Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

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Andreas Pflug
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Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

Beitrag von Andreas Pflug »

Dieser Reisebericht hat dank Veröffentlichung im Explorer Magazin letztes Jahr bisserl die Runde gemacht. Wer ihn schon kennt, einfach weiterschalten. :mrgreen:

Kurze Einleitung und Hintergrund: Patrick und ich wollten eigentlich nach Tunesien. Alles war geplant, aber dann erreichten uns Informationen über einen "unsicheren" Zustand in Tunesien und wir bekamen kalte Füße (auch in Bezug auf die Sorge unserer Familien). Also zwei oder drei Wochen vorm Start (ca.) bei Walkabout (Reisebüro für Individualreisende) durchgeklingelt und umgebucht. Wohin? - Richtig, Marokko. Uns war dabei nicht so wirklich wohl. Ich kannte Marokko nicht, Patrick war vorher noch nie in der Wüste. Marokko war weit weg, unbekannt, neu. Achja, weil das Zeifenster fest stand, blieben uns nur sieben Tage im Land...Sieben kurze Tage für ein großes Land.

Unsere Geschichte beginnt wie immer am Anfang...

Part 1 - The long way down...

Alles begann eigentlich vor weit über einem Jahr, als Grafe und ich davon träumten, gemeinsam die Wüste unsicher zu machen. Wir wollten nach Tunesien und mal so richtig den Larry durch die Dünen scheuchen. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und so bewogen uns die aktuellen Meldungen aus Tunesien und Libyen dazu, unser Ziel in einem etwas sichereren Land zu suchen und in letzter Minute das Fernglas weiter westlich gen Marokko zu schwenken - Jenem fernen Land, das auch als Tor zum Orient bekannt ist und direkt am Atlantischen Ozean liegt.

Wir buchten die Fähre um und Grimaldi Lines würde uns ab Livorno Leghorn (Italien) mit Zwischenstopp Barcelona direkt nach Tanger Med bringen - Dem Zielhafen. Die Überfahrt würde über zwei Tage dauern, eine lange Zeit. Aber beginnen wir mal etwas weiter vorne, nämlich am Freitag, den 14. Oktober 2011 im schönen Limbach Oberfrohna. Ich war mit meinem Fahrzeug am Tag vorher fertig geworden und schon mal angereist zu Grafe. Wir wollten früh um 9 Uhr gen Süden starten.

Alles gepackt und gecheckt, ging es mit leichter Verspätung dann auch los. Wir planten die Route über die Schweiz, vorbei an Lichtenstein und würden so den Brenner umgehen. An einem Freitag könnte das verkehrstechnisch ein guter Schachzug sein. Gesagt, getan. Ohne Probleme und mittels permanenter Gespräche über Bordfunk, fuhren wir Chemnitz - Hof - Nürnberg - Lindau (Tanken + McDonalds Stop) - Lugano (Schweiz) - Mailand - Scrivia. Dort wollten wir am nächsten Morgen im Einkaufsparadies shoppen und den Decathlonstore besuchen. Leider fanden wir kein Hotel und irrten in der Nacht 2h herum. Der Garmin Hotelfinder projezierte dafür Herbergen auf Landstraßen und Felder - Schönen Dank.
Wir nächtigten dann in einem kleinen und sehr feinen Motel, bei dem die FSK18 Filme grundsätzlich gratis waren. Leider waren wir viel zu fertig, um das Angebot auszuprobieren und fielen direkt in den Schlaf, irgendwann nachts um 2.00 Uhr.

Frisch gestärkt ging es ab zum Decathlon, jenem mystischen Paradies für Abenteurer. Wir warteten ewig bis geöffent wurde, schlenderten durch die Regale, suchten vergeblichst ein Moskitoschutznetz und zogen leicht frustriert von dannen. Zu teuer, nix Interessantes - Es sei denn, man will z.B. Angeln.

Danach waren wir im Supermarkt, eigentlich Hypermarkt. Die Frischeabteilung hat die Größe eines kleinen bayrischen Dorfes und jedem Gourmet geht der Sack in Fransen auf. Wir füllten zwei komplette Einkaufswagen mit leckerer Ware und deponierten sie reisebereit in den Fahrzeugen. Käse, Salami, Brot, Joghurt, Getränke, Frischfleisch - Dosenfutter kommt uns nicht auf den Tisch. Wir würden in Marokko schlemmen wie Anthony Bourdain in Sizilien

Ebenfalls gestärkt und begleitet von bestem Wetter, drückten wir die Pedale in den Boden und visierten Genua an. Wir waren gestern knapp 1000km gefahren und heute lag nicht mehr so viel Strecke vor uns. Unser Weg führte uns auf die A12, die kurz vor Genua Richtung Südost abging und weiter nach Livorno führte. Beeindruckend, wie die Italiener Autobahnen durch Berge bauen. Hunderte von Tunneln, gefolgt von Brücken über tiefe Täler. Wir betrachteten zu unserer Rechten immer wieder das Mittelmeer, dass silber schimmernd lockte. Und irgendwann erlagen wir seinem Ruf und verließen die Autobahn auf Höhe Deiva Marina, nichtsahnend, was uns erwarten würde.

Wir fuhren durch ein kleines idyllisches Städchen an der Küste und standen kurz danach vor einer Ampel an einem Tunneleingang. Die Ampel Rot, daneben ein Schildchen, wann sie wieder grün werden würde. Was wir zu der Zeit nicht wussten, wir hatten die Tunnelstrasse "galleria de baribieri" entdeckt, ein kilometerlanges einspuriges Tunnelsystem direkt an der Küste. Wir fuhren durch - Ein Wahnsinn, als würde man mit dem Auto im eigenen Keller fahren. Eng, dunkel, geil. (siehe auch http://www.miol.it/stagniweb/foto6.asp? ... I=30&Col=3 )

Danach lustwandelten wir etwas am Strand und bemitleideten die Urlauber, die dort sonnenbadeten - Direkt neben einer Schiffswerft, von der fiese Maschinengeräusche kamen. Aber wir waren frei, sprangen in unsere stählernden Rösser, fuhren eine Anschlusstelle zurück auf die Autostrada und gaben erneut die Sporen gen Livorno.

But not for long...
Wer kennt sie nicht, die Pisastudie? Nun, wir wussten vorher zumindest nicht, wo Pisa lag und es lag direkt auf unserer Route. Grafe verspürte den Wunsch, den so viele verspüren. Einmal den schiefen Turm sehen und sterben. Da es bei ihm aber weniger stark ausgeprägt war, wollte er auf den zweiten Teil verzichten. Gesagt, getan. Abfahrt Pisa raus, rein in die Stadt und direkt hin zum schiefen Turm unter Missachtung aller "Jetzt ist wirklich Schluss für Autos"-Schilder. Wir waren so nahe dran, wir konnten den Staub aus dem Turm förmlich auf unsere Schulter rieseln hören, aber es gab ums Verrecken keine Parkplätze und eine heiße italienische Blondine verscheuchte uns energisch von einem als gut befundenen Kurzparkplatz vor einem kleinen Hotel. Wer sich nun fragt, wieso wir "hier keine Autos mehr" Schilder missachten würden - Nun das schien dort niemanden zu interessieren. Ich meine nicht das Durchfahren, sondern dass der regulär Verkehr dort eh einfach weiter lief...Wir folgten nur den Einheimischen.

Anyway, zurück zur Autbahn. Doch wenige Meter vor der Mautstelle machte es knarz knuff knirsch und über Funk kam ein "Halt mal schnell an".
Grafes Motor hatte entschieden, seine Spannrolle nicht mehr zu wollen. Das Lager ging fest, der Kunststoff schmolz, das ganze Ding war komplett im Arsch. Grafe hatte Ersatz mit, aber leider nur zwei Umlenkrollen ohne Rillen. Aber ein Rippenriemen kann auch mal auf glatter Oberfläche laufen. So bauten wir mit der Flex einen Adapter, der dann doch überflüssig war und fuhren weiten gen Livorno. Dort war um 18 Uhr ein Treffen mit Dr. Koordinate und Albine geplant. Die shoppten aber noch, so dass wir das verschoben und schonmal selber versuchten, den Checkin zu finden. Mit einem der Top Navigatoren Europas (mir), würde das ein Kinderspiel werden.
Wurde es nicht!

Wir erkundeten den gesamten Hafen, fuhren von A nach B über C und D. Unterbrochen wurde diese Kilometerscharade durch die Info, dass wir uns nun in einer kleinen Pizzeria in Livorno Stadt treffen würden. Es folgte das Übliche: F&G (das sind Patrick und ich) veranstaltet mit zwei Fahrzeugen das Verkehrschaos des Jahrhunderts. Aber da wir in Italien waren, störte sich niemand daran. Wir trafen uns, aßen, schwatzten, lästerten über Baloo Bärchen (Thomas aus Nahe Erlangen) und fuhren dann gemeinsam zum Hafen. Wolfgang würde schon wissen, wo wir hin müssen. Denkste...
Ich kürze das mal ab. Irgendwann kamen wir irgendwo nahe des Schiffs an. Dort wurden wir von einem Security Car wieder weg geführt, um auf der anderen Hafenseite einzuchecken und dann nach ewigen Warten wieder in Gruppen zum Schiff gebracht zu werden. Diese Prozedur muss sich uns bisher nicht erklären und ich möchte mal wissen, wie viele Reisende daran schon verzweifelt sind. Denn wir trafen in Livorno junge Deutsche, die auch das Schiff suchten und sich unbedingt bei uns ran hängen wollten - Eine Ampel trennte uns, wir sahen sie nicht wieder.

Aber nach all dem, es war inzwischen dunkel, namen wir unser neues Domizil in Besitz - Die luxoriöse Innenkabine auf der Ikarus Palace, einem Schiff der Minouan Lines, einer griechischen Reederei, die für Grimaldi fährt. Geschafft - Wir waren auf dem Schiff und bald auf dem Weg nach Afrika. Freude, Neugierde, ein schönes Gefühl.

Fotos

Vorm Decathlon

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Die Tunnel von Deiva Marina

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Reparieren der Spannrolle, 50m vor der Mautstelle

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Am Mittelmeer

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Unsere Kabine :blink:

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Unser Schiff (Heck)

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Fortsetzung folgt...(ich bin bereit für Haue und Feedback)
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

Beitrag von Andreas Pflug »

Bevor es weiter geht - eine kurze Entschuldigung. Es finden sich etliche Tippfehler in meinen Texten, weil ich das schnell runter geschrieben hab und später nicht mehr zum Nachkontrollieren kam. Bitte nicht daraus schließen, meine Schulbildung wäre ungenügend.

Part II - the mediterranean sea

Wir hatten unsere Kabine nun erreicht, uns häuslich eingerichtet und waren bereit, einen Rundgang auf unserem Luxusliner zu unternehmen. Die Ikarus Palace ist ein schönes Schiff und entspricht in etwa und genau allen anderen Mittelmeerfähren, die man so kennt. Wenn man die Augen zu macht, erkennt man keinen Unterschied zur Carthage oder Splendit, die ihrerseits wiederum zwischen Genua und Tunis verkehren. Es gab einen leeren Pool am Heck, eine obligatorische Außenbar, zwei Innenbars, ein Self-Service Restaurant und ein Ala Carte Restaurant.

Unsere Mitreisenden waren zu 99% Marokkaner. Die meisten schienen ein Fahrzeug mit italienischem Kennzeichen und einigen Kubikmetern Füllung zu überführen. Das Schiff war voll, laut der Rezeption, gab es keine Kabinen mehr. Albine und Wolfgang waren clever und führten im Schiff eine eigene Kühlbox mit. Wir hatten nur einige Sachen in die Tasche gepackt und waren so nicht wirklich in der Lage, uns autark zu verpflegen.

Verpflegung auf der Ikarus Palace - Dem widme ich ein eigenes Kapitel. Walkabout, das Reisebüro unseres Vertrauens, hatte uns schon vorher gewarnt - Nehmt Euch was mit. Die Preise sind überzogen, die Qualität eher mies. OK, how bad can it be? - Very bad! :shock:

Sandwiches: Fertig abgepackte in Frischhaltefolie. 4 Euro. Bestehend aus einem trockenen Baguettebrötchen, belegt mit dicken Scheiben holländischer Wassertomate und Thunfisch aus der Dose. Stop, das wars. Thomate und Thunfisch. Mehr nicht. Einige wenige wurden auch mit Tomate + Industriemozarella belegt. Geschmacklich waren beide im Blindtest nicht unterscheidbar. Keine Remoulade, kein Gewürz, kein nix dazu.

Mittag: Es gab für 12 Euro ein Menü. Das bestand aus einer Nudelvorspeise, mit der Dichte von Wolfram und dem Geschmack der Tomaten, und einem Hauptgang mit Fleisch oder Fisch, ebenfalls salzfrei und gewürzfrei. Dazu zwei kleine Brötchen und ein Softdrink. Die wenigsten gesunden Mägen waren in der Lage, so ein Essen komplett runterzuwürgen. Witzigerweise gab es auch Wahlvorspeisen für einen kleinen Aufpreis. z.B. drei halbe Scheiben Billigkäse, gabs für flockige 5 Euro. Drei Bruschetta in der "ich kann nicht kochen, probiers aber trotzdem"-Version für nur 7.50 Euro :shock:

Die Hinfahrt dauerte über zwei Tage und die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Langeweile en bloc. Patrick begann ein Buch zu lesen und ich übte mich in Demut gegenüber der Zeit. Wir schliefen viel. Ein Highlight war das Anlegen in Barcelona. Es war dunkel, es dauerte ewig und das wars auch schon. Die Schiffsfahrt war einfach nur uuaaaaaahhhh - Wir hofften auf baldige Ankunft in Tanger Med.

Am ersten Abend übrigens, bot man uns an der Bar Cocktails an. Also natürlcih gegen Geld, aber da die anderen Mitreisenden grundsätzlich nur Kaffee orderten, wollte das Personal scheinbar mal etwas anderes machen. So bestellten Patrick und ich zwei Caipis: Man nehme einen Eiswürfel, schütte etwas Rohrzucker aus einem Kaffezuckerpäckchen drauf, dazu Zitronensaft, Wasser, Alkohol, etwas Minzblatt (die Aktion brauchte 10min und drei Barkeeper)...Das Ergebnis war sicher unter alles Gesichtspunkten kein Caipi und schmeckte auch eher wie Minz-Zitronen-Wodka.

Die Meerenge von Gibraltar - Es war bereits angenehm warm. Ehrfüchtig stande wir an Deck und beäugten jene sagenumwobene Wasserstraße, die Orient und Okzident miteinander verbindet. Wir tuckerten dort mit 25km/h durch und es war, als würde sich unser Schiff kaum bewegen. Es war Dienstag und ich hatte für heute einen eigentlich strammen Kilometerplan ausgearbeitet. Wir wollten es bis Erfurt schaffen. Erfurt? Ja...Aber der Ort heißt eigentlich Erfoud und liegt im Südosten Marokkos. Er ist fast das Tor zur Wüste dort und war 700km vom Hafen entfernt. Leider war es schon Mittag und wir legten gerade mal in Tanger Med an.

Was nun folgte, kann man mit Worten nicht erklären. Dafür braucht es unter anderem eine Hupe. Kaum waren wir auf dem Fahrzeugdeck angekommen, starteten alle Mitreisenden ihre Fahrzeuge. Gut, es würde noch eine ganze Weile dauern, aber auch der zugeparkteste Citroen in der hintersten Ecke lief nun schon, so dass die Luft sich mit wohlriechenden Abgasen fühlte. Glücklicherweise war das Deck gut belüftet.

Irgendwann bewegten sich die Schlange und wir kamen vom Schiff. Marokko - Wir waren dort. Vor uns lag der Zoll. Halleluja. Wir hatten bereits an Board einige Formalitäten erledigt. Man füllt einen Fiches aus, kriegt nen Stempel und fragt sich, wieso alle, außer einem selber, noch so ein grünes Forumular haben. Die Lösung: Zum Schluss standen sechs Deutsche beim Beamten mit Sonderbehandlung und bekamen dann auch so ein Formular ausgefüllt. :-)

Im Zoll steht man in Reihen, genau wie in Tunesien auch. Leute mit Uniform und Rangabzeichen übernehmen die Kontrolle. Leute in Anzügen überwachen sie. Wir hatten einen komplett demotivierten Opa (sorry, aber genau das war er), der uns komplett ignorierte und mit seinem Job mehr als überfordert war. Er hatte Zette mit Nummernschildern, fand aber die Autos nicht. Sein Vorgesetzter kam dauernd und machte ihm Druck, etwas sinnvoller zu arbeiten. Wir trafen ein junges Pärchen aus Deutschland mit marokkanischer Herkunft, das ebenfalls unter dem Opa litt und trotz dutzendfachem Aufenthalt in Marokko überrascht über sein Vorgehen war. Sie gaben uns aber wertvolle Tipps. Gegen 13.30 Uhr waren wir "drin". Natürlich ohne irgend eine Kontrolle. Opi hatte nicht mal ins Auto gekuckt.

Wieso aber jetzt der Hinweis mit der Hupe? Nun es warteten viele Fahrzeuge auf die Abfertigung. Und der Einheimische neigt scheinbar zum Glauben, dass Akkustische Motivation etwas bringt. Leider neigt der Einheimische aber auch zum kollektiven Handeln. Beides zusammen heißt: Ein Typ hupt. Drei weitere finden das gut und hupen auch, 5 Sekunden später hupen alle und zwar auf Dauerton. Nein, kein Scherz. Man braucht Lärmschutz, um nicht aus den Latschen zu kippen.

13.30 Uhr - Frei. Die Autobahn, die erste Mautstelle, 100m später der nächste Stopp - Die nächste Umlenkrolle von Patrick wollte nicht mehr. :shock:
Wir begannen auf dem Seitenstreifen der Autobahn mit der Reparatur. 5min später kam die Gendarmery Royale und baute 100m vor uns eine Straßenkontrolle auf - Ohne sich aber auch nur ansatzweise für uns zu interessieren. Wir packten nach Fertigstellung alles zusammen und fuhren los gen Süden bzw. Südosten.

Wir fuhren durch viele Dörfer und kleine Städte. In einem Ort wollten wir nach neuen Lagern für Patricks Umlenkrollen schauen. Da kam dann ein Typ auf Mofa (sehr nett), nahm Patrick das alte Lager weg, war vier min später mit zwei neuen Lagern da, die er uns dann leicht überteuert (10 Euro) verkaufte. Andererseits war es ein super Service - wir waren happy und fuhren direkt weiter.

Als es dunkel wurde, hatten wir gerade einmal die halbe Strecke geschafft und waren in Meknes - Einer schon relativ großen Stadt. Wir konnten erleben, wie viel Leben abends in die Städte einkehrt. Die Straßen waren brechend voll, tausende von Leuten unternahmen was, trafen sich, aßen in den kleinen Cafes und Restaurants der Stadt. Faszinierend, hier ging abend sprichwörtlich die Luci ab. Lecker Essen war zu sehen, doch unsere Zeit zu knapp. Wir waren gut drauf und beschlossen, in die Nacht hinein zu fahren. Und vor uns lag ja auch nur die Querung vom hohen Atlas, einem kleinen Gebirgszug mit wenigen Höhenmetern. :shake:
Es muss kurz vor Mitternacht gewesen sein, als wir in eine kleinere aber sehr hell erleuchtete Stadt kamen. Wir stoppten am Straßenrand und machten erstmal "Vesper". Gute italienische Wurst und Brot, Nutella, das alles baute uns wieder auf. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Sehr gut gegen die Müdigkeit. Wir fuhren weiter und erreichten kurz vor 1.00 Uhr Errachidia. Errachidia liegt etwa 70km vor Erfoud und wir waren kurz vorm Tagesziel. Passenderweise entschied nun Patricks Motor erneut, seine Umlenkrolle nicht mehr zu mögen, bzw. das Lager. Selbiges kollabierte mit dem Verlust des Lagerkäfigs, die Rolle kam schräg, der Riemen rutschte runter, verklemmte sich und zerbarst. Game over - Nachts kurz nach eins in Marokko.

Wir erfuhren kurz vorher von einem Einheimischen, das es ein gutes Hotel in der Stadt gäbe. "The Riad". Dank der hochauflösenden Google Sat-Imagery mit vielen Informationen eingezeichnet, war das Hotel leicht zu finden. Gutes Katenmaterial ist wirklich wichtig auf einer Reise. Ich schleppte Patrick am 8m Kinetikseil zum Hotel. Wir bekamen Einlass, parkten, bezogen luxoriöse Einzelappartments auf dem Gelände und schliefen uns erstmal aus. (An dieser Stelle beginnt die Frage, wieso wir abends aus den verschiedensten Gründen immer in Luxushotels landen, anstatt im Zelt am Straßenrand).
Am nächsten Morgen würden wir mit den unterwegs gekauften Lagern die Spann- / Umlenkrollen reparieren. Aber das kommt in Teil III.

Unsere Mitreisenden Wolfgang + Albine, die aber geplanterweise nach der Fähre ihren eigenen Weg fuhren.
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Abendstimmung
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Die Bar
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Die preiswerte Vorspeise
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Es sieht nur lecker aus :no:
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Hafer Tanger Med
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Wartebereich zum Zoll
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Mitternachtsfresschen
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Unser Hotel in Errichidia
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Fortsetzung folgt....
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

Beitrag von Andreas Pflug »

Part III - Into the desert

Es war ein wunderbarer Mittwoch Morgen. Die Sonne schien prall, der Himmel war blau. Patrick und ich hatten gut geschlafen, geduscht und den Komfort eines westlichen WCs genossen. Wir begannen direkt auf dem Hotelparkplatz mit der Reparatur der beiden Rollen und tauschten beide Lager gegen die gestern erworbenen Exemplare aus. Auch wenn Chrysler gerne für teuer Geld ganze Umlenksätze verkauft, so sind die Lager doch Standardware und nur eingepresst. Mit Bordmitteln wie Hammer, Nuss und einem Holz, kann man sie sehr einfach tauschen. Deshalb ging es einige Hammerschläge später auch schon los. Wir durchquerten Errichidia von West nach Ost ohne Stop und machten uns auf dem weg nach Erfoud. Irgendwo nach etwa 50km, öffnete sich zu unserer Rechten ein Tal. Grün und Anmutig, teilweise wie der Grand Canyon.

Es war das Tafilalet-Tal. Sehr beeindruckend. Die Straße schlängelte sich direkt daran entlang und wir genossen die spektakuläre Aussicht. Auf einer Aussichtsplattform an der Straße wartete schon ein findiger Dattelhändler auf uns, um mir für 10 Euro eine Packung Monsterdatteln zu verkaufen. Die waren vielleicht keine 10 Euro wert (eigentlich 100 Dirham), aber geschmacklich doch der Gaumenschmaus des Tages. So saftig, so prall. Ab dann versprach ich aber, Patrick das Handeln zu überlassen, nachdem er mir erklärt, 100 Dirham wären doch schon eine Menge Geld für Datteln - Egal wie monstersaftig.

Hinter dem Ende des Tales bogen wir querfeldein von der Straße ab und steuerten auf den Fluss zu, der das Tal von weiter oben her gespeist hatte und hier nur noch ein dreckiges Bächlein war. Wir parkten stilecht auf Felsen und begannen mit unserem Frühstück, dass aus kühlem Joghurt, Crossoints, Nutella, Schafskäse und natürlich der italienischen Salami bestand. Frisch gestärkt zapften wir noch einen Kanister von der Brühe und präparierten es mit einer Überdosis Mikropur (Chlor+Silberionen), zum späteren damit duschen oder was auch immer.

Durch Erfurt fuhren wir einfach durch und tankten nochmal voll kurz vor Rissani. In Rissani teilten wir uns dann kurz auf. Erst machte ich den einheimischen "Führern" klar, dass wir keine Hilfe brauchen und auch nicht bereit sind, Geld fürs Parken an jemanden zu bezahlen, der sich selber einen Ausweis gedruckt hat, dann bewachte Patrick die Autos, während ich schnell und zielgerichtet mehr Getränke kaufte, als ich eigentlich tragen konnte. Das mag jetzt übertrieben klingen, aber die Einheimischen Touristenführer hatten dort fast eine Art Falle aufgebaut und uns war nicht so ganz behaglich.

Danach verpackten wir alles, ich drückte dem Einheimischen heimlich ein paar Dirham in die Hand und alle waren glücklich. Mein Tip aber: Kauft Getränke vorher ein, wartet nicht bis dort unten, wo man Touristen förmlich auffressen will (in netter Art und Weise)

Nun ging es auf einer kleineren Strasse weiter Richtung Erg Chebby, dem Touristen-Sahara-Stück in der Größe von Berlin-Pankow. Wir fuhren ganz kurz ran, um etwas Sand zu spüren. Der Plan war aber ganz klar, Erg Chebby auszulassen. Die Dichte der Herbergen dort unten ist aberwitzig. Kein Quadratmeter, wo nicht schon Spuren im Sand sind und der Schilderwald der Herbergenwerbung ist aufdringlicher als 10 McDonald Schildertürme aneinander gereit. Also an Nächtigungsmöglichkeiten fehlt es dort sicher nicht. Aber wir waren Abenteurer, wollten im "Outback" schlafen und so rasten wir, nachdem ich mich direkt mal festgefahren hatte in einer Mikrodüne, weiter gen Süden nach Merzouga.

Merzouga. Das hat mit Stadt nicht mehr viel zu tun. Das ist nur noch ein Touri-Dorf, wo die Einheimischen Pseudo-Trachten tragen. Nicht mit uns. 180° Wendung und zurück auf die Strasse nach Taouz. Taouz ist das Ende der Teerstrasse. Dort irgendwo beginnt die Piste ins Dra-Tal. Die muss man aber erstmal finden, denn so einfach ist der Einsteig nicht. Wir suchten eine Weile, fuhren auf gut Glück wiederum querfeldein und fanden eine fahrbare Strecke.

Aber vorher eine kleine Geschichtsstunde zum Drà-Tal. Das Dra-Tal hat seinen Namen von L' Drà, dem mongolischen Großfürsten, der dort in der Schlacht um Draal auf die Dramarier stieß und von ihnen vernichten zurück geschlagen wurde. Das war 1985. Das Blut seiner Männer, so sagt man, formte das Drà-Tal und wenn man nachts genau hin hört, kann man ihre Klagelieder im Wind, der um die Tafelberge pfeifft noch immer hören.

In unserer Begeisterung für pures Offroaden und die karge Natur, fuhren wir unsere eigene Linie und erkundeten, was uns gefiel. An sich ne feine Sache, aber wir kamen dabei auf die andere Seite eines ausgetrockneten Flusses, der sich sehr tief ins Gelände geschnitten hatte und per Fahrzeug nicht überquert werden konnte. So fuhren wir weiter gen Südosten, immer zwischen einer Bergkette und dem Flussverwurf - Bis beide sich an einer Stelle trafen und die Strecke zwangsweise ein abruptes Ende nahm. Wir wollten wenden und schon standen hinter uns zwei Einheimische auf Mopped, die uns nunmehr verfolgten.

Wir brauchten eine ganze Weile, bis wir nach etlichen zickzack-Routen eine Möglichkeit der Querung fanden und auf die andere Seite kamen. Und dort verlief dann natürlich auch die eigentliche Piste, der wir erstmal folgten. Wir hatten viel Zeit verloren, wollten heute eigentlich viel weiter kommen, doch es zeichnete sich langsam der nahende Sonnenuntergang ab. Aber noch war etwas Zeit. So verließ ich als führendes Fahrzeug die Piste gen Norden und wir fuhren in ein interessant aussehendes Sand-Geröllfeld, um einen besseren Ausblick zu haben. Dort angekommen pausierten wir einen Moment.

Weiter ging es zurück gen Piste, querfeldein und alten Wasserläufen in den Dünen folgend. Es folgte der erste Kamelkontakt. Eine Gruppe junger Kameloiden lag auf der Piste und hatte es sich bequem gemacht. Wir warteten, bis sie sich in Ruhe etwas fortbewegt hatten. Ein Kamel tun sowas freiwillig, ohne dass ein akkustischer Eingriff nötig ist.

Wir waren nun schnell unterwegs, die Landschaft wechselte zwischen Geröll, schnellen Passages auf weißem Flussbettuntergrund und Sandzungen. Kleinere Ortschaften kamen immer wieder, wir umfuhren sie weitestgehend. Mitten in einer längeren Strecke aus weichem Sand, in der man eine gewissen Mindestgeschwindigkeit hätte halten sollen, versagte dann erstmals mein Fahrzeug - Es ging aus. Der starter klang, als wären die Batterien alle. Patrick gab mir Starthilfe. Allerdings wurde schnell klar, dass es sich hier um ein Masseproblem handelte und ich erinnerte mich an die eine Schraube, die ich noch festziehen wollte....Ja, wollte...Aber es nie tat. Wie auch immer, es ging weiter. Die Sonne stand nun schon sehr tief und unser Kurs ging genau Richtung Westen. Durch die Frontscheibe war nichts mehr zu sehen. Ich hing den Kopf aus dem Fenster, um erkennen zu können, wo wir gerade fuhren. Zu unserer Rechten lag eine große einzelne Düne und auf dem Navicomputer sahen wir einen Track von unserem Bekannten "Desertcruiser", der dort langgefahren war. Wir beschlossen, unser Nachtlager hinter der Düne zu suchen.

Gesagt, getan. Da ich mit meinem Fahrzeug in Bezug auf Leistung, Turboloch und HD Kupplung in der Kombination mit Sand noch nicht vertraut war, rammelte ich mich erstmal so richtig fest. Wie immer kam V8-Grafe und zog mich raus. Alles unter den Augen und Amüsement eines Ziegenhirten und seiner beiden Kinder.

Da kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte der Reise. "Sie sind überall". Egal in wie abgelegenen Gegenden Du bist. Bleib stehen und es dauert keine 10 min und ein Besucher ist da. Nun wir verabschiedeten uns von der Schafhirengruppe und schlugen unser Nachtlager endlich auf. Ein wirklich schöner Platz. Auf der einen Seite eine große Düne, auf der anderen die Berge. Im Sand nur Spuren von Kamelen, Schafen, Ziegen, Hunden und anderen Tieren.

Zum Abendbrot kam es Pfeffer-Gnochi. Ich hatte etwas zuviel Pfeffer verwendet und das Essen wurde feurig scharf.
Wir machten uns ein kleines Lagerfeuer in Form einer Dose Benzin (kein Brennmaterial vorhanden dort und wir wollten keinen Dreck hinterlassen) und genossen den Abend, der doch recht frisch zu werden versprach.

Unser Rastplatz:
http://maps.google.de/?ll=30.754818,-4. ... 15&vpsrc=6

Impressonen:

Aussichtsplatz im Tafilalet-Tal
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Kleine Pause hinterm Tal mit Futtern und Posing
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Die Ausläufer des Erg Chebby. Bisserl Sand kosten
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...und festrammeln (Luftdruck 2.5 bar - nocht nicht abgesenkt)
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Navigations-Stop im Drà-Tal
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Wow...Was würde uns erwarten?
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Wieder festrammeln, direkt am Lagerplatz für die Nacht
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Auch die Sonne macht für heute Pause
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Eier aufschlagen zum fetten Frühstücks-Rührei
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Fortsetzung folgt...
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

Beitrag von Andreas Pflug »

Ich bitte meine kurze Schreib-Pause zu entschuldigen. Das Wochenende führt mich 1700km durchs Ländle...Und weg vom Computer.

Part IV - Ugly Mountains

Donnerstag morgen. Die Sonne ging pünktlich kurz nach sechs Uhr Ortszeit direkt über der großen Düne hinter uns auf. Es wurde schnell warm und die Fliegen, wie man sie kennt und liebt, waren sofort an unserer Seite und leisteten uns Gesellschaft. Wie schon im letzten Bild zu erkennen, leisteten wir uns ein opulentes Frühstück. Wir brühten frischen Espresso, den wir in kalter Milch zu einem Milchkaffee vereinten, rösteten Speck in der Pfanne, um dann mit den verbliebenen frischen Eiern ein Omelette zu zaubern. Verbliebene? Ja - Einige waren während der holpgrigen Fahrt im Karton zerstört und wir hatten die Freude, die Transportkiste erstmal gründlich zu reinigen. Zum Rührei gab es Toast, Nutella, Joghurt und Wurst. Alles, was man sich für einen Start in den Tag wünscht.

Unser Weg heute sollte uns bis zu den schwarzen Bergen vor Mhamid führen...Zumindest sahen sie auf dem Satfoto schwarz aus. Wir planten also, etwas Strecke gut zu machen und mehr als 100km zu schaffen. Die Landschaften, die uns heute erwarteten, waren sehr abwechslungsreich, teilweise beeindruckend, teilweise die Definition des Wortes "öde". Angefangen von weißen Flussbetten (trocken), über weitere Sandfelder, bis hin zu Ebenen so groß und weit wie eine Million Fußballfelder. Hier möchte ich Bilder sprechen lassen und fasse mich im Vortext etwas kürzer. Wir kamen auf jeden Fall auf unsere Offroad-Kosten. Und zwischen Wellpiste, Steinpiste und Rennpiste war wirklich alles mit dabei. Wenn man mehr Zeit als wir hätte, könnte man hier unten, kurz vor der algerischen Grenze, sicher viel erleben, entdecken und erkunden. Denn so schmal der Korridor vorher auf der Landkarte aussah, so groß und weit war er dann doch in Wirklichkeit. Das Gelände läd geradezu dazu ein, immer wieder die Hauptpiste zu verlassen und eigene Wege zu gehen. Auch wir taten des des Öfteren. Teilweise auch, weil die Piste einfach mal verschwand.

Etwa 20km vor den schwarzen Bergen, in denen wir unser Nachtlager planten, kam der erste Kontrollpunkt des Millitärs. Eine kleine "Burg" und ein Seil mit hängendem "Stop" informierten über den nötigen Stop. Die Beamten waren äußerst freundlich, neugierig und interessiert. Hier geht man davon aus, dass der Reisende bereits vorausgefüllte Fiches besitzt. Wir plauderten kurz und amüsierten uns über Patricks fehlendes vorderes Nummernschild. Trotz fester Schraubbefestigung hatten die Pisten ihren Tribut gefordert und das Schild war einfach weg.

Gut gelaunt düsten wir weiter und machten 200m hinter der Kontrolle am Fuße des dortigen Hügels eine kurze Rast. Patricks Stoßdämpfer zickten rum, bei einem war die Hülse im Auge komplett aufgebogen und verursachte unangenehme Geräusche. Zu uns gesellten sich zwei süße Hunde, die zumindest solange süß waren, bis ich einen Bissen Wurst in den Mund steckte. Danach mutierte der eine zum Hund von Baskerville und wir entschieden einen sofortigen Aufbruch, um etwas Abstand zu gewinnen.

Also beendeten wir die Stoßdämpferreparatur einen Kilometer weiter in der Ebene. Die Sonne brannte schon wirklich dolle, aber unterm Auto ist es ja kühl. An dieser Stelle fiel uns auf, dass wir entgegen der Angaben im Reiseführer die einzigen Touris mit Auto hier waren. Uns kam niemand entgegen oder fuhr in unsere Richtung. Wir waren die ganze Zeit allein unterwegs. Auch nicht schlecht. Hatten wir eine Saisonpause erwischt? Schon auf der Fähre waren außer zwei MAN Crews, keine Offroader mit uns unterwegs. Seltsam. Fährt man nach Tunesien, ist das Schiff voll von allen möglichen 4by4 Enthusiasten.

Bald änderte sich das Terrain. Mehr und mehr Geröll lag herum und vor uns lagen die schwarzen Berge, auf die wir so gespannt waren. Nun, es waren Berge ganz aus Geröll. Sie waren unglaublich hässlich und wir tauften sie die Berge der Häßlichkeit. Die Piste bestand nunmehr aus einer Rinne mit scharfkanntigen Steinen, einem aberwitzigen Untergrund auf steilem Aufstieg in eben jene Berge. Wir dachten uns, dass sowas eigentlich nur ein Scherz sein kann. Aber auf unseren Tickets stand nicht Vier-Sterne-Deluxe, sondern Abenteuer-Offroad. Wir mussten da also drüber und durch. Doch die technische Pein der Fahrzeuge wurde belohnt. Oben angekommen, eröffnete sich ein atemberaubender Blick über die nächste Ebene. Ein riesiges Delta unter uns.

Wir durchquerten es und kamen zum zweiten Aufstieg, der dem ersten in Nichts nach stand. Nachdem wir auch die zweite Gipfelkette überwunden hatten, ging es der Natur folgend erneut bergab und direkt unten am Fuße wartete die nächste Millitärkontrolle auf uns. Gleiche Lässigkeit wie bei der Ersten. Extrem entspannte Menschen, die uns noch viel Spass wünschten.

Es war spät geworden und wir wollten heute mal rechtzeitig ein Nachtlager finden. Im Tal angekommen, baute sich vor uns ein mächtiger Tafelberg auf. Ein dicker Whopper mittendrin. Ich erspähte am Fuße des Berges Sand, tat es aber gleich als unsinng ab, da wird dort weithin sichtbar wären. Doch über Funk meldete sich das verschollene Mitglied von Jacques Cousteaus Expeditionsteam und offenbarte mir den wunderbaren Satz "Wo Sand ist, sind auch Dünen. Zumindest kleine". :sens:
Irritiert und arrogant siegessicher, das wäre nicht so, versuchte ich diese Feststellung bereits im Vorfeld zu negieren, erklärte mich aber dennoch damit einverstanden es empirisch zu beweisen, indem wir den Sandhang am Fuße des Tafelberges anfuhren. Nun, Dr. Lilian Cousteaus (Patrick) hatte Recht. Je näher wir dem Berg kamen, und es war wirklich ein Brocken mit schlecht schätzbarer Entfernung, desto deutlicher wurden kleine Dünenstrukturen am Fuße. Letztendlich fanden wir sogar einen Kessel, der beide Fahrzeug fast komplett vor den Blicken anderer Verbergen konnte. Wir hatten den perfekten Rastplatz für die Nacht gefunden. Und im Vergleich zum Berg waren wir so klein, uns würde niemand zufällig entdecken können.

Keine 15min später kamen über die Dünen zwei einheimische Mädels gelaufen um uns zu beäugen. Sie setzten sich auf eine Düne, beobachteten uns uns spannen Garn. Wir winkten, sie winkten, dann wurde es dunkel und sie gingen wieder.
Wir erinnerten uns an das lokale Gesetz: Egal wie gut Du Dich versteckst, 10 min später ist jemand da und beäugt Dich. In diesem Fall sehr netter Besuch.

Wir beendeten diesen Tag mit dem Beglotzen des nächtlichen Sternenhimmels, der sich heute besonders eindrucksvoll präsentierte. Auf Feuer verzichteten wir mangels Feuermaterial und weil die Station des Millitärs quasi in Sichtweite war.

Startfertig in den neuen Tag.
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Extra für Baloo - Patrick in traditionellen Farben
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Ausblick vom kleinen Tafelberg 1
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Ausblick vom kleinen Tafelberg 2
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Gute Piste
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Hier haben wir uns etwas verfahren....Ein Feld von Sträuchern, Spuren und weichem Sand
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Die Unendlichkeit der Öde...Der Baum als einziger Fixpunkt
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Auffahrt zu den Bergen der Häßlichkeit
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Aussicht....
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Der neue Rastplatz am Fuße des Berges.
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Things are cooking, in our kitchen. Hier: Bratkartoffeln mit Ricotta und bestem Schweinehack.
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Ein guter Tag. Ungefähr 160km gefahren und kurz vor Tagounite, userem nächsten Tankstop auf fester Straße, bevor es bei Mhamid in den zweiten Offroad Teil gehen würde.
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

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Part V - Rallyetalk and a bit of sand

Es war ein leicht bewölkter Freitag Morgen am Fuße des großen Tafelbergs. Angenehm, nicht gleich von der grellen Sonne aufgeheizt und geblendet zu werden. Wir waren kurz vorm Ende unseres ersten Teilstücks und wollten heute unter anderem in Tagounite tanken. So frühstückten wir wie üblich umfangreich, packten unsere Sachen zusammen, reinigten das Lager und verließen die kleinen Dünen zurück Richtung Hauptpiste. Wir waren überrascht, wie nahe wir doch an der nächsten Stadt waren, denn nur 2km weiter wurde aus der Piste eine Teerstraße, ein Ort folgte und viele Kinder waren auf dem Weg zur Schule. Die Straße war so verlockend, dass wir unseren Abzweig glatt verpassten und dann wenden mussten. Unser Weg führte uns nun durch künstlich bewässerte Agraranlagen Richtung Tagounite. Alles ging irgendwie ganz schnell. In Tagounite angekommen, stießen wir auf eine kleine Demo auf der Hauptstrasse, die wir vorsichtig umfuhren. Am nördlichen Ende der Stadt gab es eine große Tankstelle - Genau der richtige Platz zum Erwerb von Benzin und Diesel.

An der Tankstelle jedoch trafen wir auf zwei Race-LKWs, die an der gerade stattfindenen Rallye Marokko teilnahmen. Der Service erzählte uns, dass der Fahrer den LKW erst vor drei Wochen gekauft hatte und man gestern sieben Stunden Sand schaufeln musste. Daher würden sie heute in den Sand zum Üben fahren, weil sie eh keine Chance mehr auf einen sinnvollen Platz hätten. Und genauso fasziniert, wie wir die Hightech Trucks bewunderten, interessierte sich die Rallyecrew für unsere Offroader.

Im Anschluss, gut gelaunt und motiviert für das nächste Teilstück gen Foum Zguid, durchquerten wir die Stadt erneut mit Ziel Mhamid, dem Tor zum Erg Chegaga. Wir wurden verfolgt von den beiden Race LKWs, die auch auf der Straße mächtig aufs Gas drückten und Patrick keine Chance zum Entkommen gaben. Ich sah das ganze nur im Rückspiegel, da ich etwa einen halben Kilometer Vorsprung hatte. Patrick wiederum sah im Rückspiegel, dass die LKWs irgendwann die Straße verließen und rechts ab fuhren. Wir stoppten und kontrollierten diesen Zug auf unseren Karten - Tatsächlich würde man so Mhamid komplett umgehen können und so auch den in den toruristischen Reiseführern beschriebenen aufdringlichen Allrad-Guides aus dem Weg gehen. Wir drehten um und folgten den LKWs, die eigentlich schon am Horizont verschwunden waren. Querfeld ein projezierten wir unser Ziel nach Himmelsrichtung und Intuition. Wir waren nun mal wieder Off-Off-Road. Fernab jeglicher Piste, durchquerten wir Geröllfelder und ein 350m breites Mikroerg. Immer weiter gen Westen. Die Berge zur rechten, die unendliche Ebene zur Linken.

Irgendwann um die späte Mittagszeit begann das Erg Chegaga und wir hielten uns weiter zwischen den Bergen und dem Erg. Patrick war zwar scharf auf Sand, aber wir beschlossen, aus zeitlichen Gründen nicht extra tief hinein zu fahren und stattdessen mehr vom Land später zu sehen.

Unterwegs fuhren wir auf einen der Geröllberge und vesperten ein bisserl. Er gab uns auch eine gute Aussicht über die Gegend und die Strapazen, die vor uns liegen würden.

Wir touchierten Erg Chegaga nur am Ende und surften leicht in kleinen Dünen. Direkt am Anschluss, ging der Erg über in den Lak Iriki, ein altes Flussbett oder ein alter ausgetrockneter See. Ähnlich anderen Salzseen oder den Makgadikgadi Pfannen in Botswana, war der Boden hier sehr glatt und weitläufig. Unter der harten Oberfläche fand sich aber oftmals ein weicher Grund oder sogar Löcher. Wir beschlossen ein kleines Rennen, denn die Umgebung lud einfach dazu ein, mit maximaler Geschwindigkeit sein Fahrwerk auszureizen und einmal wie Major Tom durch die Steppe zu fliegen. Funfaktor maximal - inkl. Video: http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... eed.secure

Im Anschluss posierten wir auf einem kleinen Geröllhügel, damit dem daheim gebliebenen Chris bei dem Anblick wiederum der Sack in Fransen aufgehen sollte.

Ich will das gar nicht so auseinander ziehen mit zuviel Text. Wir suchten uns zum Abend ein kleine Dünenkette, die hinter einem Gröllwall versteckt von der Hauptpiste lag. Dort surften wir erneut etwas durch den Sand und campierten in einem geschützten Kessel direkt neben einem Erdhügel mit großem grünen Busch und tausend kleinen Öffnungen. Mit dem Einbruch der Dunkelheit gesellten sich einige schwarze Käfer mit weisser Bemalung zu uns, dazu ein 250g schwerer Monster-Grashüpfer, der irritiert vom großen Lagerfeuer erst gegen mein Zelt sprang und mir irgendwann auch auf den Rücken. Ein süßer Fratz.
Wir futterten frische Tortellini in Grana-Padano-Ricotta-Tomatensoße mit feinster Schweinehack-Einlage.
Ein guter Tag. Wir waren kurz vor Foum Zguid und ließen die Erlebnisse des Tages Revue passieren.

Campingplatz:
http://maps.google.de/?ll=29.837664,-6. ... 19&vpsrc=6

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Und ein paar Videos zu beäugen:

Eine Bruchkannte mitten in der Landschaft. Zum Glück rechtzeitig gesehen. :-)
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... ung.secure

Im Interview mit Dr. Dr. Grafe vom geologischen Institut Foppenberg
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... erg.secure

Der Titel spricht für sich :-)
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... ten.secure

Grafe cruist durch kleine Düne
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... sen.secure

Grafe surft auf kleiner Düne
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... g_2.secure
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

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Part VI: Out of the desert and into the mountains

Ich hatte diese Nacht besonders gut eingeschlafen. Das noch lodernde Feuer erhellte mein Zelt in wohligen Farben und wiegte mich sanft in den Schlaf. Irgendwann in der Nacht kam dann ein Sturm auf, die Luftmassen zischten laut um die nahen Tafelberge, es regnete etwas. Zeitweise war der Wind so stark, dass das Zelt ohne mich als lebenden Ballast weggeweht worden wäre. Da ich eigentlich pieseln musste, war das in dem Moment ein Nachteil. Aber der Sturm legte sich schnell wieder, ich verrichtete meine Notdurft und fiel in einen tiefen Schlaf bis zum Morgen.

Wir waren auf der Reise Frühaufsteher. Pünktlich um 6.00 Uhr klingelte der Wecker in Form des Handies. Das war einige Minuten vor dem Sonnenaufgang. So konnten wir die Sonnenzeit tagsüber ideal fürs Fahren verwenden, denn spätestens um 17.30 Uhr war Schluss und wir mussten ja vorher immer noch einen Rastplatz finden. Aber heute war unsere letzte Nacht in der Wüste. Noch etwa 35km und wir würden Foum Zguid erreichen, jene kleine Stadt, die mit ihrer Straße den Schritt zurück in die Zivilisation bedeutete. Wir frühstückten in gewohnter Manier, aßen sogar einen Joghurt mehr als sonst und machten uns auf den Weg. Natürlich nicht, ohne vorher noch etwas in den Dünen zu cruisen. Da zuviel Show auch mal langsam fahren bedeutet, rammelte sich Dr. Grafe erstmal so richtig tief fest. So tief, dass nur ein kinetisches Bergeseil mit Verlängerung ihn befreien mochte. Gut, damit waren wir dann irgendwie auch quit.

Wir fuhren mit Abkürzung zurück auf die Piste und trafen auf....Ja auf was wir trafen, erzeugte merkliche Irritationen bei uns. Ein Convoi aus drei Fahrzeugen. Landrover Defender mit nem Typen auf dem Dach, ein LKW mit Ladung und ganz vorne ein Container-LKW, in dem oben Leute saßen. Aber keine Einheimischen! - Nein, Europäer.
Wir fragten uns, wie man auf die Idee kommt, sich hinten im LKW über solch grausigen Schotterpisten schaukeln zu lassen. Ist das die neue Form von Abenteuer-Pauschal-Urlaub? Siehe dem Video: http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... lkw.secure

Irgendwann trafen wir auf die Strasse und machten einen technischen Stop. Wir checkten Radlager, Fahrwerk, Lenkung, Öle. Alles was nötig ist, um nun wieder sicher auf der Straße zu fahren. Dann kamen auch die LKWs an, die wir natürlich irgendwann überholt hatten. Uns war aufgefallen, dass direkt am Ende der Piste ein moderner Hightech Reisebus wartete. Und tatsächlich entlud man die LKW Touristen direkt in den Reisebus. Ich war mehr als neugierig und spazierte rüber. Ahnend, dass es keine deutschsprachigen Kollegen waren, begann ich ein Gespräch in Englisch. Volltreffer - Es waren Briten, die sich dieser Tortur unterzogen hatten. Und einer meinte auch "you might think - What kind of idiots?" - Aber ich meinte nur, wir wären nur irritiert gewesen und hätten das Gesehene nicht so bewertet. Es stellte sicher heraus, dass die Gruppe wohl zuerst einen 120km Fussmarsch durch die Wüste gemacht hatte und der zweite Teil aus dieser Beförderungsvariante bestand. Sie waren nun am Ende und würden luxoriös im 4 Sterne Bus gen Hafen fahren. Man lernt nie aus...

Wir starteten unsere Maschinen und los ging wiederum unser zweiter Tourteil mit dem Schwerpunkt "Berge beglotzen". Direkt nördlich bis nahe Quarzazarte und kurz vorher ab auf eine "grüne Strasse" Grün bedeutet in der Michelin 742 Karte "sehenwerte Strasse" - Also eine Route durch optisch spannende Gegenden. Es handelt sich um die "P1506": http://maps.google.de/?ll=31.15347,-7.1 ... src=6&z=11
Diese Strecke fängt lau an und wird dann immer atemberaubender. Man fährt vorbei an mehrere hundert meter tiefen Tälern an steilen Hängen, bis auf knapp 2000m. Die Strecke ist stark verwinkelt und man braucht eine ganze Weile, doch die Aussicht entschädigt für alles. Wir bekamen noch etwas Regen, aber das gehört einfach dazu.

Direkt im Anschluss folgt wieder auf der Hauptstrasse angekommen die Querung des hohen Atlas. 2200m war der Pass hoch und die extrem gut ausgebaute Strasse ist sicher ein Augenschmaus für jeden Sportwagenfahrer. Dutzende engster Serpentinen schlängeln sich an berauschenden Abgründen durch das Felsmassiv. Es wurde immer dunkler und die Straße schien kein Ende zu nehmen. Wir erreichten das Ende des Atlas erst nach Einbruch der Dunkelheit. Zwischenzeitlich falschte Patrick noch mit einem Straßenhändler um gefüllte Steine. Ich wette zwar, dass die alle gefälscht sind, aber sie sehen dennoch sehr schön aus.

Am späten Abend erreichten wir endlich Marrakech, jene mystische Supermetropole Marokkos. Mit Hilfe der genauen Google Satfotos, in denen viele Dinge eingezeichnet sind, fanden wir schnell ein Ibis Hotel für die Nacht. Wir speisten zum Abendbrot Entrecotè Steak, das von der Qualität her etwa einem Stück Gammelfleisch an Bienes Bahnhofsimbiss entsprach.
In der Bar ließen wir den Abend ausklingen und gingen bald zu Bett. Morgen würde ein langer Tag werden und etwas Ruhe tanken kann nicht schaden. Die Autos standen gut bewacht vor der Tür und wie fielen gut behüttet ins Bett....

Einige Videos:

Gegen Mittag verließen wir die Strasse kurz über einen Bergweg, um mit prächtiger Aussicht zu Futtern.
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... per.secure

So sehen Nebenstrassen aus:
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... e_1.secure

Kann aber auch so aussehen:
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... gen.secure

Ein privater Dialog zum Thema abgeklebte Frontlichter:
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... log.secure

Und natürlich Bilder:

Fährt frei
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Fährt fest
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Piste
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Briten im LKW
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Ausläufer des Atlas Gebirges
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Mittags Vesper
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Bisserl Felsen besteigen
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Die wollten irgend was Unkeusches machen
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Kein Netz mit dem IPhone?
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Mehr in Bälde
Andreas Pflug
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Re: Marokko im Herbst 2011 - Verschollen im Draa Tal

Beitrag von Andreas Pflug »

Part VII - Into the blue, up the Hill crash some hasch-guys

Marrakech, die alte große Stadt. Orientalische Megacity, Mittelpunkt vieler Geschichten, Filme und Legenden. Die Lichter von Marrakech erhellen den nächtlichen Himmel schon von vielen Kilometern Entfernung. Wir schliefen hier eine Nacht. Unser Ibis Hotel lag im Norden der Metropole, direkt an einer Hauptstrasse. Wir planten am nächsten Morgen eine kleine Stadtrundfahrt, mussten aber schnell feststellen, dass man hier mit riesigen Geländefahrzeugen eher der Verlierer ist. Marrakech und seine vielen kleinen Souks besucht man am besten per Pedes. Dies blieb uns leider verwehrt und wir sahen nur am Rande etwas von den Märkten und seiner Kultur. Doch die Zeit lies keinen längeren Aufenthalt zu, denn unser heutiger Tagesplan führt uns nach Fes mit Zwischenstop am Atlantischen Ozean.

Ja, das ist ein sauberer Umweg, aber unser All Inklusive Programm beinhaltete Flashis (meinen) Wunsch nach einem Bad im Atlantischen Ozean und so gaben wir ein weiteres mal unseren Rössern die Sporen und schossen über die Autobahn, die an dieser Stelle auch zum Transafrikanischen Highway gehört. In Höhe Menasteel ging es dann runter von der Schnellstrasse und direkt gen Strand. Den zu finden, war erst im zweiten Anlauf erfolgreich. Beim ersten Versuch landeten wir in einer exklusiven Villenanlage, die jeglichen Wasserzugang versperrte. Aber einige Kilometer weiter, nach einem Abstecher über ein leeres Feld, waren wir endlich da - Und dort andere Allradler zu sehen versicherte uns, dort wirklich auch fahren zu dürfen. Wir cruisten über den leeren Strand bis hinter eine kleine Bucht und ließen uns zur Mittagssonne nieder. Erste Wasserbesuchsversuche schlugen aufgrund des steinigen Untergrunds fehl. Hier gab es scheinbar sowas wie ein Korallenriff oder eine andere Formation fester Gesteinszusammenhänge mit scharfen Kannten. Daher zogen wir uns sichere Schuhe an und versuchten es erneut.
Nach ersten Wellen und Salzwasserkontakt, widmete sich Patrick einem Apfel, während ich mit meiner wasserdichten Kamera ein Actionvideo für die Oma drehte.

Aber unsere Zeit war rationiert. Patrick plante nun noch ein paar Strandbuggy-Actionszene, bei denen wir mit unseren Fahrzeugen schnell und wie bei Baywatch über den Strand pflügen würden. Nun es wurde ein Desaster. Der Boden war weich, wir fuhren uns quasi sofort fest und brauchten eine Weile mit Rangieren, um wieder frei zu kommen. Die Einheimischen, die sich an einer steilen Felswand im Schatten eingefunden hatten, beobachteten unser Treiben mit Amüsement und winkten später noch belustigt....

Wieder zurück auf der Autobahn, ging es über Rabat nach Fes. In Höhe Meknes kreuzten wir damit unsere Anreiseroute. Wir machten auf der Autobahn in einem Autobahnrestaurant Zwischenstopp und aßen eine Kleinigkeit. Fes erreichten wir im Dunkeln. Eine schöne Stadt mit viel Leben auf den Strassen. Einen aufdringlichen Fremdenführer konnten wir dank Grafe nur mit vehementem Hupen abschütteln. Selten so eine Penetranz erlebt...

Das geplante Ibis Hotel gab es nicht. Es sollte da sein, war aber aber nicht. Grafe übernahm die Führung und folgte einem Track von Desertcruiser, welcher aber mitten ins spirtuelle Zentrum führte und nicht zu einer Herrberge. Das Problem: Dort war es eigentlich viel zu eng für Fahrzeuge und zum Wenden und Rausrangieren brauchte ich schon die Untersetzung. Tausende von Menschen, kein Platz und ne Steigung...Was für ein herrlicher Abend. Wir wollten nur noch ins Bett und folgten nunmehr der Ausschilderung "Hotel Les Merinides". Nun, das war dann das erste Haus am Platz. Echte 5 Sterne Kategorie, Zimmerpreis laut Aushang: 250 Euro in der Hauptsaison und 300 Euro in der Nebensaison.
Die Rezeptionistin kam uns aber direkt mit einem ungefragten Sonderangebot entgegen. Einzelzimmer mit Frühstück 120 Euro. Das erschien uns mehr als prächtig und wir checkten zufrieden ein. Die Zimmer warn Oberklasse und beide mit einer kleinen Tür verbunden. Im Fernsehen lief RTL und wir nutzen den angebrochen Abend für die Planung des nächsten Tages.

Der geneigte Leser wird sich sicher fragen "Was sind denn das für zwei Spassvögel? Erst suchen sie im Zelt die Einsamkeit der Wüste, leben aus der Kühlbox und beglotzen den Sternenhimmel. Dann logieren sie mit einem Mal in Luxushotels mit Frühstück, wo persönliche Köche frische Oelettes zubereiten?"- Ja, korrekt. Das stimmt so. Und wie sagt schon eine von Flashis Weißheiten? "Wer das Abenteuer sucht, darf den Luxus nicht fürchten!"

Das Frühstück war es wert, Frühstück genannt zu werden. Alle Säfte frisch gepresst und ungestreckt. Eine reiche Auswahl an Belägen, Kaffee und Kakao. Dazu natürlich die obligatorische Busladung Japaner.

Patrick und ich planten am gestrigen Abend relativ heftig die Tour für heute. Patrick stellte dabei Straßen zusammen, die der Michelin Reiseführer entweder als gefährlich oder sehr hoch, sehenswert und gefährlich einstufte. Ich fand das gut, äußerte aber zeitliche Bedanken, da wir ja bis Tetouan kommen wollten, was über Nebenstrasse ein verdammt weites Stück entfernt war. Dazwischen lagen die Ausläufer des Atlas Gebirges, nämlich das Rif Gebirge - Die weltweit größte Haschischplantage. Ein Gebiet, vor dem man uns eigentlich gewarnt hatte. Aber wir waren nicht Hinz und Kunz, wir waren F&G - Uns würde nichts und niemand stoppen...Naja, außer vielleicht ein technischer Defekt, die Zeit, ein Fahrfehler oder eine Naturkatastrophe, Spritmangel, Dauerschnee, Rebellen oder Magenprobleme.

Unser Weg führte uns die N8 nordwärte bis Taounate, eine Stadt, die auf einem Berg liegt und deren Anfahrt wirklich eine herausfordernde Bergaufquälerei ist...Also zumindest mit untermotorisierten überladenen PKWs. Hinter Taounate ging dann die Strasse nach Tahar Souk ab. Aber bevor wir Taounate erreichten, war erstmal eine kleine Flussquerung an der Reihe, mit der ich Patrick überraschen wollte: http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... und.secure

Die Strecke gen Tahar Souk verlief in Wirklichkeit anders, als bei Google eingezeichnet. Es ging immer weiter bergauf, wir fuhren an einem riesigen Bergstausee vorbei und kurz hinter Maret kam dann die Abzweigung zur Passtrasse über Dalia. Ich prophezeite ja eigentlich, dass wir Dalia erst gegen Mitternacht erreichen würden und dann dort wimmernd festhängen. Aber nein. Es war kurz nach Mittag, in Dalia stürmte es bei einer Saukälte und wir aßen erneut einige Leckereien aus unserem Brotkorb. Entgegen Grafes Schätzung, verlief die Straße aber nicht auf 1000m...Nein wir kamen immer höher und waren irgendwann in den Wolken. Der Nebel verringerte die Sicht streckenweise enorm, der Wind peitschte unbarmherzig von der Seite ans Fahrzeug und der Regen reinigte uns vom Wüstensand. Die Aussicht entschädigte für vieles. Irgendwann kam über Funk die Bitte nach einer Kaffeepause und so verließ ich auf einem Fortstweg die Strasse und führte uns Offroad in höher gelegenes Gelände auf genau 1950m. Dort war es so kalt und windig, dass mich eine Böe erfasst und niederwarf. Prellung am Knie und Handgelenk. Wir verwarfen die Idee des Kaffees und fuhren zurück auf die Strasse...

In Targuist kamen wir zurück auf die Haupstrasse N2. Es ging direkt westlich weiter, bis wir zum Abzweig nach El Jabha kamen, einer Hafenstadt am Mittelmeer. Diese Route war wiederum grün und gefährlich. Sie führte durch das Herz des Rif-Gebirges. Eine enge Straße am Hang mit nur wenig Überholmöglichkeiten. Die Aussicht wie üblich atemberaubend.

Und irgendwo dort geschah es - Ich kam von oben, er kam von unten, wir trafen uns in der Mitte unter meiner Stoßstange. Ja, ich hatte einem Einheimischen das Auto im wahrsten Sinne des Wortes aufgeraucht. Totalschaden. Der Mann war am Boden zerstört, hatte aber Angst vor der Polizei (warum nur...Vielleicht wegen dem Zeug hinter seinen Sitzen? ). Schnell kamen weitere Anwesende dazu, die ebenfalls in Transportern auf der Strasse unterwegs waren. Alle waren sehr hilfsbereit und mit Hilfe von 500 frischen Euroscheinen, konnten wir die Situation kippen. Mit einem Mal war Volksfeststimmung (kein Scherz). Man wünschte uns gute Reise und wir konnten weiter fahren. Nur gehörte meine Seele jetzt Grafe, der mich quasi freigekauft hatte.

Am Ende der Gebirgstrasse trafen wir auf einen Einheimischen, der uns neugierig ansprach und überraschend gut Deutsch und Englisch sprach. Er erzählte uns von seinen Aufenthalten in Amsterdam, erzählte über die hiesigen Anbaumethoden und in welchen Größenordnungen er sein Agrarerzeugnis exportieren würde. Ich konnte mir den Gag nicht verkneifen ihm mitzuteilen, dass Europäer diese Gegend "Cocaine Country" nennen. Und er konterte korrekt, dass das aber eher Kolumbien sein und hier mehr Hasch-Country wäre. Wir hatten ein nettes Gespräch und er wollte uns nichts geben oder verkaufen. Er fand es genauso wie wir interessant, einfach mal drüber zu sprechen und stolz sein Business zu zeigen.

Im gleichen Moment kamen die Straße zwei Unfallhelfer von vorhin entlang und winkten uns noch immer gut gelaunt mit Daumen nach oben zu. Interessante Erfahrung, wir hatten hier jetzt ganz schnell neue Freunde gefunden. Doch der Weg heute war noch weit, vor uns lag eine 135km lange Küstenstrasse direkt am Mittelmeer.

Nun hier endete unser Glück. Die Strasse wurde auf der kompletten Länge gerade neu gebaut. Es gab keinen Asphalt mehr, es war eine 135km lange Baustelle.
Die Strecke wäre ein Traum für jeden Rallyefahrer, keine Frage, Aber wir waren im urlaub und wollten nicht todesmutig rasen. Es wurde dunkler und dunkler und wir kamen nur langsam voran. Irgendwann gegen vielleicht 20 Uhr rief mich Patrick über Funk: Stop, bei mir überbremst hinten was. Wir stoppten direkt neben einer LKW Verladestation im weichen Bauschlamm. Ich stieg aus und bemerkte bei mir einen Platten hinten links. Der Untergrund war zu weich für einen direkten Hilft, so dass ich erst umparken musste und das Auto mit Steinen fixieren, Nach dem Wechsel meines Rades, kamen wir dann endlich zu Patrick und dem war....ja ich kann es gar nicht schohnend sagen....Ein Längslenker hinten abgerissen. Besser gesagt war ein Auge um eine Buchse aufgerissen und die Achse hing nun schräg unterm Fahrzeug. Wiederum Desaster.

Zwei Bauarbeiter, ein Einweiser und sein älterer Chef, waren sofort zur Stelle um uns zu helfen. Sie kamen zum gleichen Ergebnis: Spanngurte sollten die Achse fixieren können. Gesagt getan. Wir bedankten uns mit Dirhams und fuhren nun mit 15km/h langsam weiter gen Tetouan. 35km lagen vor uns. Parallel bat ich unseren daheim geblieben Freund Henning uns ein Ibis Hotel rauszusuchen. Henning fand es, das lag aber weitere 35km hinter Tetuan. Ich musste also Patrick irgendwie verkaufen, dass es nochmal ein ganzes Stück weiter gehen würde. Zum Glück allerdings auf direktem Wege per Autobahn.

In Tetuoan angekommen,sahen wir einen McDonalds und kehrten gechafft und dreckig wir sau ein. Zwei Maxi Menüs mit Eis und Cola, genau das Richtige. Danach schnell noch Autobahn, auf der wir ganz alleine waren und endlich erreichten wir spät in der Nacht das Ibis Hotel und konnten nun ins Bett. Der Hafen lag keine 15km entfernt, wir waren morgen also auf der sicheren Seite.

Videos

Ne Bergstrasse, nix Dolles
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... rif.secure

Moderiert bis in die Wolken
http://foppdiewutz.de/marokko2011/handc ... ing.secure

Hmm...
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... see.secure

Durchs Unterholz bei knapp 2000m
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... atz.secure

Direkt nach dem Unfall und der Klärung durch Euronen
http://foppdiewutz.de/marokko2011/outca ... all.secure

Bilder

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Es folgt: Der letzte Tag und Resümè
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