Ausverkauf von Kultgegenständen im Dogonland.

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Manfred
Beiträge: 34
Registriert: Fr 30. Mär 2007, 13:46
Wohnort: Koblenz

Ausverkauf von Kultgegenständen im Dogonland.

Beitrag von Manfred »

Bei unserem letzten Besuch in Mali November 2008, sprachen wir unter anderem mit
Jutta (Mankante) über einen zunehmenden Run auf Kultgegenstände
wie alte Masken und holzgeschnitzte Figuren speziell aus dem Dogonland.
Geschickte Händler versuchen die Gegenstände im Dogonland billig
aufzukaufen und dann an die Touristen teuer weiter zu verkaufen.
Man hat schon die Dogon aufgefordert diese Kultgegenstände nicht zu
verhökern, sondern den Touristen nur zu zeigen und entsprechend in
kleinen Museen auszustellen. Aber scheinbar ist Bargeld auch hier inzwischen zu einer großen Macht geworden.
Jutta trägt sich mit dem Gedanken ein privates Museum als Stiftung
zur Erhaltung der Kultur zu gründen und die Kultgegenstände im
Land zu belassen. Sie möchte ein Haus anmieten und stellt Ihre
Sammlung dort aus und will Sie auch im Land belassen.
Sie sucht Sponsoren die ihr dabei helfen.
Wer kann helfen ,oder kennt einen der helfen kann?
Roger-Tecumseh
Beiträge: 2066
Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37

Re: Ausverkauf von Kultgegenständen im Dogonland.

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Hallo,

ich schicke voraus, daß ich die idealistische Motivation zu diesem Projekt sehr gut verstehen kann. Vielleicht aber sollte man trotzdem immer wieder einen Blick auf die realen Umstände im Dogonland werfen.

Einige der Dörfer haben sich voll dem Tourismus "geöffnet". Ihre plakativen Kulthandlungen und Tänze werden von Reiseunternehmen fürstlich - gemessen an den materiellen Gegebenheiten dort - entlohnt. Die Dogon fertigen nun mit bewundernswerter Meisterschaft Skulpturen und Masken, die direkt oder über Mittelsmänner zum Verkauf angeboten werden. Ethnologisch und kultisch betrachtet, sind dies Repliken. Keine dieser Masken hat getanzt, keine der Skulpturen wurde beopfert. Wirklich alte Kultobjekte werden sorgsam verwahrt (oft auch in den ehemaligen Behausungen der Telem). Natürlich ist der internationale Handel genau an diesen raren Objekten brennend interessiert. Man gebe sich deshalb keinen Illusionen hin: die dafür verlangten (und erzielten) Preise sind enorm - und nicht erst seit gestern (wer mal Zugang zu den - nicht immer sauberen - Mittelsmännern hat, wird dort Prospekte internationaler Handelshäuser finden.) Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese, im Sinne des Kultes echten, Objekte für andere, als die schon mal erzielten, Preise hergegeben werden.

Trotzdem ist es aber nicht dieser Ausverkauf, der die Dogon-Kultur unterminiert. Es ist schlicht die Begegnung mit der modernen Welt, die viele Dogon (eine große Zahl arbeitet zudem in den Städten und kommt gelegentlich bis regelmäßig in die Dörfer der Falaise zurück; von den dorthin strömenden Touristenmengen gar nicht erst zu sprechen) ihrer absolut sensationellen und rätselhaften animistischen Welterklärung entfremdet - inzwischen gibt es ja auch Kirchen und Moscheen. Dieser Vorgang ist irréversible - noch ein Museum mehr, wird daran nichts ändern können. Zudem: was im Museum steht, ist auch dem Kult entzogen!
(Am unkultischen Rande: Vor rund hundert Jahren haben europäische Künstler gegen Museen revoltiert. - Die Ironie der Geschichte hat dazu geführt, daß gerade ihren Werken nun dort die Ehrenplätze zukommen!)

Im Gegensatz zu den erwähnten Dörfern, gibt es wenige andere, die sich - mit einer gewissen Verzweiflung - diesem Tourismus verschließen und deshalb - im Vergleich zu ihren "cleveren" Landsleuten - arm bleiben. Nur verständlich, wenn nun dort auch Neid an, in Jahrhunderten bewährtem, Zusammenhalt nagt. Was wäre aber erreicht, wenn auch ihre Kultobjekte statt in Tabu-Bezirken nun in einem Museum stehen würden?

Nein, wer den Dogon als Ethnie zu einer Zukunft verhelfen wollte, der müßte dort Schulen bauen - wohl wissend, daß damit der Kulturwandel erst recht nicht aufgehalten werden könnte.


Gruß

Roger-T.
toyo
Beiträge: 83
Registriert: So 11. Dez 2005, 22:47
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Re: Ausverkauf von Kultgegenständen im Dogonland.

Beitrag von toyo »

wir sind 2006 einige dörfer abgefahren.überall gab es schulen,die zum teil leer standen,da es keine lehrer gibt.in einem dorf sahen wir,wie die animistischen dogons in ihrem dorf für den lehrer aus bamako eine moschee errichten mußten.sonst wäre der lehrer nicht gekommen.ein netter lehrer - oder ? was können kinder von diesem lehrer lernen - intoleranz ?
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