Morgen ist sie tot
Auf der Suche nach der Löwin Kamuniak.
John klein von Statur, aber riesig im aufspüren des Wildes.
Zwei Löwinnen, Elsa und Kamuniak sind weltbekannt geworden.
Es ist immer ein besonderes Erlebnis, wenn man das Schicksal von Tieren in freier Wildbahn über längere Zeit beobachten kann. Meinen Freund Gabriel, Senior Game Warden im Samburu Reservat hatte ich gebeten mich anzurufen, wenn die Löwin Kamuniak (die Gesegnete) wieder ein Antilopenjunges adoptiert hat.
Leider bin ich zu spät gekommen, da die Zweisamkeit nur wenige Tage dauerte. Entweder haben andere Löwen das Antilopenjunge getötet, obwohl sie es verteidigt hat, oder die Kälber sind verhungert. Bei einem Adoptivkind hat sie sogar zugelassen, dass die kleine Antilope zu der in der Nähe weidenden Mutter zum säugen laufen konnte.
Dieses Mal bin ich in der Zeit der Jungtiere im Reservat. Gabriel, John unser langjähriger Scout/Fahrer und ich suchen Kamuniak.
Am späten Nachmittag des zweiten Tages finden wir sie bei einem toten Gravyzebra. Sie, oder andere Löwen haben es nicht gerissen. John und ich vermuten, das Zebra ist gestorben, weil es nicht gebären konnte. Kamuniak. ist allein und verhält sich sehr seltsam. Sie bewegt sich wie in Zeitlupe. Irgend etwas stimmt nicht mit ihr.
Ihre Bewegungen sind fast asynchron und kraftlos.
Löwen brechen ihre Beutetiere von der Bauchseite auf. Es sieht so aus als könne sie nicht zubeißen. Löwen sind nicht wählerisch. Aas wird nicht verschmäht. Das Grevyzebra muss am Vortag verendet sein.
Dann sehen wir weshalb sie sich so seltsam verhält. Aus ihrem Maul läuft weißer Schaum.
Kamuniak ist krank, schwer krank.
Frage an Gabriel - was hat sie? Es fällt ihm sichtlich schwer. Sie hat Anthrax. Das Grevyzebra ist an Anthrax/Milzbrand gestorben. Ich schlage vor einen Veterinär aus Isiolo zu holen, denn die Symptome bei Anthrax müssten anders sein.
Gabriel meint dass wäre bereits zu spät. Außerdem gäbe es Probleme mit dem KWS (Kenya Wildlife Service).
Anthrax ist in ganz Afrika verbreitet. Besonders betroffen sind Huftiere. Die Erkrankungen bei Löwen sind sehr unterschiedlich. In Etosha sind die Löwen weitgehend immun. Im Krüger Park erkranken Löwen häufig an Anthrax und TBC.
Obwohl sie kaum laufen kann hat sie sich zurückgezogen. Sie ist völlig aphatisch.
Es geht ihr sehr schlecht. Ihre Augen sind glanzlos. Sie hat Mühe den Kopf hoch zu halten.
Es schmerzt diese wundervolle Löwin so zu sehen, die ich mehrere Jahre beobachten konnte. Noch viel schlimmer ist nichts tun zu können.
Die Geier haben sich schon versammelt. Morgen werden sie sich über das Grevyzebra hermachen. Anthrax ist für Geier kein Problem.
Sie hat sich mühevoll vom Zebra entfernt. Entkräftet ist sie auf die Seite gefallen. Wir bleiben fast bis Mitternacht bei ihr. In Samburu gibt es sehr wenig Hyänen. Der Zebrakadaver ist zu frisch und wird keine Hyänen anlocken. Die Geier werden morgen den Zebrakadaver zerreißen.
Gabriel : Morgen ist sie tot.
Am nächsten Morgen brechen wir vor Sonnenaufgang auf. Der Zebrakadaver ist noch unberührt. Kamuniak können wir trotz intensiver Suche nicht finden.
Gabriel und John sind exzellente Spurenleser, doch auf dem betonharten Boden gibt es keine Spuren von ihr. Wir finden bluthaltigen Kot. Trotzdem glaube ich nicht an Anthrax. Ihr Ernährungszustand war zu gut. Ich vermute sie ist vergiftet worden.
Nach mehreren Stunden brechen wir die Suche ab.
Was ist geschehen? Das Rätsel löst sich ein paar Monate später.
Morgen ist sie tot
Moderator: Moderatoren
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Alexander
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Re: Morgen ist sie tot
Hallo Sigi,
Eine schöne, wenn auch traurige Geschichte. Bin gespannt, was der wirkliche Grund für das Ableben der Löwin war.
Grüsse
Alexander
Genau das tust du gerade, und nicht zu knappSigurd hat geschrieben:Menschen für Afrika begeistern
Eine schöne, wenn auch traurige Geschichte. Bin gespannt, was der wirkliche Grund für das Ableben der Löwin war.
Grüsse
Alexander
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Re: Morgen ist sie tot
Hallo Alexander,
danke für den Zuspruch.
Ich glaube hier im Forum sind überwiegend Afrikafans, mit dem Schwerpunkt Sahara/Sahel, die unheilbar vom „Virus Africanus“ befallen sind.
Der Saharatourismus ist teilweise mehr als problematisch, deshalb ist meine Absicht für die Länder südlich der Sahara zu begeistern. Sie sind noch weitgehend vom Tourismus unverdorben.
Vor vierzig Jahren sind wir zum ersten Mal mit einem VW-Bus über Tan-Tan – Tarfaya (das war das schwierigste Stück) El Aaiun – Guelta Zemmur – Bir Moghrein - Zourate – Fort Gouraud - Chum – Atar - Nouakchott – St. Louis und dann nach Mali.
Das Visum für die Provincia de Sahara musste noch in Madrid beschafft werden.
In den Jahren danach die Tanezrouft- und Hoggar Piste. M.W. sind die drei Pisten heute aus Sicherheitsgründen nicht machbar.
Irgendwo südlich Bir Moghrein. Er kam es dem Nichts und verschwand im Nichts.
Gruß
Sigi
danke für den Zuspruch.
Ich glaube hier im Forum sind überwiegend Afrikafans, mit dem Schwerpunkt Sahara/Sahel, die unheilbar vom „Virus Africanus“ befallen sind.
Der Saharatourismus ist teilweise mehr als problematisch, deshalb ist meine Absicht für die Länder südlich der Sahara zu begeistern. Sie sind noch weitgehend vom Tourismus unverdorben.
Vor vierzig Jahren sind wir zum ersten Mal mit einem VW-Bus über Tan-Tan – Tarfaya (das war das schwierigste Stück) El Aaiun – Guelta Zemmur – Bir Moghrein - Zourate – Fort Gouraud - Chum – Atar - Nouakchott – St. Louis und dann nach Mali.
Das Visum für die Provincia de Sahara musste noch in Madrid beschafft werden.
In den Jahren danach die Tanezrouft- und Hoggar Piste. M.W. sind die drei Pisten heute aus Sicherheitsgründen nicht machbar.
Irgendwo südlich Bir Moghrein. Er kam es dem Nichts und verschwand im Nichts.
Gruß
Sigi
- Achim Vogt
- Moderator
- Beiträge: 2854
- Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
- Wohnort: Kampala / Uganda
Re: Morgen ist sie tot
Lieber Sigi,
auch von mir dickes Lob und Dankeschön für Deine tollen Berichte und Fotos! Und nun spann' uns bitte nicht auf die Folter: Wie ist die traurige Geschichte der Löwin Kamuniak denn nun ausgegangen?
Viele Grüße
Achim
auch von mir dickes Lob und Dankeschön für Deine tollen Berichte und Fotos! Und nun spann' uns bitte nicht auf die Folter: Wie ist die traurige Geschichte der Löwin Kamuniak denn nun ausgegangen?
Viele Grüße
Achim
Re: Morgen ist sie tot
Hallo Achim,
danke.
Sie lebt und ist kerngesund. Wir haben sie am Ufer des Flusses gefunden.
Sie setzte gerade zur Jagd an. Unten im fast trockenen Flußbett Antilopen und Greyzebras. Das Ufer ist zu steil, ohne Überschlag kämen wir nicht runter.
Deshalb der Schnellschuss durch die Windschutzscheibe. Rechts auf dem Fahrersitz John. Er duckt sich damit ich besser fotografieren kann.
Sie hat das Adoptieren von Oryxjungen aufgegeben. Meist hält sie sich in der Nähe eines Löwenpaares auf. Der Löwe ist leicht zu orten, da er ein Senderhalsband hat.
Mehr Fotos später mal.
Gruß
Sigi
danke.
Sie lebt und ist kerngesund. Wir haben sie am Ufer des Flusses gefunden.
Sie setzte gerade zur Jagd an. Unten im fast trockenen Flußbett Antilopen und Greyzebras. Das Ufer ist zu steil, ohne Überschlag kämen wir nicht runter.
Deshalb der Schnellschuss durch die Windschutzscheibe. Rechts auf dem Fahrersitz John. Er duckt sich damit ich besser fotografieren kann.
Sie hat das Adoptieren von Oryxjungen aufgegeben. Meist hält sie sich in der Nähe eines Löwenpaares auf. Der Löwe ist leicht zu orten, da er ein Senderhalsband hat.
Mehr Fotos später mal.
Gruß
Sigi
- Achim Vogt
- Moderator
- Beiträge: 2854
- Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
- Wohnort: Kampala / Uganda
Re: Morgen ist sie tot
Lieber Sigurd,
vielen Dank! Sag mal, wann hat sich die Geschichte denn eigentlich abgespielt? Laut Wikipedia wurde "Kamuniak" seit 2004 nicht mehr gesichtet ...
Viele Grüße
Achim
vielen Dank! Sag mal, wann hat sich die Geschichte denn eigentlich abgespielt? Laut Wikipedia wurde "Kamuniak" seit 2004 nicht mehr gesichtet ...
Viele Grüße
Achim
Re: Morgen ist sie tot
Hallo Achim,
bei Wikipedia gibt es unterschiedliche Einträge, (je nach Land - jeder kann Einträge vornehmen) wann sie zuletzt gesichtet wurde.
2005/2006 lebte sie noch. Danach gibt es keine Anmerkungen zu ihr.
D.h. aber keineswegs, dass sie tot ist. Nachdem sie keine Antilopenjunge mehr adoptiert hat, fand sie keine Beachtung mehr. In Freiheit werden Löwen 15-20 Jahre alt.
Wenn ihr Tod bekannt geworden wäre, hätte mich Gabriel informiert.
Ich werde ihn fragen.
Ähnlich ist es mit der Gepardin „Kike“ in der Mara. Kike war bekannt weil sie auf Geländewagen kletterte und angeblich sogar von oben in Autos kackte.
Das ist allerdings nicht Kike. Möglichweise eines ihrer erwachsenen Kinder die sie immer mitbrachte. Zuletzt soll Kike im Grenzbereich Mara-Serengeti gesichtet worden sein.
Ich habe Kike mehrere Jahre beobachten, filmen und fotografieren können.
http://www.privatsafaris.de/html/kike.html
http://www.myvideo.de/watch/4631771/Wo_ist_Kike

Meine große Liebe die "Big Cats" und ich.
Kike
Gruß
bei Wikipedia gibt es unterschiedliche Einträge, (je nach Land - jeder kann Einträge vornehmen) wann sie zuletzt gesichtet wurde.
2005/2006 lebte sie noch. Danach gibt es keine Anmerkungen zu ihr.
D.h. aber keineswegs, dass sie tot ist. Nachdem sie keine Antilopenjunge mehr adoptiert hat, fand sie keine Beachtung mehr. In Freiheit werden Löwen 15-20 Jahre alt.
Wenn ihr Tod bekannt geworden wäre, hätte mich Gabriel informiert.
Ich werde ihn fragen.
Ähnlich ist es mit der Gepardin „Kike“ in der Mara. Kike war bekannt weil sie auf Geländewagen kletterte und angeblich sogar von oben in Autos kackte.
Das ist allerdings nicht Kike. Möglichweise eines ihrer erwachsenen Kinder die sie immer mitbrachte. Zuletzt soll Kike im Grenzbereich Mara-Serengeti gesichtet worden sein.
Ich habe Kike mehrere Jahre beobachten, filmen und fotografieren können.
http://www.privatsafaris.de/html/kike.html
http://www.myvideo.de/watch/4631771/Wo_ist_Kike

Meine große Liebe die "Big Cats" und ich.
Kike
Gruß
- Achim Vogt
- Moderator
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- Wohnort: Kampala / Uganda
Re: Morgen ist sie tot
Lieber Sigi,
danke nochmal! Das macht wirklich Lust 1. auf mehr und 2. auf selber machen
Viele Grüße aus dem relativ großwildkatzenarmen Orient
Achim
danke nochmal! Das macht wirklich Lust 1. auf mehr und 2. auf selber machen
Viele Grüße aus dem relativ großwildkatzenarmen Orient
Achim




