Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

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Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

@Abacus: Das ist ein Thema, dass wir hier vielleicht besser nicht genauer ausführen. Könnte zwar lustig werden, aber geht tendenziell etwas nach hinten los. Das ist kein Bastelumbau auf Eisdielen-Aussehen. Da stecken neben einem prototypischen Fahrwerk, veränderten Wellen, geänderten Gelenken, anderem Verteilergetriebe etliche Modifikationen drin und das seit etlichen Zehntausend Kilometern. Kreuzgelenke hat Patick in den letzten 25.000km sicher nicht neu machen müssen, sind ja auch DKGs mit Diff-Winkelkorrektur verbaut. Aber wie gesagt, Du kannst keinen Bodylift bei einem Fahrzeug machen, dass keinen Rahmen hat. 20cm sind eine Menge Lift, aber technisch in dem Setup kein Problem. Wie gesagt, das originale Achsbracket ist wegen Überlastung abgerissen. Das wäre mit Serienfahrwerk auch passiert. (Wobei da meist die LL kollabieren) :arrow:

Bisserl was zum Anschauen, was wir sonst so treiben:

:mrgreen:

Reisebericht geht gleich weiter. :roll:
Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

Samstag - Auf dem Weg zum Tembaine

Jippi, endlich Samstag. Fix frühstücken, Duschen, zusammenpacken und los gehts ins große Abenteuer :yes:
Unseren Plan erläuterte ich ja schon. Erst etwas Piste gen Douz, dann links weg in kleine Dünenfelder und halbmondförmige Ergs. Querfeldein gen See und Tembaine. Der Plan war perfekt und die Piste heute morgen in guter Verfassung. Wir verließen Ksar Ghilane, surften über leichte Sandverwehungen, kreuzten kurze Zeit später den Dünengürtel, der die Piste vereinnamt hat. Mittendrin trafen wir einen einheimischen Guide im Fahrzeug und und französisches Pärchen im Klein-SUV. Die ließen grade Luft ab und buddelten etwas, um wieder weiter fahren zu können. Wir auf unseren Ballonreifen hatten es da einfach, plauschten mit dem Guide etwas und fuhren dann vorbei.

Es dauerte nicht lange und auf beiden Seiten der Autobahngroßen Piste tauchten kleinere Berge auf, einen davon bezwangen wir zum genießen der Aussicht und einfangen des sandigen Windes. Man ist ja ein Stück weit Abenteuerromantiker und läßt sich keine Gelegenheit entgehen, besondere Situationen zu genießen. aber weiter im Text bzw. der Strecke. Irgendwann war es dann soweit, die Piste bog leicht nach rechts weg und wir fuhren grade aus weiter - Ins Ungewisse, ins unentdeckte Land. Dort hin, wo nie ein Mensch zuvor....Moment...Ups, dass war aus Star Trek, sorry, falsches Zitat. Also immer dem Kompass nach gradeaus, auf der vorgesteckten Route im OziExplorer, die alle paar Minuten pr piepen anzeigte, dass wir noch richtig waren. Das Gelände wurde langsam sandiger. Kleinere Verwehungen gingen über ein geschlossene Sandfelder, aus 30cm hohen Aufwehungen, wurden 3m hohe Foppdünen, deren andere Seite nur mit Kraft und Durchbrechen des Kamms zu erreichen war. Hier durfte man erst vom Gas gehen, wenn man einen stabilen Haltpunkt erreicht hatte. Es ist in etwa so, als wenn man einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser setzt und ihn langsam erwärmt. Im heißen Wasser, würde der Frosch sofort heraus springen, aber so geht er langsam ein. Uns ging es ähnlich. Solche Formationen zu fahren macht nur Spass, wenn man das Risiko nicht fürchten muss. Wir aber hatten irgendwann schon Sorge, denn wir waren auf die Fahrzeuge angewiesen. Für uns steigerte sich der Anspruch langsam und so fuhren wir immer weiter - Immer hoffend, dass es bald besser werden würde.

Natürlich geschehen nun auch lustige Dinge, ganz klar. Die Technik versteht ja grade in solchen Situationen viel Spass und spart nicht daran, kräftig mitzufoppen. Zu erst machte es bei mir Klong, dann schrapelte es kurz, dann hing ich hinten links runter. Ja, ich hatte sauber eine Hinterachsfeder verloren...Samt Federteller und Halteblech + Trimpacker. Das Gerüttel der letzten Tage hatte wohl die Schrauben gelockert und nun waren sie bereit zum Rausfallen. Wir parkten meinen Range in voller Verschränkung und setzten die Feder mit Hilfe eines Spanngurts wieder ein. Vorher schraubten wir Halteblech und Federteller mit neuen Schrauben wieder fest.

Üblicherweise geht es vom Regen direkt in die Traufe und so dauerte es keine drei Minuten und über Funk kam von Grafe der Schrei "Stopp". Sein Motor hatte beschlossen, wie üblich eine der Spannrollen des Motors aufzuessen und den Keilriemen runterzuspucken. Patrick und ich hatten Übung darin, vorher musste ich aber noch drei Dünen mit meinem Range zurückspringen und kam laut Grafes großer Augen wohl in der Tat mit allen vier Rädern in der Luft an. "Thunderbird One to the Rescue" :mrgreen:

Die Spannrolle war schnell getauscht und weiter ging es im zermürbenden Canyon-zu-Canyon surfen, immer quer grade durch und über die Dünenkämme und immer hoffend, dass dahinter irgend eine sinnvolle Ebene zum Weiterfahren existiert. Mit einigen Ausnahmen extremer Schräglage, ging das auch gut und irgendwann - Heureka - Es wurde besser und wir kamen wieder auf sandfreieren Boden.

Nun sollte man meinen, alles wäre gut. Jaaaa....Sollte man. Allerdings geschah in der Realität etwas anderes. Patrick sprang aus dem Auto, schaute vorne unter die Achse, drehte sich zu mir und machte das internationale Zeichen für "Ende, Aus, Vorbei" :shock:

Was war passiert? - Nun wir wissen nicht, wann es passiert ist. Aber die Diagnose war eindeutig und klar - Längslenkerabriss Vorderachsgehäuse rechts. Das gesamte Bracket aus dünnem Blech war an den serienmäßigen Nähten abgerissen und komplett verzogen. Wir beschlossen, einen kühlen Kopf zu behalten und so analytisch wie möglich an die Situation heran zu gehen. Klar war, dass wir so nicht "Offroad" weiter fahren konnten. Die Achse kam ja nach hinten und verklemmte das Rad im Radkasten.

Nach einiger Überlegung, wurde folgende Strategie ausgearbeitet.
Umgeben von Sand, keine Richtung frei befahrbar. Kürzeste Strecke zur Zivilisation wäre das Erreichen der nördlich verlaufenden Piste "Ksar - Douz". Das waren exakt 7km Luftlinie. Laut unserer Detailkarten 4km flaches Terrain und ein 3km Dünengürtel. 3km - Das könnte der Titel eines Buches werden.

Wir fixierten die Achse mit einem Spanngurt von Patricks Innenausbau an der ARB Stoßstange und schalteten das VTG auf Heckantrieb. So konnte er aus eigener Kraft rollen, ohne Drehmomentstöße auf die Vorderachse zu bringen. Wir fuhren langsam los, ich beobachtete dabei anfangs sehr genau seine Achse und die Bewegungen. Etwa drei bis vier Kilometer waren so befahrbar. Doch dann begann der Dünengürtel. Wir beschlossen, ihn im Schleppmannöver anzugehen. Dies bedeutete, dass wir beide Fahrzeuge mit einem dynamischen 8m Bergeseil verbunden und ich mit maximaler Kraft vorfuhr, um Patrick mit seinem Heckantrieb über und durch die Dünenkämme zu reißen. Dieses Unterfangen war nicht einfach, da wir den Weg extrem gut planen mussten und so immer nur 50m weit kamen, bevor man ausstieg und schaute, wo es wie weitergehen könnte.

Ehrlich, dass war nerven- und kräftezehrend. Aber Stunde um Stunde kämpften wir uns weiter und weiter. Am Abend hatten wir die ersten 1.5 km geschafft - Also genau die Hälfte. Wir beschlossen über Nacht in einem schönen Punkt das Lager aufzubauen und widmeten uns gezielt einem aufbauenden Lagerfeuer und leckerem Essen. Konkret bereiteten wir in der Pfanne frische Fleischbällchen zu. Für mich war es die erste richtige Mahlzeit nach meinem Magen-Darm-Ding und ich genoß die runden knusprigen Kugeln zusammen mit besten Peccorino Käse, als wäre es das erste Essen nach Jahren im Fastenstreik. Wir schauten dem Mond zu, der heute fast Vollmond erreicht haben zu schien und die Wüste in ein helles Nachtlicht tauchte. Schön war es hier, ruhig und abgelegen. Genau so hatten wir uns den Urlaub vorgestellt. Naja, nur eben mit heile Fahrzeug. 8)

Aber hier ersmal ein paar Bilder des Tages:

Feder -1

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Wolle kaufen? Federteller und Trimpacker

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Moddor?

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Spannrolle :hammer:

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Tabletop - Blöde, wenn man zu früh vom Gas geht

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Das Bracket

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Die Achse

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Und als Leckerlie - 1.8 milliarden Fliegen an meinem Mund. Nach grade mal 20s Stillhalten. Die Viecher waren dieses Jahr wirklich strange.

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Morgen dann die restlichen 1.5km und was noch so alles folgte :shake:
Chrigu
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Chrigu »

@ Abacus: Du warst ja echt nen Lacher wert!

Anderweitig: Schön, dass da noch Reiseberichte entstehen. Mit solch direkter, öffentlicher Kritik mitten im Reisebericht, entsteht nicht grad ein grosser Scgreibwille fü andere, die mal was zeigen wollten.

Ob das Busch abfackeln nun gut oder schlecht war - schaut doch etwas auf den Ton der Kritik.

Mann muss sich schon sehr genau überlegen, was man bei einem Reisebericht reinstellt, um dem Kritikhammer zu umgehen!

Das macht mich nicht an!

@ Andreas alias Flashi: Weiter so und danke auch für die originellen Videos.
Andere machens auch, sagen jetut aber nix.
Andere machen dümmeres (Glasflaschen etc. vergraben) und ziehen wenigstens moralisch über Dich her.

Man braucht oft schon ne dicke Haut.

Ende der Ausführungen

Chrigu
>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
Turi
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Turi »

Hoi Chrigu
Mann muss sich schon sehr genau überlegen, was man bei einem Reisebericht reinstellt, um dem Kritikhammer zu umgehen
Vielfach ist das Problem nur, dass man es veröffentlicht.

Wer noch nie einen" Scheiss" gemacht hat, der werfe den ersten Stein :wink:

Abgesehen davon, wir verbrennen unseren Abfall in Gegenden, wo keine sinnvolle Entsorgung möglich ist auch,
nur, wie Du sagst, die Flaschen sollte man mitnehmen, die sind in tausend Jahren noch dort und wenn sie dann noch zerschlagen werden, dann ist's nicht mehr lustig.
Jeder Reisebericht ist eine Bereicherung, wenn auch nicht alles nach jedermanns Geschmack ist, muss es aber auch nicht oder :?:
Wenn keiner mehr schreibt, liesst auch niemand mehr und das wäre schade.

Gruss Turi
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen!
abacus
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von abacus »

Andreas Pflug hat geschrieben:Das ist kein Bastelumbau auf Eisdielen-Aussehen. Da stecken neben einem prototypischen Fahrwerk, veränderten Wellen, geänderten Gelenken, anderem Verteilergetriebe etliche Modifikationen drin und das seit etlichen Zehntausend Kilometern.
:lol: die Bilder überzeugen, wie gut der Umbau im Sand hält. Ein paar wenige Kilometer :lach:
Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

abacus hat geschrieben: :lol: die Bilder überzeugen, wie gut der Umbau im Sand hält. Ein paar wenige Kilometer :lach:
Abacus, bitte! Spott und Hohn sind keine adäquaten Mittel für einen respektvollen Umgang miteinander.. Grade wenn Dir das nötige technische Wissen um das Fahrzeug und die Historie fehlt.
Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

Sonntags - Halb acht in Tunesien

Die Sonne ging auf und über uns brach einer der sieben Plagen herein - Fliegen und nochmals Fliegen. Es war nicht mehr normal und uns verging die Lust am Frühstück. Wir packten nur sehr eilig zusammen und beschlossen erst Rast zu machen, wenn wir die restlichen 1.5km des Dünenfeldes ebenfalls bezwungen hätten. Im Grunde ging es nahtlos zu gestern weiter. Wir könnten die Formationen zwar sehr einfach quer fahren, würden aber damit immer nur parallel zur Piste bleiben und nie den Ausgang erreichen. Doch anders als geplant, wurden die kleinen Dünen nun doch immer größer, als würden sie sich ein letztes Mal aufbäumen und uns die Passage verwehren.

Es war noch Vormittags und wir beratschlagten uns über das weitere Vorgehen. 800 m fehlten noch bis zum Rettenden festen Untergrund...Nur 800 m und doch so weit entfernt. Es war Zeit für drastischere Maßnahmen. Nach reiflicher Überlegung beschlossen wir den Einsatz eines weiteren Spanngurtes. Entgegen der eigentlichen Physik, spannten wir die Achse nun in zwei gegensätzliche Richtungen ab. Sie konnte also nicht ausfedern und beim Einfedern wurden beide Gurte locker. Dennoch sollte das Spiel klein genug sein, dass die Achse im Nullzustand stabil im Radhaus stand und Grafe nun aus eigener Kraft im Allrad über die Dünenkämme fahren würde. Wir waren uns einig, dass das bisherige ziehen mit Vollgas und Rüberreißen nicht länger gut gehen würde. Mich hob es inzwischen schon extrem aus, dass ich Angst hatte, mein Gebiss in der Frontscheibe wieder zu finden. Mein Range kam hinten durch das abrupte Stoppen, wenn Patrick vor einem Kamm fest hing, durchaus einen meter hoch. Wie lange das Material das noch hergeben würde, war unklar. Ich zog ihn vor allem zuerst immer erst mal tief in die Federn bis auf die Bumpstopps, bevor eine Vorwärtsbewegung einsetzte und der Jeep im Bogen über den Kamm flog. Sicher spektakuläre Bilder...Nur wenn man mit Reisefahrzeugen unterwegs ist und am Anschluss auch noch tausende von Kilometern nach Hause will, ist Übermut selten gut.

Um überhaupt die Kraft aufzubringen, ein zweites Fahrzeug mit im Schlepp zu haben, nutzte ich einen Fehler in meinem Lader-Steuersystem. Durch die enorme Hitze im Motorraum, war der Ladedruck-Sensor außerhalb seiner Betriebstemperatur und zeigte nun grundsätzlich zu wenig Ladedruck an, nämlich immer ein halbes bar weniger als real anliegend. Einerseits lernte ich daraus, dass die Steuerung später ins Fahrzeug-Innere gehört, andererseits hatte ich nun Boosts von über 1.5 bar anliegen, die dem Motor kurzzeitig nicht schaden würden, dafür aber brachiales Drehmonent auf die Achsen brachten. So hat jede negative Seite auch einen positiven Aspekt und mein kleiner "Kamaz" pflügte nach vorne, als gäbe es keinen Morgen.

Wie schon geschrieben, war damit aber jetzt Schluss. Patrick fuhr die restlichen 800 m alleine. Immer hoffend, das diese obskure Doppelspanngurtkonstruktion noch lange genug halten würde und das Drehmoment auf der Vorderachse beim Beschleunigen und Bremsen nicht zu groß wird. Die Gefahr eines Achsrohrerverdrehers war schon real - Dabei die eine Rohrseite keine Torsionsstütze mehr hatte, würde sich alles über dass Diff abstützen zur anderen Seite und die Rohre sind ja nur gesteckt...Wäre das passiert, hätten wir ein echtes Problem gehabt, dass man nicht mehr einfach durch einen Schweisser hätte fixen lassen können.

Aber die Götter waren uns gewogen und wir bezwangen die letzten 800 m einzeln und ohne Probleme. Vor uns lag sie endlich, die feste Piste nach Douz. Etwa 100m breit und überzogen von leichtem Sturm, der Sand und Kiesel mit sich trug. All unsere Anspannung fiel endlich von uns ab und die Freude + Erleichterung war enorm. Jetzt hatten wir erstmal Zeit für Vesper. Die Autos stellten wir zu einem flachen Keil, mitten auf die Piste, und begannen mit dem Auspacken von Käse, wurst und Joghurt. Dazu natürlich eine Dose Koks bzw. Hustler Energy Drink. Frühstück nachholen, es sich gut gehen lassen.

Während wir dort so extrem relaxt saßen, kamen einige Fahrzeuge vorbei. Schließlich war die Rallye El Chott unterwegs und Touristen ebenso. Nach beendetem Mahl und Stärkung von Körper + Geist, machten wir uns auf den Weg gen Douz. Wenn Patrick die Dünen alleine queren konnte, wäre ein paar dutzend Kilometer einfache Piste gar kein Problem.

Nach etwa 30km erreichten wir so am Rande des Jebill Nationalparks das Cafe du Tents. Ein wirklich sehr sehr schön und gemütlich gemachtes Cafe an der Piste. Wir tranken vier Tees und plauschten etwas mit dem Besitzer. Der gute Mann sah nicht wirklich glücklich aus. Es kommen kaum noch Touristen, berichtete er. Andere Cafes, die wir vorher sahen, waren schon geschlossen und begannen mit der Verwahrlosung. :-(

Douz - Tor zur Wüste. Douz war nahe und wir erreichten es kurz nach der Vorbeifahrt an der Touristendüne, welche passenderweise kurz vor Douz gelagert war. Langsam fuhren wir erst in den Vorort und trafen dort einige italienische Jeeps, die sich an irgend einem Touristenbüro tummelten. Ehrlich gesagt war ich etwas unaufmerksam und am ersten kleinen Kreisel verwechselte ich die Ausfahrten. Anstatt wie geplant gen Innenstadt und Camping Desert Club zu fahren, verfingen wir uns auf einer langen Straße mit Hotels. OK, umgedreht ist ja schnell. Mit einem mal, aus wie üblich heiterem Himmel, kam über Funk von Grafe ein Funkspruch rein. "Flashi, ich könnte schwören, dass auf dem Hotelparkplatz eben der Disco von Joannes stand". :shock:

Das war eigentlich unmöglich. Die TGC Gruppe müßte heute am Er Richet See sein, weit weit weg. Dennoch drehten wir erneut um und beäugten den Parkplatz. Potzblitz. Dort stand nicht nur der Discovery von Muscha und Johannes, dort standen Landies, Hummer, Unimog, Pinzgauer - Da stand die komplette TGC Gruppe und einige Fahrzeuge waren zerlegt in Einzelteile, während eifrige Hände schraubten und hämmerten. Tunesien ist anscheinend ein kleines Land, ein sehr sehr kleines Land. Da waren wir also wieder vereinigt und erfuhren, dass niemand den See erreicht hatte und bei allen Teams technische Ausfälle dazu führten, dass ein Ruhetag nötig wurde. Dagegen hatten auch wir nichts einzuwenden. Das Hotel sah gut aus, es gab einen Pool - Wer sagt, dass man immer im Camping Desert Club schlafen muss, wenns für kleines Geld ein Hotel gibt? :mrgreen:

So ließen wir den Abend am und im Pool ausklingen, tranken Feigenschnaps und Rotwein, plauderten mit den Freunden der TGC über die vergangenen Tage und über das, was noch kommen würde. Der TGC Begleiter Momo erklärte sich bereit, zusammen mit Marcel (Orga) mit nach Douz am nächsten Tag zu fahren und uns bei dem Finden einer Werkstatt zu helfen. Die Gurte an Patricks Achse würde aber auch maximal noch 10km halten und waren absolut durchgescheuert. Aber dazu mehr "morgen". :h:

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gaebischer
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von gaebischer »

Unglaublich, da führen sich heute noch Leute auf, als würde Ihnen die Welt gehören. Aber gut nur weiter so, mit solchem Verhalten werden wir es weit bringen! Natürlich werdet Ihr aber auch Landsleute finden die Euch gratulieren und zujubeln.
Kuno
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Kuno »

gaebischer hat geschrieben:Unglaublich, da führen sich heute noch Leute auf, als würde Ihnen die Welt gehören. Aber gut nur weiter so, mit solchem Verhalten werden wir es weit bringen! Natürlich werdet Ihr aber auch Landsleute finden die Euch gratulieren und zujubeln.
Was denn? Da meldet sich der/die/das "gaebischer" an und gleich der erste Beitrag - anstatt mal freundlich "hallo" zu sagen wird aus der alleruntersten Schublade gezogen.

Wo bitte führen sich die beiden Hauptdarsteller im obigen Bericht so auf, als "würde ihnen die Welt gehören"? Mit allem gebührenden Respekt - dein Vorwurf ist doch nun mehr als nur an deinen Haaren herbeigezogen.

Man muss diese Art zu Reisen nicht mögen, die Autos müssen einem nicht gefallen und man muss auch nicht Freude an knielangen Hosen haben. Absolut nicht.

Aber -und das meine ich so- man muss anerkennen, dass sich der Berichtschreiber absolut nicht scheut, die eigenen Fehler zu beschreiben und zu zeigen. Das können nur wenige, ansonsten probiert man gerne alles im besten Licht zu zeigen. Und man muss auch anerkennen, dass sich die beiden zu helfen wissen. Das können auch nicht alle.

...und wenn so ein Bericht noch mit einem guten Schuss Selbstironie rüberkommt, dann ist das umso besser.

---

Bitte weiter im Reisebericht!
Wolfgang K
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Wolfgang K »

gaebischer hat geschrieben:Unglaublich, da führen sich heute noch Leute auf, als würde Ihnen die Welt gehören. Aber gut nur weiter so, mit solchem Verhalten werden wir es weit bringen! Natürlich werdet Ihr aber auch Landsleute finden die Euch gratulieren und zujubeln.
Deinen Namen Namen hast du ja besser gewählt als deine Worte. :mrgreen:

Gratulation zum gelungenen ersten Posting. Wobei, evtl. ist es ja gar nicht Dein erstes, oder?
Ein Untoter :?:

@Andreas: Lass Dich nicht anmachen dafür, dass Ihr Euch selbst auch mal auf die Schippe nehmen könnt. :!:

Grüße
Wolfgang
Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

Keine Sorge, mein Fell ist dick und ich bin ein alter Online-Hase. Wir nehmen uns selbst nicht ganz ernst und sind dazu einfach ehrlich. Das schließt auch ein, aufnahmefähig für Kritik zu sein.

Weiter gehts:

Montag - Mit Douz auf Douz und Douz

Douz ist das Tor zur Sahara, schrieb ich ja schon. Den Namen trägt es wohl untere anderem deshalb, weil es schon die größte südlichste Stadt nahe des Grand Erg Orientals ist. Fährt man südlich aus der Stadt, ist man im Sand. Douz selber ist ein Städtchen mit viel Aktivität. Grade im Zentrum ist tagsüber der Kollibri am Drehen. Man findet hier auch eine Menge Handwerksbetriebe, die mehr oder weniger direkt auf der Straße arbeiten. Genau das war unser Ziel. Zusammen mit Momo und Marcel fuhren wir vom eher abseits gelegenen Hotel Sunpalme direkt in die Innenstadt. Momo fragte kurz rum und wenige Minuten später stand Patricks Fahrzeug schon vor einer Einfahrt und eifrige Schweisser lagen unterm Auto. Der Betrieb direkt daneben war spezialisiert auf die Reparatur von Rohrleitungen und Ventilen. Man verfügte über große Drehbänke und so wurde dort parallel eine neue Stahlbuchse für die Achsaufnahme gedreht. Ein Präzisionsteil, dessen Fertigung am Ende 5 Dinar kosten sollte - Das sind 2.50 Euro und damit weniger, als das Originalteil beim Hersteller. Großartig. Wenige Minuten später war das abgerissene Bracket wieder grade gedängelt und an die Achse geschweisst. Diese Arbeit, die insgesamt etwa eine Stunde (mit Wartezeiten) dauerte, kostete weitere 15 Dinar. Wir überlegte, was man in Deutschland bezahlen würde und stellten fest, dass solche Reparaturen bei uns quasi gar nicht möglich wären. Wer dreht einem schon Buchsen auf dufte oder schweisst an tragenden Achsteilen mal fix herum? Dahingehend ist man hier bestens aufgehoben. Wer im Tunesischen Süden ein Problem hat, kann und wird in Douz Hilfe finden. Das war schon 2007 so und hat sich nicht geändert. Absolut großartig.

Und schon stand er hinter mir, der nette gut gekleidete Mann der Sahara Assistance. Jenes kleine Unimog-Bergeunternehmen (was nicht stimmt, sind mehr Fahrzeuge und viele Leute), das gestrandete Fahrzeuge für verhältnismäßig viel Geld, aber durchaus gerechtfertigt, wieder aus der Wüste schleppt. Wir bekamen als Willkommensgeschenk ein Lanyard mit Telefon und ungewöhnlicher GPS Notation. Für die Glücklichen, die den Begriff nicht kennen - Es handelt sich um ein Schlüsselband zum Umhängen.

Nach erfolgter Reparatur ging es zurück zum Hotel. Wir hatten inzwischen beschlossen, die TGC Gruppe weiter zu begleiten. Dies bedeutete eine Verlegung unseres Lagers zurück in den Süden. Jawohl Süden, der Sonne hinterher. Ziel war der Campingplatz "Zmela", 20km südlich von Ksar Ghilane und direkt am Einstieg ins große Erg gelegen. Zmela war Johannes`und Muschas Lieblingsplatz. Zurecht, wie wir später feststellten. Es gab zwar keinen Schatten durch Bäume, dafür aber Berberzelte - Die wir nicht nutzten. Aber die Toiletten waren ein Traum, europäischer Standard mitten im Nichts. Und das Abendessen gemeinsam im großen Restaurant an klassischer Hock-Tafel war grandios, gemütlich und lecker.

Unser Tag bestand also nur aus Reparieren, auf Teer-Straße nach Ksar Ghilane fahren, weiter auf Piste nach Zemala und...Oh ja, da war ja noch was...
Wir kamen in Zmela an. Etwas später als geplant, denn Patricks Auto wurde mehrfach durchgeschüttelt von Death Wobbels. Der Grund war schnell gefunden. Die Spurstangenköpfe, die er direkt vor der Reise komplett erneuert hatte, war hin - Richtig hin, die Definition von komplett ausgeschlagen und ein Beweis, dass man nie wissen kann, was für Qualität man so kauft, wenn man etwas über den Teich importiert.

Nun hatte Patrick leider beim Packen vergessen, passende Ersatzköpfe einzupacken. Dafür waren drei noch sehr gute Lenkstangenköpfe mit dabei. Die hatten nur ein Problem: Während der Konus identisch war, war das eigentliche Gewinde ein komplett anderes. Die bekam man nicht in die Spurstange rein. Aber wir mussten etwas tun. Die Lösung war "build your own Trackbar". Zuerst wurde ein Keilriemen zerschnitten und auf die Spurstange geklebt. Er wurde auf exakt den Abstand der beiden Schmiernippel der Gelenkköpfe geschnitten. So markierten wir die "Spur". Dann flexten wir die alten Köpfe samt Einschweissgewinde ab. Dafür benutzten wir eine Flex und den Spannungswandler in meinem Fahrzeug. Das Gewinde der neuen Köpfe war nicht nur größer, es schaute auch gut 10cm weiter heraus. Wir schnitten die Spurstang an den Enden nun längs ein und positionierten die neuen Köpfe im Rohr. Damit wanderten wir zum Unimog von Eni + Pit von pors.de, die umgehend das Elektrodenschweissgerät auspackten und ordentlich drauf hielten. (Ich bitte diese Redewendung zu verzeihen. Es wurde sehr sauber mehrfach verschweisst)

Die neue HD Spurstange mit Vollverschweissung umwickelten wir noch mit selbstverschweissendem Silkikontape an den Enden, damit es im europäischen Verkehr irgendwie "original" aussieht. Die Haltbarkeit stand außer Frage, aber man muss ja nicht gleich auffallen.

Anyway. Es wurde ein großrtiger Abend. Gut, Patrick fuhr sich noch auf 30cm Sand fest, weil er keinen Allrad mehr hatte, ich fuhr mich fest beim Versuch ihn zu bergen und alles gibt es auf Video für die Nachwelt und ewigen Scham. Aber das Abendmahl mit den neuen Freunden der TGC war super. Wir tranken, aßen, lachten, lauschten und gingen irgendwann ins Zelt zum Schnuddeln in den nächsten Tag. Es war hell dank eines sehr vollen Mondes.

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Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

Hier sind Hohn und Spott erwünscht. Das Video hat Muscha aufgenommen. Natürlich ist nichts ernst gemeint, aber die Situation war in dem Moment schon urkomisch. Alle standen im Kreis und amüsierten sich... :mrgreen:



Mein Statement ist Comedy, ebenso der Dialekt. This is not reality :idea:
abacus
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von abacus »

Andreas Pflug hat geschrieben:
abacus hat geschrieben: :lol: die Bilder überzeugen, wie gut der Umbau im Sand hält. Ein paar wenige Kilometer :lach:
Abacus, bitte! Spott und Hohn sind keine adäquaten Mittel für einen respektvollen Umgang miteinander.. Grade wenn Dir das nötige technische Wissen um das Fahrzeug und die Historie fehlt.
Ohne technischem Wissen und Historie zu wissen ist es offensichtlich dass das Fahrzeug massiv höhergelegt wurde.

Ich will für Nachahmer nur darauf hinweisen, dass solche Änderungen stets in massivem Ärger enden. Warum wohl verschlingt die Entwicklung von Fahrzeugen Millionen? Weil dann alle Komponenten und deren Stabilität aufeinander abgestimmt sind. Klar gibts da noch Optimierungsmöglichkeiten, aber ein 20cm Lift ist weit jenseits solcher Optimierungen.

Also wer ein zuverlässiges Fahrzeug will, um seinen Urlaub zu geniesen, sollte nicht zu viel dran rumschrauben, aber die Karre gut warten, dann hält auch der Keilriemen.

Wer Abenteuer sucht, der verwendet ein zusammengebasteltes, untaugliches Gefährt. Dann erlebt er mehr, lernt mehr Werkstätten kennen und hat nachher die "tolleren" Stories.

Letzteres ist die vermehrt publizierte Methode, da kann sich der Hauptdarsteller einfach mehr in Szene setzen. Aber diese Selbstinszenierung ist halt nicht jedermanns Geschmack.
Andreas Pflug
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Andreas Pflug »

Sei bitte so lieb und mutmaße nicht solche Sachen. Der Keilriemen ist perfekt gewartet, die Rollen wurden vor dem Urlaub alle neu gemacht. Es ist einfach ein bekannter Ausfallgrund bei dem Motor, weshalb wir auch genügend Ersatz mit hatten. Hier haben die Entwickler des Fahrzeugs irgendwie keine so prickelnde Arbeit geleistet. Genauso wie bei vielen anderen Komponenten.

Nochmal - Es macht keinen Sinn, wenn Du (augenscheinlich) keine Ahnung von der Thematik Jeep ZJ hast. Kennst Du die Statistik von SUV Jeeps Offroad? Die Ausfallquote der Serien-Komponenten? Sie ist hoch, sehr hoch. Verbogene Vorderachsen, zerknickte Längslenker aus Dünnblech, angerissene Brackets für den Panhardstab, aufgerauchte Automatikgetriebe. Der ZJ ist von Hause aus ein SUV, kein echter Geländewagen. Ihn technisch so umzurüsten, dass er Offroad besser aufgestellt ist, ist schon etwas schwerer. Sicher würde man für ein Reisefahrzeug keine 20cm Lift wählen. Aber Patrick ging es darum, grade diese Herausforderung anzugehen und seinen regulären Offroader zu verwenden. Allerdings schwenkt er nun für weitere Reisen auch auf eine Landrover Basis um. Ich gebe Dir im Kern der Aussage Recht - Seriennahe bleiben. Aber im Speziellen laufen Deine Vermutungen aus der Bahn. Und Vermutungen sind keine gute Basis für eine zielgerichtete Kommunikation oder Erfahrungsaustausch. Daher wäre zuerst die Frage "war der Riemen alt?" angebracht gewesen. :idea:

Liebe Grüße,
Andreas
Kuno
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Re: Tunesien im Herbst 2012 - Video und Bildbericht

Beitrag von Kuno »

Andreas Pflug hat geschrieben:Allerdings schwenkt er nun für weitere Reisen auch auf eine Landrover Basis um.

Das ist doch mal ein Wort :!:
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