Samstag - Auf dem Weg zum Tembaine
Jippi, endlich Samstag. Fix frühstücken, Duschen, zusammenpacken und los gehts ins große Abenteuer :yes:
Unseren Plan erläuterte ich ja schon. Erst etwas Piste gen Douz, dann links weg in kleine Dünenfelder und halbmondförmige Ergs. Querfeldein gen See und Tembaine. Der Plan war perfekt und die Piste heute morgen in guter Verfassung. Wir verließen Ksar Ghilane, surften über leichte Sandverwehungen, kreuzten kurze Zeit später den Dünengürtel, der die Piste vereinnamt hat. Mittendrin trafen wir einen einheimischen Guide im Fahrzeug und und französisches Pärchen im Klein-SUV. Die ließen grade Luft ab und buddelten etwas, um wieder weiter fahren zu können. Wir auf unseren Ballonreifen hatten es da einfach, plauschten mit dem Guide etwas und fuhren dann vorbei.
Es dauerte nicht lange und auf beiden Seiten der Autobahngroßen Piste tauchten kleinere Berge auf, einen davon bezwangen wir zum genießen der Aussicht und einfangen des sandigen Windes. Man ist ja ein Stück weit Abenteuerromantiker und läßt sich keine Gelegenheit entgehen, besondere Situationen zu genießen. aber weiter im Text bzw. der Strecke. Irgendwann war es dann soweit, die Piste bog leicht nach rechts weg und wir fuhren grade aus weiter - Ins Ungewisse, ins unentdeckte Land. Dort hin, wo nie ein Mensch zuvor....Moment...Ups, dass war aus Star Trek, sorry, falsches Zitat. Also immer dem Kompass nach gradeaus, auf der vorgesteckten Route im OziExplorer, die alle paar Minuten pr piepen anzeigte, dass wir noch richtig waren. Das Gelände wurde langsam sandiger. Kleinere Verwehungen gingen über ein geschlossene Sandfelder, aus 30cm hohen Aufwehungen, wurden 3m hohe Foppdünen, deren andere Seite nur mit Kraft und Durchbrechen des Kamms zu erreichen war. Hier durfte man erst vom Gas gehen, wenn man einen stabilen Haltpunkt erreicht hatte. Es ist in etwa so, als wenn man einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser setzt und ihn langsam erwärmt. Im heißen Wasser, würde der Frosch sofort heraus springen, aber so geht er langsam ein. Uns ging es ähnlich. Solche Formationen zu fahren macht nur Spass, wenn man das Risiko nicht fürchten muss. Wir aber hatten irgendwann schon Sorge, denn wir waren auf die Fahrzeuge angewiesen. Für uns steigerte sich der Anspruch langsam und so fuhren wir immer weiter - Immer hoffend, dass es bald besser werden würde.
Natürlich geschehen nun auch lustige Dinge, ganz klar. Die Technik versteht ja grade in solchen Situationen viel Spass und spart nicht daran, kräftig mitzufoppen. Zu erst machte es bei mir Klong, dann schrapelte es kurz, dann hing ich hinten links runter. Ja, ich hatte sauber eine Hinterachsfeder verloren...Samt Federteller und Halteblech + Trimpacker. Das Gerüttel der letzten Tage hatte wohl die Schrauben gelockert und nun waren sie bereit zum Rausfallen. Wir parkten meinen Range in voller Verschränkung und setzten die Feder mit Hilfe eines Spanngurts wieder ein. Vorher schraubten wir Halteblech und Federteller mit neuen Schrauben wieder fest.
Üblicherweise geht es vom Regen direkt in die Traufe und so dauerte es keine drei Minuten und über Funk kam von Grafe der Schrei "Stopp". Sein Motor hatte beschlossen, wie üblich eine der Spannrollen des Motors aufzuessen und den Keilriemen runterzuspucken. Patrick und ich hatten Übung darin, vorher musste ich aber noch drei Dünen mit meinem Range zurückspringen und kam laut Grafes großer Augen wohl in der Tat mit allen vier Rädern in der Luft an. "Thunderbird One to the Rescue"
Die Spannrolle war schnell getauscht und weiter ging es im zermürbenden Canyon-zu-Canyon surfen, immer quer grade durch und über die Dünenkämme und immer hoffend, dass dahinter irgend eine sinnvolle Ebene zum Weiterfahren existiert. Mit einigen Ausnahmen extremer Schräglage, ging das auch gut und irgendwann - Heureka - Es wurde besser und wir kamen wieder auf sandfreieren Boden.
Nun sollte man meinen, alles wäre gut. Jaaaa....Sollte man. Allerdings geschah in der Realität etwas anderes. Patrick sprang aus dem Auto, schaute vorne unter die Achse, drehte sich zu mir und machte das internationale Zeichen für "Ende, Aus, Vorbei"
Was war passiert? - Nun wir wissen nicht, wann es passiert ist. Aber die Diagnose war eindeutig und klar - Längslenkerabriss Vorderachsgehäuse rechts. Das gesamte Bracket aus dünnem Blech war an den serienmäßigen Nähten abgerissen und komplett verzogen. Wir beschlossen, einen kühlen Kopf zu behalten und so analytisch wie möglich an die Situation heran zu gehen. Klar war, dass wir so nicht "Offroad" weiter fahren konnten. Die Achse kam ja nach hinten und verklemmte das Rad im Radkasten.
Nach einiger Überlegung, wurde folgende Strategie ausgearbeitet.
Umgeben von Sand, keine Richtung frei befahrbar. Kürzeste Strecke zur Zivilisation wäre das Erreichen der nördlich verlaufenden Piste "Ksar - Douz". Das waren exakt 7km Luftlinie. Laut unserer Detailkarten 4km flaches Terrain und ein 3km Dünengürtel. 3km - Das könnte der Titel eines Buches werden.
Wir fixierten die Achse mit einem Spanngurt von Patricks Innenausbau an der ARB Stoßstange und schalteten das VTG auf Heckantrieb. So konnte er aus eigener Kraft rollen, ohne Drehmomentstöße auf die Vorderachse zu bringen. Wir fuhren langsam los, ich beobachtete dabei anfangs sehr genau seine Achse und die Bewegungen. Etwa drei bis vier Kilometer waren so befahrbar. Doch dann begann der Dünengürtel. Wir beschlossen, ihn im Schleppmannöver anzugehen. Dies bedeutete, dass wir beide Fahrzeuge mit einem dynamischen 8m Bergeseil verbunden und ich mit maximaler Kraft vorfuhr, um Patrick mit seinem Heckantrieb über und durch die Dünenkämme zu reißen. Dieses Unterfangen war nicht einfach, da wir den Weg extrem gut planen mussten und so immer nur 50m weit kamen, bevor man ausstieg und schaute, wo es wie weitergehen könnte.
Ehrlich, dass war nerven- und kräftezehrend. Aber Stunde um Stunde kämpften wir uns weiter und weiter. Am Abend hatten wir die ersten 1.5 km geschafft - Also genau die Hälfte. Wir beschlossen über Nacht in einem schönen Punkt das Lager aufzubauen und widmeten uns gezielt einem aufbauenden Lagerfeuer und leckerem Essen. Konkret bereiteten wir in der Pfanne frische Fleischbällchen zu. Für mich war es die erste richtige Mahlzeit nach meinem Magen-Darm-Ding und ich genoß die runden knusprigen Kugeln zusammen mit besten Peccorino Käse, als wäre es das erste Essen nach Jahren im Fastenstreik. Wir schauten dem Mond zu, der heute fast Vollmond erreicht haben zu schien und die Wüste in ein helles Nachtlicht tauchte. Schön war es hier, ruhig und abgelegen. Genau so hatten wir uns den Urlaub vorgestellt. Naja, nur eben mit heile Fahrzeug.
Aber hier ersmal ein paar Bilder des Tages:
Feder -1
Wolle kaufen? Federteller und Trimpacker
Moddor?
Spannrolle
Tabletop - Blöde, wenn man zu früh vom Gas geht
Das Bracket
Die Achse
Und als Leckerlie - 1.8 milliarden Fliegen an meinem Mund. Nach grade mal 20s Stillhalten. Die Viecher waren dieses Jahr wirklich strange.
Morgen dann die restlichen 1.5km und was noch so alles folgte
