dabei mehr oder weniger immer nach einer rationalen Erklaerung, die dann meist irgendwie mit Geld und Profit zu tun hat. Unterschwellig fliesst dadurch oft ein winziger Anteil von Relativierung ein, denn existenzielle Interessen bringen im Verstaendnis der Leute "blosse" Kulturzeugen schnell zum Schweigen. (Die wenigen Veranstalter - wie auch der momentane Sahara-Tourismus dort - fallen, national betrachtet, durch den Rost!)
Ein Verdacht im Zusammenhang mit der Oelsuche/Foerderung hat sicher keine Basis. Beispiel: seit vielen Jahren gibt es eine solche (grosse) Station auf dem Messak. Wenn dabei dort auch breite Pisten gepfluegt wurden, so blieben die Gravuren in den Taelern doch unbeschaedigt. (Vor ein paar Jahren hat eine franzoesisch/libysche Kommission - CNRS - eine gruendlich Bestandsaufnahme erstellt.)
Es ist auch wenig glaubhaft, dass ein Einzelner von seinem durchsichtigen privaten Interesse zu dieser "Rache"-Handlung getrieben wurde. Waere es so, dann wuerde man ihn ja - nach all den Schilderungen - kennen. Er saesse laengst im Bau und allen Geruechten waere der Boden entzogen.
Es geht da wohl eher um ein tieferes (kulturhistorisches) Problem. Einige Leute kommen zunehmend mit den alle Welt beeindruckenden Zeugen einer uralten Besiedlung - die mit ihrer eigenen Herkunft keinerlei Verbindung hat - nicht klar. Man braucht da nur an die bekannten Zerstoerungen einiger Gravuren ("Offene Frauen") zu erinnern; und die liegen schon viele Jahre zurueck!
Zuletzt geändert von Roger-Tecumseh am Mi 10. Nov 2010, 17:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Kuno
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Re: Der Akakus ruft
Die Geschichte, dass die Oelerei dahintersteckt klingt absolut unglaubwuerdig. Das Oelgeschaeft geniesst in LY die absolute Prioritaet vor allem anderen - denn schliesselich lebt praktisch das ganze Land von den Oeleinnahmen (am Ende zu einem sehr grossen Teil auch die Bevoelkerung von zB. Ghat). Die ganzen Infrastrukturprojekte liessen sich nicht verwirklichen, wenn das Geld aus dem Oel nicht vorhanden waere. Insofern waere man wahrscheinlich ohne weiteres bereit, selbst eine absolut einmalige Felsmalerei zugunsten einer Bohrung zu opfern.
Hingegen ist es aber auch so, dass bevor eine Konzession zum Bohren freigegeben wird, Abklaerungen und Nachforschungen gemacht werden um historische Artefakte moeglichst zu schonen bzw. zu sichern. Inwieweit diese Aktivitaeten von "Erfolg" gekroent sind kann ich jedoch nicht beurteilen.
Hingegen ist es aber auch so, dass bevor eine Konzession zum Bohren freigegeben wird, Abklaerungen und Nachforschungen gemacht werden um historische Artefakte moeglichst zu schonen bzw. zu sichern. Inwieweit diese Aktivitaeten von "Erfolg" gekroent sind kann ich jedoch nicht beurteilen.
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Ronald P
Re: Der Akakus ruft
Eine Ergänzung noch bezüglich der mir gegenüber getätigten Erklärungen über die vermutete Täterschaft:
Die "Öl-Industrie-These" wurde mir ausschließlich von Leuten des Nordens präsentiert.
Die "Frust-Vergeltungs-These" hingegen erzählten mir Leute des Südens, der betroffenen Region also.
Gruß Ronald
Die "Öl-Industrie-These" wurde mir ausschließlich von Leuten des Nordens präsentiert.
Die "Frust-Vergeltungs-These" hingegen erzählten mir Leute des Südens, der betroffenen Region also.
Gruß Ronald
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Kuno
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Re: Der Akakus ruft
Die "Frust-Vergeltungs-These" habe ich damals aus mehreren Quellen gehoert. Inklusive Nennung des Tour-Unternehmers. Und der Taeter kam aus dem nodlichen Teil des Landes. Er wurde anscheinend eruiert und auch verhaftet. Soviel ich weiss nach relativ kurzer Zeit aber wieder auf freien Fuss gesetzt.
Aber natuerlich habe ich den Haftbefehl selber auch nicht gesehen...
Aber natuerlich habe ich den Haftbefehl selber auch nicht gesehen...


