Kuno hat geschrieben:SWR3 meldet gerae, dass die Franzosen ihre botschaften angewiesen haetten, nach Kaufinteressenten fuer den Impfstoff zu suchen. Sie haben gemerkt, dass sie von den 100 Mio eingekauften Impfungen nur etwa einen Dittel brauchen
Wetten dass demnaechst irgendwo in einer netten Ecke der Erde, wo noch Franzoesische Einflusssphaere herrscht der einheimische Chef nun auf die Idee kommt, dass sein ganzes Volk sofort eine Impfung braucht
Wie immer, ist auch hier die Sachlage ein wenig komplexer, als aus schnellen Meldungen geschlossen werden sollte!
Frankreich hat in den zurueckliegenden Jahren drei grosse Skandale auf dem vorbeugenden Gesundheitssektor durchlebt! Der letzte: in der sommerlichen Hitzewelle vor wenigen Jahren starben 15 - 20 000 Menschen innerhalb weniger Wochen. Da es meist alte Leute waren, starben sie - zunaechst - unbemerkt und leise; sie waren ploetzlich einfach nicht mehr da. Es stellte sich danach ein flagrantes Versagen der Behoerden (auch Hospitaeler) in der akuten Phase der Hitze heraus. Der Schock aus diesem administrativen Versagen wirkt bis jetzt!
Die aktuelle Gesundheitsministerin (Beruf: Pharmazeutin) hat - nach eigenem Bekunden - nicht etwa die fraglichen (genuesslich in den Medien kolportierten) 94 Millionen Dosen Grippeimpfstoff gekauft, sondern nur die Haelfte! Fuer die andere Haelfte besteht eine Kauf-OPTION, was bei grossen Abschluessen international die Regel ist. Als diese Vertraege geschlossen wurden, ging man noch von ZWEI notwendigen Impfungen aus. Erst spaeter reduzierte die WHO auf EINE Impfung.
Generell geht man bei Pandemie-Vorbeugung von einer "Durchimpfungsrate" von maximal 50% der Bevoelkerung aus. Geimpft sind in F (63 Mill. Einwohner) bisher ca. 5 Millionen. Die Vorraete waren also - besonders mit heutigen Erkenntnissen betrachtet - zu hoch kalkuliert.
Entscheidend sehe ich hier aber nicht ein politisches Versagen, sondern eine grundlegende Unsicherheit gegenueber allen Gefaehrdungen unseres sozialen Lebens. Je mehr (sich auch widersprechende) Teilinformationen vorliegen, desto schwieriger wird die Konklusion! Niemand scheint mehr zu ahnen (von Wissen nicht zu reden!), wohin die Reise geht. Die jeweils getroffenen Massnahmen beruhen auf oft zweifelhaften Informationen, die zu ueberpruefen, KEINE ZEIT bleibt. Die unausweichliche Verunsicherung fuehrt dann zu einer tiefen Vertrauenskrise, die wiederum das gesamte System (hier: Demokratie) in Frage stellt! (Und da schaegt dann wieder die Stunde der Superklugen, die reale Komplexitaet durch die intellektuelle Simplizitaet, die ihrem Strickmuster entspricht, ersetzen moechten!)
(Kuno, auf dessen Bemerkung ich ja hier antworte : Damit es klar bleibt - der letzte Satz bezieht sich nicht auf Dich!

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