Kurze Einleitung und Hintergrund: Patrick und ich wollten eigentlich nach Tunesien. Alles war geplant, aber dann erreichten uns Informationen über einen "unsicheren" Zustand in Tunesien und wir bekamen kalte Füße (auch in Bezug auf die Sorge unserer Familien). Also zwei oder drei Wochen vorm Start (ca.) bei Walkabout (Reisebüro für Individualreisende) durchgeklingelt und umgebucht. Wohin? - Richtig, Marokko. Uns war dabei nicht so wirklich wohl. Ich kannte Marokko nicht, Patrick war vorher noch nie in der Wüste. Marokko war weit weg, unbekannt, neu. Achja, weil das Zeifenster fest stand, blieben uns nur sieben Tage im Land...Sieben kurze Tage für ein großes Land.
Unsere Geschichte beginnt wie immer am Anfang...
Part 1 - The long way down...
Alles begann eigentlich vor weit über einem Jahr, als Grafe und ich davon träumten, gemeinsam die Wüste unsicher zu machen. Wir wollten nach Tunesien und mal so richtig den Larry durch die Dünen scheuchen. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und so bewogen uns die aktuellen Meldungen aus Tunesien und Libyen dazu, unser Ziel in einem etwas sichereren Land zu suchen und in letzter Minute das Fernglas weiter westlich gen Marokko zu schwenken - Jenem fernen Land, das auch als Tor zum Orient bekannt ist und direkt am Atlantischen Ozean liegt.
Wir buchten die Fähre um und Grimaldi Lines würde uns ab Livorno Leghorn (Italien) mit Zwischenstopp Barcelona direkt nach Tanger Med bringen - Dem Zielhafen. Die Überfahrt würde über zwei Tage dauern, eine lange Zeit. Aber beginnen wir mal etwas weiter vorne, nämlich am Freitag, den 14. Oktober 2011 im schönen Limbach Oberfrohna. Ich war mit meinem Fahrzeug am Tag vorher fertig geworden und schon mal angereist zu Grafe. Wir wollten früh um 9 Uhr gen Süden starten.
Alles gepackt und gecheckt, ging es mit leichter Verspätung dann auch los. Wir planten die Route über die Schweiz, vorbei an Lichtenstein und würden so den Brenner umgehen. An einem Freitag könnte das verkehrstechnisch ein guter Schachzug sein. Gesagt, getan. Ohne Probleme und mittels permanenter Gespräche über Bordfunk, fuhren wir Chemnitz - Hof - Nürnberg - Lindau (Tanken + McDonalds Stop) - Lugano (Schweiz) - Mailand - Scrivia. Dort wollten wir am nächsten Morgen im Einkaufsparadies shoppen und den Decathlonstore besuchen. Leider fanden wir kein Hotel und irrten in der Nacht 2h herum. Der Garmin Hotelfinder projezierte dafür Herbergen auf Landstraßen und Felder - Schönen Dank.
Wir nächtigten dann in einem kleinen und sehr feinen Motel, bei dem die FSK18 Filme grundsätzlich gratis waren. Leider waren wir viel zu fertig, um das Angebot auszuprobieren und fielen direkt in den Schlaf, irgendwann nachts um 2.00 Uhr.
Frisch gestärkt ging es ab zum Decathlon, jenem mystischen Paradies für Abenteurer. Wir warteten ewig bis geöffent wurde, schlenderten durch die Regale, suchten vergeblichst ein Moskitoschutznetz und zogen leicht frustriert von dannen. Zu teuer, nix Interessantes - Es sei denn, man will z.B. Angeln.
Danach waren wir im Supermarkt, eigentlich Hypermarkt. Die Frischeabteilung hat die Größe eines kleinen bayrischen Dorfes und jedem Gourmet geht der Sack in Fransen auf. Wir füllten zwei komplette Einkaufswagen mit leckerer Ware und deponierten sie reisebereit in den Fahrzeugen. Käse, Salami, Brot, Joghurt, Getränke, Frischfleisch - Dosenfutter kommt uns nicht auf den Tisch. Wir würden in Marokko schlemmen wie Anthony Bourdain in Sizilien
Ebenfalls gestärkt und begleitet von bestem Wetter, drückten wir die Pedale in den Boden und visierten Genua an. Wir waren gestern knapp 1000km gefahren und heute lag nicht mehr so viel Strecke vor uns. Unser Weg führte uns auf die A12, die kurz vor Genua Richtung Südost abging und weiter nach Livorno führte. Beeindruckend, wie die Italiener Autobahnen durch Berge bauen. Hunderte von Tunneln, gefolgt von Brücken über tiefe Täler. Wir betrachteten zu unserer Rechten immer wieder das Mittelmeer, dass silber schimmernd lockte. Und irgendwann erlagen wir seinem Ruf und verließen die Autobahn auf Höhe Deiva Marina, nichtsahnend, was uns erwarten würde.
Wir fuhren durch ein kleines idyllisches Städchen an der Küste und standen kurz danach vor einer Ampel an einem Tunneleingang. Die Ampel Rot, daneben ein Schildchen, wann sie wieder grün werden würde. Was wir zu der Zeit nicht wussten, wir hatten die Tunnelstrasse "galleria de baribieri" entdeckt, ein kilometerlanges einspuriges Tunnelsystem direkt an der Küste. Wir fuhren durch - Ein Wahnsinn, als würde man mit dem Auto im eigenen Keller fahren. Eng, dunkel, geil. (siehe auch http://www.miol.it/stagniweb/foto6.asp? ... I=30&Col=3 )
Danach lustwandelten wir etwas am Strand und bemitleideten die Urlauber, die dort sonnenbadeten - Direkt neben einer Schiffswerft, von der fiese Maschinengeräusche kamen. Aber wir waren frei, sprangen in unsere stählernden Rösser, fuhren eine Anschlusstelle zurück auf die Autostrada und gaben erneut die Sporen gen Livorno.
But not for long...
Wer kennt sie nicht, die Pisastudie? Nun, wir wussten vorher zumindest nicht, wo Pisa lag und es lag direkt auf unserer Route. Grafe verspürte den Wunsch, den so viele verspüren. Einmal den schiefen Turm sehen und sterben. Da es bei ihm aber weniger stark ausgeprägt war, wollte er auf den zweiten Teil verzichten. Gesagt, getan. Abfahrt Pisa raus, rein in die Stadt und direkt hin zum schiefen Turm unter Missachtung aller "Jetzt ist wirklich Schluss für Autos"-Schilder. Wir waren so nahe dran, wir konnten den Staub aus dem Turm förmlich auf unsere Schulter rieseln hören, aber es gab ums Verrecken keine Parkplätze und eine heiße italienische Blondine verscheuchte uns energisch von einem als gut befundenen Kurzparkplatz vor einem kleinen Hotel. Wer sich nun fragt, wieso wir "hier keine Autos mehr" Schilder missachten würden - Nun das schien dort niemanden zu interessieren. Ich meine nicht das Durchfahren, sondern dass der regulär Verkehr dort eh einfach weiter lief...Wir folgten nur den Einheimischen.
Anyway, zurück zur Autbahn. Doch wenige Meter vor der Mautstelle machte es knarz knuff knirsch und über Funk kam ein "Halt mal schnell an".
Grafes Motor hatte entschieden, seine Spannrolle nicht mehr zu wollen. Das Lager ging fest, der Kunststoff schmolz, das ganze Ding war komplett im Arsch. Grafe hatte Ersatz mit, aber leider nur zwei Umlenkrollen ohne Rillen. Aber ein Rippenriemen kann auch mal auf glatter Oberfläche laufen. So bauten wir mit der Flex einen Adapter, der dann doch überflüssig war und fuhren weiten gen Livorno. Dort war um 18 Uhr ein Treffen mit Dr. Koordinate und Albine geplant. Die shoppten aber noch, so dass wir das verschoben und schonmal selber versuchten, den Checkin zu finden. Mit einem der Top Navigatoren Europas (mir), würde das ein Kinderspiel werden.
Wurde es nicht!
Wir erkundeten den gesamten Hafen, fuhren von A nach B über C und D. Unterbrochen wurde diese Kilometerscharade durch die Info, dass wir uns nun in einer kleinen Pizzeria in Livorno Stadt treffen würden. Es folgte das Übliche: F&G (das sind Patrick und ich) veranstaltet mit zwei Fahrzeugen das Verkehrschaos des Jahrhunderts. Aber da wir in Italien waren, störte sich niemand daran. Wir trafen uns, aßen, schwatzten, lästerten über Baloo Bärchen (Thomas aus Nahe Erlangen) und fuhren dann gemeinsam zum Hafen. Wolfgang würde schon wissen, wo wir hin müssen. Denkste...
Ich kürze das mal ab. Irgendwann kamen wir irgendwo nahe des Schiffs an. Dort wurden wir von einem Security Car wieder weg geführt, um auf der anderen Hafenseite einzuchecken und dann nach ewigen Warten wieder in Gruppen zum Schiff gebracht zu werden. Diese Prozedur muss sich uns bisher nicht erklären und ich möchte mal wissen, wie viele Reisende daran schon verzweifelt sind. Denn wir trafen in Livorno junge Deutsche, die auch das Schiff suchten und sich unbedingt bei uns ran hängen wollten - Eine Ampel trennte uns, wir sahen sie nicht wieder.
Aber nach all dem, es war inzwischen dunkel, namen wir unser neues Domizil in Besitz - Die luxoriöse Innenkabine auf der Ikarus Palace, einem Schiff der Minouan Lines, einer griechischen Reederei, die für Grimaldi fährt. Geschafft - Wir waren auf dem Schiff und bald auf dem Weg nach Afrika. Freude, Neugierde, ein schönes Gefühl.
Fotos
Vorm Decathlon
Die Tunnel von Deiva Marina
Reparieren der Spannrolle, 50m vor der Mautstelle
Am Mittelmeer
Unsere Kabine :blink:
Unser Schiff (Heck)
Fortsetzung folgt...(ich bin bereit für Haue und Feedback)




























































































