Nach der Nasendasselfliege in der Sahara (siehe viewtopic.php?p=45167#45167), die Tumbu- oder Mangofliege oder auch Cordylobia anthropophaga weiter unten in den Tropen...
Neulich waren wir bei einem Freund zu Hause und der Tierarzt drueckte beim Hund an einem Furunkel rum... Da kam dann ein "Mangowurm" raus! Ich hatte schon viele Geschichten ueber ihn gehoert, jedoch nie persoenlich kennengelernt. Der Wurm, der eigentlich eine Made ist, kann sich's aber auch bei uns Menschen bequem machen...
Die deutsche Botschaft in Accra schreibt dazu:
Ueber diese Fliege gibt's auch einen Artikel im Wikipedia : http://de.wikipedia.org/wiki/TumbufliegeEkelige Plage: Maden der Mangofliege
Gut anngekommen und weitgehend eingerichtet in Ghana möchten die meisten Ausländer Land, Leute, Klima und auch die gewählte Arbeit genießen. Bei aller gewünschten Leichtigkeit und Unbeschwertheit sollte hierbei im Alltag die mögliche Prophylaxe und ratsame Umsicht bezüglich medizinischer Belange nicht auf der Strecke bleiben. Manches Gesehene und Erlebte kann und sollte unter die Haut gehen, die Schmarotzer bzw. Parasiten möchten wir in dieser Hinsicht mit Vorsichtsmaßnahmen lieber vermeiden.
Im westafrikanischen Bereich südlich der Sahara gibt es u.a. die Fliegenmadenerkrankung, die Myiasis, die durch ihre Anschaulichkeit und das Gefühl „lebendes Getier“ in sich zu haben, beim Betroffenen leicht und verständlicherweise Ekel hervorrufen kann. Ausgangspunkt in Westafrika/Ghana ist vorrangig die Fliege Cordylobia anthropophaga, auch bekannt als Mango- oder Tumbu-Fliege (tumbu fly, mango fly, putsi fly, ver du cayor). Die Kennzeichnung als anthropophaga gibt Phantasiebegabten schon reichlich Nahrung, ich denke an kleine Menschenfresser und verscheuche rasch die weiteren aufkommenden Bilder. Die Fliege selbst ist gelb-braun und schwierig von anderen Fliegenarten zu unterscheiden. Ihre Hauptaktivitätszeit ist der frühe Morgen und späte Nachmittag; sie ruht an schattigen Plätzen. Die zahlreichen Eier legen die Weibchen bevorzugt auf sandigen und mit Urin oder Kot verschmutzen Böden, teilweise aber auch auf Wäsche, insbesondere wenn sie auf dem Boden und im Schatten getrocknet wird, nicht im prallen Sonnenlicht. Die sich aus den Eiern entwickelnden ersten Larven halten dann Ausschau nach einem geeigneten Wirt für die Weiterentwicklung, in der Regel sind das Hunde (hauptsächliches Reservoir im häuslichen Umfeld) und Nagetiere. Der Mensch ist nur ein Zufallswirt.
Die kleinen Larven sind sehr robust und können ohne Nahrung bis zu 9 Tage überleben. Lauernd und sozusagen Ausschau haltend reagieren sie auf Wärme und Vibration und fühlen sich somit auch von der menschlichen Haut angezogen. Nach Anhaftung kann die Larve sofort schmerzlos und unbemerkt durch die intakte Haut eindringen (innerhalb ca. einer Minute).Vorrangig geschieht das am Rücken und im Nacken-Hals-Bereich, doch alle Körperstellen, die mit dem kontaminierten Boden bzw. der Wäsche in Kontakt kommen, können betroffen sein. Es bildet sich in den nächsten Tagen eine kleine Papel, zudem häufig leichter Juckreiz und stechende umschriebene Schmerzen. Im Verlauf Größenzunahme, klinisch könnte man an eine „Eiterbeule“ denken, zudem mögliche Sekretion aus einer entstehenden kleinen Öffnung. Die Entwicklung bis zum dritten Larvenstadium dauert ca. 8 – 12 Tage, dann ist die Larve oder Made bei genauer Inspektion erkennbar. Die Region der Atemlöcher am Hinterende erscheint als dunkle Linie oder dunkler Fleck nahe der Haut und gilt als charakteristisch. Bei Berühren kann sich die Larve bewegen und in die Haut zurückziehen.
Wenn man die Öffnung mit Vaseline – manche empfehlen auch Speckscheiben – verschließt und damit die Sauerstoffzufuhr stoppt, wandern die Maden etwas aus, sie kommen hervor und können in der Regel durch beidseitigen Druck auf die umgebene Haut wie ein kleiner Fremdkörper entfernt werden. Im frühen Stadium wartet man eher etwas ab, da das Herausdrücken schwierig sein kann und Manipulation und verbliebene Reste eine heftige Entzündung auslösen können. Aus den möglichen Entzündungen können Narben resultieren.
Meistens heilen die „Beulen“ gut ab und es sind keine Antibiotika notwendig, das Krankheitsbild ist in der Regel nicht bedrohlich.
Als Vorbeugung sollte Wäsche nicht im Schatten oder auf dem Boden getrocknet werden, am sichersten vermeidet man eine Kontamination mit den Eiern im fliegenfreien Haus oder bei Benutzung des Wäschetrockners. Und die Wäsche – gerade Bettwäsche und Handtücher – sollte bei Außentrocknung gut und beidseitig gebügelt werden. Zudem sollte man sich nicht unbedeckt auf schattigen, sandigen Boden legen.
Dr. Heike Johannsen, Regionalärztin, Botschaft Accra
Weitere Infos (auf Franzoesisch), siehe http://www.inra.fr/internet/Hebergement ... -et-al.pdf, da gibt's auch ein paar Bilder.
Mahlzeit!
Gruss,
Christelle




