Eine aktuelle Meldung der GeoSentinel:
Deutschland /Libyen: Malariaimport aus dem Fezzan?
Beschreibung: Eine deutsche Reiseleiterin ist nach ihrer Rückkehr aus Libyen (SW) an P.falciparum erkrankt. Sie hatte sich auch im Fezzan, einem früheren Endemiegebiet für Malaria, welcher oft von nomadisierenden Tuaregs aus dem Süden (Niger) aufgesucht wird, aufgehalten und dort campiert. Die genaue Infektionsort ist aber noch nicht bekannt.
Folgen für den Reisenden: Risiko gering. Lokale Importe von Malaria in die nördlichen Gebiete der Sahara sind möglich, deshalb soll immer ein optimaler Mückenschutz durchgeführt werden. Bei Fieber nach einer solchen Reise an Malaria denken und eine Diagnostik durchführen.
Robert
Malaria ex Libyen
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Roger-Tecumseh
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Re: Malaria ex Libyen
Robert hat geschrieben:Eine aktuelle Meldung der GeoSentinel:
Deutschland /Libyen: Malariaimport aus dem Fezzan?
Beschreibung: Eine deutsche Reiseleiterin ist nach ihrer Rückkehr aus Libyen (SW) an P.falciparum erkrankt. Sie hatte sich auch im Fezzan, einem früheren Endemiegebiet für Malaria, welcher oft von nomadisierenden Tuaregs aus dem Süden (Niger) aufgesucht wird, aufgehalten und dort campiert. Die genaue Infektionsort ist aber noch nicht bekannt.
Folgen für den Reisenden: Risiko gering. Lokale Importe von Malaria in die nördlichen Gebiete der Sahara sind möglich, deshalb soll immer ein optimaler Mückenschutz durchgeführt werden. Bei Fieber nach einer solchen Reise an Malaria denken und eine Diagnostik durchführen.
Robert
Malaria war ueber Jahrhunderte auch in Europa sehr praesent. Von den britischen Inseln (z.B. siehe Shakespeare) ueber Skandinavien bis nach Sibirien. So trifft man bis ins 20.Jh. in Europa (besonders in der Naehe von Sumpfgebieten) auf diese Krankheit, die - unzulaessig verkuerzt - in der Oeffentlichkeit ausschliesslich als tropisch existiert, obwohl die Anopheles durchaus in kaltem Klima ueberlebt! Nahezu vollstaendig ausgerottet erst durch den - auch bei uns - massiven Einsatz von DDT, als diese Substanz noch nicht verboten war.
Inzwischen ist absehbar, dass vor allem in Suedeuropa ausgedehnte fruehere Infektionsgebiete erneut entstehen koennten. Hinzu kommt, dass die sich Anopheles gambie offenbar in zwei verschiedene Arten aufgespaltet hat, wodurch die wirksame Bekaempfung vielleicht nur genetisch moeglich sein wird.
Du kennst den Begriff "Flughafen-Malaria", mit dem der weltweite Tourismus nun seit Jahren auch in in noerdlichen Industriestaaten diese Krankheit ab und an wieder in die Schlagzeilen drueckt.
Ich halte Deinen "aktuellen" Hinweis deswegen fuer eine Nicht-Meldung. Ob ein isolierter Malaria-Fall nun "ex Libyen" ist, oder ex-yyy, ist eigentlich medizinisch unerheblich. Unter bestimmten Bedingungen erfolgt die Uebertragung auch in Tunesien, Marokko oder sonstwo. Erst epidemische Ereignisse sollten - und dann aber wirklich ! - alarmieren.
(Dein vorsorglicher Hinweis: bei Krankheitszeichen nach einer Reise den Arzt aufzusuchen gilt sicher in jedem Fall - und weltweit!)
Mein Einwand aendert nichts daran, dass ich ansonsten Deine Erlaeuterungen aus der Praxis immer fuer wichtig halte und sie mit Gewinn lese!
Re: Malaria ex Libyen
Aus epidemiologischer Sicht hast du Recht, da ist meine Meldung unerheblich. Denn ein Fall, welcher möglicherweise sich in Libyen infiziert hat, ist ohne vorliegende Epidemie vor Ort unbedeutend. Genaugleich wie jede Flughafen-Malaria epidemiologisch unbedeutend ist.
Aber, und darum geht es mir bei solchen Meldungen, möchte ich den Reisenden auf mögliche 'Gefahren' sensibilisieren. Denn darum geht es ja in der Reisemedizin: ich muss ein Individuum beraten und auf Gefahren hinweisen. Für das Individuum spielt es keine Rolle, ob vor Ort noch andere Personen erkrankt sind. Sondern für ihn persönlich, geht es nur um seine Gesundheit. Bei einer Epidemie vor Ort steigt natürlich das individuelle Risiko, aber ein Risiko, wenn auch nur gering, besteht auch ohne Epidemie. Denn es braucht nur eine infizierte Anopheles. Das beweist ja die Flughafen-Malaria.
Zudem ist es oft schwierig genaue epidemiologische Daten von Ländern zu bekommen. Beziehungsweise fehlt zum Teil sogar diagnostische Mittel, um beweisen zu können, ob vor Ort Krankheiten gehäuft auftreten (siehe Dengue Fieber in Afrika). Deshalb können Meldungen von infizierten Reisenden Hinweise auf lokal gehäuftes Auftreten einer Krankheit geben.
Dir war wohl klar, dass du eine Malaria auch in einem Wüstentstaat, wie Libyen, Marokko, Tunesien etc, wo laut allen Karten, keine Malaria vorkommt, bekommen könntest. Ich denke aber, dass die grosse Mehrheit, das nicht wusste.
Deshalb bei unklarem Fieber auch an eine Malaria denken und die Diagnostik durchführen.
Robert
Aber, und darum geht es mir bei solchen Meldungen, möchte ich den Reisenden auf mögliche 'Gefahren' sensibilisieren. Denn darum geht es ja in der Reisemedizin: ich muss ein Individuum beraten und auf Gefahren hinweisen. Für das Individuum spielt es keine Rolle, ob vor Ort noch andere Personen erkrankt sind. Sondern für ihn persönlich, geht es nur um seine Gesundheit. Bei einer Epidemie vor Ort steigt natürlich das individuelle Risiko, aber ein Risiko, wenn auch nur gering, besteht auch ohne Epidemie. Denn es braucht nur eine infizierte Anopheles. Das beweist ja die Flughafen-Malaria.
Zudem ist es oft schwierig genaue epidemiologische Daten von Ländern zu bekommen. Beziehungsweise fehlt zum Teil sogar diagnostische Mittel, um beweisen zu können, ob vor Ort Krankheiten gehäuft auftreten (siehe Dengue Fieber in Afrika). Deshalb können Meldungen von infizierten Reisenden Hinweise auf lokal gehäuftes Auftreten einer Krankheit geben.
Dir war wohl klar, dass du eine Malaria auch in einem Wüstentstaat, wie Libyen, Marokko, Tunesien etc, wo laut allen Karten, keine Malaria vorkommt, bekommen könntest. Ich denke aber, dass die grosse Mehrheit, das nicht wusste.
Deshalb bei unklarem Fieber auch an eine Malaria denken und die Diagnostik durchführen.
Robert




