puh, die Erlärung beruhigt mich doch, "wilde Reisende" hört sich für mich irgendwie negativ an.
Wir haben bei Kontrollen immer versucht mit vielen Gesten und viel Lachen die Sache locker zu gestalten. Eine Kontrolle die mit einem Lächeln und einem freundlichen Händeschütteln beginnt, verläuft meist recht relaxed und endet selten in einer Forderung. Das funktioniert eigentlich überall, außer in Deutschland. Als mich letzte Woche einer von der Trachtengruppe rausgewunken hat (ich mit Ente und Wohnwagen) und ich freundlich lächelte (ich war garantiert nicht zu schnell und hatte ein reines Gewissen) hat er mich erst mal angeschnauzt, warum ich denn lache ...
Das Bild der Deutschen ist schon traurig, bis zur usbekischen Grenze kannte man noch Beckenbauer, Klinsmann und den Loddar, dahinter dann halt nur noch den Adolf.
Wir waren in Buchara bei einem Fußballspiel (irgendwie gingen alle ins Stadion, somit sind wir hinterher). Bis zur 2. Halbzeit hat unser Sitznachbar ausgehalten, dann siegte die Neugierde (außerdem lief das Spiel schlecht für Buchara), wo wir denn her wären. Nach längerem Kauderwelsch zu Reise und Familie (die Reaktion auf unsere Kinderlosigkeit löste mal wieder völliges Entsetzen aus, obs eine Krankheit sei, oder wir nicht wüßten wie ... von da an ab gaben wir immer an 3 Kinder zu haben, die Welt war für die Gastgeber dann in Ordnung) hörte ich das Wort Hitler. Da erhob sich rundherum lauter Protest (Buchara lag inzwischen 1:3 hinten, da waren die 2 Touris interessanter als das Spiel und die ganze Umgebung lauschte unserer Unterhaltung). Mein Sitznachbar wurde von allen Seiten beschimpft, weil er dieses Thema angeschnitten hatte.
Viele wissen schon Bescheid und sind bei dem Thema sehr sensibel, aber ein paar Rüpel gibts halt immer und überall. Bei denen hilft "ich Hitler, du Stalin", damit läßt sich jede sinnlose politische Diskussion aprupt beenden.
Grüße
sven
Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Moderator: Moderatoren
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Puh, da bin ich aber froh :D . Wollte ich doch niemand zum schwitzen bringen. Jetzt gehts erstmal in den Feierabend
Tadjikistan habe ich übrigens nicht ganz so bürokratisch wie du empfunden. Klar die Registrierung und so. Aber sonst liefs echt alles freundlich ab. Dein Kontakt zu KGB in Murgab war halt auch von der fiesen Sorte. Aber auch dort waren sie bei uns höchst zuvorkommend. Nur auf dem Markt wollten die Frauen uns beim Brot übern Tisch ziehen. Sonst Top, sofort wieder hin wollen
Grüßle nach Schwaben
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Naja, ich hab da einer Allergie, vielleicht gar eine Neurose ... Visum, Genehmigung GBAO, Registrierung, Registrierung des Autos, in jedem Ort beim KGB melden ... also so sieht ja eigentlich die Theorie aus ...fuchs hat geschrieben:Tadjikistan habe ich übrigens nicht ganz so bürokratisch wie du empfunden.
Die Ausreise im Pamir ist ja echt einfach, denen ist alles egal, aber an anderen Stellen, insbesondere bei Penjikent zocken sie ab was geht. Bsp: http://www.keen-on-earth.de/
Die Oma auf dem Markt darf mich gerne etwas besch***, die kanns meist gebrauchen, mir tuts nicht weh, aber wenns Zöllner oder Bullen versuchen, dann entwickle ich plötzlich ungeahnte Ambitionen um da drum rum zu kommen, denn denen gönne ich es einfach nicht. Aber auch von denen waren die meisten echt nett und korrekt, aber halt nur die meisten.
Grüße
sven
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Was deine Freunde da erlebt haben, ist echt ein starkes Stück. Ich glaube aber nicht dass man das generalisieren kann. Gerade der Spezialist aus Almaty (Stan-Tours!) war für uns eine sehr große Hilfe. Sein Stellvertreter in Dushanbe ist mit uns (keine Russischkenntnisse) durch sämtliche Behörden gelaufen und gefahren. Hat sich mit denen gestritten und übersetzt. Von Beginn an, schon bei den Recherchen, war für mich klar dass Tadjikistan das härteste werden würde was ich bis dahin erlebt habe. Sowohl was die Herausforderung meinen 23 Jahre alten Wagen über die 4000m hohen Pässe zu bewegen angeht, als auch die Bürokratie à la UDSSR. Von daher ging ich von dem schlimmsten aus, und wurde angenehm überrascht.
Einen Unterschied macht es sicher, wenn man in Penijkent einreist, und später auf dem Territorium der GBAO ausreist. Wie auch deine Freunde schrieben, sind sich die Behörden nicht ganz grün, so dass da sicher der ein oder andere Zwist auf dem Rücken der Toursiten ausgetragen wird. Die ganze GBAO war in meinen Augen wesentlich besser auf Westler eingestellt. Deine Erfahrung (Murgab) ist da zwar auch anders, aber im Gegensatz zu Dushanbe liefen die Registrierung, Meldungen usw. alle sehr freundlich und hilfsbereit ab. Selbst auf der Grenze bekamen wir in der früh Suppe angeboten
Gruß Flo
Einen Unterschied macht es sicher, wenn man in Penijkent einreist, und später auf dem Territorium der GBAO ausreist. Wie auch deine Freunde schrieben, sind sich die Behörden nicht ganz grün, so dass da sicher der ein oder andere Zwist auf dem Rücken der Toursiten ausgetragen wird. Die ganze GBAO war in meinen Augen wesentlich besser auf Westler eingestellt. Deine Erfahrung (Murgab) ist da zwar auch anders, aber im Gegensatz zu Dushanbe liefen die Registrierung, Meldungen usw. alle sehr freundlich und hilfsbereit ab. Selbst auf der Grenze bekamen wir in der früh Suppe angeboten
Gruß Flo
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
In Penijkent haben schon einige schlechte Erfahrungen gemacht, bei der Einreise gehts noch, bei uns gabs halt, da ich kein "Geschenk" machen wollte nur eine Einfuhrerlaubnis fürs Auto für 8 Tage anstatt eines Monats. Wir haben uns den ganzen Bürokram in Dushanbe nicht gekümmert, sondern sind nur durch gefahren und wurden x-mal von der Polizei genervt, weil unsere Karre dreckig sei und man so nicht durch die Hauptstadt fahren dürfe ... bei uns gings gut, die hätten uns aber auch tierisch wegen fehlender Papiere abzocken können. Ein ungutes Gefühl bleibt einem halt immer.
Apropopo Bürokratie, zum Wandern braucht man ein Trecking-Permit, wer das ausstellt ist nicht ganz klar, für den Besuch der Nationalparks (wo sind die eigentlich?) werde Gebühren zwischen 25 und 100$ pro Tag und Nase fällig.
Fährt man direkt auf dem PHW durch ist es ok, wenn man aber abseits noch was unternehmen will, dann wirds zum tadschikischen Roulette.
Den Ärger den wir in Murgab hatten, war nicht für uns insziniert, den eigentlichen Ärger hatten die Militärs, die es verpennt hatten, uns von der Einreise in dieses angeblichen Sperrgebiet abzuhalten. Die Behandlung uns gegenüber war zwar bissl gewöhnungsbedürftig, aber schon fair. Völlig verblüfft hat mich die Tatsache, dass wir aus dem Schlamassel ohne Unkosten rausgekommen sind. Das zeigt, dass die Aktion nicht gegen uns gerichtet war, sondern dass einfach eine andere Rechtsauffassung herrscht. "Es ist alles verboten, es sei denn der KGB hat es explizit erlaubt", während bei mir eher die Auffassung "es ist alles erlaubt, es sei denn es ist verboten" vorherrscht.
Militär, Polizei und Gehiemdienste alle sind verflochten, jeder kontrolliert den anderen und versucht dem anderen eins reinzudrücken, denn eigentlich ist denen schon klar, dass sie allesamt überflüssig und unnötig sind, deshalb müssen sie sich wichtig machen um ihre Existenzberechtigung zu haben.
Konkrete Aussagen sind nicht möglich. Ich wollte eine Liste der Strecken die für Touristen gesperrt sind, um nachfolgenden Reisenden und die Militärs vor Ärger zu bewahren, aber eine solche Liste konnte man mir nicht nennen, es wird stets im Einzelfall entschieden ...
Ich würd natürlich wieder hinfahren und werde auch wieder hinfahren, aber man braucht für Tadschikistan schon gute Nerven. Wer dort reist, muss sich auch auf auf seinen Mitreisenden und dessen Nerven absolut verlassen können.
Die Leute sonst waren alle sehr freundlich und die überwältigende Landschaft läßt einen schon eine Menge Bürokratie ertragen.

Grüße
sven
PS: ich kenn die Leute in dem von mir oben genannten Link nicht persönlich, war nur ein Zitat aus den Weiten des Webs
Apropopo Bürokratie, zum Wandern braucht man ein Trecking-Permit, wer das ausstellt ist nicht ganz klar, für den Besuch der Nationalparks (wo sind die eigentlich?) werde Gebühren zwischen 25 und 100$ pro Tag und Nase fällig.
Fährt man direkt auf dem PHW durch ist es ok, wenn man aber abseits noch was unternehmen will, dann wirds zum tadschikischen Roulette.
Den Ärger den wir in Murgab hatten, war nicht für uns insziniert, den eigentlichen Ärger hatten die Militärs, die es verpennt hatten, uns von der Einreise in dieses angeblichen Sperrgebiet abzuhalten. Die Behandlung uns gegenüber war zwar bissl gewöhnungsbedürftig, aber schon fair. Völlig verblüfft hat mich die Tatsache, dass wir aus dem Schlamassel ohne Unkosten rausgekommen sind. Das zeigt, dass die Aktion nicht gegen uns gerichtet war, sondern dass einfach eine andere Rechtsauffassung herrscht. "Es ist alles verboten, es sei denn der KGB hat es explizit erlaubt", während bei mir eher die Auffassung "es ist alles erlaubt, es sei denn es ist verboten" vorherrscht.
Militär, Polizei und Gehiemdienste alle sind verflochten, jeder kontrolliert den anderen und versucht dem anderen eins reinzudrücken, denn eigentlich ist denen schon klar, dass sie allesamt überflüssig und unnötig sind, deshalb müssen sie sich wichtig machen um ihre Existenzberechtigung zu haben.
Konkrete Aussagen sind nicht möglich. Ich wollte eine Liste der Strecken die für Touristen gesperrt sind, um nachfolgenden Reisenden und die Militärs vor Ärger zu bewahren, aber eine solche Liste konnte man mir nicht nennen, es wird stets im Einzelfall entschieden ...
Ich würd natürlich wieder hinfahren und werde auch wieder hinfahren, aber man braucht für Tadschikistan schon gute Nerven. Wer dort reist, muss sich auch auf auf seinen Mitreisenden und dessen Nerven absolut verlassen können.
Die Leute sonst waren alle sehr freundlich und die überwältigende Landschaft läßt einen schon eine Menge Bürokratie ertragen.

Grüße
sven
PS: ich kenn die Leute in dem von mir oben genannten Link nicht persönlich, war nur ein Zitat aus den Weiten des Webs
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Gerade ist auch ein Bericht über den Pamirhighway in Spiegel-Online drin:
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1 ... 49,00.html
Grüße
sven
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1 ... 49,00.html
Grüße
sven
-
afritrotter
- Beiträge: 110
- Registriert: So 3. Aug 2008, 10:17
- Wohnort: Katima Mulilo
Re: Seidenstrasse - Pamir - Mongolei
Hallo "schu achbar"!!
Besonders wenn man wirkilch in einer schwierigen Situation ist.
Da freut es einen wirklich wenn man die Botschaft anruft und die ersten Worte sind dort : Guten Tag. Leider koennen wir Ihnen nicht helfen, aber Sie koennen gern gerne erzaehlen was los ist!!
So etwas baut echt auf
Gruss
Joerg
Da haste aber Recht, das kann einen stoeren, wenn man von seiner AUslandsvertretung ignoriert wird.schu achbar ? hat geschrieben:Klasse Bericht !!
Danke für die Mühe.
Gestört hat mich nur dieses:
Der Anruf bei der Botschaft erweist sich schon als Abenteuer, aber nach 30 Minuten steht die Verbindung, obwohl kaum etwas zu verstehen ist. Die deutsche Botschaft jedoch will für uns einfach kein Packet annehmen, das fällt nicht in ihren Aufgabenbereich. So muss dieser Plan verworfen werden, wir fahren nach Osch.
Besonders wenn man wirkilch in einer schwierigen Situation ist.
Da freut es einen wirklich wenn man die Botschaft anruft und die ersten Worte sind dort : Guten Tag. Leider koennen wir Ihnen nicht helfen, aber Sie koennen gern gerne erzaehlen was los ist!!
So etwas baut echt auf
Gruss
Joerg




